Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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6 Die Dozenten der Lerliner Lehranltslt kür die Miklenlchskt des Judentums. in. Jsmar Elbogen S**/ smar Elbogen, geboren am 1. September 1874 in Schild- \ berg (Posen), besuchte das Gymnasium in Breslau, studierte an der dortigen Universität Philosophie und Geschichte, am Jüdisch-theologischen Seminar jüdische Theologie, erlangte 1898 die Würde eines Dr. Phil., 1899 das Rabbinatsdiplom. Seit dem Oktober 1899 dozierte er in Florenz an dem dorthin verlegten Collegio rabbinico italiano. Im Dezember 1902 kam er an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, wo er das Fach der jüdischen Geschichte und Literatur vertritt. Elbogen kann auf eine große erfolgreiche literarische Tätigkeit Hinsehen. Als Dissertation veröffentlichte er die Schrift „Der Tractatus de intellectus emendatione und seine Stellung in der Philosophie Spinozas". Unter den übrigen Arbeiten seren hier hervorgehoben: „Die Religionsanschauungen der Pharisäer" (1904), „Die neue Konstruktion der jüdischen Geschichte" (1902), die erste entschiedene Zrrrückweisung der orthodoxen, sogenannten Geschichte Js. tzalevys. Eine Reihe von Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Gottesdienstes faßte er in seinem Hauptwerk zusammen: „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" (1901). Zu erwähnen sind sodann noch die „Festschrift zur Einweihung des Heims der neuen Lehranstalt" sowie viele kleinere Aufsätze, Beiträge zu Sammelschriften, z. B. zahlreiche Artikel zur Geschichte der Juden in Italien in „The Jewish Encyclopedy", sowie die Mitarbeit an Zeitschriften. Auch unserer Zelffchntt ist er seit 1900 ein geschätzter Mitarbeiter gewesen. Diese außerordentlich große wissenschaftliche Tätigkeit neben einer, weite Gebiete umfassenden Lehrtätigkeit an der Lehranstalt ist um so mehr zu bewundern, als Elbogen im Lause der letzten Jahre mit Ehrenämtern der verschiedensten Art überlastet war und auch gesundheitlich viel Schweres zu erleiden hatte. Schon vor dem Kriege und auch wahrend dieser fürchterlichen Epoche hatte er neben einer ausgebreiteten Tätigkeit in den jüdischen Logen als Vorsitzender der literarisch-apologetischen Kommission des Verbandes der Deutschen Juden, als Leiter des Berliner Literaturvereins und des Verbandes der Literaturvereine, durch eine ausgebreitete Wirksamkeit im Gesamtarchiv der deutschen Juden und in der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums eine außerordentliche Wirksamkeit zu entfalten. Während des Krieges wurde er zum Militär eingezogen und mußte, nachdem er vom Militär reklamiert war, die Stelle eines Rabbiners in Frankfurt a. d. O. verwalten. Mehrmals wurde er aufs Krankenlager geworfen. Kaum genesen, widmete er sich wieder seiner ausgebreiteten Tätigkeit. Nun sieht er sich infolge seines Gesundheitszustandes genötigt, auf die meisten dieser Ehrenämter zu verzichten, um ganz seiner Dozentpfticht, der Leitung der Bibliothek der Lehranstalt und seiner wissenschaftlichen Arbeit zu leben. Wir hegen den innigstenWunsch, daß es dem trefflichen, bescheidenen, ganz in seiner Arbeit aufgehenden Mann vergönnt sein möge, noch viele Jahrzehnte seinem Berufe und der Wissenschaft zu dienen. In dem schweren Zeiten, die wir durchleben, ist es herzstärkend, sich gerade an solchen Männern aufzurichten, die unentwegt dem Ideale dienen, ihve Kraft hohen, allgemeinen Zwecken zur Verfügung stellen und, selbst auf Kostep ihrer Gesundheit, für die hehre und gewaltige Aufgabe des Judentums und der allgemeinem Kultur tätig sind. Ellbogens Schlichtheit, die Gradheit seines Wesens, das Zurückdrängen der eigenen Person, das ausschließliche Verlangen, für eine große Gemeinschaft fast über seine Kräfte tätig zu sein, muß geradezu vorbildlich genannt werden; es ist herzlich zu wünschen, daß ihm die Gesundheit erhalten bleibe, um imstande zu sein, namentlich der Jugend aus der reichen Fülle seines Wissens weiter köstliche Früchte zu spenden uNd als treuer Diener der Wissenschaft des Judentums durch treffliche Leistungen einer schönen Zukunft vorzuarbeiten. L. G. Vorberntungrn zur Wahl. Ein Wort an die jüdischen Frauen. Von Fanny Cohn-Rehler (Berlin-Lichterfelde), ndlich ist's Taffache geworden: die deutsche Frau hat ihr volles Staatsbürgerrecht erlangt! Was jahrzehntelange emsige Arbeit einer Gruppe weitsichtiger Frauen nicht erreicht, das ist plötzlich, ohne ihr Zutun, den Frauen zuteil geworden. Neunundzwanzig Throne wurden bei der Staatsumwälzung am 9. November im Handumdrehen erledigt, und die Nationalversammlung tritt bereits Mitte Januar zusammen. In dem Wirrsal sich überstürzender Ereigniffe drängt alles nach Befestigung unserer staatlichen Verhältnisse. Wir müffen aus dem schwankenden, hin und her pendelnden System schleunigst zu stabilen, auf fester Grundlage beruhenden Zuständen gelangen — soll nicht Deutsch- Dozent Tr. I. Elbogen.