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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-03 · Heft 1 (3.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 3 (sequence 19)
Language
German
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Herten, sondern auch bei der erziehlichen Einwirkung auf die der Anstalt anvertrauten Zöglinge von entscheidendem Einfluß, wie er überhaupt der Fürsorge für die Jugend einen Teil seines erfolgreichen Lebenswirkens gewidmet hat. — Die Beteiligung bei der Beerdigung war überaus groß. Die Amtskollegen waren fast vollzählig erschienen. Die Zöglinge der Israelitischen Waisen-Knabenanstallt folgten in geschlossenem Zuge. Trauerreden hielten Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch und Herr Seminardivektor Holzm a n n aus Berlin, ein älterer Bruder deS Verstorbenen. — Leipzig, 27. Dezember. E in e sozialistische Protest der fam ml nng gegen die Judenpogrome in P o len und Galizi en veranstaltete die hiesige jüdffch^ sozialistische ArbeiÜerg.ruppe. Nach eiüeln Referat des Miialiedes des hiiesiaen Arbeiteruuid Solda-tenraie-s R'h-s. kel wurde folgende En'tiick-ließuna gefaßt: „Die vm stäidtiscken Kau-chau-se versammelten indischen unddeutschen Arb eiter -u nd Arbeiter innen, Bürger und Bürgerinnen der S^a'dt Lei>pzig- 'erheben flammendem^ Protest aegen d^e unmenschlichen Jakdenpoiorome in Galizien, und Polen, die von den reaktionären chauvin'istit'cken Elementen, Polensspstemakffch organisiert wurden. Di>e herrschende Clique der Polen, -in -töldlicker Angst um ihre Machit, sucht den Ansturmder VoMmasien ab^u^- wehren. indem sie den, n-affonalen, Hast auspeit-sickt. Wir sind überzeugt. 'daß 'die volniden Arbe^-termasien hoib erkennen wierden-, wo ihr wahrer Fei'Nid sitzt, u,nd sich nacht mehr zum, Werkzeug reaktionärer und verbrechjeriisich-er Elemente mißbrauchen lassen, werden.. Bon der Erkenntnis .auisgebend, daß nnr der inter nationale Kiamvf aller Unterdrückten gegen alle Unterdrücker -ohne Untier schied der Nationalität 'imstande ist, die jiun>kerl'ich--k,a>pi'talist-iscke Herrscka-f-t zu brech>en nn!d dam,it auch, ieder nationalen Bedrückuing, den Boden zu. entziehen. fordern! die Versammelten d>'e polnischen m>^!ialiitisck!en Parteien au-f, mit aller Kraft sich gegendiese anti-sem-itiiickien Orgien zu wenden, und den, gemeinsamen, Kampf 'der polnischen' und indischen Arbeiter m-assen für d>en Sozialismus zu organisieren." Die Resolution wurde einstimmig angenommen — WÄvzburg, 27. Dezember. Die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg berichtet über die Zeit vom 1. November 1917 bis 1. November 1918. Aus den Einnahmen seien erwähnt 21428 Mark Jahres-- und einmalige Beiträge, 7031 Mark Bezahlung der Schüler für Verpflegung, aus den Ausgaben 20 079 Mark Gehälter der Lehrer, 3770 Mark Pensionist und Mtwengehälter, 11 019 Mark Verpflegung der Zöglinge, 1877 Mark Beheizung. Das Vermögen der Anstalt beträgt 154174'Mark. Die Anstalt hat ihr neues Schuljahr mit 32 Schülern begonnen, von denen jedoch zur Zeit der Berichterstattung 15 im Heeresdienst standen. Für den verstorbenen Lazarus Klau (Frankfurt) ist Lehrer Simon Unna (Frankfurt) in das Kuratorilum gewählt worden. —' In der letzten Magistratssitzung stand die Frage der antisemitischen Hetzversuche gegen die jüdischen Mitbürger zur Beratung. Bürgermeister Grieser teilte hierzu in der Magistratssitzung mit: „Ein Teil unserer israelitischen Bevölkerung befürchtet Ausschreitungen, selbst Pogrome. Auf Grund von Besprechungen mit beiden Teilen, mit Teilen, von denen man annehmen könnte, daß fle sich gegenüberstehen, erkläre ich offen: Ick halte meine Hand ins Feuer, solche Ausschreitungen sind nicht beabsichtigt. Ich mache darauf aufmerksam, daß Plünderungen oder Gewalttätigkeiten unter die Volksgerichte fallen, die arbeiten schnell. Der Krieg hat die guten Eigenschaften, insbesondere den Opferwillen und die Hingabe an das Ganze, aufs höchste gesteigert, er war aber auch der Nährboden für schlimme Eigenschaften. Die Habsucht wohnt nicht bloß in der Stadt, sie ist auch auf dem Lande zu Haus, sie ist auch nicht die Eigenart einer Rasse. Die jüdische Sittenlehre ist in diesem Punkt so rein und so streng wie die christliche. In seinem bekannten Lehrgedicht schildert Leffing hm „Nathan," -einen, Juden, der in -den Kreu>zzügen Frau und Kind verloren hat und dann ein Christenmädchen in sein Haus nimmt und wie sein eigenes Kind erzieht. So siegte bei ihm die Menschenliebe über den Glaubenseifer. Es wird niemandem zugemutet, seine Grundsätze zu verleugnen oder ein politisches Neubekenntnis abzulegen. Es ist aber jeder im Gewissen verpflichtet, auf dem Boden der gegebenen Tatsachen an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Sicherung der Volksernährung mitzuarbeiten, um -größere Uebel fernzuhälten." vr. Elberfeld, 27. Dezember. Eine Protestresolution gegen die Rassenhetze iax DeuifchIand faßte eine in der Sta dt H a lle tagende jüdische Mafsen,vers.anrmlu,n,g, die sich mit «den Pog-vomen, in- Galizien und Polen beschäftigte. Nachdem Vertreter beider Richtungen der Sozialdemokratie gesprochen hatten, wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die in der Stadthalle in Elberfdkd versammelten Bür-aer der Staidt sind über die furchtbaren- Pogrome in Polen und Westgalizien, mit denen, -das polnische Volk seine n>eu-e Freiheit befleckt hat, tief erschüttert rund' empört. Sie fordern von den demokratischen Regierungen der Kulturstaaten und von der Demokratie Polens, -dem von Größenwahn u-nid exaltiertem Chauvinismus! verübten Verbrechen Einhalt zu gebieten und für di-e Ansprüche der polnischen- Judenbeit aus bürgerliche uuid nationale Gleichberechtigung ein zu treten. V o n d e r D e ino t r a t i e lt n d der Regierung im neuen Deutschland fordern sie die schärfsten M a ß.rv-ah-m e ,n ge a e n die a e w i ss,e n - losen Der hetz er des Volkes, die unter, dem Deckn a m en g ea ch te te r K o r P or a t i >o> ne n v n d allseits verehrter Männer die Wut des a>e-täuschten und belogenen Volkes über den von ihnen geschürten und geführten Krieg ab lenken wollen auf das jüdische Element im Staate, das stets mit Gut und Blut bereit gewesen ist. kür die Ehre eines freien Dentsckilands> in die Schanzen zu rreten." er. Barmen. 27. Dezember. Zu d e r F o r d e r u n g> e i n e r b e o n deren, Der -t> r e t n> n,g >d e r d e w t sch eu I u den au-f dem Friiedensko-ngreß., die ein Gegengewicht -gegen die von den Zionisten geforderte Gesamtvertret-ung der Judenheit auf dem Friedenskongresse bilden soll, wird dem „General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen" aus der Ortsgruppe des Zentralv er ei-ns deutscher Staatsbü rg-er jüdischen Glaubens aeschrieben: ,.Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Inden, bat sich mit aller Entschiedenheit dafür ausgesprochen, daß die deutschen I-uiden^ auif dem Friedenskonareß nur durch, d'e Vertreter des deutschen Volkes vertreten werden und für sich keine anderen Forderungen stellen, als für das deutsche Volk gestellt werden. Sie betonten ferner, daß die Forderung der deutschen Juden nach tatsächlicher Gleichstellung in Deutschland lediglich vorder deutschen Regierung zu erörtern wäre, nicht aber auf dem internationalen Friedenskongreß." England. Z. London, im Dezember. Wie aus den letzten Nummern der ..Jewis-H Chronicle" deutlich hervorgeht, ist man in enalisch-jüdischeu Kreisen der Meinung, daß die Oeffentlichkeit jetzt über die genaue Bedeutung des Begriffes einer „nationalen Heimstätte" in Palästina, die in der englischen Regierungserklärung zugesichert worden war, aufgeklärt werden sollte. Die „I-ewish, Chronicle" i-si der Meinung, daß die Ausfuhrungen von Sir Herbert Samuel anläßlich der Enchffangsseier für die zionistische Kommilssion der geeignete Anlaß gewesen wären, um konkrete Angaben zu machen, daß aber Mr. Samuel von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch gemacht hat. Das -genannte Blatt bringt in seiner Nummer vom 1/November einen Aufsatz von S. Gilbert, in dem die Frage nack dem Umfang der jüdischen Reckte eindringlich gestellt wird. In diesem An-ff-atz heißt es: . Man kann nur wünschen, daß das jüdiscke Volk -auf diesem- Friedenskongreß eine würdigere Rolle spielt als auf den früheren. Man darf aus den Umständen schließen, daß .ein Jude — Lord Rea-ding — einer der -englischen Delegierten auf dem Friedenskongreß sein wird, und sicherlich werden die jüdischen Interesse in diesem Falle gebührend berücksichtigt werden. Mer viel wirksamer wäre es, wenn ein Vertreter von den Juden selbst ernanntwürde. Tie Leiden, welche die Juden in diesem Kriege ertragen -haben, ihre Bedeutung in der Welt und die neue Würde, die ihnen die britische Erklärung verliehen hat, berechtigen sie zu einer besonderen Stellung auf dem- Friedenskongreß. Es ist die erklärte Absicht der Alliierten, dem jüdischen Volke eine „nationale Heimstätte" zu gewähren. Ist es dann zu viel verlangt, daß eine solche nationale Macht mit ihrer eigenen Stimme und nicht durch die Stimme einer anderen sprechen solle? Aber noch auf einen Punkt möchte ich Hinweisen. Friedenskongresse hat eS schon früher gegeben und feierliche Verträge, in denen die jüdischen Rechte verbürgt wurden. Diese Verträge wurden, soweit sie die Juden betrafen, als Fetzen Papier angesehen. Der Jude ist durch die Geschichte gewarnt. Er kann nicht länger die Wahrung seiner vertraglichen Rechte dem Wohl-

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