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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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können hofft. Da-nn stiiunn-te bie Stojmnim'liutig dem Ainikrage des .Gentei>ndevoestandes zu., daß 1. allen Be>a>miten und Angestellten der Vertu,Muing sowie tim Etttpfäingern von Nuhegeh-allt, Wi>!!we.n>g>eld n»n.d au.ßeror.denit'lichien U'N!terstützu>ngen eine einmol-ige, sofort zahlbare Teueriun.glszulage in. Höhe von 10 Prozent ihrer Bezüge (Geh'ttlt eiN'schili'eßil'ich p'eirsönlicher Zulage, jedoch ausschließlich der lnulsenden T>eu!e!ru,n>gszu!l,aige), 2. allen Beamten, d-:>e Kirt'der des zu.m vollendet'e'N'. 16. Lebensjahre haben, eine Beihilfe von 300 Mark für jod,e,s Käind, zahlbar m drei- B-iierleljahrs!,eilen von je 100 Abart, beg-inneniv mu»t detn 1. Oktober 19IS, gewährt werdensolle. er. München, 6. Dezember. In der „M ü n ch e n - Augsburger Abendzeitung" Nr. 586 findet sich ein Aufsatz „E rn - porkömmlinge der 11 nt wälz tt n g", mit dem sie gegen einen angeblich sich breitmachendeit „Konfessionshaß" Stellung nehmen zu müssen glaubt. Aus dem ganzen Zusammenhang geht hervor, daß das Münchener Blatt mit dem Hinweis auf gewisse „Emporkömmlinge der Umwälzung" auf jene überzahlreichen jüdischen Elemente hinzielt, die von der „höchsten" Stelle an bis herab in die Schreibstuben der revolutionären Generalkommandos sich so breitmachen. „Es wäre aber ungerecht," meint die A..", „diese Eintagsfliegen irgendeiner Konfession an die Roßschöße hängen zu wollen, und würde tmserer jungen Demokratie keine Ehre ntachen." Demgegenber bemerkt der „Bayerische Volkssreund", daß ihm von einent gegen die jüdische Religion gerichteten „Konfessionshaß" nicht das mindeste bekannt ist; wir selbst würden derartige Auswüchse des „Konfessionsfanatismus" mit aller Schärfe bekämpfen, tute ja auch die neue „Bayerische Mittelpartei" allen religiösen Hader ablehnt. Die gegenwärtigen Besorgnisse der „M.-A. A." sind aber wohl darauf zurückzuführen, daß sich in weitesten Schichten des deutschen Volkes immer heftigerer Widerwille dagegen regt, daß sich in der jungen Demokratie (meist „Konfessionslose") Angehörige der jüdischen Rasse immer mehr in den Vordergrund schieben. Auch mit „Rassenhaß" hat diese Stellungnahme des bayerischen Volkes in seiner überwiegenden Mehrheit gar nichts 31t tun; sie ist einfach berechtigter Widerstand gegen fremde Art und undeutschen Geist, die im neuen „Volksstaat^ nicht die Uebermacht gewinnen sollen. Die christlichen Konfessionen aber können sich im übrigen nur beglückwünschen, wenn sie von den derzeitigen Gewalthabern nicht mit größerem Haß verfolgt werden, als das angeblich von seiten deutschfühlender Kreise gegenüber der jüdischen Religion geschieht! er. Köln, 6. Dezember. Tie Trennung von Staat und Kirche behandelt die „Kölnische Volkszeittmg" in einem laugen, „Jacobinerfreiheit" üverschriebenen Artikel, in dem ansgesührt wird, daß der Kampf, den das Zentrum gegen Staat und Kirche führt, einheitlich und entschlossen durchgeführt werden soll. In dem Artikel heißt es: Aus jeder Verfolgung ist die katholische Kirche schließlich nur geläutert, stärker und einiger hervorgegangen. Sofern die Sozialdetnokratie die von ihr stets verkündeten Voltsfreiheiten auf dem Wege der Willkür, der Gelval therrschast uitb der Diktatur einzelner ihrer Mitglieder verwirklichen null, wird sie beim Zentrum aus einheitlichen und entschlossenen Widerstand stoßen. Das Zentrtun kämpft für Recht tutb Freiheit. Es beschränkt sich babeii nicht bloß antf den katholischen Vo'lksi.eiL. Auch wenn durch die Berliner Machthaber die Rechte und Freiheiten unserer jüdischen Mitbürger angegriffen werden sollten, wird das Zentrum sie wie in früheren Fällen zu schützen wissen. - Auch wir glauben, daß bie Berliner Regierung mit der Trennung von Staat und Kirche einen Sturm entfesseln lvird, der den Zwiespalt zwischen Norden und Süden bis zum Bruch vertiefen kann. Verfügungen vom grünen - oder roten — Tisch, die so tief in die Lebensfrage von Millionen des deutschen Voltes eingreifen, sollte die Rüteregierung sich vorher gründlichst überlegen. — Mannheim, 6. Dezember. D i c jüdische G e m e i n d e - v e r w a l t u n g hat durch das Ableben ihres langjährigen Dorstandsmitgliedes. des Großkaufmanns Josef Z i mm e r n , einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene war ein Biedermann, der für alle Fragen des jüdischen Lebens und als Stadtverordneter für alle öffentlichen Angelegenheiten Herz, Hand und Verstand stets zur Verfügung stellte. Die Beerdigung, die auf dem israelitischen Friedhofe stattfand, hatte eine große Anzahl von Leidtragenden herbei geführt. In dent Trauergefolge waren Handel, Industrie und I Bantwelt vertreten. Tie Stahl hatte Bürgermeister Tr. Finte r entsandt, die Handelskammer ihren Vizepräsidenten Kaufmann R 0 t hs ch i l d und Syndikus Tr. Blaustei n. Die Traueransprache hielt Rabbiner Dr. Stecket nt a ch e r. Er zeichnete ein Bild des Heimgegangenen, das ihn vor den Augen der Trauerversammlung erstehen ließ als den, der er war: ein edler, immer hilfsbereiter Mann. Der Weitblick, eisernen Fleiß, Tüchtigkeit als Rüstzeug trug, reiche Erfahrungen, gestützt auf eine harmonische Lebensauffassung, besaß, und der da, wo man ihn hinberies, immer mit seiner vollen Persönlichkeit wirkte. Für den Synagogenrat sprach Bantier Goldschmidt. „Ein Herz voll Miilde und Güte habe zu schlagen aufgehört. Seine reichen Erfahrungen habe der Verstorbene der israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Eintracht und Ansehen der Gemeinde seien fein Ideal gewesen." In Namen der Stadtverwaltung sprach Stadtverordnetenvorstand Baumeister Noll. Er dankte für die verdienstvolle Tätigkeit des Verstorbenen im Dienste der Stadt. Tie Beamten der Firma Gebr. Zimmern ließen eine! Kranzspende niederlegen unter dein Ausdruck tiefster Trauer. Das Vorbild eines tüchtigen, strebsamen Mannes sei mit Josef Zimmern hcimgegangen. Dem Verlust, den die Handelskantmer erleidet, gab Vizepräsident Mich. Rothschild warmen Ausdruck. Herr Rudolf D a r m st ä d t e r sprach namens der Produktenbörse. Um den einheimischen Handel, namentlich den Getreidehandel, habe sich der Verstorbene reiche Dienste erworben. Bankdirettor Te scher legte namens der Bvrsenbaugesellsehnst unter Dankesworten eine Kranzspende nieder. — Gesänge des Synagogenchors umrahmten die eindrucksvolle Feier. Msterrrich. Z. Wien, 5. Dezember. Tie Wiener „I s r a e l i t i s ch e A l l i a n z" hat Anfang November, sofort nach Cinlangen der ersten Nachrichten über die blutigen Pogrome in Westgali ziert, sich an die polnische Gesandtschaft mit dent dringenden Ersuchen gewandt, daß auf telegraphischen^ Wege bei den gegenwärtig für die Sicherheit des Lebens und des Eigentums int Gebiete des polnischen Staates verantwortlichen Regierungsstellen die Gewährung eines tatsächlichen und ausreichenden Schutzes für die jüdische Bevölkerung veranlaßt werde. Die „Allianz" hat auch durch die neutralen Länder nach Amerika um dringende Intervention gekabelt, dantit den Grausamkeiten gegen die Juden ein Ende gemacht werde. Ilm den unglücklichen Opfern der Verfolgung, welche in Ehrzanow, Zatvr, Brzesko, Kolbuszvwn, Mielec, Dutta, Rozwadow, Brzozow und in zahlreichen anderen Orten durch die Plündererbanden ihrer Habe beraubt und ohne Obdach geblieben sind, rasche Hilfe zu gewähren, ist der Sekretär der „Israelitischen Allianz" mit einem Empf-ehlungsschreibelt der Polnischen Gesandtschaft nach Krakau und Taruow gereist, wo Zentralkomitees zur Linderung der Not der jüdischen Bevölkerung in den durch die Exzesse betroffenen Ort-m eingerichtet wurden. Tie „Israelitische Allianz" hat einen namhaften Betrag für die erste Hilft, zur Verfügung gestellt und der Delegierte derselben, Tr. Armand K a nt in k a, intervenievte bei der pvlni-schen Liquidationskomm'i'ssion, daß den Opfern der Unruhen auch aus staatlichen Mitteln Hilfe gewährt werde, da die private Wohltätigkeit bei weitem nicht ausreiche, mit auch nur die momentane Not .wirksam zu lindern. Graf Lasocti, der die Agenden der Landesverwaltung in Galizien führt, zeigte ein großes Entgegenkommen für das Hilfswerk und versprach, bei der Liquidationskommission zn erwirken, daß den durch die Exzesse tu Not geratenen Personen eine Unterstützung aus Landesntitteln int Anstttaße der früheren Flüchtlingsunterstützung,, d. i. 2 Kronen pro Tag und Kopf, gewährt werde. Ebenso sicherte er Herrn Dr. Kantinka zu, daß 329 galizisch-jüdische Waisenkinder, welche nach einer Zuschrift der ehemaligen k. k. Bezirkshanptmannschaft in Nikvlsburg von dort nach Krakau abgeschoben werden sollten', von der Polnischen Liquidationskommission bis auf weiteres in Schutz und Fürsorge genommen werden würden, und daß, falls die tschechischen Behörden ein.willigen, die Waisenkinder, um sie nicht in dieser rauhen Jahreszeit ins Ungewisse hinauszuschicken, für die. nächste Zeit int Lattde zn behalten, von Galizien Beiträge für den Unterhalt derselben gesandt werden würden. — Die von der „Allianz" errichteten Zentralko mite es, welche natürlich die staatliche Unterstützung der Notleidenden überall voraussetzen müssen, werden nach Möglichkeit der augenblicklichen Not entgegentreten, aber es ist selbstverständlich, daß eine gerechte Entschädigu-ng der zumeist durch die Poluische-rukhenischen

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