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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 592 (sequence 4)
Language
German
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Das man; Oberst Nico I a i rnit feinöni Rieseustabe von aktiven , Offizieren', die alle große Krieglsgeh älter bezogen'. —- Sind 'ha® — | Juden? Wer fyaifc in -freu. Genera lkourniandos gefesfen, den Be-lagierumigs-; zustand geleitet, alle Zeiitungen. m\h Menschen geknebelt, verfo'lgt ' n>nd oingekerkert, die für 'de-.n« Frieden, einitraten-? Das waren langer Mililtä.rs, General v. Kassel, v. Ga hl, v. B -i e i i n g h o f. f, PMizeirat H e >n n i< sm g e v matt tlpein Stabsosnzieron. Sie alle wareni Kriegsgewinnler. — Waren' das — Juden? Wer aber trat irrt' Reichstag neben' anderen Kr-iegsgegnern seit Herbst 1914 für den» Frieden ein? Es waren -die Inden Hanse, Bern st ein, Osoar (Lohn. u. a. — Wer bekämpfte h\t Erj o bernngspolitiker? Es waren, wieder uin dieselben' Leute!! Wer wurde von Atititärs, Grotzgrun'dbesitzern, Kon'sierva't'ivm? als Landesverräter gebrandmarkt wegen Fr-iedenspolitit? Es waren lviederum dtesÄben — Juden. Sie und andere haben auch i-m Reichstag den Mut gehabt, s.ür die Soldaten einzu>tve>ten', für bessere Behandlu-ng der Lan.dsturmleu'te, für besseres Essen der Soldaiten', gegen Soldateninlißhandluingen. Kanroraden, lasst Erich nichts, .ausschwatzen, denkt wad) — ua-iteitt ftlber! Die Juden sollen die Sündenböcke für die Verbrechen der MilitärA weriden.; die Militärs zittern vor Angst vor der Rache j der Soldaten. L u. d e n. d or f f und T i r P i tz sind i-n:s Ausland! geflohen — aus Angst. Die Hiorgebliebenenverstecken, sich hiriter der Judenhetze — aus Feigheit.! Gew ist, igibt es überall schlechte Elemente, aber, Kaimer-aden, helft! uns, arbeitet, uni die wahren Schuldigen, zu ontlarven. Nur die j Wahrheit kann uns erlösen, nur auf Wahrheit können -wir ein - neues, besseres Vaterland erbauen. Jeder muh uns willkommen sein -als Mitarbeiter, gleichviel ob Jude oder Ehrist, Di-ssident oder 'Atheist; denn wir schätzen die Menschenrricht nach ihrer Religion-, sondern nur nach ihrem, Verdienst. Wir, die Unterzeichner, sind keine Inden, haben, jahrelang in der Front gestanden, stehen seit Anfang im Dienste 'der Revolution-! u'nd erlassen dies Flugblatt, nur der Gerechtigkeit wegen. Fort nrit der Lüge! Fort mit der Hetzerei! £ skar Linde n a u , Redakteu-r, ehemaliger Garde jäger, j Berlin, Teltower St,raste 16. Earl Evnrad, Korrespondent, Fnsmrtillerie-Bataillon 25, Berlin 0112, Holterstraste 26. Otto Lehmann, LDstrm., Berlin, Regensburger Straße 30. * Es ist aufs dringendste zu wünschen, daß solche Stimmen der Vernunft sich Gehör verschaffen. Wir hegen die feste Ueberzeuguing, daß auch unsere großen Orgamsationen sich vernehmen lassen. Atöge Deutschland vor traurigen Judenhetzen bewahrt bleiben! Möge es den Juden bescyieden sein, mit ihren mchtjüdischen Volksgenossen.zusammen am Heil und Wiederaufbau des VaterlariDeS zu arbeiten! * Jur Kennzeichnung der wirklichen Stimmung der Sozialdemokratie den Juden gegenüber diene folgende Mitteilung des ^Vorwärts": An t is e mi t i s che P ro pa g a nd a in Verl in. Der letzte R'ettungsanker der Reaktion. In Berlin werden in der letzten Zeit massenhaft antistnütische Flugblätter verbreitet, in denen, unter Wiederholung alter bekannter Vorwürfe gegen die Juden, über die angebliche ,^Judenherrschast" der Sozialdemokratie hergezogen wird. Wir werden von verschiedenen Seiten gefragt was dagegen zu tun fei. Antwort: die Republik, die'allen Gleichberechtigung gewährt, mutz auch allen die Meinungsfreiheit lassen. Das neue Teutsck)lanld wird iflbcn nach seiner Brauchbarkeit heranziehen, ohne nach Abstanmumg oder Konfession zu fragen, sie muß aber auch aller Kritik, fei es auch die unaerechtigste und unvernünftigste, freie Bahn lassen. Die antifemitischen Flugblätter sind von einem Eisenbahner, einem Armierungssoldaten und einem Minenwerfer unterzeichnet, von Leuten, die «das Geld zu dieser kostspieligen Propaganda sicher nicht gegeben habem Es wäre interessant zu erfahren, wer eigentlich hinter ihr steckt. A-bek die Zusamnienhange sind durchsichtig genug: die Judenhetze war stets der letzte Hoffnunsgsanker der Reaktion. Die Berliner sind im Durchschnitt viel zu hell, um diesen Schwindel nicht zu durchschauen. * * Der jüdische Standpunkt wird in führ bemerkenswerter Weise in einem Artikel der „Dortmunder Zeitung", unterzeichnet „Dr. I." (Jakob?), vertreten. Darin heißt es: Das Judentum hat seiner Natur nach mit Revolution nichts zu tun. Seiner Natur nach ist es geradezu die konservative Erscheinung der Weltgeschichte. In Deutschland gehören die Inden ihrer überwältigenden Mehrzahl, nach wirtschaftlich zum Mittelstand und politisch zu den bürgerlichen Parteien. Und 'dennoch ist es selbstvc-rständkich, daß sie jede Revolution, die mit einem System der Ungerechtigkeit aufräumt, mit. Begeisterung begrüßen müssen. Denn zu, den Opfern dieser Ungerechtigkeit, zu den Zurückgeschten und Schikanierten, gehörten. nicht in letzter Reihe sie, die Inde r. Dem Buchstaben nach sollte im alten Preußen völlige Gleichberechtigung ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung herrschen. Es gab ein au'sdrückliches Gesetz- (vom. Jahre 1869), wonach die Zugehörigikeit zu. einem bestimmten. Glauibensbekennltnis kein. Hindernis für die Bekleidung von Staats,ä.mtern fein durf^te. Wi,e> >es dem J'll'Len gegen'über gehandhabt wurde, ist sattsam 'bekannt. Niemals wird man einen Juden in -einer verantwortlichen R>egieru-ngsuno Verwaltungsstelle, vom Mnister bis zum Gendarmen und Nachtumchter gesehen haben. In zahlreichen Berufen, wurdenihn-en die gröstten Schwier,igkei-ten gemacht. Es war der Wieg, der VerwailtuiNigspraxis, auf denl sie um die gesetzliche Gleichberechtigung betrogen lvurden, so daß Theodor Acmnmsen schon, vor Jahrzchnten dafür den A'usdruck „Verwalt,uugsprellerci" geprägt hat. Es gab ein ganzes System von Dritteln und Mjittelchen des Ausschlusses! oder des o-ssenen und versteckten Druckes zur Taufe, die bis zueinem gc'- lvissen Grade den Alakel der jüdifchon Abstammung abwufch.. Das war die „freie Bahn dem. Tüchtigen". So 'Mieden, dem begabten, aber charaktervollen Juden in der Regel nur die freien Berufe, ha.upts.ä'chtich des Anwaltes und des Arztes. Die Krone dieses alten Systeurs im alten kaiserlichen Deutschland, die Seele ldes preußischen Drilitarisin'U's, war der Reserveoffizier. Nach dem. Kriege 1870/71 bis zu dein von 1914 wurde von den vielen. Tausend jüdischen Einjährigen in Preußen niemalls einer zum Reserveoffizier besörderir. Es sUhlte d-oiu Juden, die „Eignung" zum Vorgesetzten. Schonlangte vor dem Kriege hätte der Hantztmann von. Köpenick eine Menetekel für diesen Militäri-smus sein müssen. Wso das war das Geheimnis dieser -unnahbaren mi-li'tä'ri'schen- Eignung.! Ginalter Schustergeselle, der nie gcdient und ein Trillel seines Lebens im Zuchthaus zugebrächt hatte, der die erforderlichen. Dsanieren den uniformierten Göttern im Theater während der Pausen abgeguckt, brauchte sich nur einen- Militäruran-tel -umzuhän.g,en- und eine Mütze au'szu'setzen, -um alles vor sich im dienstbeflissenen Gehorsam ersterben zu lassen. Ber der jedes J-ahr 'wi-ederholten Debatte int R-eichstage leugneten die Kriegs min i-ster stets-, daß es i rgendeine Besti rn nrung gebe, die hm Beförderung des Jilden Zinn Offizier verbi-ete. Und sie .hatten wahrscheinlich recht. Die Regierung war in der Ta!t erst in zweiter Linie schuldig. Der w-ahr-e Herd dieser Gesinnung war die Gesellschaft, und zstv-ar die bürgerliche sogenannte gute oder bessere Gesellschaft, und ganz besonders die atadenlischen Beriuse. Hier war die Wurzel des -aus Brotneid, Strebertum-, politischer Korrettheit, alldeutschem Wahnsinn, brutaler Machtphiilosophie und ix:m subalternen Dünkel, der seine Würde lediglich durch den Ausschluß arrderer gesichert wei-ß, zusammengesetzten Auti's-emiti-s'M.us. Ter An'tiiem-ntis-nius des Salons hatte den der Straße abgelöst, und seine höchste Sorge war, die Gesellschaft „judenrein" zu erha-ltcu. Vorurteil's'freie WürdiguNlg des Juden,, Eintreten für ihn öder gar einintimer Verkehr Lonrpromittierte. Die vornehmer denkenden Naturen waren machtlos. Tlm herrlichsten blühte dieses Wesen in der P-rovinz «und ihren lnannigsach>'.'n K'liubs. Gab es doch in. vielen. Städten ata-demische o-d-er geselliige Vereiniguirgen, die giru-ndsätzlich jeden Juden- (allch den getauften) ausschlofsen. Von hier .aus wurde er mit den bewährten Methoden ider staatlichen Verwaltungspraxis systematisch a>us zahlreichen Berufen ferngehalten odc«r vielmehr der Staat entnahm seine Methodender Gesellschaft, -ai:f!die er „Rü'cksicht nehmen

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