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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-29 · Heft 48 (29.11.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2-- ' ' ‘ ' es, die jüdische* Zelbstb-enmßtseil^ in die jüdischen Nkasteu getragen haben. Der Zionismus hat diese Selbstachtung vert-eft, niehr n-cch, . als wir in unseren Träumen cehofst haben. Er steht vor der VerlvirMchung seiner Ideale. Ich halte -es Kr überflüssig, daß wir m dieser Stunde unseren -besonderen Standpunkt bek-rmden. E s i st d e m A ir ßen steh e n de n alei ck gültig, ob wir uns deu t sch>- j ü d i s ch o d e r rr a t i o n a i - jüd i f ch neunen, die Hauptsache ist', daß wir Juden sind. Ich fordere als Vertreter auch der deutschjüdischen Gemeinschaft, daß wir uns nicht engherzig diesen Forderungen der Zionisten verschließen, sondern mit ihnen arbeiten. Ich batte es für keine Schande, innaelern.t;tt haben. Wir wollen uns alle eins fühlen in der Arbeit für die jüdische Gemeinschaft." Die Reihe der Reden beendete ein Schlußwort des Herrn Julius Berger. „Der Gegensatz, der diele Versammlu-na so w-ild bewegt, beruht auf dem Einpfinden der Gegner unserer Anschauung, daß es in diesem Augenblick eine Sünde nnt deutschen Volke ist. jetzt irit unseren besonderen Forderungen beranszutreten, anstatt uns einig und geschlossen hinter das beirtfche Volk an stellen. Niemand wird es Herrn Tr. Apfel verübeln, mim er sagt, ich stehe in dieser Zeit .nun deutschen Volke. Uns kann es keiner üb el nehm en. wenn nur jetzt zum jüdischen Volke stehen." Die Ansprachen Lösten lebbaften Beifall aus, in den sich an mavckm Stellen scharfer W'derspruch mischte. - Eine zweite gleichfalls stark besuchte Versammlung fand am 20. d. Al. im L-c-hrervcreins'hans am Aleranderplatz statt. Z**> Berlin, 26. November. Beim Teutsch-Ji rael iti ichen Ge- 'ncandebund gehen jetzt öfter Anfragen von Lehrern und Knltusbeamten wegen freier Stellimgen ein. Wenn inan auch als -selbstverständlich erwarten kann, daß diejenigen Beamten, deren Stellungen in der Kriegszeit *rei geblieben sind, auch in diew ohne weiteres 5-nrückkehren können, so lieaen doch die Fälle 'o verschieden, daß nicht -che in ihren bisherigen Wirkungskreis wieder einzutreten in der Lage sind. Anderseits war bisher durch Beamtenmangel ein Notstand in den Gemeinden vorhanden. Schleunige Abhilfe ist dringend erforderlich und gut möglich, wenn alle Gemeinden ihre zu besetzenden Posten mit bezüglichen Angaben beim Deut sch- I f r ne li t i üb e n Gemeindebund, Berlin W 6 5, Steglitzer Straße 9 T , anmeldeu. en. Berlin, 26. November. Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l aus Breslau, der sich nach Berlin begeben hatte, um allen Ovationen zu seinem 80. Geburtstage zu entgehen, wurde auch hier von einer Re-lw von Freunden und Korporationen beglücklvüuscht. Der Geschäfts' ansfchuß der Großloge für Deutschland erschien fast vollzählig, um das treue, verdien-e Mitglied zu begrüßen. Geh. Rat Timendorfer, ein Schüler des Jubilars, rühmte nach feiner persönlichen Kenntnis dessen gesegnete Wirksamkeit. Eire Deputation der Dozenten und Kuratoren'des Rabbinerseminars unter Führung von Rabbiner Tr. Bl. H i l d e s h e i in e r überreichte dem ältesten Schüler und Freund Israels Hildesheimers eine Adresse. Bonn Hilisverein für jüdische Taubstumme in Deutschland erschienen Vertreter des Vorstands sowie einige Insassen des Fürsorgehenns mit ihrem Direktor, Herrn Metz, um dem Mitbegründer des Vereins herzlich zu danken. Auch der Louisenstädtisthe Brüderverein, dessen Vorsitzender, Herr Fabrikbesitzer Theodor L ö w e n b e r g , der Schnvegersohn des Jubilars ist, entsandte seinen Vorstand. Herr Rabbiner Dr. F r a n k f u r t e r gratulierte in geistvoller Rede. Allen Deputationen antwortete der Jubilar mit bewundernswerter Schlagfertigkeit in rührender Bescheidenheit und Herzensgüte. Auch wir wünschen dem hochverehrten Nestor der deutschen Rabbiner -ein langes, glückliches Alter! pp Berlin, 26. November. Tie für den 19. November in Aussicht genommene Ersatzwahl zur Reprüsentantenversammlung ist von den Gemeindebehörden unter Genehmigung der zuständigen Anfsichtsinstanz mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse verschoben worden. Tie Reichsregierung hat bekanntlich für alle Wahlen in öffentlich? Körperschaften das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Propvrtionalwahlrecht vorgeschrieben. Für die Ersatzwahlen zur Repräsentantcnversammlung war noch das veraltete Listenwahlshstem vorgesehen, das feit langen Jahren von der Opposition mit Recht bekämpft wurde. Ta sich die erforderlichen Maßnahmen zur Durchführung der vorgeschriebenen Verhältniswahl in der kurzen Zeit, die feit der Neuordnung zur Verfügung stand, nicht mehr durchführen ließen, war eine Aufhebung des Wahltermins selbstverständlich. Im Verwaltungsgebäude der Indischen Gemeinde zu Berlin fand eine Besprechung von Vertretern der verschiedenen Gruppen und Parteien in unserer Gemeinde statt, die der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zusammenberufen hatte. T-ie Versammlung beschloß d.e Aufschiebung der für den 19.November vorgesehenen Wahlen bis ein sofort auszuarbeitendes Gemeindestakrl.t Wahlen auf Grund-des aligen-einem gleichen, direkten', geheimen Proportionalwahlrechts aller männlichen und weiblichen jüdischen Bewohner Berlins, die über 20 Jahre alt sind, ermöglicht. Die Gemeindebehörden haben, die schleunig? Durchführung dieser Forderungen zu gesagt, so daß die Vornahme der Mahlen vielleicht schon in ein bis zwei Warnten erfolgen kann. Die zionistischen Vertreter in der Konferenz forderten, daß das noch im Amte befindliche Rumpfparlament auf seine Mandate verzichtet und sich einer Neuwahl auf Grund der demokratischen Neuordnung unterziehen soll. Eine Einigung über diese Forderung konnte allerdings nicht erzielt werden. - Jedenfalls ist diese erste direkte Aussprache von Vertretern der verschiedenen Parteien in unserer Gemeinde ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für unser Gemeindeleben. Vielleicht wird diese persönliche Annäherung den Kampf entgiften und sachlicher gestalten. Berlin, 26. November. Eine n konservativen Vertreter i nt V erstand e d e x B e r (ine r Iüdi s ch e n G e m e inde fordert eine Eingabe, die der „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" an die Berliner Gemeindebehörden gerichtet hat. Die Petition tautet: „Die bevorstehende Wahl eines weiteren Vorstandsmitgliedes gibt uns Veranlassung, au den Perehrlichen Vorstand das Ersuchen zu richten, für die genannte Wahl eine Persönlichkeit ins Auge zu fassen/die in ihren Anschauungen und deren Betätigung aus dem Boden des konservativen Judentums steht. Ter Umstand, daß seit Jahrzehnten sich der Gemeindevorstand lediglich aus Anhängern der sogenannten liberalen-Richtung zusammensetzt, ist dem Frieden in der Gemeinde rvie der Entwicklung ihrer Institutionen nicht förderlich gewesen. Widerspricht eine solche einseitige Zusammensetzung jeder wirklich liberalen Anschauung, so erscheint sie geradezu widersinnig bei einer Körperschaft, die in ihrer Verwaltung zahlreiche Institutionen hat, die im Sinne des überlieferten Judentums geführt werden müssen unb geführt werden. Bei einem Rückblick auf den vergangenen Zeitraum dürften wohl Anhänger aller Richtungen darin übereinstimmen, daß der Ausschluß konservativer Männer ans dem Dorstandsregime sich als schädlich erwiesen hat. Was für die Vergangenheit gilt, würde sich aber, wenn der gleiche Zustand bleibt, schon in der nächsten Zukunft geradezu als verhängnisvoll erweisen. Durch die politische Umwälzung der letzten Tage steht die Trennung von Staat und Kirche unmittelbar bevor. Hierdurch wird die ganze Grundlage, auf der.die Eristenz der jüdischen (Gemeinden in Preußen beruht, völlig geändert. An die Stelle des Zwanges wird die Freiwilligkeit treten. Starte Verluste an Mitgliedern sind unausbleiblich, da eine große Zahl Indifferenter die Gelegenheit, sich der Steuerpflicht zu entziehen, wohl gern ergreifen wird. Um so notwendiger wird es-sein, die religiös Interessierten aller Richtungen innerhalb der Gemeinde enger an diese zu fesseln, damit sie nicht nur in ihr verbleiben, sondern' sich auch entschließen, erhöhte Opfer zu bringen. Wir bitten, überzeugt zu sein, daß, wenn wir heute nnt diesem Ersuchen an den Vorstand herantreten, uns dabei nicht so sehr der Wunsch nach einer Vertretung unserer Richtung leitet, als der Wunsch, in den schweren Tagen, denen.nach unserer Ueberzeugnng die Jüdische Gemeinde entgegengeht, die Grundlagen erhalten zu helfen, auf denen diese ihre Wirksamkeit entfaltet." 22 Dessau, 22. November. Eine bemerkenswerte N e u e i n - richtung in zeitgemäßem Sinne ist seitens der hiesigen Knltnsgemeinde getroffen worden durch eine Gemeindeverordnnng, welche zur Regelung der Rechte und Pflichten der Gemeindebeamten errichtet worden ist. Dieselbe bezweckt nicht bloß die Hebung und Sicherstellung der materiellen Lage sämtlicher Gemeindebeamten, sondern sic hat vor allem anck dem Rabbiner neue, seinem Amt und seiner Würde entsprechende Befugnisse eingeräumt. Waren schon bisher Anordnungen und Aenderungen in Kultus, Ritus und Religions- I unterricht der Gemeinde nun in Uebereinstimmung zwischen der Gemeindekörperschast und dem Rabbiner möglich, so ist nunmehr letzterem sein Anteil und seine Mitwirkung an der Leitung der Gemeinde gesetzlich gewährleistet, indem ihm das Recht der Teilnahme an allen Sitzungen der Verwaltung eingeräumt worden ist. Und

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