Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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mann die deutsche Oeffentlichkeit in großpolnischem Sinne zu beeinflussen versucht. In den letzten Tagen vor seiner Abberufung hat er noch die Polnischen Comnruniques verschickt, in welchen der Versuch gemacht wurde, die Vorgänge in Polen und Galizien zu verschleiern. All dies bat ihn vor der Abberufung nicht geschützt. — Sein Nachfolger, der Schriftsteller v. Niemojewski, gehört zu den enragiertesten Mitgliedern der polnischen nationaldemokratischen Parier W. Pokorr. 13. Dezember. Beim Emvfgrwe der beimkehrenden Truvvw aus dFelde war auch der Stadtvorordnetenvorsteber. Herr Justrzr^t Placzek, als Vertreter de^- Stadiaemeinde Posen znaeaen. — In der zweiten Plenarsitzung des Polnischen Bolkstaaes bierselbst wurde auch nachstehende Resolution gefaßt: Eine Deleaation der Alliierten solle feststellen, daß die Polen aetreu ibren Ueberlieferunaen tolerant geaen andere Nationen und Konfessionen sind und daß insbesondere die Berichte über anaebliche Judenvoarome in Palen, welche svstematisch oraanißert fein sollten. Machenschaften von seiten der Feinde Polen sind, um sie zu diskreditieren. — Kurz vor dem Waffenstillstände fielen in mörderischer Schlacht die drei Söhne der Familien Simon Lew in, L. Grünsvan und Louis Gerechter. Josef 19, Kurt 191/ und Artbur 20 Jabre alt. Unmenschlich aroß ilt der Schmerz der Betroffenen, die ibre einstige Stütze im Alter, ihren Stolz und ihre Zierde verloren baben. Nur das Gottvertrauen und die Erkenntnis einer unerkorschlichen höheren Waltung können den Schmerz der tiefgebeugten Eltern mildern. — Durch den Krieg ist unsere Gemeinde um fast 100 Seelen gemindert worden. m. Kambirvst. 15. Dezember. Herr Herrmann Hirsch, Mi-tinbaber der bekannten Exportfirma Herrmann Hirsch n. Sauer, ist nach schwerer Krankheit im 52. Lebensi ah re verstorben. Der Verblichene. ein Svroß der Familie Hirsch aus Halberstadt. Bruder des Herrn Aron Hirsch (Berlins, kam in iunaen Jabren nach Ham7. bura. gründete bier die obige Kallsmannsfirma, die durch seine Mitarbeit sich zu bober Blüte entwickelte. Er genoß an der Hamburaer Börse bobe Achtung und Wertschätzung und es wird sein so frühes Hinscheiden aufrichtig betrauert. Ein unter treuer Mensch, der stets bereit war. Armen und Bedürftigen Hilfe zu leisten, ist mit Herrmann Hirsch aus dem Leben aesthieden. Getreu den Traditionen seiner Familie. zeichnete er sich durch seinen Wohltätiakeitssinn aus. Jur Trauerseier. die im Sterbehauie stattfand, hatte sich eine große Traueraemeinde einaefimden. Bon nah und fern waren außer den vielen Freunden auch die Mitalieder der weit verzweigten Familie Hirsch berbeigeeilt. Herr Rabbiner Dr. Weiße aus Berlin war zur Trauerfeier nach bier gekommen: auch waren vstG Bertrest^ d<>r Hamburaar Handels- und Fmanzwelt anwesend. Nachdem sich d»e tiesaabnfg!^ Gattin und die Verwandten nm den schmucklosen S"rg aeschart batten, sdrack der Bruder des Verblichene^ Herr A ran Hirsch, tief empfundene Worte des Abschieds. - Er cwdachte dm- 'mveraleichlichen Liebe und Treue, die sein unvergeßlicher Bruder nickst nur seiner aleichwertiaen Gattin, sondern seinen Geschwistern und allen Gliedern der Familie bewahrt hatte. Er w"r ein eckstar Svroß feiner Ab.nim und bat in nachahin^lna§werter Weise bt^ Lehre seiner Eltern befolgt. ,-Mah tauw umah noim b’sehewes achim .iachdow. Wie schön und wie lieblich ist es doch, luemt Geschwister in Eintracht leben." Sein Tod binterläßt in der Famill-e eine schwere Lücke, ah^r die Liebe, die Treue und Ovserwilliakest. die er bis zu seinem Tode aeübt. sichern ibm ein unvergeßliches Andenken in allen Kreisen der Familie. Nachdem dann noch ein Freund des Hauses herzliche Dankesworte dem Toten nachgernten, wurde der Sara auf den Leichenwagen gehoben, und der aroße Tranerzua bewegte sich nach dem Ohlsdorfer Friedhof. In der Friedbossballe hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße d'e Gedenkrede, in der er ein getreues Lebensbild des Heimgegangenen zeichnete und ihn als Wohltäter feierte. Der Rabbiner schilderte das einfache schlichte Wesen des Verblichenen, dessen Herz allem Edlen und Guten geöffnet ward. Er war nicht nur der hingebungsvollste Gatte einer ebenbürtigen Gefährtin, der treue Bruder, sondern auch der hilfsbereite Freund, der Wohltäter der Armen, dessen Andenken stets bewahrt werden wird. Mit Trostesworten' an die Gattin und die Familienmitglieder schloß der Redner seine ergreifenden Ausführungen. Am offenen Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Weiße nochmals Gebet und Segen. Die Schatten der Nacht senkten sich bereits herab, als die Leidtragenden sich trennten von der Stätte des Friedens, wo ein edler, treuer Mensch sein letztes Heim gefunden hat. er. Magdeburg, 13. Dezember. Die Stellung der bisherigen Natio na l liberalen Zur Judenfrage beschäftigteden NationaMber-alen Verein an seinem letzten Drskussionsabend. Von den rechtsstehenden Mtgliedern der Partei wurde auch die Judensrage in die Debatte gezogen. Generalsekretär Dal-ebow erhob Protest gegen die gehässige Form dieser Anfrage und warnte auf das dringendste davor, eine antisemitische Bewegung auch nur im geringsten, und sei es auch nur 'durch stillschweigende Anerkennung, zu unterstützen. Eine solche Bewegung sei um deswillen außerordentlich gefährlich, weil, erst einmal entflammt, niemand mehr imstande wäre, ihrem Wüten Einhalt zu gebieten und dann sowohl Christen wie Juden unter dem einmal entfachten FanatrSmuK zu leiden baben würden. Einen ewenartigen Vorschlag machte Studienrat Rommel, der die Schafsnno sogenannter Judengruvven in der Partei befürwortete. Er verwies darauf, daß in den deutschen Inden stbr viel Idealismus unaenüvt rnbe. der ictzt. richsta anaesgßt. stbr oute Früchte traaen könnte. Wir algnhen. daß die Maadeburaer Juden ßch für dieses neue volitilche Getto energisch bedanken werden. ..Nichts aelernt und nicksts vergeben", muß dielen Kircksturmipolitikern auch weiterhin ins Stammbuch geschrieben werden. er. Fw'istriirrn.d- 13. Dezember. E i n e Prot e st v e r * a m m - l ".'77 o a ea en dre Poarome in Polen versammelte 7'M ..Schwarten Adlw" etw>a 5 00 Personen. Mn Raferenäen Elchen- -orü n uinid Eoban wiesen/ ous die Laae der südi'ick^n Mosten 707 Hsten niöhnend des Krieaes hlin i'>nd schilderten den Druck, 'den die Polen schon vor AuShrueb des Weilt krteaeis neuen sie übten. Dieter habe sich nun: z,U' den des näheren aelchUderiten Po,aro'men n«a>ch AßJna >^or Miittehnäcktetrilivven ausgewachsen. Me Referenten aiobuin ibren AoSß'shru^a^n eine kröiii^e' zfoiuistiilche Färbnina U'u>d Uerlon,-j^^n. aleich -den' Osti>n!den> für!vieie die i'Hdi>fch-n>ati'ona!le Auto« no-mie, besonders in kultureller Hinsicht. Nachdem in der Beinrech!i!N'st Nloch am>e Reibe zu!st!N7>menid>er Meinunlaen zu Worte g>etom'mlen war. wlU.r>de einstimmig idle folaende Ent^blileftung z:nr Weiterverbreitlun'a an>a>pn>ommen7 ..Die heute in Dortmund einhernfene. von 500 Teibnebimern betuchte öffentliche Verwm^ulilno g>ibt rifmer tiefsten Entrüstunig ü!ber die an d«"n Juden G.ali>z,iens nnd Kongreßvolenis verübten Groalsomikeiten Ausdruck. Sich Mrdariich erklärend mit den östlichen Jniden». erwarten sie von ^den Roaier-nnaen fosor!ti>aeH Eimschrc>ii>en gegen Vals kiiffbur'fch-ändliche Treiben der Pollen." «XD Frankfurt a- 13. Dezember. Der Jüdische Frauenbund bat Weae aesucht. den Papst zu veranlassen, den polnischen Katholiken am. Wort aegen die Pogrome in Posen zu saaen. und ßrner lolaenden Funksprilch an Herrn Wilson gerichtof: An Herrn Wilso77. Präsident der Vereinigten Staaten. Washinatoo. Der Jüdische Frauenbilnd. die Juso777mensaünng von 45 000 deutschen Jsidinnern. bsttet Herrn Wilson, seine Aufnrerksmnkeit den aranenvollen Mastakers zuzz'wenden. die in der letzten Jeit in vielen Orten Polens, imb in Lemberg besonders zahlreiche Ovier fordernd, an der indischen Bevölkerung verübt worden ünd. Diele Morde an wehrlos ge'ngchten Mensthen nm ihrer Herkunft und ihres Bekenntnisses zum Judentum willen sind schauerliche Rückfälle in mittelalterliche Metboden. auf deren Abstellung hinzuustrken wir indischen Frauen Sie. Herr Präsident, als modernen Verkünder und Schützer der Menschenrechte, herzlichst bitten. Für den Jüdifchen Frauenbund Deutschlands: aez. Bertba Pappenh e i m, Vorsitzende. Frankfurt a. Main, 3. Dezember 1918. Oksterreich. 7Wien, 12. Dezember. Unter großer Beteilicmna weiter Kreite unterer Glaubensgemeinschaft wurde am 4. d. M. der langiährioe Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, zur letzten Ruhe bestattet. Voraus ging eine öffentliche Trauerseier. die um 10 Uhr vormittags im Tempel der Innern Stadt ihren Anfang nahm. Oberkantor Morgenstern leitete, begleitet von dem verstärkten Tempelchor, die Feier durch den Vortrag eines Psalmes ein, worauf Oberrabbiner Dr. C h a j e s die Trauerrede hielt. Ein altjüdifcher Brauch, so etwa führte Dr. Chajes aus, verbietet es, an den Gedenktagen der Tempelweihe und der Neumondfeier die Trauer laut werden Zu lassen- Wohl aber