Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 2-3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Ztz?Uil, 17. Januar ISIS Der Gemeindebare. Lrllssr zur ,,Ml«rmrtnen Lrttun« dkß Iudrntllmß". iuji m n ji , ... SorrrsponLrnrm und Oachrichten. SeutschlanL. E. M. Berlin, 14. Januar. Der Verband jüdischer Jugendvereine behandelte an seinem letzten Erörterungsabend, der wieder gemeinsam mit dem Berliner Jugendbund veranstaltet wurde, den jüdischen Kongreßgedanken. Der Verbandsvorsitzende Rechtsanwalt Dr. Apfel referierte über die Kongreßbewegung, für die er sich mit warmen Worten aussprach. Er bezeichnete die Kongreßidee als wichtigste Gegenwartsfrage, die keine zionistische Pariteiangelegenheit sei. „Die Orthodoxie, die heute die nationale Seite des Judentums wieder stärker zu« betonen besinnt, scheint dem Konoreßaedanken oeneiat. so baft beute sich etwa 50 000 bis 75 000 deutsche Juden — Zionisten und Orthodoxe — bereits für den Konoreßaedanken entschieden baben dürsten. Wenn die Mehrheit der deutschen Juden, wie üe im Eentralnerein. in den Logen und im Jugendverband vereint ist, sich der Konareßbewegung anichließt. würde D^ntschland einen wirklich leaitimierten jüdischen Kongreß besitzen. Die Stellung dieser Kreise wird von der Entscheidung des JugendverbandeS ganz wesentlich beeinflußt werden. Unsere Verantwortuna ist daher unendlich grob. Endgültig kann die Kongreßtraae. welche die tiefsten Dieken des jüdischen Problems berührt, kür uns nur von unserem Deleaiertentga entschieden werden. Wer aerade als Nichtsionist und als glühender deutscher Patriot weise ich aus die Hobe Bedeutung des Augenblickes hin. Ich bemerke dazu ausdrücklich, daß ich mich am Kongreß nur als ausgesvrochener Richtzionist und unter nachdrücklicher Retonnno meiner unlöslichen Nerbundenheit mit dem deutschen Volke beteiligen würde, unter selbstverständlicher Anerkennung des Solidaritätsgefühls und der Schicksalsaemeinschast aller Juden. Der Kongreß wird uns nicht nur in unserem Bruderqefühl stärken, sondern auch im Kampfe oeaen den Antisemitismus, der nie so heftig und gefährlich war wie heute. Vor allem würde der Kongreß die drohende Isolierung des deutschen Judentums verhindern und uns den notwendigen Zusammenhang mit den Juden der ganzen Welt sichern, den wir heute mehr als je bedürfen." Herr spritz Cohn sKattowitzl erklärte, daß der Kongreßgedanke in allen Kreisen des orthodoxen Judentums mit Ausnahme der frankfurter Trennunasorthodoxie mit Begeisterung ausgenommen worden ist. „Nur der Kongreß bann die notwendige Einigung im deutschen Judentum schaffen. Die Hauptfrage ist für uns die Gleichberechtigung. Die Zweifel am jüdischen Volkstum entstehen aus der Unklarheit in dem Begriffe Staat und Volk. Die Volkszugehörigkeit ist angeboren. Die Staatsangehörigkeit kann erworben und verloren werden, wie die Millionen von Juden beweisen, die durch die großen politischen Umwälzungen ihre alte Staatsangehörigkeit verlieren werden." Fräulein Dr. Cova Berliner ist durch Dr. Apfels Ausführungen davon überzeugt worden, daß es gut und notwendig ist, wenn das deutsche Judentum an der Kongreßbewegung teilnimmt. Ein jüdisches Volkstum kann die Rednerin nur in Form einer Schicksalsqemeinschaft aller Juden anerkennen, mit denen sie ein starkes Solidaritätsgefühl verbindet. Wem dieses Gefühl abgeht, ist für sie kein Jude. Wenn der Kongreß zustande kommt, ohne daß man von den deutsch emtpsi-ndenden Juden die Entäußerungder deutschen Volksgemeinschaft fordert, so wird sie ihn mit Freuden begrüßen. Herr Nahum Goldmann erklärt, daß die Kongreßbewegung alle Juden in Deutschland umfassen soll, die die jüdische Volksgemeinschaft anerkennen, unbeschadet ihrer Staatsbürgereigenschaft, die auch den Zionisten ein ernster und tiefer Begriff ist. Der Kongreß soll nicht nur spezielle deutschjüdische Fragen lösen, sondern ein Glied in der Kongreßkette sein, die das ganze Judentum durchzieht. Entscheidend ist die Frage, ob der einzelne die neue Ent-, Wicklung des Judentums und seiner Politik bejaht. Wer das tut, gehört zu den Wählern des Kongresses, auch wenn er außerdem zum deutschen Volkstum sich gehörig fühlt. — Rechtsanwalt Dr. Apfel spricht sich im S ch l u ß w o r t mit warmen Worten für die Kongreßbewegung. aus. „Der Kongreß wird den Boden für eine neue Juden- Politik allergrößten Stils vorbereiten. Wir können unser Handeln nicht mehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Bekämpfung des Antisemitismus einrichten, sondern wir müsien von Positiven, wirklich jüdischen Gesichtspunkten ausgehen. Durch einen demokratisch gebildeten Kongreß, an dem sich die gesamte deutsche Judenbeit beteiligt, würde Deutschlands Judenschaft vorbildlich wirken. In diesem jüdischen Kongreß in Deutschland wird die Mehrheit immer in der Laae sein, ihren deutschvatriotischen Standpunkt in nachdrücklicher Weise zur Geltung zu bringen." — Die Stellungnahme der Redner löste lebhaften Beifall aus. Berlin. 14. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 30. v. M. im Sitzunassaale der Svnaaoae Fasanenstraße seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach Eröffnung der Situ na und Verleluna des Protokolls der vorjährigen Mitgliederverfammluna erstattete der Schatzmeister Herr Renas Levp den Geschäftsbericht und machte der Versammlung die erfreuliche Mitteilung, daß dem Verein im verflossenen Jahre von dem Mitaliede Herrn Ludwig Vogelsdorf in Tirma. M. Borckard Vachs, ein Legat von 10 000 Mark und von dem Mitglied Herrn Sie am und Sal inner aus Anlaß seines 00. Geburtstages eine Svende von 300 Mark zuaeaanaen sind. Er hob ferner mit Genugtuung hervor, daß ein großer Teil der Mitglieder die im September vorigen Jah-r-es mittels Rundschreibens an sie gerichtete Bitte um freiwillige Erhöhung des Jahresbeitrages auf mindestens 10 Mark bereitwilligst erfüllt habe. Die Einnahmen hätten, trotz manchen Abaänaen und fonstiaen Ausfällen. keine Derrinaeruna erfahren, aber die Ausgaben, durch die allgemeine Teuerung verursacht, wären bedeutend gewachsen-, sie machten sich b^i den Veranstaltungen des Vereins und bei der Herausgabe des Jahrbuches besonders stark fühlbar. Er sähe sich darum veranlaßt, an die Versammlung die dringende Bitte zu richten, dem Verein immer mehr neue Trenn de und Gönner zu gewinnen, damit er. wie bisher, so auch ferner in seiner Wirksamkeit ungehemmt den an ihn gestellten Ansprüchen Nachkommen könne. Hieran anschließend aab er den Kassenbericht, demzufolge die Einnahmen 10 455,33 Mark, die Ausgaben 15 767.26 Mark und der .Kassenbestand 638.12 Mark betragen. Ans Antrag der Revisionskommission, erfolgte einstirnmuna die Entlastung., wobei dem Schatzmeister für leine umsichtige Kassensührnna und unermüdliche Tätigkeit zum Resten des Vereins und seiner Bestrebungen vom Vorsitzenden mit herzlichen Worten der Dank der Versammlung zum Ausdruck gebracht wurde. Bei den hierauf vollzogenen Wahlen wurden m besonderen Mahlgängen die beiden Vorsitzenden Dr. Jsmar E l b o a e n und Chefredakteur I. Landau sowie der Gefamtvorstand und die Revisionskommission durch Zuruf wiedergewählt. Zufolge eines Antrages aus der Mitte der Versammlung wurde beschlossen, den Preis des Jahrbuches für die Literatur- Vereine in Anbetracht der ungeheuren Steigerung der Herstellungskosten um 10 Prozent geaen den des Vorjahres zu erhöben. Zum Schluß referierten die Herren Benas Levv und Dr. Rudolf Leszpnskp über die Arbeiten des Komitees für die zu begründende jüdische Volkshochschule, deren Ausführungen die Aufmerksamkeit der Versammlung in hohem Grade erregten. Nach einer längeren einfetzenden Aussprache, an der sich die Herren Dr. I. E l b o g e n , Rechtsanwalt L o e w e n t h a l . Gebeimrat Professor Dr. R o s i n u. a. lebhaft beteiligten, wählte die Versammlung die vorgeschlagenen Delegierten in das vorbereitende Komitee und bewilligte für die iüdische Volkshochschule, deren Eröffnung für die nächste Zeit in Aussicht gestellt ist, einen Jahresbeitrag von 1000 Mark. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildeten die Festsetzung des Haushaltes für das Jahr 1919 mit 14 500 Mark und die Bewilligung verschiedener Subventionen. A. R.-B. Berlin, 14. Januar. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer. Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" hielt eine ihrer, letzten Sitzungen als Gedächtnisfeier für Hermann Cohen ab. Es waren an 100 Personen anwesend, darunter die Angehörigen Hermann Cohens. Nach dem von Herrn Oberkantor Wilhelm Friedma n n mit Violine- und Klavierbegleitung vorgetragenen „Largo" vru