Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 2-3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Lur. Wische» Mettära. Bon S. Aschner. och immer ist das Jahr der Einführung unseres konsmnten Kalenders heiß umstritten, wie schon daraus hervorgeht, daß in populären Handbüchern, wie in S. Müllers . „Jüdischer Geschichte", Stuttgart 1913, S. 98, oder in Branns vetanntem Buch 1, S. 227, das Jahr 360 n. Ehr. dafür angesetzt wrrd, während die zünftigen Chronologen wie Jdeler, „Handbuch der Chronologie" 1, S. 581, Ginzel, „Handbuch" 1t, S. 80, sich aus das Jahr 344 geeinigt zu haben scheinen. Brann und Müller können srch dabei aus die ältere Forschung berufen, die in Adolf Schwarz' Preisschrrst „Der jüdische Kalender", Breslau 1872 (S. 37), vortvesslrch zusammengesaßt worden ist. Die Frage hat nun mit B. Cohns „Ansangsepoche des jüdischen Kalenders", in den Sitzungsberichten der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften X, 1914, S. 350 bis 354, eine weitere Förderung erfahren. Cohn, von Haus aus Aslvonom an der Straßburger Warte, geht ganz richtig von der Latlutge aus, die bisher übersehen worden zu fein scheint, oaß zum Ausgangspunrr ein Jm/i: gewaqu werden müsse, dessen miltlerer o. h. synodisch berechneter Neumond für den ersten Rwnat Ttschri an einem Freitag morgens 8 Uhr stattgefunden har. Denn zu dieser Zeit soü nach taimudischer Tradition die Schöpfung des Menschen erfolgt sein, dessen Entstehung somit tlefsiNNlgerwelse mit der aller Feit und Zeitrechnung von unseren Allen in Beziehung gesetzt worden i>r. Las gesuchte Jahr yat nun Cohn einwandfrei seslgestellt: es ist 345/46 n. Ehr., an oessen 6. Juni eine totale Sonnenfinsternis über Kleinafteu uno Paläsuna zu beobachten war. Palästina hatte im ganzen 4. Jahrhundert kein solches Schauspiel erlebt. Man hat nun einfach von Neumond n'lla) Tischri dieses Jahres aus volle 216 Mondzyklen zurückgerechnet, um das Jahr 1 der Schöpfung zu erhalten. Bis dahin ist alles gut. Nur Cohns Folgerung, daß dieser Kalender im Jahre 346 unter Hillel II. entstanden sein muß und die Zählung nach Jahren der Schöpfung vorher absolut nicht üblich gewesen sein kann, stößt aus unüberwindliche Schwierigkeiten, wenn man die von Cohn seloer S. 352 angeführten Forschungen von F. Rühl, „Der Ursprung der jüdischen Weltära" (Deutsche Zeitschrift für Ge- Ichlchtswlsfenschast 1«97/98, S. 185 bis 202, 342 bis 344) damit rn Einklang bringen will. Dieser führt den interessanten Nachweis, daß der (lueulus lunaris der Alexandriner und Byzantiner und die christliche Osterrechnung sich mit der jüdischen Rechnung decken, welche demnach lange vor Hillel schon im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. bestanden haben muß. Rühl nennt sogar das Jahr 276, weil sich Anatolios in seiner Oslertafel deutlich aus sie bezieht. Im »Seder Olam", der bei Brann immer noch unter der Fahne des Reb Chalefta marschiert, während dieser tatsächlich nur als seine Hauptquelle.in betracht kommt, wird denn auch schon im Anschluß an dse Heilige Schrift, wie man sie wenigstens verstand, a mundo creato geschichtlich kalkuliert. Rühl glaubt jodcrün, in R. Adda, dem Berechner der Solstitien oder nstvDki, den Begründer unserer Aera (um 250 n. Chr.) gefunden zu haben, worin er mit Schwarz (S. 44) ziemlich übereinstimmt, der dem Hillel nur die mittlere Berechnung derselben im Anschluß an die Vertagungsfälle ni’lTT (Dechijoth) zuschrieb. Cohn selber, der Rühls Arbeit gekannt und herangezogen hat, Hilst sich damit, daß er meint, die Datierung im „Seder Olam" sei nur eine ganz ungefähre gewesen und zu genauerer Fixierung habe sich eben das Jahr 346 erst als nötig herausgestellt, well dort der mittlere Tischri-Neumonb, wie schon erwähnt, auf Freitag morgens 8 Uhr gefallen ist. Nun zeigt aber Rühl, daß stch im „Seder Olam" tatsächlich die Weltära (3761 v. Chr.) mit der heute üblichen deckt. Wie das mit Cohns Aufstellung zu vereinbaren ist, weiß ich nicht. Hier liegt jedenfalls für weitere Nachforschungen Noch manches ergiebige Keld. Hilletß Leistung ist tatsächlich immer noch ungeklärt und der Zustand des jüdischen Kalenders vor und nach ihm durchaus unsicher. Dasselbe gllt insbesondere für die Berechnung des Moled Bharad ('TT.Ta oes sogenannten mittleren Neumonds des ersten Schöpsungstages, des Moleds Tohu (der Oede). Schwarz (S. 50) sagt nur, daß die dem Schöpfungsrag Adams vorhergehenden fünf Tage dabei proleptisch als ein Jahr gerechnet wurden, das Montag abends 11 h lr 20" begann, was ja freilich dem Zahlenwert von Bharad entspricht, aber doch kein Beweis ist. Cohn umschreibt dieselbe Formel nicht viel klarer, indem er vom Schöpfungstag Adams (6 rt 14 h; d — dies, h — hora) 12 mal die synodische Umlaufszeit des Mondes abzieht. Doch was er erhält, steht wirllich orakelhaft so aus: 6 d 14 h — 12 X 29 d 12 h 793 p (p partes) 2 d 5 h 204 p. Ich glaube, diese Subtraktion spottet nicht nur der höheren, sondern sogar der höchsten Mathematik, und möchte folgenden Vorschlag wagen: Von 6d 14 h kann nur, damit 2 d 5 h 204 p, der Moled Bharad, herauskommt, abgezogen sein: 4 d 8 h 876 p. Diese Zahl ist nun aber eine im Kalender gleichfalls fixierte und stellt den Ueberschuß oder Charakter des Mischen Gemeinjahrs dar, im Zaylenwert ausgedrückt mit Pm n 1 oder als Merdwort Dach Tatü (vgl. Schwarz S. 50). Somit wurde der Moled der Schöpfung gesunden, indem man vom Datum der Erschaffung des Menschen den Charatter eines Gemeinjahres abzog. Males Mrnüelslohn in Goethes Merken. — m August 1918 ist der zweite und letzte Band des „Regstiers über Goethes Werte" erschienen (Weimarer Ausgabe), dessen erster Band 1916 ausgegoben war. Ei jährige mühevolle Arbeit, ein stattliches Werk von rund tausend Seiten ist damit zum Abschluß gelangt, ein Goethe-Register, wie wir es bisher in diesem Umfang und dieser Vollständigkeit noch nicht besäßen. Was noch wichtiger, ist der gleichfalls erschienene erste Band, Register zu den Tagebüchern, der das Persönliche noch mehr hervortreten läßt als die eigentlichen Werke. Durch ein solches Hilfsmittel ist es nun möglich geworden, mühelos Goethes Beziehungen zu Personen und Sachen, seinen Aufenthalt in den verschiedensten Städten, die von ihm behandelten Menschen und Gegenstände zusammenzustellen. — Auch der Jnteresfenkreis, ber uns obliegt, wird dadurch mannigfach gefördert. Man braucht nur die zahlreichen Stellen anzusehen, die unter dem Schlagwort: „Israel, Hebräer, Juden" zusammengefaßt find. Auch über manche Juden, z. B. David Friedländer, den Weimarer Bankier Julius Elkan, getaufte Jüdinnen: Mariane v. Etzenberg, Sara v. Grothuß, Rahel Varnhagen, Henriette Herz, finden wir nun bequem alles Bezügliche verzeichnet. Nimmt man dazu die Register zu den Briefen, die schon seit langer Zeit vorliegen, so kann der Goechefreund nun wirklich mit großer Bequemlichkeit sich die Kunde verschaffen, die er verlangt. Ich will im folgenden nur die Stellen überblicken, die sich in Goethes Werken über Mendelssohn finden, wobei ich der Bequemlichkeit halber die Reihenfolge der Bände, nicht den inneren Zusammenhang beachte. Da ist zuerst das Xenion: Moses Mendelssohn: Ja, du siehst mich unsterblich. „Das hast du uns ja in dem Phaedon Längst bewiesen." — Mein Freund, freue dich, daß du es bist. und das in dem Nachlaß befindliche Xenion: