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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-29 · Heft 48 (29.11.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 48 Der OemeLndeüote. Berlin, 29. November 1918 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" korrrspondrn-rn und Sachrichtru. Srutlchlsnd. E. M. Berlin, 26. November. Die Berliner Ziv - n i st i sch e Vereinigt! n g hatte mit großen Anschlägen an den Litfaßsäulen ihre Anhänger zu großen Versaut mlungen eingeladen, welche sich mit den ,,/v ordern n p e n d e s j ü bischen Bottes" beschäftigen sollten. Die erste Versammlung trat am Montag, den 18. November, in den Pracht täten des Westens zusammen. Der Andrang des Publikums war so grob, daß im Nebensaal eine Na rolle lo er ui ut nt I u na stattfindcn mußte. Eine An wrackte Non Dr. Artur Hantke. einem der Führer der zionisiiscken Lrlmn-sation, bildete den Auftakt des Abends. „Unter den Forderungen, die von dt>n Nationen an den ^ri-e-dens-konareß aerichtet werden, vier den fick auch die drei Fordern uoen des indischen Volkes bennden. toelcke in dem Kopenhagener Vtanifest der zionistrcken Organisation enthalten sind: A nerfennu n o des jüdis ch e n R e cki t s auf P a l ä st i n a , die Du r ch s ü b r u n o der a b s d luten b ü rgerli ch c n G l e ch b e r e chtigu n g und die A n e r k e n u u n p de r u a t -i o n a l e n A u. t o n o in i e in alten Ländern, in denen die Juden sie fordern. Die Regierungen der- Entente ba-ben den indischen Anspruch aus Palästina anerkannt. der internaiionale Sozialismus hat ihm zuaestimmt, cbenw d'e öffentliche Meinuna in fast allen Kulturländern. Das jüdische Palästina wird also eine Wahrbeit werden.. Es 'frat keinen Jtveck tnehr, Palästina als eine Utopie abzutun. Eine Welle jüdischer Begeisterung gebt durch die Welt und «wird auch die ^uden. in Deutschland erfassen, die sich heute noch von dem Beari.fse: ..Jüdisches Volk" ausschließen. Die deutschen Zionisten versieben dieses Zaudern. Darum ist es unsere Pflicht, lsier sestzu-- stellen, daß beute der Begriff des jüdischen Volkes nicht -mehr streitig i-ein kann, da die ungeheure Mehrheit der 14 Millionen Juden erklärt bat, daß sie sich als jüdische Nation fühlen. In R u'fc land , Pole n und Lita u e n wird h:c Existenz des iirdischen Volkes wohl von keinem bezweifelt. Auch in Unaarn ist das Nationaljudentum ein Machtfaktor aew.o-r.den, und 10 000 iüdilche Soldaten bilden eine Nationalgarde in Budapest. Sämtliche indische Gemeinden in Mähren haben ihre Zustimmung zu den Forderungen des Jüdischen Nationalrats für die slowakischen Länder ausaespro-chen, in Wien haben 30OO jüdische Soldaten und Offiziere dem Nationatrat den Treueid geleistet, die Jüdische Gemeinde Wien ist der Verwaltung des Nationalrats überleben worden. In England gilt die zionistische Organisation als die ossizrelle Vertretung der Judenheit, in Amerika ist eine jüdischamerikanische Konareßbewegung entstanden. Uoberall hat sich die Mehrheit des jüdischen Volkes auf die drei Forderungen des Kopenhagener Manisests geeinigt. Wenn die deutsche Judenheit nicht den Zusammenhang mit dem jüdischen Gesamtorganisntus verlieren will, muß sie sich dieser Entwicklung anschließen." Der zweite Redner, Rechtsanwalt Dr. Klee, ging besonders aus die Fragen des jüdischen Lebens in Deutschland ein. „Der Kampf, der bisher im deutschen Judentum gekämpft wurde, muß von seinen Auswüchsen befreit werden. Bisher gab es in Deutschland kein wahres jüdisches Leben, nur Notabelngruppen, die nach ihrer Ueberzeugung die jüdischen Angelegenheiten erledigten. Die jüdische Gemeinde braucht neue Aufgaben, sie «muß das gesamte jüdische Leben von der Wiege bis zum Grabe umfassen. Als V o l ks g em e in de muß sie sich auf der Basis des allgemeinen, gleichen, geheimen Proportionalwahlrechts für alle Juden männlichen und weiblichen Geschlechts aufbauen. Mit bic»f.ent Wahlrecht wird auch in die jüdischen Gemeinden ein neuer Geist einziehen, der den Landesverhältnissen gerecht wird und den Zusammenhang mit Palästina nicht verliert." Als -erster Redner eines gegnerischen Standpunkts kam der Vorsitzende des Verbandes jüdischer Jugendvereine in Deutschland, Rechtsanwalt Dr. Apfel, zu- Wort. Für ihn besteht die erste Pflicht der deutschen Juden darin, die heutige Regierung gegen den Ansturm von links zu schützen, damit in absehbarer Zeit die Nationalversammlung zusammen treten kann. Na inen s der überwiegenden Anzahl der deutschen Juden glaubt Dr. Apfel ein restloses Bekenntnt's zum Deutschtunt ablegen zu dürfen. „Die deutschen Juden können allerdings die Existenz des jüdischen Volkes nicht mehr leugnen. Wenn Millionen von Juden sich zu einem iüdischen Volk bekennen, w müssen wir diese Tatsache respektieren. Die deutschen Juden verlangen jedoch das freie Selbstbestiinmunasrecht, ob si e sich zu m deu tschen oder zu in jüdischen Volk bekennen wollen. Die zionistischen Forderungen sind unklar. Wollen sie auch in Deutschland die nationale Autonomie? Es ist nun oe'aat worden, daß die nichtzionistischen Juden Furcht davor hätten, wenn in. diesen bewegten Tagen von den Forderungen des iüdi,scheu Volkes gesprochen werde. Ich gebe zu. daß das sogar bei einigen Führern der Fall isi. In den si eg r eich en Ländern kann inan c8 sich gestatten. diele Frauen zu besprechen, in Deutschland aber iü der Zeitpunkt dafür nicht aeeionet. (Lebhafte Proteste.) Jeder muß beute bekennen, ob er ein begeisterter oder nur ein halber Deutscher isi. Patriotismus bedeutet auch beute für den deutschen Juden nichts weiter, als sich restlos seinem armen Lande zum Wiederaufbau zur Versüauna zu stellen. Ich achte die .Monistische Neberzeugung, aber wir verlangen die gleiche Achtung für unser Ideal." (Große Unruhe Beifall und Proteste.) Der nächste Redner, £>erv Kurt B l u m e n i e l d . stimmt der Forderung des Vorredners, jedem Juden das Reckst der Enticheiduna für eine Gruvve einzuräumen, voll und ganz zu. „Die Machtfrage tut Judentum ist entschieden, denn das I u dent u tu der g n tu c n W ■' l t h a t s ich auf dem Bode it. des i ü d i s ch e tt R a t i o n a l - s m u 8 g e e i n t." Auf die Frage des Vorredners, ob die Zionisten auch in Deutschland nationale Autonomie fordern, erwidert -Lerr Bl u m e n sel d , „daß diese Autonomie gefordert werden würde, wenn die Juden in Deutschland geschlossene Siedlunasgebiete hätten. Die objektiven Voraussetzunaen hierfür sind jedoch nickst aeaeben. Wir verlangen aber, daß der jüdischen Dolksaemeinschaft in Deutschland die Möglichkeit gegeben wird, ihren Unterricht, ihre religiösen Angelegenheiten und ihre soziale Fürsorae nach ihrem 'besonderen Interesse zu regeln." Fräulein Dr. Berli ner betont ihren vaterländischen Standpunkt. „Die Kraft der deutschen Juden gehört jetzt vor allein dem Vaterlande. Wenn die Not Deutschlands behoben ist, wollen tvir den Kamps um die G l eiä'b e r eckst igung im deutschen Vaterlande fortsühren, wie Gabriel Riester ihn geführt hat, damit die deutschen Juden hier nicht nur frei leben und sich frei entwickeln können, sondern damit sie beanspruchen dürfen, als gleichlberechtigte deutsche Staatsbürger an den Geschicken des deutschen Volkes tnitzuarbeiten. Gleich den Zionisten fordern auch tvir ein Recht ans die Entwickltmg unserer Eigenart. I m n c n e n De ti t s ch - l a n d hat d e r dt n t i s e m i t i s nt u s> a ufge h ö r t. Wir Juden, die wir deutsch fühlen und nichts als Deutsche sein wollen/ verlangen das Recht, unserer Eigenart zu leben!" Von zionistischer Seite erklärte Herr Licht h e im, daß der zu begründende Nationatatlsschuß sich nicht als Vertreter der gesamten deutschen Judenheit bezeichnen tvlrd. Ter Natioualausschust wird die Empfi-ndungeu der dlndersdenkendett schonen. Die Zionisten verlangen, daß auch die Juden als das -auftreten, was sie wirklich sind, d. h. als Angehörige des jüdischen Volkes. „W i r w o l l e n k e i n e e i g e n e n nationalen W ahlka tuste r , wir wollen aber, daß unsere Gemeinden der Ausdruck des Empfindens der Juden sind." Eine besondere Bewegung ging durch den Saal, als ein Redner. Herr U r i a s, zu einem gemeinsamen Vorgehen mit den Zionisten aufsorderte und das Mort vom „Utniernen" in jüdischer Beziehung prägte. Herr Urias erklärte, daß die Zeit zu ernst ist, als daß tvir toeiter wie bisher aneinander dorbeigchen dürfen, ohne uns zu verstehen, dl l s M i tg l i e d d e s K. E., des V e r b a n d. e s d e u t sch e r S t u - d e n t e n j ü b t f chc n G I a u bens, trat er warm für die Verständigung mit den Zionistert ein, damit auch unseren Adern frisches Muk Augeführst wird. „Als sich 1886 zmn erstenntal jüdische Studenten zusammentaten, um den antisemitischett Angriffen eulgegenzutreten, wollten wir irr die Juden das SelbstbetvußLsein hinoiutragen, das sie verloren hatten. DtMtals waren wir K. G.er

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