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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-13 · Heft 50 (13.12.1918) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 591 (sequence 3)
Language
German
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59 i - ihnen den Uüerträglichen Frieden zu diktieren und Deutschland für eine unabsehbare Zeit zur dienenden Magd zu verurteilen, das herrliche, unbesiegbar scheinende Land zur demütigen Sklavin zu erniedrigen. Darum muß jeder Vaterlandsfreund bestrebt sein, für Herstellung' von Ruhe und Ordnung zu sorgen. Das einzige, was uns helfen kann, ist der baldigste Zusammentritt einer Nationalversammlung und einer starken Regierung, die Ordnung erzwingt. Werden auch die extremen Parteien, falls die Wahl, wie wir wünschen und hoffen, ihre Aspirationen nicht befriedigt, nicht Rühe geben, sie müssen niedergezwung-en werden, um gesicherte Zustände zu schaffen und um die Möglichkeit eines geeinigten Deutschlands zu gewähren. Geschieht das nicht, so steht uns das Fürchterlichste, eine Besetzung des gesamten Deutschland durch unsere Feinde, bevor. Sie lauern nur darauf, den triumphierenden Einzug zu halten; sie haben nur das einzige Streben, dem Lande, das während eines beispiellosen Krieges seine Grenzen zu wahren und die Schrecknisse des Krieges von seinen Fluren fernzuhalten verstand, nun, da es durch den Mangel bezwungen, durch den Hunger entkräftet, durch die Uneinigkeit zerklüftet ist, die Herren zu zeigen, die Tyrannen, die unter dem Vorgeben! der Freiheit ein unbesiegtes Land zur Unfreiheit verdammen. Daher muß an alle wahren Vaterlaüdsfreunde die ernsteste Mahnung ergehen, Rühe zu bewahren, Ordnung zu halten, nach Einigkeit zu streben. Wo ist der Mann, 'bet als Retter diesem Lande erscheinen könnte? An unsere Glaubens-genossen aber geht besonders der Zuruf: Haltet euch zurück — drängt euch nicht vor. Wahrt, wenn ihr zu verantwortlichen Stellen berufen werdet, von -denen ihr euch nicht feige zurückziehen sollt, Bescheidenheit und Würde; denkt nicht an euch, sondern an das Ganze! Jeder eurer Schritte wird belauert, jedes eurer Worte gewogen. Jeder Fehler, den ihr macht, jede Blöße, die ihr euch gebt, wird nicht nur euch schuld gegeben, sondern der Glaubensgemeinschaft, der ihr angehört. Bedenket das! Zeigt euch als Männer! Bewährt euch als würdig des großen Moments, den ihr erlebt. Wir haben in der letzten Zeit mehrere g e g e n d i e I u d e n gerichtete Aufrufe mitgeteilt. Es war von vornherein klar, daß diese Aufrufe, die sich als sozialdemokratische Erzeugnisse ausgaben, nichts anderes waren als elende Ausgeburten antisemitischen Hasses. Nun ist es erwiesen, daß sie insgesamt von einem „Deutschen Volksbund" herrühren, der seine wüsten geheimen Treibereien von ehemals nun in gewalttätige offene Taten umsetzen will. In einem solchen Aufrufe werden heftige Angriffe gegen Rosa Luxemburg gerichtet, über die es heißt: „Er erlaubt Rosa Luxemburg, öffentlich zum blutigen Bürgerkrieg auszusordern!" Nach der Charakteristik anderer Persönlichkeiten heißt es: ^Zahlreiche andere Mitglieder Juden und Heimkrieger. Sitz des Vollzugsrates: Synagoge im Abgeordnetenhaus. Privatadressen: Alte Schönhauser Straße, Scheunenviertel, Psandkammer, kurz jüdische Schweiz. Ein sehr vernünftiger, einigermaßen bertlhigender Artikel lautet so: „Arbeiter und So.ldait.vn! Flugblätter gewissenloser Hetzer reizen euch gegen die Juden auf! Unbewiesene und unwahre Behauptungen werden ausgestreut, um Stimmung gegen sie zu machen ,urtb von den wahren Schuldigen nbzulenken. Was wollen und was bezwecken diese Leute? Sie wollen in Berlin um jeden Preis Unrichen Hervorrufen. Hinter ihnen stehenl, wie bereits festgestellt ist, Alldeutsche und andere Reaktionäre. In allgewohnter Weise sangen diese bei den Inden an-; ihr Ziel ist aber, ün Taumel der Unruhe die Regierung zu stürzen, die Republik zu beseitigen und den Militarisnuls wieder aufzurichten. Laßt euch nicht sangen und belügen! Jeder Bürgerkrieg gibt ‘beut Feinde den willkommenen Anlaß, uns bi.e versprochenen Lebensmittel zu entziehen und seine Truppen in das Herz Deutschlands hineinzusühren. Ihr dient dem Feinde, nicht euch wenn ihr der Verhetzung williges Ohr gebt." * In diesem Zusammenhang ist darauf hin,gewiesen, daß auch die Frontsoldaten! Stellung nehmen gegen die antisemitischen Bestrebungen. So lesen wir im „Berliner Tageblatt": Ter F r o n t s o -l d a t e n r at in E m s. Zweiter Tag. B a d E m s. 2. Dezember. (W. T. B.) Tie Beratungen der Soldatenräte des Feldheeres dauern an. Ter Sprecher der 10. Armee bemerkt: Ein besonderes Borkonmmis gibt mir Veranlassung., für die Wahl eines Zentralrates bei der Obersten Heeresleitung zu sein. Es handelt sich um ein Flugblatt, das von der Obersten Heeresleitung herausge,geben wurde. Es ist unglaublich daß etwas Derartiges unter den Augen des Soldatenrates bei der Obersten Heeresleitung geschehen konnte. Der reaktionäre antisemitische Inhalt des Flugblattes spottet jeder Beschreibung. Etwas Terartiges darf -nicht an die Truppen gelangen. Wenn die Juden gut genug waren, int Schützengraben zu stehen und mit ihren: Leben das Vaterland zu verteidigen, so müssen sie auch jetzt gut genug sein, um bei dem neuen Ausbau zu helfen. (Das Flugblatt wird verlosen.) Ein Antrag ans Uebergang zur Tagesordnung als Temonstration gegen den Verfasser des Flugblattes wird einstimmig angenommen. ' Reichstaasab-geordnieter G i e b e l: Ich konstatiere, daß das Flugblatt nicht von der Obersten Heeresleitung stammt. Es stammt, wie ich hier schon feststellen kann, von der Armeeabteilung B. Derartiges darf nicht Vorkommen. In: übrigen handelt, es sich um den Mißbrauch des Namens des Feldmarschalls v. Hindenburg. Wir werden den Fälscher zur Rechenschaft ziehen, (llnterzeichnet ist das Flugblatt nur mit, v. Hindenburg.) * Ein ganz besonders erfreulicher Aufruf hat folgenden Wortlaut: Kameraden! Seit einigen Tagen werden allerorten schmachvolle Flugblätter unter Erich vedte-i.lt., mit Euch gegen die Juden, anszuhetzen. Tie Inden hätten den Krieg gemacht sie seien, 'die Kriegsgewtnner, sie hätten sich wohl sein lassen äm Kriege als Tirückeberger! Laßt E-uch nichts, vormache,n, Kameraden!! Hinter der Judenhetz>e verstecken sich 'die Militarist,on und, Kriegshetzer, die kriegeüs jetzt mit der Angst, wollen, -die Boltswut ablenfen. Urteilt selbst, Kameraden, der Schwirrve-t ist zu, -deutlich: Wer hat Euch seit 50 Monaten belogen, betrogen-, zu Krüppeln geitracht? Tie Militärs haben Euch dien- ,.AuisLlär.ungsiUiN'terricht" gegeben. Die Großgrundbesitzer haben zum Krieg gehetzt, weil sie unerhörte Wucherpreise erzielten! Tie Nüstungssabrikainten haben den Krieg, verewigt, weil sie M i ll i onend ordienste ein sackten! Waren das Juden-? Siind die L n d e n d o rfs, T i x Pitz, F a l t e nh a y n - - Jrlden? Sind -die aktiven Offiziere in- »den Stäben, die sich's hinter der Front bei Wein und- Flei.schitö-Psen lvo-hl sein -ließen,, loährend Ihr im Feuer ftan'det — Juden-? Sind K r u pp, Strn n es, T h y ssen, die großen Rüstungssabrn'kanitetr — Juden? Wer hat tan» Reichstag die wüsten Kriegs reden, gehalten! Herr v. H e y b e b r a n d t , Gras W e st,a r P, Herr v. O l d e n - b u rg -Jan ns cha u, in. a. ihr-esgile-ichleni. — Sind das —- Juden? Sie lvußton, -warumsie diesen- Krieg verewigten. Karlosseilu-n!d Getrei,d,eprei,se, Fleiisck> und B.utterpreise stiegen zu schwinidelNder Hölze. Eu.ro Frauen und Kindier. .aber h-uingertern,.- Ihr- Hunger und Elend füllte deim, GrVßigrrlNldb-oisttz'e'r d>ie Taschen. Wer hat im Großen Genera-lstab die LiügennaWriichtensabrik geleitdti und durch sie das, ganze Laindmit falschen' Kriegs!- rtnd Siogesnachrichten über U-Boo.'t-Er folge getäuschit — betrogen?

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