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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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595 besuchte das Wiener Konservatorium und erwarb sich unter den Professoren Weiß und Fischhoff musikalische Bildung. Von 1842 bis 1844 fungierte er als zweiter Kantor und Stellvertreter Sulzers am Wiener Tempel. Im letzteren Jahre erhielt er den Ruf als Kantor und Chordirigent an die Große Synagoge nach Breslau. Der Breslauer Gemeinde hat Deutsch sodann fast 50 Jahre hindurch seine künstlerische Berufstätigkeit gewidmet, unermüdlich bis zuletzt mit voller Kraft und Hingebung. Bei der Ausgestaltung des Gottesdienstes in der Breslauer Gemeinde fanden deren Rabbiner Dr. Abraham Geiger und sodann dessen Nachfolger, Dr. Manuel Joel, in Deutsch, der ihnen auch freundschaftlich nahe stand, die kräftigste Stütze. Deutsch organisierte in der Großen Synagoge einen gemischten Chor und brachte dessen Leistungen auf üne künstlerische Höhe. Seine kompositorische Tätigkeit erstreckte sich auf die ganze Liturgie, die er für Solo und Chor mit und ohne Orgelbegleitung in Musik fetzte, und er veröffentlichte fern er Orgelpräludi en nach alten Synagogenintonationen und vierstimmige Synagogen- und SchMieder mit deutschem Tert arbeitung desKolNidre für eine Singstimme mit Begleitung der Orgel oder des Pianoforte. Von diesen Kompositionen sind als epochemachend die 187 t erschienene „Vorbeterschule" mit Nachtrag aus dem Jahre 1890 und die 1880 erschienenen „Breslauer agogengesänge trägen hervorzuheben. Die „Borbeterfchuile" ist die erste vollständige Sammlung der alten Synagogenintonationen (Cliasonus). Wie der Verfasser in dem Vorwort bemerkt, ist er bestrebt gewesen, den traditionellen Gesang nach Kunstgeisetzen zu ordnen, möglichst zu vereinfachen und eng mit dem Texte zu verbinden, ihn aber nichtsdestoweniger in seiner Originalität zu erhalten. Dies ist ihm in vollkommener Weise gelungen, und es biildet die ,,Vorbeterschule", abgesehen von ihrem wissenschaftlichen Werte, noch heute einen trefflichen und vielvevbreiteten' Wegweiser für Kantoren. In den Breslauer Synagogengesängen ist besonders die Harmonisierung der traditionellen Weisen zu rühmen, welche stets dem Charakter ihres Tonsystems entspricht und Wendungen vermeidet, die ihr traditionelles Gepräge zu verdunkeln geeignet sind. In beiden Werken sind auch zahlreiche eigene Originaltompositionen im alten Stil enthalten, welche sich durch besondere Deutsch 'den Musikunterricht im Breslauer Jüdisch-theologischen Seminar, und 1859 begründete er sein Institut zur Ausbildung jüdischer Kantoren, aus welchem an 130 Kantoren hervorgegangen sind. Der musikalische Teil des wahrhaft mustergültigen Gottesdienstes in Breslau war Deutschs Werk. Doch blieb seine künstlerische Tätigkeit nicht bei der Synagoge stehen. Seine außerordentlichen Leistungen zogen bald die Aufmerksamkeit der Musikkenner auf sich, und so führte er seit 1845 in der Breslauer Singakademie öfter die Tenorpartien in den großen Oratorien in vorzüglicher Weise aus. Auch in anderen Konzerten zu künstlerischen und wohltätigen Zwecken hat er unter Mvsewins, Reinecke, Schösser, Liszt, Wagner und Damrosch mitgewirkt und sich außerdem -noch an musikalisch-literarischen Arbeiten in jüdischen Zeitschriften beteiligt. Auch das Vorwort zur „Vorbeterschule" und das Nachwort von „Der Ritualgesang der Synagoge" sind wertvolle Arbeiten. An mannigfachen Zeichen der Anerkennung hat es bei , verschiedenen Gelegenheiten nicht gefehlt: wir heben hier nur hervor die prachtvoll ausgestattete Adresse anläßlich des 40jährigen Amtsjubiläums im Jahre 1884, in welcher mehr als 100 Kollegen des In- und Auslandes, an ihrer Spitze der greise S u l z e r in Wien, ihre Dankbarkeit ur.d Hochachtung zum Ausdruck brachten. Tie Sy naaogengemei nde Stockholm übersandte ihm eine große Abbildung ihrer Synagoge, versehen mit den Unterschriften des Vorstandes, nebst ehrenden Worten der Anerkennung der großen Verdienste Deutschs. Eine Deputation des Lehrerkollegiums des Jüdischtheologischen Seminars in Breslau, bestehend aus den Professoren Grätz, Rosin und Tr. Zuckermann, ehrte Deutsch an seinem Jubiläum mit einer Ansprache, in der sie die Verdienste des Jubilars während einer langjährigen Tätigkeit im Seminar würdigte. Im Jahre 1891 wurde Deutsch von dem unter Leitung des Musikdirektors S. Judassoihn stehenden Synagogengesangverein zu Leipzig mit Rücksicht aus feine großen Verdienste um den Synagogengeisang unter Uebersendung eines Ehrendiploms auf allgemeinen Wunsch zum Ehrenmitglied ernannt. Am 27. Februar 1892 ging Moritz Deutsch in ein besseres Jenseits ein. An seinem Grabe standen tiefbetrübt nicht allein die trauernde Familie, die stets so regen Anteil an der unermüdlichen Schaffenskraft und Arbeit ihres Gatten und Vaters genommen, die Breslauer Jüdische Gemeinde, die den seltenen Wert ihres hochbegabten Kantors wohl zu schätzen wußte, sondern auch seine zahlreichen Verehrer, die jünger und Pfleger der Gesangskun'st, welch letztere er mit bewährter Meisterschaft beherrschte. Besonders schmerzlich empfanden den herben Verlust auch die zahlreichen Schüler des Entschlafenen, denen er feine besten Kräfte gewidmet, um sie zu ihrem heiligen Amte vorzubereiten. Und weit über die Lehrzeit hinaus erstreckte sich sein wahrhaft väterliches Wohlwollen für seine Schüler: feiner tatkräftigen Unterstützung, soweit sein Einfluß und seine Kräfte reichten, tonnten sie stets gewiß sein, und daher hingen seine Jünger mit inniger Liebe und aufrichtiger Verehrung noch an ihrem sowie eine Be- Synmit zwei Nach- Musikdirektor Moritz Deutsch. Schönheit auszeichnor». Im Jahre 1855 übernahm

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