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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-17 · Heft 2-3 (17.1.1919) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 2-3 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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Rabbi Ha!m Mhoum, von hem ich diese Einzelheiten besitze war bescheiden genug einzuräumen daß ihre wahre Stoßkraft die geschilderte Aktion erst von Abraham Elkus, dem ehemaligen amerikanischen Botschafter in der Türkei, erhalten hat. Mit dessen Ankunft — Ende 1916 — die früher in mäßigen Grenzen sich bewegende Wohlfahrtspflege der Konstantinopler Judenschaft zur vollen Entfaltung gelangt war. Auch materiell hat Amerika durch häufige und erhebliche Beiträge am' Hilfswerk in umfassender Weise teilgenommen. Als daher der Großrabbiner sich im vergangenen Sommer in Deutschland aufhielt, machte er einen Abstecher nach Stockholm, von wo aus er die Verhandlungen mit Amerika schneller und erfolgreicher Pflegen konnte. Indessen hat gerade diese großzügige philanthropische Tätigkeit auch aus die einheimische jüdische Bevölkerung unmittelbar gewirkt und ste zur Nachahmung angespornt. Eine besondere „Propagandakommission" ist eingesetzt worden, die rnnerhalo der Konstantinopler Judengeir vtceu» bemerkenswerte Erfolge aufzuweisen hat. So wurden bei der trrrrchlung oer BvtrStücyen ööUOUO Marl auf ov* e r fl e n Anhieb gesammelt. Die Juden in Konstantinvpel haben Geld zu geben gelernt . . . Als Halm Nahoum vor wenigen Wochen das Goldene Horn verließ, um nach Amerua zu reifen, rief er vor seiner Abfahrt oas Zentralkomitee zu einer Sitzung zusammen, in der die dem pylianchroplsaien Werte zusauenden Ausgaben in der Uevergangszeü uno tu der ersten Zeit nach Aoscyluß oes Friedens oesprocyen wurden. Wenn auch ganz anoere Gründe, rote wir gtetcy fegen weroen, seine vretse nach Amerika oeranlaßten, ,ouro er ooch auch diese Angelegenheit nicht aus dem Auge vertieren und rgr dort nt jeder Hinsicht nützlich zu sein sich vestreot zeigen. Zwei Perioden von je zehn Jahren haben wir im Wirksamkeitsoereich Halm plagoum GssendlS unierjchelden können: Sie Zelt vis zu seiner Wahl zum Gyacyam rvascyi und seine Tätigkeit ius Grvpraooitier der turnfchen ZUvem^eu. ltno fast gar es vca Anschein, ats oo mit oec ocunoung oes zweiten Dezenniums ioaoeruui em Avscynitl seiner otShertgen Lvirrsamteic ecue« Avscytuß stnoen uno zugleich etne neue ^aligtetc stcy tym eröffnen soure. Ohnehin pflegt in der Türkei das geistliche Ooerhaupt einer GeNielNschasi etne vtet gewichtigere Steuung elnzuiiehmen ats ,on,c in etttem ^anoe. *>w vorc uqotgie juuiuumuauttpuuiit ecneriells, oec rheolratiscye tLharaner der «LcaalSoersassung andersellS vewlrrlen es, oaß ote religiöse Gemeinde zugleich tu» secoscancnges tmlionates tseottoe c.tauroc) Uliv orc g>ci>cccchc: Zahrcc auch ats potiliscyec Bercretec angesehen wuroe. »seraoe >.i fehlerer Beztegung hat aoer we. Gmatcnz lcagoutn G,fetcvc setnen Gtnsluß oesvnoecs getieno zu machen gewußt. So fcanv cc zu oen oleglerungsrreisen von Amang un tu einem ausgesprochen sreunosllsusrtillsen tdevhattNiSi MN dem Wcvplvcsic --.ucaar Pascya veroano iyn sogar Tuzsreunvschasc. GS rommr hinzu, baß tn oen cetzren Zugren occ amerccanischen Berroewc bei oer Hohen Pfvrre — Morgenryau uno ^uus — Zuoen waren, zu venen er oie besten -Beziehungen unterhielt. Auch nachdem Amerika oeretls ote diplomatischen Beziehungen zu oer Lurrel aogeorocyen halte, oursie oer Grvßraoocuec settien -oercegc mit dem noch tangere Zeit m stantmopel zurückgebliebenen Botschafter Aoraham Elkus ungestört sortsetzen. Hierbei erzählte man sich in der Reichshauptslaot folgendes nette Geschlchtchen: Als es bekannt wuroc, daß Talaat, der damals Minister des Innern war, auf einige Zeit verreisen sollte, kam HcüM Nahoum, um sich mit ihm zu beraten, wie er sich zu verhalten habe. Er wisse, sagte er, daß die amerikanische Botschaft und der amerikanische Botschafter von Spionen umringt seiett. Eine Denunzmtwn töte Äek» Haupt jede falsche Deutung seines Verhaltens könnte nicht nur ihm, sondern bei seiner exponierten Stellung auch der gesamten türkischen Judenheit ungeheuren Schaden zusügen. Daraus habe chm Talaat erwidert: „Fahre nur, auch in meiner Abwesenheit, in deinem Verkehr mit Elkus wie bisher ganz unbesorgt fort. Von deiner Loyalität und deinen guten Absichten sind wir so fest überzeugt, daß niemals auch nur der Schatten eines Verdachts auf dich fallen würde." Als nun jetzt der Waffenstillstand mit/der Entente abgeschlossen wurde, beschloß die Hohe Pforte, Ha!m Nahoum in Sondermission nach Amerika zu entsenden, um Dort die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen anzubahnen. Ein besonderer Wunsch der türkischen Regierung ist es, daß Abraham Elkus wieder Vertreter der Vereinigten Staaten bei der Hohen Pforte werden solle. Umgekehrt würde sie es mit Freuden begrüßen, wenn Washington Halm Nahoum das Agrement erteilte, zu welchem Zwecke ihm bereits in Konstantinopel der Exzellenztitel verliehen wurde. Eine kaiserliche Jacht brachte den Großrabbiner vom Goldenen Horn nach Konstanza, indem sie dabei eine Nacht im Bosporus vor Anker blieb, wo er mit Regierungsvertretern Verhandlungen pflog und ihm besondere Instruktionen erteilt wurden. Während seines Berliner Aufenthaltes hatte Nahoum Effendi die Liebenswürdigkeit, mir Gelegenheit zu einer eingehenden Unterredung zu geben. Es würde zu weit führen, im übrigen auch den Rahmen dieser Blätter überschreiten, wollte ich, was ich über allgemeine Fragen, wie Friedensaussichten und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten, erfuhr, wiedererzählen. Nur von dem, was er über Ziele und Pläne seiner Amerikareise äußerte, sei hier mit einigen Worten wenigstens zum Schlüsse noch kurz berichtet. „Einzelheiten", begann er, „lassen sich im Augenblick über diesen Punktunmöglich sagen. Nicht allein, well die Frage außerordentlich delikat ist und größte Vorsicht heischt, sondern weit die Dinge sich so überstürzen, daß nichts verfehlter wäre, als sich von vornherein aus ein bestimmtes Programni sestzulegen. Von Berlin gehe ich zunächst nach dem Haag, wo ich wohl einige Wochen bleiben werde. Von hier aus werde ich mit den in Betracht kommenden amerikanischen Kreisen in Verbindung zu treten suchen und hiernach erst meine weiteren Dispositionen treffen können. Bemerken möchte ich nur," fügte er hinzu, „daß zwischen Amerika und der Türkei ja gar kein Kriegszustand bestanden hat; nur die diplomatischen Beziehungen waren abgebrochen. Es gilt also zunächst, den entglittenen Faden wieder aufzusangen und das alte Freundschaftsband weiterzuspinnen. Daß mir die Erfüllung dieser Aufgabe nicht zu schwer werden wird, hoffe ich zuversichtlich. Schon lange vor dem Kriege hat Amerika in der Türkei wirtschaftliche Interessen verfolgt und wird sie nach dem Kriege unzweifelhaft in noch größerem Maße verfolgen. Damit wäre eme reale Basis gegeben, auf der stcy wellervauen uepe. Inwiefern ich persönlich dazu berufen wäre, das Werk zu vollbringen, müssen die Tatsachen lehren. Zu Gott dem Allmächtigen flehe ich, daß es mir vergönnt sein möge, im Dienste meines Vaterlandes und im Interesse des geplanten „Völkerbundes" etwas Ersprießliche zu leisten." Abraham Elkus amerikanischer Botschafter in Konstantinopel, Halm Nahoum erster türkischer Botschafter nach dem Kriege in Washington, beide dazu ausersehen, den Verkehr zwischen den beiden Ländern wieder aufzunehmen und in die richtige Bahn zu leiten! Auch das ein Beitrag für die Rolle, wÄche die Juden in dieser bedeutsamen Zeit zu spielen berufen sind.

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