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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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0 beantworten. Alle Arbeiter, die nach Berlin kommen, Haben sich sofort zn melden: In der Zeit von 9—6 Uhr Polizeiprästdium, Alexanderplatz, Zimmer 197; zu jeder anderen Zeit: Herberge dies Jüdischen Volksvereins, Auguststraße 17. Zürn Schluß sei noch kurz mitgeteilt, daß einigen öftlidjcn Grenzkassen, bei denen die Rückwanderer zusammenströmen, von der Zentralstelle Beihilfen zur Heimbesörderung der Arbeiter bewilligt worden sind. Ferner haben sie die Instruktion erhalten, diejenigen Wanderarmen, die sich anschicken, unser Land zu betreten, mit Rücksicht darauf, daß ihrer jetzt in Deutschland ein bedenkliches Los wartet, von der Einwanderung tunlichst zurückzuhalten. . ### Berlin, 10. Dezember. Ter A u s s ch u ß für K r i e g s - st a t i st i t (Berlin W 35, Steglitzer Straße 9) sendet uns mit der Bitte nur Veröffentlichung nachfolgenden Aufruf: Der Ausschuß für Kriegsstatistit, der von den bekannten großen Organisationen bäld nach Kriegsausbruch begründet wurde, bemüht sich gegenwärtig, das im Lause des Krieges gesammelte Material zu vervollständigen und möglichst lückenlos auszugestalten. Infolge der ständig andauernden Neueinberufungen konnten die in fast allen Gemeinden vor genommenen Erhebungen kein abschließendes Resultat liefern: vor allem war es unmöglich, das endgültige Schicksal eines jeden Kriegsteilnehmers festzustellen. Jetzt aber, nachdem die Truppen in die Heimat zurücktel)- ren, gehen die Gemeinden auf unsere Ausforderung hin daran, eine nochmalige Feststellung zu troffen bzw. ihre bisherigen Ermittlungen zu vervollständigen. Wir richten an alle Feldzugsteilnehmer die dringende Bitte, die Gemeinden ihres Wohnortes bzw. ihrer neuen Niederlassung auf das tatkräftigste zu unterstützen, indem sie sorgfältig alle Angaben ansfüllen, die in unseren Listen enthalten sind, welche von der Gemeinde als Unterlage benutzt werden. Ta es sicherlich jüdische Kriegsteilnehmer geben wird, die nicht von den Gemeinden erfaßt werden, weil sie dort nur vorübergehend ihren Wohnsitz hatten und keine Angehörigen besitzen, die über sie Auskunft erteilen könnten, wäre es ganz besonders erwünscht, wenn die jüdischen Feldzugsteilnehmer direkt an uns Mitteilungen über alle ihnen bekannten jüdischen. Kameraden, die mit ihnen in der gleichen Abteilung gedient haben, zukommen lassen würden. Es genügen für uns Angaben des Bor- und Zunamens, des Berufes, des Geburtsjahres und des letzten Wohnortes. Sollten genauere Mitteilungen gemacht werden können, so sind sie selbstverständlich sehr willkommen. Wir sprechen die Hoffnung aus, daß es durch eifrige Mitwirkung der jüdischen Kriegsteilnehmer gelingen wird, ein den Tatsachen entsprechendes Bild von dem Umfang der Beteiligung der deutschen Juden am Heeresdienste in Bälde zu gewinnen. 22 Berlin, 10. Tezember. Tie L e h r a n st a l t f ü r d i e W rsf e nscha f t de s I u dent it m s bringt aus der von Moritz M a n h e i m e r begründeten Ntoses-Alendelssohn-Toteranz-Stistuilg einmal in zwei- Jahren eine Preisarbeit über ein Di en sch eu l iebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit behandelndes Thema zur Ausschreibung. Das zuletzt gestellte Thema lautete: „Moses Mendelssohn im Urteile seiner Zeitgenossen", über das fünf Arbeiten eingegangen waren. Tie Prüfung der Arbeiten hat als die preislv'ürdigsteu die unter dem Alokto „Geistesgeschichte, nicht Anekdotenkram" und „Alles Lebendige bildet eine Atmosphäre lim sich her" ergeben. Demgemäß wurde der ersteren der erste Preis in Höhe von 2000 Mark und der zweiten der zweite Preis in Höhe von 1000 Mark zuerkannt. Na-ch Oeffnung der Umschläge ergaben sich als Verfasser der preisgekrönten Arbeiten: Tr. Ludwig Gvldstein, Königsberg i. Pr., und Tr. Rente Berwin, Berlin. Tie Verfasser der anderen Arbeiten können nach geführter Legitimierung binnen vier Wochen ihre Arbeiten im Sekretariat der Lehranstalt Artilleriestraße 14, in Empfang nehmen. — Berlin, 11. Tezember. Professor Tr. Matz bäum, der jahrzehntelang als Rabbiner der hiesigen Jüdischen Gemeinde gewirkt hat und als Kanzelredner in weiten Kreisen geschätzt war, beging am 10. d. M. sein goldenes Tokio rjubiläum. Ter Jubilar erwarb sich seine erste akademische Würde an der Universität Halle mit der Dissertation „de dialecto Targum", die sich mit der Sprache der aramäischen Bibelübersetzungen beschäftigt; aus dem gleichen Arbeitsgebiet erwuchs auch seine Breslauer Preisschrift „Tie Anthropomorphismen und Authropopathien im Targum Onkelos". Später hat er zur Klärung bibelkritischer Probleme Leigetragen durch seine Untersuchungen:, „Tie Entwicklung des altifraeli tischen Priestertums" und- „Die Entlvicklung des israelitischen Prophetentums-". Die Berufung Mahbaunrs auf den Lehrstuhl für praktische Theologie an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums lenkte seine fchriststellerische Arbeit auf dieses bisher kaum angebaute Feld. Eine „Homiletik", eine „Methodik des jüdischen Religiousunter richts" sowie Emgel'schriften zur Geschichte der Predigt und der Pädagogik.sind wertvolle Früchte feines Fleißes. Seine gesammelten Predigten liegen in acht Bänden vor-. E. M. Berlin, 10. Dezember. Unter den zahlreichen Cha!N'u.kaseiern, -die in Berlin. auch in diesem Jahre stattgefunden haben, war die Vornnstaltunig der I ü d r s. ch e n B l i: n den a n st a> l t f ü r T e u> t s chla u d b-eson'dlers benrerkenswe-nt. Im Heim der Anstalt in Steglitz versammelte sich am 4. Chanukaabend eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten aus der Berliner jüdischen Gesellschaft. In der festlich erleuchteten Anstaltsshnagoge nahmen nach dem Abendgottesdienst Rabbiner Tr. B a e ck das Wort zu einer tief verinnerlichten Ansprache, in der er Trost und Ausrichtung allen bedrückten Gemütern gab. Er forderte, wie schon oft, die Abkehr von allem äußeren Schein und mahnte zu einer tieferen Vergeistigung unseres ganzen Lebens. Von Oberkantor D a v i d s o h n, dem musikalischen Leiter der Anstalt, trefflich 'einstudierte Chorlieder der Blindenchöre schmückten die Feier. Fromme Gesänge wechselten mit volkstümlichen Melodien ab. Den Gesangsvorträgen folgte die Bescherung, bei der jedem Blinden sorgsam ein Gabentisch aufgebaut war. Jeder fand ein Sparkassenbuch und einen Korb mit allerlei nützlichen Sachen aus seinem Platze vor. Die Freude der Beschenkten war ebenso groß wie das starke Interesse, das die Kuratoren und Freunde der Anstalt an dem Ergehen der Insassen nahmen. Das von William Neumann begründete Werk wird von Geheimrat Professor Tr. Rosin und seinem Mitarbeiter, Direktor Friedberger, dem Leiter der Anstalt, mit den treuen Helfern sorglich weiter geführt. Möge die Jüdische Blindenanstalt weiter allen unglücklichen blinden Juden in ' Deutschland zum Segen gereichen. Berlin, 10. Dezember. E i n e z nt re s f e n. de it,n d s cb a r f c A n t w v. r t -a n s d i e a n t i s e mi t i» s ch e FI n g h l et t iw ekle, die auiMnbl'ickl'ich über Berlm ..ni-edergeht, bildet em Flugblatt, das heulte in d!en> Straßen Bert ins verteilt wurde und das geeignet ist, di>e wahren Schuldigen-, 'die -nr.it der JnMnierun>g einer Jndenhetze die össen-tlich,e AustNierksamkei't von sich ablenken wollen., zu entlarven. Das Flu gblatt la uiket : „Juden Hetze inBerltn! Arbeiter und Soldaten! Man hetzt gegen die Juden, well Murr. Lassalle, Haase, Biernstei-n, Ro>sa Luxemburg, Viktor Adler u. a. Juden sind! Man belügt Euch jetzt, wie man Euch stets belogen Hirt. Tie Juden sollen 'den Krieggemacht und verlängert haben! Wer saß zu. Beginn des Krieges an der Regierung? Wer im Auswärtigen Amt? Wer in den Gesandtschasten? Ke ln Jude! Wer saß zu- Begin-n -des Krieges in der. Regierung.? Wer im Nt i-litärkabiinett? K c v n I u de! Wer hat den Krieg, verlängert? Wer hat während des Kriegesain laiuüesten dendeutschen Schwertun'd Machtsriiedesn gefordert? Wer hat jeden Ve r ständiigungs-sridden als Hungersri^den und J>udenfriedeu geschm-üht? Etwa die I u den? Tie Juden sollen sich arls dem Schützengraben gedrückt haben. Glaubt Ihr, daß es Frontsold-aten sind, die so etwas schreiben? Weiß nicht jeder Frontsoldat, wie rrngühlige Juden a-ls Eure treuen Kameraden draußen begraben sind? Unter den M a chth ab c r>n de.r R ea kt i on ga b es k eine I u d>e n! Unter denen, die für Freiheit und Recht eintreten-, gibt es v i e le I u den.! Mas ist der. Zweck der H>etze? Die AnsmerksaiMikeit von den Schuldigen abzulenken. Was wollen die Hetzer? Unr uhen a n zette ln! S i>e wissen.-, daß di-e O rdn-ung mich allen Nbit'tel n geschützt werden wird, für wen und gegen wen. es imimer seit Man h>etzt gegen di>e I u den-, aber manmeiinch die B ol k s h e r r s ch a s t, die R e p u b l i k! Die R e a k t i o n , die ihr Spiel noch nicht verloren glaubit, versucht es noch einmal, diesmal mit der Judenhetze! Arbeiter u-nd Soldaten Berlins! Laßt E uch n i cht b e t r ü ge n! Laßt Eure neue Freiheit nicht beschrnutzen!" — Breslau, 6. Tezember. In -der letzten Sitzung der R e p r ä s -e n t a n t e n v -e r s a -in m l u n g gel.angte rlnter anderem zur Mitteilung, daß Rabbiner Tr. Sänger die aus ihn gesallene Wahl als Zweiter Rabbiner an der Neuen Shnaigoge zu Breslau a'ngeno.mnren hat und sein Amt zum. 1. Januar 1919 antreten zu

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