Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 2-3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Larrschung ist. tot« ich eben evtoähnt, und unter keinen Umständen zur Twtjache werden kann, und Deshall) komme ich zu Ihnen. Ja, ich wut Sie aufforDern, überreden, unD wenn es sein könnte, isogar auch zwingen, daß Sie mich meinem Gatten entführen! Jcy war wahnsinnig genug zu glauden. Daß Sie Ihren Stolz. Ihre Aussichten, Ihre ganze Zukunft mir opfern werden S»e sollen alle Diese Folgen für eine unglückliche Frau auf sich nehmen), für Die, wie sie glaubt. Daß es eme Zeit gegeben, wo sie Ihnen mehr als eine Fremde war. Das, Herr Stromer, ist Der Zweck meines Kommens. Wollen Sie mir auch fetzt noch Dafür Danken?" „Jawohl, Frau Klatzner, auch jetzt noch", erwiderte er ruhtg lächelnd. „Sie spotten meiner", rief sie händeringend. „Sie scheinen als einen Scherz aufzufassen, was für mich den Tov bedeutet! Um Des Himmels willen, lassen Sie mich alles zu meiner VerterDigung sagen, ehe Sie mir die Tür weifen! Ich komme zu Ihnen, weil ich ern Anrecht aus Sie habe. Ich habe Ste tu ver letzten Zeit gehaßt, weil ich all Dies für Fyr Werk Hielt. Auch Sie haben sich Dies eingebiwet, weil Sie es mir ja danmts angeoroht. Ätögllch, Daß Sie auch jetzt noch so oenten und vielleicht gar stolz Daraus srnv. Mer wrr waren vewe im Irrtum: Dieses VerDiensi oDer dieser Frevel — Sie mögen es nehmen, für was Sie wollen — gebührt nur Gott allein. Der mir Diesen Gedanken eingegeben. Es mögen wohl vervvrgene Kräfte vorhanden sein, von Denen wir arme Stcrdtlche keine Ahnung haben; aber ich weiß es bestimmt: nicht Sie warenan jenem SommerabenD vor meinem Fenster, nicht Ihre Augen gaben mich aus dem Dunkel angestarrt. Die Einer Seele Dw>e Furcht emgejagt; nicht Ihre Stimme hat Damals de: dem )sottesDien,l auf Der Straße zu mir gesprochen; es war auch nicht die Kraft Ihres Geistes, gegen Den ich alle Diese Ltouate Ichwer gerungen, Dis ich untertegen: Sie waren gar nicht Sie jetosi; Sie waren nur Die Verkörperung meines christlichen Gewissens, Das beständig, ununterbrochen seine Stimme ertönen ließ, bis ich keine Ruhe fand unid dlejer Stimme gehorchen mußte. Ich habe Ihnen unrecht getan, daß ich Sie gehaßt. Laß ich mich sogar an- Ihnen rächen wollte. Dafür will ich Abbitte leisten, und lassen Sie dieses Geständnis, das mich in Den Staub Demütigt, meine Reue sein. Herr Strömer, so wahr Sie ein Christ sind, vergeben Sie mir, daß meine Seele nicht auch, noch mit Diesem Unrecht belastet bleibt." . Er blickte sie noch immer mit dem rätiselhasten Lächeln an. „Frau Klaßner," sprach er endlich langsam, ,D«s Unrecht, das Sie mir angetan,, und Die Rache, die Sie an mir nehmen wollten, vergebe ich Ihnen ausrichttg, mit ganzem Herzen. Das Gräßliche aber, Ihr sogenanntes Besreiungsmittel," er schauerte innerlich zusammen, „Ihnen Das zu vergeben, Vas vermag ich nicht." -(Fortsetzung folgt.) Litrrsnlche Mitttiluugm. — Alfred Jeremias: „Das Alte Testament im X51 ct) te des a lten Orients". Dritte (deutsche), völlig neu bearbeitete Auflage. Mit 306 Abbildungen« und 2 Karten nebst ausführlichen Motiv- und Sachregistern. 702 Seiten. Leipzig, I. C. Hinrichs, 1916. M. 18,50, geb. M. 21,—. Jeremias? Buch gehört zu den besten und belehrendsten Büchern über den- Zusammenhang des politischen, wirtschaftlichen.un«d religiösen Lebens des alten Israels mit der. Gesamtkultur der alten Orientvölker. Mit sicheren Strichen zeichnet der Verfasser das.'Bild des alten Orients und -läßt Israel in seinem politischen und kulturellen Leben als empfangenden . und gebenden Teil dieser großen. Gesamtheit vor uns erstehen. Was dem Buche seinenbesonderen Wert verleiht, ist die reiche Zahl der Zeugnisse aus den Literaturen der Babylonier, Asshrer, Aegypter und Kananäer, die in einer breiten Ausführlichkeit abgedtuckt sind Md die Möglicytei-r des Vergleiches erleichtern. Besonders wertvoll ist die Karre zur vlvU)chen Vöttertafel, Genesis Kap. 10, uno die dem Kapitel oergegevene vtachweifung. (Line ftüUe von Gelehrsamkeit und von erLeunmisföroernden Angaben ist indem Buche zufammengeiragen, f-o daß es neben Schräders vielberühmtem Buche „Die ^erUllichrifren und das Alte Testament" als p.andbuch für alle fragen gelten tann, die rn das Gebiet, des Zusammenhanges von Israel mit den Kulturen des vorderen Orients gehören. und oas >LZuch unrerfcherdei sich vorterthaft von vielen landläufigen Darf reu un gen der altlfraelitifchon Geschichte. Der taffen v\t oer Gedanre einer literarischen. Abhängigiert der biblischen Erzaylungsjwsse von babylonischen Texten. Verlassen ist. der fo ränge von uns berämpsive Gedanre der Wellhausenjchen Schule, daß vre Parriarchenerzähtungen keine historische Wahrheit erhalteri tonnen,, daß nach dem ganzen Ehararter der damaligen Kultur sowohl Traoitlonen oieser Art als auch VerlMmrsfe, wie fre ge» schildert ßuo, unmöglich feien; Versaßer. zeigt, daß die in den ^u.iergejchlchlen berichreren Verhältnisse m allen Einzelheiten zu oem KUlturvilde passen, die uns die Tentmäler für die m Betracyr rmnmenoe Zeit bezeugen. Auch auf Einzelheiten erstreckt stch dies«er Bruch mit Anschauungens, oie in oer zünftigen Bibelexegese bisher als unverbrüchlich sesisiehendes Dogma gauen. Was war z. B. für oiese sicherer acs oie Behauptung, oatz die biblische Sliftshürte nur em rn spalerer ■ö-eu ans romantischen Gründen lürerariifch ronstruiertes Adono ces ^enrpets m Jerusalem feu und nun skellr sich Jeremias auf oen oer Anschauung, daß erstens me Arr eines solchen Baues nach oer «technischen uno runsuerischen- Stufe des Orients zur ötit oer Wu-srenwanoerung Israels sehr wohl möglich ist uno oaß em uwsaischer Kult nach oeu ganzen, inneren Za,<mlmeuhaagea en»en oerarcigen Bau ersoroern rnußre. Bedeutung, oes Aitidrasch Mr die den. biblischen Erzählungen zugrunoe uegeuoen wtoiive uno seeu-schen ^ceoenschwingungeu roir.o rich'tig ermnni uno m ivoyltuenoer uno lvissenschasUichitt Weise gewürdigt. Glicht aues aus dem Buche ist g'latr. und unbesehen hinzunehmen. Bwei ^eoancen smd vor allem oie E-rgeoanlen oer oer Ausdeutung oer oiou-schen Erzählungen.. Erstens, oaß oie Bwel ore Bericht uoer ihre werden oerarr stilisiere, oaß orese als sogenannre L-reuetuu-v ^rtvsergestalren erscheinen, oie em ^ruchzeilauer, in Segenzeltutrer zu verwandeln verufen srno, uno daß diese E>esralreu uu ^iuc oer Bummuzuno Sstris-^eg-eno.e geschnoerr seien, uno zwer.-ens, o.ü.ß eene tiieuje von Worten oeslimntwe A-Lolivworre seien, oer oeueil ore im ganzen ^rrelit oeurtuuen uno verorenelen ^mtloo uum erter uno Erlöser, vom ^.luchuno «L-egenzeirauer, voril >oulmu.uzuno ^flar-Dchchos alSbato vor dem geistigen Auge des Lesers ausslu-riren. So vter ^richtiges der B-er.sas,er ua geschaut huoen uiuy., uno er zeigt sogar euve ecnzayl ^uora.sch>leuen, vn dienen ore ucnerung an so-vche mrlschwingenoen uegeuoen noch vorhanoeuäß, so sehr leidet oie DarsieUung an oer ueoerspannung meser oanreu. Sre werden mm selbstherrlicher und unerträglicher WiUrur behanoe-lt, werden zu einem Schema, m oas schlechterdings aUes hrnemgepreßt wrro; ein so junges ^esl z. B. wie Ehanura wiro, lveu es an ein beslmimres L»to-ri'vworl antlmgl, aus emenr a.tleu Sonnenw«endf>est a-bgeleuet; in der herugen Lade wrro eine 'parauele zu oem aasten gesunden, in ma nach alwr.ientalischen BorjteUungen oer Vielter sich birgt, uno es wrro so willrurlrch eur Auttang au oen Tammuz-^chthos ronslrurerr, u. ogl. rn. Gegen Einzelheiten wäre häufig Wi.derspr.uch zu erheben; z. B. wo hur Verfasser es her, daß „trew" vorneymtich vom Schweur gesagt \eu oeoer Kenner weiß, daß das ein ganz junger sprach» georauch ist.; aber daraus gründet er die Behauptung, daß das ^chwem ver.oolen wurde, weit es dem- Lamnvuz heilig war. Ooer wre kann er mit Berufung auf Genesis 41, 54 sagen: solange Joseph un Gefängnis ist, herrscht Hungersnot? Genau das Gegenteil will dm Erzählung berichten. Aber trotz solchen Einzelheiten und vielen Widersprüchen, die gegen das Schema der Motivstilisierung zu'erheben sind, bleibt das Buch ein sehr wertvolles, für neue bislang nicht beachtete Erklärungsmöglichkei'ten bahnbrechend und fruchtbar anregend. Dienemann (Ratibor).