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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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593 mußte ot-nb -der ein Jude in maßgebender Am'tsistellu'trg, ein unechrckg-Licher Gedanke war, wenn .auch -beinotgedrungenen Berühr,ungem die Formen scheinbarer Freundlichkeit und Korrektheit sorgsam beachtet wurden. Deshalb durste der Jude auch nicht Resevveoffiziier werden, denn der Reserveoffizier 'war das Schibbolet, der Adeksbrief und das GmtvittMllM für die „Gesellschaft". Die Pest des MsellschaMchen Antisem-itismus erstreckte sich sogar bis 7n die Sch'nlen und vergiftete schon die Jugend, nnd triumphierend wiesen. die Antisemiten -auf diesen. Mündlichen Er-foikgihrer jahrzehntelangen Arbeit hin. Wie auf -den Universitäten judenreme Verbindungen, so gab es -schon an> dein, höheren Schulen möglichst juden.rei.ne Riuderkkubs und idergloichen mehr. Dieser. Geist der grundsätzlichen Zurücksetzung, '-der dem- Juden., nur weil er Jude war, überall den Weg zu versperren, trachieie, war es, ihn erbitterte. Die größte Ungerechtigkeit ist die halbe oder heuchlerische Gerechtigkeit, das Unrecht «in allen Formen Rechtens aus persönlicher, wenn auch verhüllter Mißachtung. Es ist derfM-e Geist, mit dem wir so Glänzende nto-ra-lische Eroberungen in. Elsaß-Lochr-ingen, im Osten und in der ganzen M gemacht haben. Der AntisemitiZnru s i st nur eine -seiner Er sche in ung!s>formen. Uebri gens ging, e s den Katholiken' zeitweise -auch nicht viel anders, mir daß mit ihnen als mit einem ganz anderen M-ackMaktor zu rechnen, war. Nur einen Stand gab es, dem Jude oder Christ ganz egal war, der keine gesellschaftlichen Rücksichten zu nehmen brauchte, die Arbeiter und Proletarier. Hier war daher ein Feldfür die zurück-gestoßene, persönliche Tüchtigkeit, für den leidenscha-Mchen- Drang nach sozialer Gerechtigkeit, der den gedrückten Juden gemäß seiner Abstammung, Religion und Geschichte von jeher beseelt halt. Kann man sich -also wundern -über -die vielen jüdischen Männer, die jetzt als Führer erscheinen, nachdem dieses Proleitar-iat die Dinge in die Ha-n-d genonunen hat? Sie haben sich nicht hervorgedrnngk, sie werden hervorgedrängt. Kann man sich wundern, wenn manebem vielleicht da,s Angemnas; für die eigene Bedeutung -und- Würdigkeit fehlt? Die Juden selbst sind von dieser Erscheinung keineswegs entzückt. Ich glaube nicht, daß z. B. Herr Kurt Eisner unter Juden viel Anhänger hat. * Die Lage der Juden in anderen Lände rn, die gegen sie herrschende Stimmung ist auch nichts weniger als erfreulich. Von einem ganz unerhörten Vorkommnis melden die Wiener Blätter; wir geben den Bericht der ..N. Fr. Presse" wieder, welcher folgendermaßen lautet: Ei n m e r f tv ii r b i qc v Zwischenfall bet de r Anae l o b it n g Don Militärärzten. Aerzte jüdischer Konfession von der Ablegung des Gelöbnisses ausgeschlossen. Wien, 27. November. Bei der heutigen Angelobung von Militärärzten durch den Staatssekretär für Volksgesundheit ergab sich ein eigenartiger und bezeichnender Zwischenfall. Der Staatssekretär Dr. Kaup weigerte sich, das Gelöbnis der Aerzte israelitischen Glaubensbekenntnisses entgegenzunehmen-, bezeichnete die Rechtslage dieser Kategorie von Aerzten als ungeklärt und meinte, zunächst müsse mit dem Jüdischen Nationalrat darüber Rücksprache genommen werden, ob Juden als Staatsbürger der Deutschi-ö sierreichischen Republik in Betracht kämen. Die Frage liegt nahe, ob aus den Schlachtfeldern in Galizien und in Russisch-Polen, im steinigen Karstgebirge und in den Malariagegenden Albaniens die Militärärzte, aktive sowohl als auch jene Tausende von Zivilärzten, die der Krieg über Nacht aus ihrer bürgerlichen Existenz hinlausgewovsen halt, mi>t der Gretchenfrage behelligt wuivden., wie sie r& -mit der Religion hielten. Alle die Aerzie, die oinreis schönen, Tages ähre OrdinaitiMszimmer. zuspe-rren, auf ihre off -in jahrzehntelanger mühseliger Arbeit, erworbene Praxis verzichten, durften, haben, wohl ka.u.tn. -.geahnt, «daß sie nach ihrer Rückkehr -ans bem Felde sich gegen, derlei, riab-ulisti-sche Spitzsindigkeiiten' zur Wehr sehen '.mühten. Der' Staatssekretär für Vv'lksgesuindheiit beruft sich aus denvom- Verfassung-s-nusschuß der Nati-ottalviorsa.m-nilung anigenoimntenen! Gesetzmtwurs über das ,deutschöstevrieichffche Staiaitsbü-rgiorrecht. Dieser Entwurf räuim-t jenen Personen-, die sei't dem 1. August 1914 im Gebiete -der Republik Deutsch-Oesterreich ihren ordentlichen Wohnsitz haben, >das Recht ein, durch einfache Erklärung die deutsch-österreichische Staatsbürgerschaft zu -evtvepbsn. Ausdrücklich wird .ausgesprochen!, .daß die Erfüllung der gesetzlichen, Wehrpslichiti oder einer Per!siön>lichern! Dienstleistung auf Grund deK Kr-ilSgisdieNfMiftungsgesetzes und -die «dadurch bedingte Abwesenheit den ordentlichen- Wohnsitz nicht unterbrechen. Was die bereits in einer Gemeinde der Deutsch-öfter reichischen Republik HeiiMia-tberechtiahen an,langiß, wirdnur eine Ausnahmefür jene gentacht, .die sich zu. einem, lomtawtf Staate im Gebiete der ehemaligen ö.sterreich-i«ich?-.tliNiga.rt!ichen! Mon.archie bekennen. Nacheinem etwaigen Bekenn-tniis iini dieser- Richtunig wurde aber! hieujie gar nicht .gef-ragit. Der Sta,a.tssekretä,r stellte nur den- Begriff ,de.s „Angehörigen- 'der deutschen, Nation," aus, von dem. das- Gesetz über das deutschösterreichische Staaißsbü>r'aerrecht keine Ahnung hat und -über -dessen Merkmale Dr. Kaup sich mit dem Jüdischen Natioualrat ins Einvernehmen setzen will. Eswäre dringend zu wünschen., daß der Herr Staatssekretär, unter dessen hpgi>en-vs.cheu Agenden, allerdings -die Gesetz.es kenn>tn!i.s n>tcht zu fallen' scheint,, vonseinen rechtskundigen Amltsikollegen-!'chilieuniiiaft über den. Inhalt und die Bedeutung der einschlägigen Gesetzesibe'sti.tmn-unaenaufgeklärt werde' lieber die Vorgänge bei d-er -heiuitigen Angelobung wird ums berichtet: Heute mittag um 12 Uhr erschien Generalstabsarzt D ra st i ck> mit-unaeiübr 100 bis 120 Militärärzten. teils aktiven, teils Zivilärzteä-, die sich noch in militärischer Stellung befinden , beim Staatsiekretär für Volks ge ütudheit. Dr. K a u p, ttnt das vora,eschrieben-e Gelöbnis ab.zuleaon. Der Staatssekretär 'Machte die Herren darauf arlfmerksam, das; nur diejeniaen d,'e Angelobung leisten können, die ait f Grund der heute veröffentlichten Gesetzesbestimmungen über das detttsch-österreichische Staatsbürgerrecht nicht als Ausländer zu betrachten seien. Von den Bekenuern des -israeliti.scheu G-lanbenskön-n-e er das Gelöbnis- -nicht erttgegennehmeu, da nach der Definttivtt des Deutsch-österreichischen Staatsrntes mir ein Auaeböriger der deutschen Nation als u-r Deutsch-österreichtschen Re- Publ't'k zttgehörig betrachtet toer-de-u könne. Wegen ber Zttlassuna der Juden müsse erst mit dem Jüdischen Natioualrat Rücksprache gepflogenworden. Geineralstabsarzt Professor Tr. Alois Pick leche i-m eigenen Na,men- undtan Namen der ü brigen Aerzte ntoiai-scher K-o.nfesst.on etttschiedeneu. P-r-otest aegendiese Aufsafsung. ein. Er persönlich leiste feit 31 Jabren- Militärdien'ste und habe sich stets als treuer Detlt-scher itndals Delt-tschöster-reicher gefühlt,. Zu einer Zeit, da der Herr Staatssekretär wohl -n.och die- Schule bestt-cht habe, fü-gte Professor Piek bei, wäre .er bereits an der Hochschule deutscher Eouleurstnden.t getvesen. Nach diesem Protest verließen die Aerzte mo.sa.t.scher Konfession, etwa 25 bis 80, -den Saal, ohne das Gelöbnis abgelegt zu haben. * Von den fürchterlichen P o g r o nt e n in L e m berg ist schon mehrfach die Rede gewesen. Ausführliche Schilderungen über die Einzelheiten dieser schmachvollen Handlungen zu geben, die uns in die 'barbarischste Vergangenheit versetzen, vermeide ich. Es ist zu entsetzlich', davon zu reden oder daran zu denken. Wohl aber soll daran erinnert werden, daß gegen diese ungeheuerllichen Verbrechen Erklärungen erlassen werden und daß Schritte getan werden, um -die fluchwürdigen Anstifter zur Rechenschaft zu ziehen und die Wiederholung ähnlicher Greuel zu verhindern. Für das -erstere mag folgender Ausschnitt ans der „Kölnischen Volkszeitung" genügen: Gegen die Pogrome in Pole n u n d Galt z t e n. In einer stark besuchten öffentlichett Pro-kostversamtnlung im überfüllten Leese-Saal zu Köln unter dem Vorsitz des JustizratsDr. Bod-enheimer wurde nach Vorträgen von Max Goldreich (Vettel) und Näbbtncr Dr. Eoh-n (Bonnl sowie nach sturrdenlanger erregter Aussprache folgende Entschließung angenommen: „Die Versmn-mlung Kölner Bürger und Bürgerinnen spricht ihren tiefen Abscheu gegenüber -den ttmnenschlichen Ittdenversolgunaen aus, die in Gali-zien und Polen neuerdings stattgefunden haben. Sie erwartet vo>n der k-ünftigen Friedenskonferenz eine neue Regeluttg der Zustände im ettropäischen Osten, die auch der dort in Massen wohnenden jüdischen Bevölkerung ein freies ntenschenwürdig-es staatsbürger-- liche-s Leben tmter Wahrung, ihrer Eigenart verbürgt." *

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