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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-03 · Heft 1 (3.1.1919) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 12 (sequence 16)
Language
German
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somit das ganze Haus in Ausruhr versetzt hatte. Es war daher das beste, die Gelegenheit w-cchrzunehmen, ehe etwas anderes dazwischen kam; außerdem wußte sie, daß die Vormittagsstunden am besten geeignet waren, Stromer anzurresfen. Ihre Annahme erwies sich als richtig; denn als sie das Haus des Geistlichen betreten, wurde ihr bedeutet, daß der Herr Vikar sich in seinem Studierzimmer befinde, daß aber augenblicklich Besuch bei ihm wäre. Das Hausmädchen sichrte Ellen nach dem.Empfangszimmer und bat sie um ihren Namen. „Das ist nicht nötig. Sagen Sie nur, daß eine Dame hier wartet", erwiderte Ellen. (Fortsetzung folgt.) Mis-elirn. Zu der Miszelle über Oxyrynchos.) Bon S. Aschner. Die interessante Angabe in jenem Gesuch des Aurelius Horion an die Kaiser Soptimms Severus und Caracalla in dem. Jahren 200 b\& 202, tvo die Teilnahme der Qxyrynchier an einem Jndenkrieg erwähnt wird, wurde van mir mit dem Trug, zurückLiegenden Anfstand Ban Kochbas in Beziehung .gesetzt. Ansich lvidersprichtl dein nichts als ver ziemlich beträchtliche Zeitunterschied, da Bar Kochba ins Jahr 135 ]düt. Ae gyp tische Legionen wurden überdies damals wirklich von Hadrian eilends nach Judäa geworfen, um die gefährliche Bewegung mederzuhalten. Dabei können ganz gut Oxyrhnchier als socii mitgewirkt yaben. Indessen kommen jedoch daneben Zeitereignisse aus den Tagen ves Severus selbst in Betracht. Dieser war im Jahre 200 persönlich voruvergehend in Palästina und hatte dort mit einem kühnen Frei- ,härter Claudius (latro nennt ihn die Quelle) zu ringen, worüber Dio Cassius 75, 2 berichtet. Dergleichen „latrones" standen damals viele auf und gaben den Römern unablässig zu tun. Wie ernst diese die Vorgänge nahmen, ergibt der Umstand, daß der Senat dem Sohne des Kaisers, Caracalla, einen jüdischen Triumph gewährte: Filio saue concessit (Severus), ut triumpharet, cui senatus Judaicum triumphum decreverat, idcirco $uod. et in Syria res Fene gestae iuerant a Severo. Sparti.anus K. 14, vgl. Graetz, „Geschachte der Juden" IV (1893, Leipzig), S. 208. Vielleicht liegt die Eriche nunmehr so, daß Horion mit Absicht den Kaiser, den er gerade mit jüdischen Händeln beschäftigt wußto, in hofmännischer Gonchmeidi,gleit daran nrahnte, wie treu dermaleinst die Qxyrynchier sei nein Vorgänger beigestanden und wie froh sie noch immer den alten Sieg festlich begingen. * Rosegger und die Juden. Wie sich Bigotterie und Berechnung an der schlichten Geradheit eines jüdischen Herzens zuerst einmal versündigten, dann aber selbst oer verbohrte Dicrjchädel des steiermärkischen Torfstechers Guido Haidenlang zur Ruhe und Versöhnung geführt wird durch den Sohn oesselben Juden, an dessen Gut er sich in seiner Habgier vergriffen hat, zeigt uns der hier kürzlich erwähnte verstorbene Peter i)i o fi egge r in seiner „S ch a tz g r ä b e r h i st o r i e" in der Sammlung „Feierabend". Hätte Rosegger, der oft öffentlich mannhaft für uns Juden eingetreten ist, weiter nichts geschrieben als diese Dorfgeschichte, er wäre ein für allemal gegen den mißverständlich erhobenen Vorwurf irgendwelches Antisemitismus gefeit . . . Also der Bauer G. Haidenlang sucht als Torfstecher einen Schatz, der „seit Pharaos Zeiten" tief in der Atoorhewe begraben Egen soll. Bei diesem Schatzsuchen fand G. Haidenlang aus einer Anhöhe am Waldweg einen alten Mann mit grauem Bart; er lehnte un einem grünen Bündel, hielt eine Hand krampsig an der Brust und ächzte. Der alte Mann bat mit brechender Stimme, ihn doch nicht zu verlassen. „Sterben", stöhnte er, „sterben kann ich wohl auch allein; aber mein Kind zu weitest im Ungarland, ein blutarm Student lein ..." Da gab der sterbende Jude dem Torfstecher ein redern Täschlein. „Mein Sohn wird nach mir forschen, und wenn Ihr hört, daß wer nach dem Samuel Amsel fragt — nur mein Jakob Lanws sein —, so gebt ihm das Geld." Er starb. Der Torfstecher saß in seiner Hütte, öffnete (nachdem «die Leiche Amsels begraben war) das Täschchen. Es war Geld darin, viel Geld. Ja, dachte er, das ist ein Jud' gewesen, der hat gewiß andere Leut' um ihr Geld betrogen. Vgl. „Allgemeine Zeitung des Jn-dentums" 1918, Nr. 32, S. 384. Und sein Sohn ist auch ein Jud^ ... Ich will nichts von dem Gelds sagen, will davon der heiligen Gertrudis die Kapelle bauen lassen und darin recht fleißig für den Juden und seinen Sohn beten. Darauf sind der Jahre sieben vergangen. Da stand auf dem Berge das neue Kirchlein . . . Guido Haidenlang aber hatte schlechte Nächte. Der alte Samuel Amsel erschien ihm nachts ... Da raffte sich denn der alte Torfstecher in seiner Verzweiflung einmal auf von seinem ruhelosen Lager und eilte im Mondschein zur Kapelle. Dort rief er mit lauter Stimme: „Meine Schützerin, steh' mir bei! In jeder Nacht kommt er zu> nur, der Samuel Amsel, und will sein Geld wieder haben!" Da erhob sich auf dem Birkenberge plötzlich neben ihm eine Stimme: „Der Samuel Amsel! Wo ist er? Wo ist mein Vater?" Es war — war der Sohn des alten hier verstorbenen Mannes, der als Geologe sich so weit bei seiner Forschungstour ins Gebirge verirrte, daß -er im Freien übernachten mußte. . . Der Schluß dieser hübschen Dorfgeschichte Roseggers sei hier nur kurz angedeutet. Guido Haidenlang hat dem Sohn alles gestanden. Doch der sprach: „Was soll es weiter, mich verlangt nur meines Vaters Grab zu wissen. Geld hätte mich nicht gehoben, das muß eigene Arbeit tun. . . Das Kirchlein schenk' ich den Gläubigen. Du alter Torfgräber, seit vielen Jahren hast du vom Schatze der Heide gezehrt!" ... Ja, als die Geschichte von dem unterschlagenen Gelde ruchbar wurde, hat der junge Gelehrte bei dem Gerichte Fürbitte getan, daß der alte einfältige Mann seine letzten Tage noch im Sonnenlichte verleben durfte. Das Kirchlein steht heute noch auf dem Birkenberge. Der jüdische Geologe läßt es vor dem Verfalle bewahren; ihm ist es das Denkmal der Sterbestätte feines Bakers. . . Peter Kettenseier Rosegger hat in dem alten Torfstecher wieder einmal eine seiner prachtvollen steiermärkischen Originalgestalten geschaffen. Den jungen Naturforscher aus Graz läßt er dort sein Glück finden, denn von ihm (dem die liebe freundliche Traumgestalt seines Vaters als Ideal und nicht wie dem Torfbauern als Schreckbiliderschien) sagt der Dichter: „Der alte Jakobssegen ging reichlich in Erfüllung." So war der alte Peter Rosegger mitten in einer klerikal antisemitischen Umgebung ein wackerer Kämpfer des geistigen und sittlichen Fortschritts; von Juden hat Rosegger gerade für die steiermärkischen Bauern geradezu Prachlgestalten von hoher sittlicher Kraft geschaffenj, und Rosegger wird heute in der ganzen Welt viel gelesen. Während leider unseres Berthold Auerbachs „Schwarzwälder Dorfgeschichten" im Gedächtnis der Epigonen verblassen, hatte die Sammlung „Feierabend" von Peter Rosegger (in der die hier erwähnte „Schatzgräberhistorie" steht) bereits 1900 die neunte Auflage erlebt. M. Fried eberg. Lüchkrnnlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. . Wisse, was du dem Gottesleugner antworten sollst. Sprüche der Väter. Ein Büchlein zur Bekämpfung des Materialismus, von Hermann Cohn, Nürnberg. Verlag Sänger & Friedberg, Frankfurt a. M. 1916. Aiusgewählte Ghetto-Geschichten von Leopold' v. Sacher-Masoch. Verlag Dr. Sally Rabinowitz, Leipzig. Der Briefwechsel zwischen Paul Hey.se und Theodor Storm. He raus,gege ben und evtäiwtert von Georg I. Plotke. 2. Band, 1881 bis 1888. Verlag I. F. Lehmann, München. Brauchen wir Elternschulen? Ein Vorschlag zur Besserung deutscher Jugenderziehung und Förderung deutschen Wesens von Kurt Walther Dix in Meißen i. Sa. (Pädagogisches Magazin, Heft 693.) Verlag Hermann Beyer u. Söhne (Beyer u. Mann), Langensalza. 191&. Das Glück im Hause des Leids. Skizzen aus einein Krankenhaus und Lazarett in. der Kriegszeit von Herma,na Seckback. Agudas Ji'sro,el-Ju!MN!dor!ga>n>i>fati>o,n., Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine, Frankfurt a. M. Ein Buch von Leidenschaft und Leben. Ein Band Gedichte von Edgar Beyfuß. Weckruf-Verlag W. v. Karnatzki, Weimar. Die Historie von König David. Ein Zyklus von Rich. Beer- HoffmianlN. S. Fischer Verlag, Berlin. 1918. Jakobs Traum. Ein Vorspiel. Lebensworte von Benno Gottschalk. Verlag M. Poppelauer, Berlin 1918. Daniel Deronda. Roman von George Eliot. 1918. Jüdischer Verlag, Berlin.

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