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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-20 · Heft 51 (20.12.1918) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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608 Lin Lrkerent für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt Orok. Dr. Moritz Sobernheim. Von Dr. A l P h o n s I. S u ß n i tz k i. aut einer Mitteilung in der Presse ist soeben seitens der Regierung im Auswärtigen Amte eine besondere Stelle für jüdische Angelegenheiten errichtet worden. Diese sollen somit in Zukunft nicht mehr, wie bisher, im Komplex vieler und vielgestaltiger Probleme, sondern für sich allein und völlig abgesondert geprüft, gewürdigt und behandelt werden. Der Gewinn für uns Juden aus dieser Maßnahme liegt auf der Hand. Während früher die jüdische Seite «einer Frage als etwas bloß Akzidentelles angesehen wurde, wird ihr hinfort essentielle Bedeutung eingeräumt werden. Die Juden waren ja in der Minorität, wurden infolgedessen mehr oder weniger als Anhängsel und Nebengebilde behandelt. Daß sie eine st a r k e Minorität bildeten, wurde in den seltensten Fällen genügend berücksichtigt. . Zudem war es von einem zumeist nur juristisch (nicht auch psychologisch), also bloß formalistisch geschulten Beamten kaum zu erwarten, daß er gar die Eigenart dieser Volksminorität erfassen, richtig bewerten und dementsprechend als besonderen Faktor in sein Gesamturteil einstellen sollte. Gerade nach dieser Richtung wird künftighin der Schwerpunkt der Beurteilung gelegt werden. Die völkische Eigenart wird geprüft, die Besonderheit der Situation erwogen; die spezifischen und charakteristischen Momente werden gewürdigt und in Rechnung gesetzt. Auf solchen Hintergrund wird sich! hinfort das Bild aufbauen. Als erster auf diesem Posten — als Sachverständiger für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amte — ist Professor Dr. Moritz Sobernheim in die Regierung berufen worden. Am 13. August 1872 in Berlin geboren, besuchte Sobernheim dort das Französische Gymnasium und widmete sich nach bestandener Reifeprüfung dem Studium der orientalischen Sprachen. Nachdem er 1897 in Bonn promoviert hatte, unternahm er in der Folge viele, und weitausgedehnte Reisen nach dem Orient. Ein Spezialgebiet bildete für ihn die Sammlung arabischer Inschriften. So «rüstete er im Jahre 1899 «eine Expedition nach Palmyra aus, die ein überaus interessantes inschriftliches Material zutage förderte. Vieles davon ist in Fachzeitschriften zur Veröffentlichung gekommen. Eine von ihm in Palmyra aufgefundene Katakombe ist mit farbigen Bildern von Srtrygowski in seinem Werke „Orient und Rom" reproduziert worden. ___ Im Jahre 1900 nahm er an der staatlichen Expedition nach Baalbek als Arabist teil; seine Aufgabe war die Aufnahme der dortigen arabischen Inschriften. Der Ertrag dieser Studien wird in dem in Vorbereitung befindlichen und demnächst erscheinenden großen Baalbek-Werk veröffentlicht werden. Zu weiten und wiederholt unternommenen Reisen führte ein Auftrag des französischen Archäologischen Inst i t u t s in Kairo, die arabischen Inschriften Syriens zu sammeln. Dieses Institut hatte den Plan gefaßt, ein großangelegtes Lorpus mseriptwnum arabicarum herauszugeben, in welchem alle wichtigen arabischen Inschriften von Syrien,! Palästina und Mesopotamien Ausnahme finden sollten. Die! Bearbeitung des Nord- und Mittelsyrien umfassenden Teiles wurde Sobernheim übertragen. Ein erster Ertrag dieser Arbeiten, die in Tripolis, in Syrien und im großen Johanniterschloß Kalaat-el-Hössen gesammelten Inschriften, war das ver- I öffentlichte Werk: Les inscriptions de Tripoli, das wegen der gediegenen, gewissenhaften undsorgfältigen Behandlung und Bearbeitung des Materials allgemein in den Fachkreisen eine äußerst günstige Beurteilung gefunden hat. Weitere Studienreisen folgten, zum Teil in Gesellschaft des Archäologen Professor Herzfeld, deren Ertrag große Ausnahmen in Aleppo, Hama, Homs und Damaskus waren. Infolge des Krieges hat allerdings der ursprüngliche Publikationsplan eine wesentliche Veränderung erfahren. Nicht nur daß die Arbeiten bis jetzt nicht herausgegeben werden konnten, ihre Veröffentlichung wird auch im Rahmen des vom französischen Archäologischen Institut geplanten Sammelwerkes kaum noch erfolgen. Sie werden vermutlich von verschiedenen deutschen Akademien, denen die wertvollen Jnschristensammlungen zur Verfügung gestellt worden sind, veröffentlicht werden. Neben den rein arabischen hat Soberuheim auch hebräo-arabische, samaritanische und palmyranische Inschriften ausgenommen. Auch einzelne arabische Inschriften aus Baalbek, Aleppo, Medina sind von ihm herausgegeben worden. Als Anerkennungszeichen für seine wissenschaftliche Leistung wurde im Jahre 1910 dem jungen Gelehrten vom Unterrichtsministerium der Professortitel verliehen. Die Historische Akademie in Madrid ernannte ihn ferner zu ihrem korrespondierenden Mitgliede. Aber nicht nur als Gelehrter, auch praktisch hat sich Sobernheim auf geistigem Gebiete von jeher mannigfach betätigt. So gehört er als Schriftführer sowohl dem Vorstand der „Vorderasiatischen Gesellschaft zur Erforschung der vorderasiatischen Denkmäler" wie dem Vorstand der „Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" an. Ferner Mt er die Funktionen eines Schatzmeisters in der „Gesellschaft für JslamkuNde" aus. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender des Beirats des Wirtschaftsinstituts für den Orient." In noch weit größerem Maße sind es jüdische Institute, denen er sein lebhaftes Interesse entgegenbringt. Seit vielen Jahren ist er Kurator der „Veitel-Heine-Stiftung", Schriftführer des „Esra-Vereins", stellvertretender Vorsitzender des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" undschließlich Vorstandsmitglied der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Bei Gelegenheit seiner wissenschaftlichen Reisen in den Jahren 1894 bis 1914 hat er mehrfach Palästina besucht. Er war so Zeuge der Entwicklung des Landes und des großen Anteils der Juden an diesem Aufschwung. Er weiß aber auch aus -eigener Anschauung, worauf es vornehmlich ankommt und wo vor allem der Hebel angesetzt werden muß, wenn der Aufstieg von Dauer sein soll. Während des Krieges hat er eine überaus rührige Tätigkeit im „Komitee für den Osten" entfaltet, dessen Vorstand er argehört. Im Aufträge des Komitees, das sich die Regelung der Fragen des Ostjudontums zur Aufgabe gemacht hat, hielt er sich wiederholt in den okkupierten Gebieten des Ostens auf, um an Ort und Stelle die Lage der dortigen Juden, besonders der Einwohner Polens und Litauens, zu studieren. Anderseits nutzte er seine Erfahrung, indem er mit den deutschen und österreichischen Behörden verhandelte und sie für die jMische Sache zu interessieren suchte. profDDr. ITT. Sobernheim

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