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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-20 · Heft 51 (20.12.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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'Berlin, 20. Dezember 191S 82. Jahrgang Nr. 51 Der Oemetndevote. Vellage zur „Allgemeinen Geltung de^ Iudentumß". korrrspondkn?en und Kschrichtru. Lrutfchlsnd. E. M. BeEn, 17. Dezember. Der Verband jüdischer Jugendvererne in Deutschland und der Berliner jüdische Jugendbund hatten für Montag, den 9. d. M., nach dem Festsaal des Brüdervereins eine Versammlung einberufen, welche die Frage, ob zwischen Zionisten und Nichtzionisten in Deutschland eine Einigungsnwglichkeit vorhanden ist, klären sollte. Rechtsanwalt Dr. Apfel betonte in seiner Eröffnungsansprache die Notwendigkeit einer sachlichen Erörterung über die wichtige Frage, ob die Juden in Deutschland ein besonderes Volk bilden oder Teile des deutschen Volkes sind. „Es genügt nickt mehr, für oder gegen die Existenz eines jüdischen Volkes in Volksversammlungen zu streiten, es ist Zeit, daß auf neutralem Boden eine ruhige Aussprache zwischen den beiden Parteien einseht. Die Erörterungsabende des Iugendbundes sollen den ersten Verstech zur Erreichung dieses Zieles 'darstellen. „Ein Vortraa von Fräulein Dr. Berliner leitete die Verhandlungen ein. „Das deutsche Judentum ist jetzt in zwei Lager geschieden, von denen das eine alle die umschließt, die sich als Angehörige des jüdischen Volkes fühlen, während die große Menge der deutschen Juden sich wohl religiös als Inden fühlt, aber in politischer Beziehung * restlos deutsch-national empfindet. Für die deutsch-nationalen Inden ist die Zeit ungünstig und schwer. Wir leiden mit ganzer -Seele mit dem deutschen Vaterlande und tragen außerdem unsere besondere Sorge wegen des Antisemitismus, der drohender als je sein Haupt erhebt. Trotz der grundsätzlichen Verschiedenheiten dieser beiden Weltanschauungen muß im Interesse des Judentums eine Einigung versucht werden." Aus die einzelnen Forderungen der Zionisten einaebend, billigte -die Rednerin die zionistische Forderung auf Palästina als jüdische Heimstätte und die nationale Autonomie in dm Massensiedlunasgebieten. Anders ist es mit der Frage der jüdischen Autonomie in Deutschland. Die deutschen Juden verlangen unbedingt von den Zionisten, daß sie sie in ihrem Kamvse um ihre nationale Gleichberechtigung in Deutschland nickt behindern. Als Grundlage für eine Verständigung forderte die Rednerin von beiden Parteien die schleunige Aufhellung emes Programms für ihre jüdische Arbeit in Deutschland, das beide Richtungen nickt veröffentlichen dürfen, bevor sie versucht haben, ihre Forderungen in ein einheitliches Prograuuu m kleiden. Die Nicktzionisten müssen fick für die Schaffung der jüdischen Heimstätte in Palästina und die nationale Autonomie in den Ländern der Massensiedlung einsetzen, während die Zionisten sich vervslichten sotten, im Kampfe der deutschnationalen Juden für die deutsch-nationale Gesinnnng und die volitische Gleichberechtigung Zurückhaltung zu üben. - - Dr. Felir Teilhaber (Zionistl sprach sick für ein Zusammenarbeiten beider Richtungen aus. „Wenn die Inden als politischer Faktor in Deutschland auftreten wollen, so müssen sie sich einigen. Es gibt zahlreiche Aufgaben, die ohne Aufgeben der politischen Gesinnung in gemeinsamer Arbeit gelöst werden können." — Herr Fritz Cohn (Ortbodorer) begrüßt die Einiaungsidee. „Die Orthodoxen empfinden die Religion als stärkstes Band, mstsstn abe^ anerkennen, daß der Zionismus durch die Hebung jüdischen Bewußtseins Großes für das Judentum geleistet hat. Wir wollen unsere Zugehörigkeit zmn deutschen Volke freudig bekennen und erwarten, daß die Zionisten unsere Forderung ans Gleichberechtigung in Deutschland unterstützen. Weil wir die unteilbare Einheit des Judentums anerkennen, verwerfen wir die Resolution des Z e n t r a t v.e r e i n s . der durch eine Zeitungsannonce der Oessentlichkeit emen innerjüdischen Zwist unnötigerweise unterbreitet hat." —- Tr. Laser (Königsberg) (Liberaler) bekannte sich zur der Resolution des Zentralvereins und lehnte ein Zusammengehen mit den Zionisten auf fester programmatischer Grundlage ab. lieber ein gemeinsames Vorgehen in Einzelfragen, könnte nur von Fall zu Fall entschieden werden. — Redakteur Goslar (Zionist) trat für eine Einigung ein, betonte aber sehr entschieden, daß die Zionisten sich voll und ganz als Juden suhlen und ihre Ueberzeugung nicht aufgeben können, weil die Andersgesinnten fürchten, daß dadurch ihr staatsbürgerlichen Errungenschaften gefährdet werden könnten. Sie werden den Glauben an die Einheit des jüdischen Volkes niemals fallen lassen. Trotzdem wollen sie brüderlich mit den anderen deutschen Juden im Kampfe gegen Mischehe, Taufe und Jndifferentismus Zusammenarbeiten — Dr. Eugen F u ch s betonte die Gegensätze in den Weltanschauungen beider Ricktungen. „Die Zionisten fühlen sich als Mitglieder des jüdischen Volkes, während wir uns als Glieder einer Glaubensgemeinschaft mit 'einer ausgeprägten Stammesgeschichte dem deutschen Volke zugehörig fühlen. Wir denken deutsch-national imt iüdisckem StammeKeinscklag. Ich bearüße die nationale Heimstätte in Palästina auch für die deutschen Juden, für alle unter ihnen, die jüdisch-national empfinden. Auck ich will die nationale Autonomie für die Länder des Ostens, aber nie für den Westen, denn hier sind die Juden kein Volk mehr. Aber ich verkenne nickt, daß es ein gemeinsames Band aibt, das uns alle nmscklmgt. Zionisten und Nichtzionisten. Wir können gemeinsame positive Arbeit leisten, aber nur in einer Arbeitsgemeinschaft, nickt in der Fusion. In den nationalen Frag» en können auch wir keine Konzessionen machen." — Dr. L e l e v e r (Zionist) trat warm für eine Annäherung ein. für welche die Vorschläge von Fräulein Dr. Berliner eine Unterlage bieten. ..Die Billigung der Palästinaforderung und die Anerkennung unserer Forderung nach Autonomie in den Ländern d<>r jüdischen Mastenlmdlung erfüllen uns mit tiefer Befriedigung. Die neck vorhandenen Differenzen wüsten von beiden Seiten ohne unnötige Schärfe erörtert werden." — Herr Urigs (K. C) aab seiner Freude darüber Ausdruck, daß Fräulein Dr. Berliner, dm noch vor drei Wochen nur deutsch-nationale Forderungen aufstellte, stch hent" dem allnemein-iüdistben Standvunkte genähert habe „Wir müssen uns in dieser Schicksalsstunde klar werden, daß die Behauptungen beider Laaer, das Judentum sei nur Religion oder n u r Nation, keine Tatsachen sind, sondern nur Derstandeskonstruktionen. Wir müssen uns ans den Boden eines einigen, positiven Judentums stellen, zu dem sich jeder Jnde versönlstb bekmnen muß." -.Dm gegenteiligen Standvnnkt brachte ein anderes Mitglied deL K. C. Herr W o v d a zum Ansdruck, dm namens deK Berliner Liberalen Iugendbundes ein Zusammengehen mit den Zionisten ablehnte. „Die deutschen Inden müssen alle jüdischen Antononck^äelüste entschieden ablehnen. Die deutschen Juden wollen alle ihre deutschen und jüdischen Fragen für sick allein erledigen ohne die Z i o n i st e n." — Herr Kaufsm n n n (Neutraler Jugendbund) bedauerte die ablehnende Haltung des Vorredners. „Eine Einigung sei möglick und müsse unbedingt gnaestrebt werden. Die Juden in Deutschland sind treue, ante Inden, aber sie wollen sick auch ihr Deutschtum nickst bestreiten lassen. Deutschtum und Judentum sieben uns gleich nabe. Wir wollen gemeinsam arbeiten, um die Indifferenz und die Notablenwirisckast zu beseitigen, an -denen das jiddische Leben in Deutschland krankt." — Reckstsanwalt Dr. Apfel beendete die Tagung mit einem Schlußwort. indem er nochmals zur Einigkeit aufsorderte. Die Aussprache soll in einigen Wochen fortgesetzt werden, wenn eine genaue Stellungnahme der Zionisten zu den deutsch-jüdischen Fragen vorliegen wird. Der Wille zur Einheit ist unverkennbar vorhanden, die nicht durch eine Verwischung der programmatischen Gegensätze, sondern durch gegenseitige Achtung und brüderliches Vertrauen angebahnt werden soll. .<5/3> 17. Dezember. Die Mltgliederverjgmmluna des Vereins Mä.dchenhg ns Pankow fand am 9. d. M. im Haust der Vereinsvorsitzenden Frau Geheimrat Loewe statt. Der Verein erzielst nach seiner Satzung arme deutsche Mädchen jüdischen Glaubens, insbesondere Waisen, zu dienstlichen Stellungen. Während der letzten Krstgsjahre nahm die Zahl der Zögling,? allmählich ab. so daß der Durchschnitt von früher 35—40 Zöglingen bis aus den Durchschnitt von 15 Zöglingen im letzten Geschäftsjahr herabging. Der Grund hierzu lag darin, daß weniger Bewerbungen erfolgten, weil die schulentlassenen Mädchen infolge der Lage des Arbeitsmarktes -anderweit sofort lohnende Beschäftigung fanden, Anderseits mußte der Verein auch freiwillig seine Tätigkeit ein-

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