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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-03 · Heft 1 (3.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 wollen dieser oder jener Macht überlassen. Er muß sich dem Chor der Stimmen anschließen, die zweifellos nach Sicherung der Friedens-' abmachungen durch einen Völkerbund rufen werden. Dem Juden nrnß die Möglichkeit gegeben, werden, die Hilfe des Völkerbundes gegen jede Regierung anzurufen, welche die ihm im Friedensvertrag zugestckerte Freiheit vernachlässigt oder verletzt. Aber das genügt natürlich noch nicht. Wer soll den Protest der Juden Vorbringen? Irgendein freundlich gesinntes Volk? Sicherlich nicht. Der Jude muß lein Werk selbst tun. Das jüdische Reich, das in Palästina errichtet werden soll, muß seine gesetzliche Stellung im Bunde der Nationen erhalten und mutz von dieser Stelle ans seine Forderungen erheben und die Rechte seiner' Stammesgenossen verteidigen. Wir wollen unverzüglich wissen, ob das von der Regierung gebrauchte Wort „national" tatsächlich zu verstehen ist. Es ist jetzt nicht die Zeit für Unbestimmtheiten lmd Zweideutigkeiten. Ueber die Jugoslawen oder die Stellung der Tschechoslawen bestehen keine Geheimnisse, und es sollten auch keine über das neue Zion bestehen. Der entscheidende Augenblick ist gekommen. Soll es eine jüdische Nation geben, welche der Liaa der Nationen als gleichberechtigt angehören und die moralische Macht besitzen soll. Israels Freiheit zu wahren? Wenn die Antwort ein klares „Ja" ist, dann gibt es keinen Grund, sie zurückzuhalten. Wenn die Antwort anders au stallt, so haben die Juden umsonst gekämpst. und der Friedenskongreß eröffnet nur ein neues und vielleicht noch dunkleres Kapitel ihrer langen Geschichte in der Diaspora." — Eine Sitzung der Anglo-Jewish-Assoeiativn, die Anfang Dezember in London stattfand, beschäftigte sich mit dem Beschluß des Joint Foreign Committee, die Palästinaarbeit i>n das Tätigkeitsgebiet des Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association aufzunehmen. Der Vorsitzende, Herr Claude Montüfiore, 'legte der Versammlung den Beschluß des Board of Deputies vor: „Die Ausschließung von auf Palästina bezüglichen Angelegenheiten aus dem Tätigkeitsgebiet des Joint -Foreign Committee soll aufgehoben werden." Er stellte dann den folgenden Zusatz-antraa: „Und das Joint Foreign Committee soll berechtigt sein, Palästinaangelegenheiteninnerhalb der allgemeinen Konstituierung. des Joint Committee zu besprechen oder zu behandeln, falls dies nach Ansicht des Committees wünschenswert erscheint." In der Diskussion über diese Frage wurde der Anschauung Ausdruck gegeben, daß es nicht mehr angehe, den Zionisten allein die Vertretung der Palästinaansprüche zu überlassen, und daß es der Anglo-Jewifh Association unwürdig sei, sich von der Behandlung dieser Frage auszuschließen.' Cs wurde jedoch die Hoffnung ausgesprochen, daß b;«e Zeit des Joint Committee nicht mit der Diskussion zionistischer Fragen allzu stark belastet, werde. Die beiden vom Vorsitzenden vorgeschlagenen Beschlüsse wurden angenommen. Von Wh und Fern. — Das preußische Kultusministerium hat die Rehabilitierung des früheren Privatdozenten der Berliner Universität Leo Arons bei der vreußnchen Regieruna beantragt. Leo Arons war vor Jahren wegen Bekundung sozialistischer Gesinnung aus rein politischen Gründen diszipliniert worden. Tie phifosophiche Fakultät hatte aeaen die Disziplinierung Einspruch erhoben und ist auch jetzt für seine Rehabilitierung ein getreten.' In Anerkennung 'der wissenschaftlichen Verdienste Arons* ist ihm der Professortitel verliehen worden. — Der Ausschuß der Frauenverbände Deutschlands zur Vorbereitung der Frauen für die Nationalversammlung hat die parteilose, politische Aufklärung und Werbearbeit unter den Frauen aller Richtungen durch Wort und Schrift übernommen.. Propagandamaterial, wie Merkblätter belehrenden Inhalts, Vorträge und Dispositionen zu Vorträgen und Vortragsreihen, Plakate — Schrift- und Bildplakate Postkarten an Vereine und Einzelpersonen, Mustersendungen durch die Geschäftsstelle, Berlin. W 30, Barbüro ssastraße 65. — Emanuel La sker, der berühmte Weltschachmeister, feierte am 24. Dezember Zeinen 50. Geburtstag. Geboren zu Berlinchen in der Neumark, seit 1894 Weltschachmeister und Gewinner erster Preise in Nürnberg (1896), London (189'.'), Paris (1900) und Petersburg (1909), ist Laster beinahe mehr noch als mathematischer -und erkenn-tnistheoretifcher Schriftsteller hervorgetreten. Sein „Begreifen der Welt".und „Die Philosophie, des Unvollendeten" sind hier seine Hauptwerke. — Dem „8-Uhr- Abendblatt" vom 30. Dezember meldet ein Reisender ans Posen: Hier hat ein furchtbarer Judenpogrom sta-btgefnnden. Halbwüchsige Burschen drangen in der Gerberstraße und in der Br'eitenstraße tn bie Wohnungen jüdischer Bürger ein, wobei es auf seiten der Juden zahlreiche Tote gab. Bisher wli-rd die Anzahl der Toten aus etwa 30 geschätzt. Die Plünderer drangen auch in die Synagoge ein und zertrümmerten dort alle Gegenstände, derer sie habhaft werden konnten. — Sein 70. Lebensjahr vollendete der Geheime Justizrat Salomon, Vorsitzender der Posener Anwaltskammer, der sich weit über den Kreis seiner Berufsgenossen hinaus allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung erfreut. Dem Jubilar wurden vielfache Ehrungen zuteil. — Der Ober- Landesgerichts rat Emil Weinberg in Oldenburg ist zum Präsidenten des Landgerichts daselbst ernannt worden. — In Essen, a. d. Ruhr ist zum Polizeipräsidenten der Rechtsanwalt Levy ernannt worden. — Im Unna i. W. verschied am- 8. Dezember der Stadt'- rat >a>. D. Simon Steinwea im 90. Lebensfahr. Ein reichte leanetes Leben ist mit ihm dabinaeaanaen-. Ueber 50 Jabre hat *>r sich im Vorstand der Spnaa-oaenaemeinde um deren Entwicklung b,nch verdien^ gemacht!. Iabrzphntelang gehörte der Verstorbene der Nndtiichen Verwaltuug, als Stadtrat, Stadtverordneier und Mitglied der verschiedenen Deputationen an. Seine ganze Sorgfalt wa-iMe er dem Israelitischen' Mtersheimiu Westfalen *w, "m dessen Gründung 'und gesicherten Bestand er sich die größten Verdienste erworben bat. Mehrere bohe Ordensauszeichnunaen bekunden!, wie "'ein sielMlo-ses. Schäften in weiten Kreisen' Anerkenn una gefunden Vlgt. — Geae^ W? bedauerlichen Fudenversolaunaen. die in den ^""richi-edenEn Teilen' Ungarns vorkam'eu. wurde der Vorstand der Vndaveste^ Jlra^itischeu Religion§a,emeinde beg-u>straat, an kompetenter Stelle Einifprache zu erbeben. Aus- Jgsip wird der ..I. B. Z." geschrieben: Die rumänisch/ Regieruna letzt den Juden bar d«»r Natl^rgsi.s^tig'N dauernd' Hindernisse en-taeaen. Indie Mitfesschnlen Bukarestb werdm die.iüdischen -Kinde-r. auch dort, wo nnch Mätze frei sind, au-saenommen-. — Das Militärkommando in Lember^ bat die AuEßma -und Entwalsn-nna der in Lemberg obne Bewilligrfna der Militärbehörde oraani-sierten ordischien Abteilungen ungeordnet. — Das Kopenbaaener Zienistii^che Beregn berichtet: Die enalisch-amerikaniWe Ion rnalistenerveditin n. die in Lembern einae^'rossen ist. um Oeffentlichke^t sil">r die dnrtiaen Vnna<rn'0"> autz-nklären. wurde von den Bolen festlich emvignaen. D-e Aosfsärunaen. die ibr aeoeben werden, sind io tendenziös. daß ibre Berichte notwendiaerweife unrichtig werden müsien. Besonders der Journalist I e f f r i e %> erklärte anläßlich emeK Banketts, er bea-e besondere Sv>mpa-tbien kür die Polen irnd werde das Seinia-e tun. lfm die O-effentltchkeit in ihrem Jnteresie zn unterrichten. — Um die Teuerung zn bekämpfen. bat die Mlnaer ivdi-sche Gemündoverwaltikina vorläutia einen- Verkauf von Brot »u :b':IlTip(erem Preise oraanisiert, In den jüdischen städtischen Verkaufsstellen wird täglich ein Pfund Brot jeder V-erfon -gegen Brotkarte verabfolgt. In der Großen Svuaaog-e wurde der Che rem (Bann! aeaen Inhaber der Branntweinbrennereien ausgesprochen, die da-s von der Stadt Wilna .gelieferte Korn und Mebl (mehrere tausend Pud die Woche) zu Branntwein verarbeiten. Mebrere taulenid Personen, waren beim Verlesen -des Bannes anwesend. Die Wirkung war verblü'ffentd, der Breis des Roggen mehles ist anderen Taaes um ein beträchtliches oesallen. — Aus Rußland' trafen in Chorbin 5000 jüdische Legionäre ein, mit der Absicht, sich über Amerika nach Balästina zu. begeben. Der Poale-Zion-Führer KretWmär I s r a e l i traf m London an der Spitze eines Kontin-oents iüidi'schler Legionäre a,u-s Amerika ein-. — Nach einem- Bericht des ..American Service" beantwortete. Präsident Wilson einen an ihn vom Waihiinatoner Korrespondenten des „American H-ebrew" gerichteten Brief, in dem er ihm versicherte, er werd>e in ^der Friede nskonserenz den! Rechtsfragen! der Juden in Rumänien seine volle Aufmerksamkeit schenken. — Das Jüdische Preßbureau in Wien berichtet: Biele bekannte Persönlichkeiten und hohe Staatsbeamte der Vereinigten Staaten fragten bei dein New Porker Zionistischen Bureau an, ob sie in die zionistische Organisation aufgenommen werden oder wie sie sonst der jüdischen Nation beim Mederaufbau Palästinas behilsüch sein könnten. Infolgedessen ist das Projekt aufgetaucht, eine christlich-zionistische Organisation zur Unterstützung der zionistischen Aufgaben ins Leben zu rufen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar??ahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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