Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229389--74535-3287013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Kämpfe öftoiuffmitm P'bündiekungelN pwvsMgebeinon jüdischen Zivilbevölkerung zu den Anforderungen gehören wird, welche anläßlich der Friedensverhandlungen an den polnischen Staat gestellt werden muffen. — Die tschecho-slowakische Gesandtschaft in Wien hat der „Allianz" eine wohlwollende Behandlung der Angelegenheit der Waisenkinder in Nikolsburg in Aussicht gestellt. J. P. W. Wien, 5. Dezember. Unter .der Ueberschrift „Dokumente der Polnischen Freiheit" veröffentlicht die Wien,er „Arbeiterzeitung" unter anderem folgendes, Dokument: „Platzkommando Sandk. Kommando der Expedition Sanok-Chyrow!. An die israelitische Kultusgemeinde in Ustrzyki dolne. Cs wurde nun bestätigt, daß. die jüdische Bevölkerung an den Kümpfen der Hajdamaken gegen das polnische Militär toilninnnt, -das irn Auftrag der polnischen Regierung Ruhe und Ordnung in das Land bringt. Infolge dieser feindlichen und verbrecherischen^ Handlungen haben schon drei unserer Soldaten den Tod erlitten. Tie Täter werden dafür persönlich haften. Tie israelitische Gemeinde, die das nicht verhinderte, hat unter dem Titel der Strafe einen Betrag von 300 V00 feoimt im Verlauf einer Stunde zu zahlen. Im Falle der Mchteinz-ahlung werden die jüdischen Häuser bombardiert oder mit Dynamit gesprengt und die Strafe zwangsweise eing-choben. Der Offizier, -der dieses Schreiben zustellt, ist gleichzeitig bevollmächtigt, obige Summe in Empfang zu nehmen >und^ zu quittieren. Ustrzyki, 24. Utovember 1918. Swoho-da, Oberstleutnant, Kommandant der Expedition." Hierzu bemerkt das Jüdische Preßbureau Wien: Das Originaldokunlent wunde 'dein> Grafen- Lasocki! m Krakau von einer jüdischen Abordnung vorgelegt, die sofort die Einstellung der „Expedition" verlangte. Graf Lasocki verweigerite die Rü-ckgabe des Originales und folgte erst, als die Abordnung betonte, das; sie es für den Friedenskongreß benötige, eine Abschrift aus. — Dorn Jüdischen Preschurean Wien wird gemeldet: Tie polnische Regierung in ' Warschau gab in einem an den Jüdischen Nationalrat fiir Deutsch- Oesterreich gerichteten Telegramm unter Hinweis auf ihre Bestrebungen zur Besserung des Verhältnisses zwischen den Polen und den Juden der Erwartung Ausdruck, daß der National rat „im Interesse der Freiheit der Völker und -des Wpltfortschrittes" seinen Einfluß zur Einstellung der polenfeindlichen Agitation geltend machen werde. In feiner Antwort wies der Jüdische Nationalrat darauf hin, daß die von der polnischen Regierung gewünschte Aenderung in der internationalen Gesinnung gegen Polennur dann erwartet werden könnte, wenn Polen sich in grundsätzlicher Abkehr von der bisher befolgten Tendenz das Prinzip der „Freiheit der Völker" und der nationalen Gleichberechtigung auch hinsichtlich der Juden zu eigen machenwerde. Unter Hinweis auf die gegenwärtigen Pogrome in Galizien forderte der Jüdische Nati-onalvat gleichzeitig -eine Reihe sofort wirksamer Maßnahmen. Hinsichtlich der einzu setzenden Untersuchungskommisstonbeanspruchte er fiir sich das Recht, deren jüdische Mitglieder zu nonrinieren, indem er darauf verwies, daß der Druck, der auf allen der polnischen Machtsphäre zugänglichen- Judenlastet, bereits jetzt die Lancierung unfreiwilliger Dementis vonnamhaften jüdischen Persönlichkeiten zur Folge hatte. Ter polnische Gesandte in Wien-, Dr. Habicht, hat dieses Antworttelegrarmn zur Weilterbeförderung entgegengenominen und gleichzeitig den Jüdischen Na-ti.onalrat ersucht, seinen Standpilnkt in -einem ausführlichen Memorandum niederzulegen. Ter Nat-ionalrat hat diesem Ansuchen entsprochen. Von Aah und Fern. — Das goldene Doktorjubiläum beging am 11. d. M. Professor Dr. S a l o m on Kal i scher, der seit 1876 ander früheren Gewerbeakademie «und jetzigen Technischen Hochschule zu Charlottenburg wirkt. Professor Dr. Kalischer gehört seit fast 20 Jahren der Berliner Gemeindeverwaltung als Mitglied des Schulvorstandes an; 1905 wurde er zum Repräsentanten gewählt; daneben bekleidet er das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden der Synagoge Fasanenstraße. Im Jahre 1912 übernahm der Jubilar als Nachfolger Martin Philippsons das Amt des Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der ältesten Organisation der deutschen Judenheit, die er kräftig durch die Wirren der Kriegszeit gesteuert hat. — Eine Chanukafeier zugunsten verwundeter jüdischer Soldaten veranstalteten die B n e - B r i t h - L o g e n im Marmorsaal deH Zoologischen Gartens. Die Schwestern der jüdischen Logen hatten durch eigene Spenden und -fleißige Sammeltätigkeit die Mittel zur 4 __ Bewirtung der Feldgrauen beschäfft. Nach -dem Anzäudender ChanuikaNchter durch Ober-kcMIor Neustadt hielt Rabbinier Dr. W a> r s. ch .cv u «e> r leime Ferstiveide, in welcher er den Bedeutung des Abends Ausdruck gab. — Geheimer Madizin-a'lmt P.ro-feffor Dr.. I o fe p h. Jod a s so ly n au>s> Bresilau. ist -als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats Professor Dr. L e f s e r oils Lehrer für Haut- und Geschilechtskrankheiten an. die Berliner Universttät berufen.. — Sani-täit-sr-aiti Dr. Alfred- Rosen bäum, K-ursürstenftraße 42, ist zum Geheimen Sa-nitätsr-at ernannt. — Rabbiner Dr. Petuchowfki feiert am 24. d. M. sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner. — Aus München wird geschrieben: Wie alle Geistlichen der öffentlichen Kirchengesellschaften Bayerns sollen auf Anordnung des Kultusministeriums auch die Rabbiner, soweit ihnen staatliche DienMe.iftun.gen übertragen sind, .gegenüber -der neuen Regierung als Vorstände der K'irchenverwaltungen, der Lv'kailschu'linspektio-n-en und der. Armenrälte folgende Erklär-un-g> abgoben: „Wir v-eripfilichten -uns, dem- Volks,staalte Bah'crn m den uns übertragenen staatlichen Dienftleii'tu-ngen unter Wahrung unferer Gesinn-üngi und Ueberzeugiwnig freiwillig -und aufrichtig inr Interesse der Gesamtheit unsere Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen." — Dr. Alfred Stern, der frühere Präsident -der Wiener -i'svueiliti'sch'eln Kultusgem,enn>de, iist hochbetagtr verischiedein,. — Zu. einem Pogrom kam e!s> wie aus Budapest unter den: 22. Novem'ber gemeldet wird, in der Gemeinde Pegel inu nm.it telb-arer Nähe von- Bu-dapcft. Alle Wohnungen,, L-üidenu-N'd Mag-azi-ne -sämtlicher dorti-ger jüdischer^ Ka-uifleute wurden erbrochen und -ausgoplü-ndert. V ie r I -u -d e n w u r d e -n g e - tötet. — Die Budapester Morgenblätter vom 22. Novem-ber melden, daß die Judcnscha-ft der o-ber,ungari schen Stadt Drenczsen durch die tschechischen Truppen -mit einer Kontribution von- 400 000 Kronen belegt wurde. Tos- Budapester Zi-onistische L-arldeskomitce unternahm Schritte zu einer Jn-Lerventi-o-n- -bei-rn Tschechoflowak-ischen Ipa-ti'ona'lra.t, -bei dem -der Jüdische No-tiona-lrot in Prag schon vorher wegen der Exzesse in Süd- und Ostmähren und in der Slowakei vorstelli-g -geworden -war. — Die.-in Budapest organisierte Zionljtengarde^ deren offizieller Name „Freiw'illige Brachi-algew-alt-Ko-ri;- p-agnien" ist -und die -unter dem. Schutze des u.n-gariischen Kriegsmi.U'i-steri'U-m.s steht, -besteht gegemvörtig a.us 1300 M-an-n- und hat bi-sher schon -in zirka 40 Orten «die Ruhe und Sicherheit der Inden herge-stellt. T>as Oberkonimon-do h-at Herr H-auPlttn-ann B e r e g i-, der gewesene Präsident der ungarischen Zionistischen Or-gani's-atiion.. — In Strzhzow wurde!das ganze isriaeilWsche V«er,mögenfür den „polnischen Staiaitisischatz" mjiit Beschlag belegt. In Ropezhoe. wurde di-e Prügelstrafe! für die Juden eiingefü-h-rt und berMchs iin einiigon Fällen öffentlich ausgeführt. In Rzeszow wurde der Präsident des dortigen Jüdischen Volksrates, Rabbiner Nathan Löwin, in roh-efter Weife von Legion-ären, wiailträitier-t. D-a.nn> schlugen- -sie m,it den Gewehrkolben in den Aron-Hakodesch zwischen die Sissre-Toroth, u-m „«nach M-aschiin-enigew,ehren," zu suchen,. Auf diese Art wird dort «der Pogrom provoziert. B!iis jetzt liefen, ,aus üiber 140 Ortschaften in Westgabizwn P-ogrontbierichte ein-, — Wie ,„So'le" -aus R om meldet, w-ird biite Banoa di, Roma ei-ne Filliiale m Jerusalem lemöffnen. — T-as Kopenhagener Z-vonistrsche Bureauteilt mit: An,läßlich der bevorstehenden, Frieden-sverhan-dlungen beschloß die Aioni'stische Organisation, ein Burea-u i-n Paris zu eröffnen, -dessen Leitung in den Händen von Herrn Nahum So ko low liegen wird. — Der in Kiew erfchei-nen-den. „Neuen, Z-eit" zu-fo.lge h-aben d-ie ru-sstschen Juden eine Delegation zur Friedenskonferenz gewählt, id-eren Atitgli-eder Ufsischkin (Vorsttzeud-er), Kreinin, Aronsohn, der bekannt-e Rechtsanwalt und Ver-teidiger im Bei-lis-Prozeß Gruisenberg u-nd Achad Ha-am sind. — Das Kopenhagener Zionistische Bureau h-at beiderr Gefandt-en, der Großmächite in Kopen-h-a-gen 'Schritte untern-ommen, ilm -die R-egiierungenzu einer J-nterv-enti-onin Sachen> d-er Ju-denpog-rome in G-ailizten -und Po-len zu v.^ra-nl-assen. — Das Stockhotmer JÄ-difche Preßbureau berich-tet: In- Londontraf ei-n Telegramm aus P-ailästi-n-a ein, welches über die -schreck,liche Notlage 'der jüdischen Bevöllkeru-ng >in Damaskus, Bei,r!U-t u-nd- Si-don berichtet. Die Zion ist,i-sch,e Kio-nr-misfio-n in P-alästina .organisiert die Hilfsaktion. Große, Fonds für Nahrung -und K-leidung sind nötiH. Kin-der sterben Hiungersin den Straßen von Beirut. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Verlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.