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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-17 · Heft 2-3 (17.1.1919) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 2-3 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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18 ftufäimefyntien, wenn ihr dabei auch genötigt werdet, im Schmutze zu waten, und setzet auf den „groben Klotz" den gleichgearteten „Keil". Erteilet Hieb auf Hieb und Schlag auf Schlag ohne Rücksicht, ohne Schonung, ohne Unterlaß! Ahmet getrost ihre Kampfesweise nach, denn nur so werdet ihr ihnen mit Erfolg begegnen können. Fertigt, wie sie, Flugblätter an und verbreitet sie in Massen auf Markt und Straßen. Belehret das deutsche Volk eines Besseren, das so lange, so schmählich gerade von jenen Verleumdern belogen und irregeleitet wurde. Und, das Voll läßt sich gern belehren. Es weiß heute recht gut, wie eS die Wutausbrüche jener Volksverräter zu bewerten hat. Zeigt den deutschen Volksgenossen, wie unehrlich und schmachvoll chr Vorgehen ist, wie sehr sie mit Lug und Trug, Verdrehung und Entstellung arbeiten. ' Zeigt ihnen aber auch, was ihr geleistet und noch leistet, zeigt ihnen, wie ihr stets mit in den vordersten Reihen gestanden, wenn es galt, das Vaterland zu schützen und ihm zu nützen! Sprecht mit lauter Stimme überall da, wo man von euch und zu euch spricht. Sprecht nicht nur in abgeschlossenen Räumen vor einer beschränkten Zahl von Hörern, die doch meist zu euren Kreisen zählen; sprecht vielmehr aus Markt , und Straßen, wo euch alle, alle hören, die es Hören sollen! Lasset dabei aber keinerlei Rücksicht walten! Rücksichtslosigkeit gegen Rücksichtslosigkeit! Keine feige Zurückhaltung! Keine Schonung! Faßt die Gegner mit grimmer Faust und schlaget kräftig drein, damit sie zerschmettert zu Boden sinken! Und sie werden erliegen, denn sie sind feige. In ihrer Feigheit wagen sie es nicht, mit offenem Visier zu kämpfen. Von sicherem Hinterhalte aus werfen, sie ihre giftigen Geschosse auf ihre Opfer. Gerade die lautesten Schreier .sind - die. feigsten Kreaturen, die winselnd und wedelnd sich verkriechen, wenn sie wahrnehmen, daß 'die starke Häuff-dM Gegners auf sie herniederfährt! — ' Und ihr wackeren Männer, die ihr erwählt und -berufen seid, der deutschen Judenschaft Führer zu sein, tretet mutig auf den Plan! Begnügt euch nicht mit Resolutionen und öffentlichen Kundgebungen der Entrüstung! Sie verfehlen bei dem Gegner völlig i-hren Zweck, sie werden von ihnen nur belacht und bespöttelt und reizen ihn zu noch grimmigerer Wut. ..Vor kurzem wurde in diesem Blatte die Frage aus- . geworfen, ob wir im Falle eines Angriffes von seiten unserer Feinde gerüstet seien, und es wurde von berufener Seite entgegnet, es liege genügendes wirksames Rüstzeug zur Ver-; teidigung und zum Gegenangriff bereit. Damals ahnte wohl noch niemand, daß der Weltkrieg so bald, so jäh ein Ende .. nehmen würde; damals war auch die gewaltige Staatsumwälzung noch nicht vollzogen, und man hatte geglaubt, den Kampf, den uns unsere Gegner längst angesagt hatten, erst nach.dem Kriege führen zu müssen. Es ist aber anders gekommen. Der Angriff hat eingesetzt, die Entwicklung der Verhältnisse nötigte den Gegner dazu, der nun alle verfügbaren Mittel in Anwendung bringt. Was Lug und Trug, was List und Tücke zu ersinnen vermögen, wird in den Kampf geführt. So w eh ret e uch d e nn, den tsche I uden! Stellet. . euch zum Kampfe! Bildet aber geschlossene Reihen, nichts trenne euch! Seid nur Juden ohne Rücksicht auf Stand und Partei, wie der Gegner auch nur Juden kennt ohne Unterschied! Nur in der Einigkeit und 'Geschlossenheit liegt auch hier die Kraft, die euch zum Erfolg und Sieg führt! Ja, deutsche Juden, auf zum Kampfe und — wehret euch! Bromb erg. I. Herzberg. Der türkische Grrchrahbmer Harm Kahaum MeM als Gpezialgesandter der Türkei nach Amerika. Von Dr. Alphons I. Snßnitzki. n einem vor etwa sieben Jahren in diesen Blättern veröffentlichten, das jüdische Gemeindeleben Konstantinopels behandelnden Aufsatz, aus den ich noch später Bezug nehmen werde, führte ich die wichtigsten Daten aus dem Leben des türkischen Großrabbiners an, die hier wiedergegeben sein mögen: ' > Im Jahre 1872 in Magnesia in Kleinasien geboren, kam Halm Nahoum schon als zehnjähriger Knabe nach Liberias, wo er zunächst die arabische Sprache erlernte, dann die dortige Jeschiba des berühmten David Abbo besuchte, aus der er nach vierjährigem Studium sein erstes talmudische Zeugnis erwarb. Einige Jahre später bezog er das Lycee Imperial in Smyrna, das er auch absolvierte. Bon hier aus ging er nach Konstantinopel, um ein Jahr lang in den freien Kursen der Ecole des droits muselmanisches Recht zu studieren. Später begab er sich nach Paris, wo er aus der Ecole de Hautes Etudes die section histörique et philologique sowie die sectiop des sciences religieuses, daneben aber noch die Schule für orientalische Sprachen und das Rabbinerseminar besuchte. Als im Jahre 1898 'in Konstantinopel zum erstenmal ein Rabbinerseminar unter Leitung 'des Chacham Abraham Danon eröffnet wurde, erhielt daselbst Rabbi Nahoum den Posten eines Dozenten für Talmud und Homiletik sowie für allgemeine Literaturgeschichte. In dieser Stellung wirkte er zehn Jähre lang, indem er zugleich in 'den Lberklassen der Alliance-Schulen in KonstantinoPÄ jüdischen Geschichtsunterricht erteilte. In den letzten drei Jahren war er gleichzeitig Lehrer oes Französischen und der Literatur an der kaiserlichen Ecole de gerne, classe des okkiciers. Schließlich erhielt er noch den Posten des Kanzleidirektors im Großrabbinat. Von November 1907 bis August 1908 weilte er in Abessinien, um dort die Lebensverhältnisse der jüdischen Fellachas zu studieren. Der Ertrag dieser Reiie war eine literarische Arbeit, die im Alliance-Bericht für das Jahr 1908 unter dem Titel: „Bericht des Chacham Baschi Harm Nahoum über die abessinische Mission" erschienen ist. Nach der Wiedereinführung der Konstitution in der Türkei sah sich der damalige Chacham Baschi bewogen, von seinem Amte zuvückzutreten. Zu seinem Nachfolger wurde Harm Nahoum Efsendi ernannt. Zuerst als locurn tenens (Kaiinakain Chacham Baschi), dann zur vollen Würde des Chacham Baschi der gesamten Judenheit in der Türkei erhoben. Von der Tätigkeit Halm Nahoums in seiner zehnjährigen Amtsperiode als Großrabbiner eine eingehende Schilderung zu geben, muß ich mir 'schon wegen der Fülle und Vielgestaltigteit des Stoffes versagen. Ich will mich mit dem Hinweis auf einige Arbeiten begnügen, die, indem sie den Rahmen einer weit umfassenderen Darstellung aufzeigen, diese Frage zwar nur mehr nebenher ^behandeln, hierüber aber dennoch auch einige Austlärung bieten. Als ich vor acht Jahren während einer Studienreise durch die Türkei am Goldenen Horn weilte, schrieb ich einen Aufsatz „Jüdisches Gemeindeleben in Konstantinopel seit der türkischen Revolution", der in diesen Blättern („Allgemeine Zeitung des Judentums" 1911, Nr. 20 S. 236 bis 238 und Nr. 21 S. 247 bis 249) veröffentlicht wurde. Diese Darlegungen fanden ein Jahr darauf eine Forffetzung in mehreren Abhandlungen, die mein Brüder, der sich damals in Koystantinopel aufhielt, unter dem Titel: ,L>ie Tätigkeit des Mig'liß Gismani —die Demission des Großrabbiners — Der Zusammentritt des Mig'liß Omnomüi" ebenfalls in dieser Zeitschrift („Allgemeine Zeitung des Judentums" 1912, Nr. 19

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