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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-29 · Heft 48 (29.11.1918) · p. Seite 576

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 576 (sequence 12)
Language
German
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„Zu einem Anker! Zum Sinnbild der Hoffnung!" schluchzte sie. „Jawohl, Liebling! Es bedeutet dann Glaube und Hoffnung, zu dem sich unsere Liebe hinzuge'sellt." „Und Barmherzigkeit", sprach sie sinnend. „Welche Barmherzigkeit hast du denn nötig?" „Gott hat noch keine Frau geschaffen, die deren nicht bedürftig wäre, jetzt oder später." Er sah sie wieder scharf an. Aus ihren Worten hörte er wohl einen befremdlichen Ton heraus, ober er war entschlossen, heute keine weiteren Fragen zu stellen, um sich nicht in unfruchtbare Grübeleien zu verlieren. 18. Es war am Vorabend des Versöhnungstages. Der Tempel war bis auf den letzten Platz gedrängt voll, und ein tiefer Ernst hatte sich aller Anwesenden bemächtigt. Auch Ellen war voller Spannung und Aufregung, da sie doch gleichsam vor dem Ziele ihrer Sehnsucht stand, das aber doch weit, weit, in unerreichbarer Ferne, zu liegen schien, obwohl ihr Herz noch nie vorher ihren neugewonnenen Brüdern und Schwestern so nahe war wie jetzt. Sie sah in diesen Menschen die Veteranen der Religion, gerüstet, um mit dem irdischen Geschick zu kämpfen, entschlossen die breite Bahn des Lebens zu wandeln, bis zum Ende aller Zeiten. Und aus solchen Tagen wie dem heutigen schöpften sie das Bewußtsein ihrer Kraft und Größe, sich in Schlachtreihen ordnend, um mutig und furchtlos, vorwärts in eine ungewisse Zukunft zu stürmen, beseelt von der Zuversicht, daß ihr höchster Führer ihnen schon den richtigen Weg zeigen werde. Und dennoch! Dieser Herr der Heerscharen, dieser sinaitische Donnerer, der Gott des Schofarschalles, der gepanzerte Schlachtenlenker, dessen Grimm Berge verzehrt, dessen Barmherzigkeit aber auch dem getretenen Wurm heilenden Balsam sendet - Ellen mußte dieses dem Gotte dieser Menschen doch zugestehen dieser Gott war ihr immer noch fremd geblieben und er war ihr noch nicht nahe gekommen. Woran es aber lag, wußte sie selbst nicht. Ob es ihm in seiner unerforschlichen Weisheit gefallen, sie zu verwerfen, oder ob sie durch ihre geistige Unzulänglichkeit ihn nicht zu erfassen vermochte, sie wußte es nicht; nur das stand fest, daß sie bisher einander noch nicht gefunden. Aber deshalb war sie ja hier, um sich ihm zu nahen, um sich mit ihm zu versöhnen, um mit ihm Frieden zu schließen. Mit Andacht und Inbrunst wollte sie sich diesem Verlangen hingeben und sollte es ihr auch heute nicht gelingen — dieser Gedanke jagte ihr eine Todesangst ein , dann - ja dann . war es auch zwecklos, noch weitere Versuche anzustellen, dann war ihr Leben ein verlorenes, dann fehlte auch ihrer Liebe die Heiligkeit und ihre Ehe wäre dann eine andauernde Lüge! (Fortsetzung folgt.) MMschsuenderLhanukammarah. Von 5. A s chne r. n unsre dunkle Zeit m Lächelt dein stilles Licht,. Und unser schweres Leid, Siehe, wir fühlen's nicht. Siehe, die Schwere sank. Und unser Blick ward frei. Makkabi siegreich rang Uns los von Tyrannei. / Was damals groß und schlicht Geschehn in alter Zeit, Lächelt in deinem Licht, Macht uns die Seele weit. Literarische Mitteilungen. M oaus zur, ein Chanuka buch Selbst wenn alle Feiertage abgefchafft werden — Chanuka und Purim werden nicht abgeschafft. (Talmud Jeruschalmi, Traktat Taanith II, 12.) Jüdischer Verlag, Berlin 1918. Inmitten der schweren Zeit sich am Chanuka zu freuen, wird den deutschen Juden unendlich schwer. Und doch wollen wir auch diesmal diese Lichttage begehen, in dem Scheine der- Kerzen aus der trüben Gegenwart in eine herrliche Vergangenheit flüchten und uns bemühen, auf eine lichtvolle Zukunft zu hoffen. Darum sei dieses schon 1914 geplante, durch verschiedene Umstände erst jetzt fertig gewordene Buch freudig willkommen geheißen. Bei seiner Zusammenstellung haben B. Krupnik, Moses Marx und I. H. Wagner den rührigen Verlag unterstützt. Das Buch ist mit mannigfachen kleinen Holzschnitten geziert. Die Beiträge sind hauptsächlich geschichtlichen Quellen entnommen: ans Josephus, Josippon u. a.. Diese Uebersetzungen werden me ist,'deutsch, die aus Josippon entnommene ergreifende Geschichte der Chanah und ihrer sieben Söhne in Jüdisch-Deutsch mitgeteilt. An diese geschichtlichen Aufsätze reihen sich Psalmübersetzungen, Auszüge aus dem Midrasch sowie ein höchst belehrender und anregender Aufsatz von Hurt Freyer: „Die Menorah". Ungemein ergreifend ist ein Beitrag von David Schimanowitsch: „Zu den Gräbern der Makkabäer. Mit Genehmigung des Dichters übersetzt von Hugo Herrmann". Es ist für mich die Perle des Buches, eine wahrhaft poetische, herzerquickende Darstellung. Möchte es uns allen vergönnt sein, das Chanukafcst im kommenden Jahre in geordneten Zuständen ungetrübten Glückes mit freudigerem Herzen zu begehen. L. G. — Iüdi s ch er Nati o n a l kal e n d er. Almanach aus das Jahr 5679 - 1919. Vierter Jahrgang. Herausgegeben von Otto Aböles und Ludwig Bato. Wien 1918. Verlag „Jüdische Zeitung". Der gegenwärtige Jahrgang des Nationalkalenders unterscheidet sich wenig von seinen Vorgängern. Er trügt unveränderr einen völlig zionistischen Charakter. Ter mannigfache Inhalt ist derselbe geblieben wie in früheren. Jahrgängen. Er besteht «aus politischen, allgemeinen Artikeln, Sprüchen von Zionisten, Bildern, Gedichten, Skizzen, biographischen Artikeln, z. B. über Jechiel Tschlenow. Um einzelnes hervorzuheben, ' sei folgendes bemerkt: Jakob Oetkinger bespricht das Problem, der Einwanderung nach Palästina. Er kann es freilich nicht vollkommen lösen und komm-r zu dem Schluß, daß dld Arbeit in jenem Lande von jüdischen Arbeitern geleistet werden und nicht die Anstrengung anderer bloß von jüdischen Arbeitern geleitet werden soll. Adolf Stand gibt interessante Erinnerungen über die ersten zionistischen Pioniere. Tie abgedruckten Gedichte sind zum Teil fürchterlich, selbst ein bisher unverössentlichtes von Hugo Zuckermann „Herbst" ist nicht viel wert. Einzelne Skizzen sind recht ansprechend, z. B. die von Otto Abeles: „Der reine Tor". Gleichfalls erquicklich ist ein Aussatz von Bato über L. A. Frankls „Reise nach Palästina". Ten Schluß macht eine Bücher schau von Weldler-Steinberg. Wie alle anderen Beitrüge ist cmdy diese Reihe von Besprechungen in durchaus zionistischem Sinne abgesaßt. Kann man sich auch mit dieser Tendenz nicht einverstanden erklären, so muß man bewundern, von welch einheitlichem, zielbewußtein Geiste diese ganze Bewegung erfüllt ist. L. G. Lrklärung. Die Unterzeichneten Verbünde, welche die überwiegende Mehrheit der Deutschen jüdischen Glaubens in sich vereinigen, erklären im Gegensatz zu dem Standpunkt der einen Bruchteil unserer Glaubensgenossen vertretenden Zionisten, daß wir uns als u nab löslichen Bestandteil des deutschen Volkes fühlen, daß wir eine Glauben sgemein^ schaft, nicht aber ein jüdisches Volk in Deutschland sind und jeder nationalen Absonderung widerstreben. Verband der Deutschen Inden. Geheimer Justi-zrat Cassel. Delltsch-Jsraelitischer Genwindebund. Professor Tr. Kali scher. Zentralvevein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs.

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