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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-22 · Heft 47 (22.11.1918) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 47 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
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<364 ---* Aeußerung von ihm ist so wichtig, daß sie wörtlich hergesetzt werden möge (S. 176/67): Auf die Frage des schon erwähnten Cerf: „Und Sie fühlen wirklich nichts von der Wollust, die darin liegt, seinem Vaterlande mit seinem Blute zu dienen?" hat Bluhm zu antworten: „Ich für mein Teil, ich fühle das nicht. Vielleicht weil ich Jude bin." Und er hat dann fortzusahren: „Und dennoch find wir Juden es, die vor allen anderen Franzosen Frankreich am leidenschaftlichsten lieben, denn wir. gehetzt und mißachtet wie wir waren, wir verdanken ihm die Verleihung der Menschenrechte." Diese Aeußerung gehört natürlich ins Jahr 1870; wie während der folgenden Jahrzehnte sich die Stimmung der Juden umgestaltet hat, erfahren wi-r nicht. Der eben erwähnte Umstand, den wir als Mangel empfinden, soll uns aber nicht hindern, die großzügige Darstellung einer gewaltigen Kulturepoche nach Gebühr zu rühnren. Besonderes Lob verdient die Tapferkeit der Verfasserin, die ihre Gesinnung von der Eigenart elsässischen Wesens ohne Scheu ausspricht. L. G. — Eonrad Ferd i n and M e y e r u n d I n f t ii § Rodende r g. Ein Briefwechsel. Herausgegebcn von August Laugmesser. Berlin. Verlag von Gebrüder Paetel (Tr. Georg Paetel). 1918. 822 Seiten. Die Judensrage wird in diesem interessanten Briefwechsel, der hauptsächlich die Beziehungen des Herausgebers der „Deutschen Rundschau" zu seinem langjährigen fleißigen Mitarbeiter dar legt, n-icht behandelt. Ties geschieht deshalb nicht, weil E. F. Meyer in seinen hier in Betracht kommenden Werken von 1878 bis 1895 auf Juden nicht eingeht und weil Rodenberg, dessen Art es nicht war, sein Judentum in den Vordergrund zu stellen, keine Veranlassung hatte, von seinem Glauben sbekennini s zu reden. Trotzdem verdient der Briefwechsel an dieser Stelle eine Erwähnung, zunächst weil Rodenberg zu den Unseren gehört, sodann, weil manche Juden genannt werden. An erster Stelle Berthold Auerbach, der in seiner weitsichtigen Art Diedenbergs XHufiiuerffnmfeit auf Meyer gelenkt hatte. Sodann mag die schöne Stelle über Rudenbergs Mutter hervorgehoben werden (3. }8-)j. Von C. Brah.m ist gelegentlich die Rede, eininal auch von mir iS. 246): ich> hatte Meyer zu -einem Gedicht über Goethe für das Goethe-Jahrbuch aufgefordert. Von dein trefflichen L. Bamberger heißt es einmal etlvas verächtlich (L. 239 t-io Aeußerung ist aus dem Jahre 1887): „Die weiland Sezessionisten Fvrkeubeck, Bamberger usw. dauern mich, aber sie haben es meiner Treu verdient." 1886 schreibt Meyer (S. 227): „Es wird viel gestorben: L. Kompert, den ich sehr mochte." Endlich mag darauf hingewiesen werden, daß S. 179 ff. mehrmals von A. Rubinsteins Oper Sulamith, zu der Rodenberg den Text geschrieben hatte, die Rede ist. . Diese Kleinigkeiten berühren den wesentlichen Inhalt des Briefwechsels nicht, der wegen.seines übrigen Inhalts als eine wichtige, mannigfach belehrende Sammlung unseren literaturfreundlichen Lesern warm empfohlen werden soll. L. G. — D i e Toten sie g e n. E i n K t e i st r o m a n v o n H e n - v t c 11 e v. Nt e e r h e i m b (NMargarete Gräfin v. Bünau). Braun- -chweig. Verlag von Georg Westermann. (Ohne Jahr.) 557 Seiten. Preis: 7,50 Mark. Dieser Roman gehört zu der jetzt wieder sehr beliebten Art, Dichterschicksale poetisch darzustellen. Die Verfasserin, durch gar uranche historische Erzählungen bekannt, versteht es, sich in vergangene Seiten zu versetzen und einen Charakter abgerundet darzustellen. Sie vereinigt geschichtliche Kenntnis mit Erfindungsgabe, verfügt über eine lebhafte Phantasie und besitzt das Talent, durch humoristisches Beiwerk und eine geschickte Kleinmalerei den Leser zu unterhalten. Für das Wichtigste bei einein derartigen Werk: die Vorführung einerganzen Periode und die psychologische Darlegung eines Charakters reicht ihre Kraft freilich nicht aus; doch eignet ihr das Vermögen, Sympathie für den Helden und für die drei Frauen zu erregen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle spielen: seine Schwester Ulrike, seine seelische Freundin Maria v. Kleist und seine ehemalige Braut Wilhelmine von Zeuge. Die Berechtigung, an dieser Stelle von dein nicht eben hochbedeutenden aber nicht wertlosen Wiche zu sprechen, schöpfe ich aus dem Umstande, daß an drei Stellen, S. 161 ff., 375 ff., 537 ff. von Rahel Levin und ihrem Salon gesprochen wird. Das geschieht, wennauch nicht gerade mit Begeisterung, so doch mit wohltuender Teilnahme. L. G. — Sabbatgedanken für jüdische Soldaten. Herausgegeben von den Feldrabbinern des Westheeres. Leipzig. 1918. Verlag von M. W. Kaufmann. Preis 1 Mark. Elf Feldrabbiner und zwar die Herren: Italiener, Vaeck, Ernst Levh Wilde, Lewin, Arthur Levh, Rosenack, Salomonsti, Baerwald, Wiener Salzberger, haben sich vereinigt, im ganzen vierzehn Betrachtungen herausgegeben, die ursprünglich auf einzelnen Blättern, und zwar ir der Druckerei der 7. Armee gedruckt, nun in einem Heft zufammenge. stellt worden sind, um den Mangel an jüdisch-religiösem Lesestoffe zu beheben. Es sind meist sehr hübsche Gedanken, in ansprechende Form gekleidet. Ein bestimmter Parteistandpunkt tritt nicht hervor Frömmigkeit, Tapferkeit, Ergebung, Vertrauen, Glaube an Gott. Heiligkeit der Religion werden in erhebenden Worten verkündet. Sehrhübsch klingt das Büchlein aus in den Worten: „Mit tiefer Ehrfurcht sehen wir Judenin dem Heldentum unserer Tage altjüdische Weisheit sich bewahrheiten, und wenn uns etwas mit den furchtbaren Opfern versöhnt, die noch täglich gefordert werden, so ist es die Erkenntnis, daß dieses Heldentum nicht an den Krieg gebunden ist und nicht an die Männer, die ihn führen, sondern daß es noch schöner uns rm Frieden blüht, im Mann und Weib, in jung und alt. Möchten wir doch, wenn Gott uns die Heimkehr schenkt, uns tiefer noch vertiefen in die Geschichte unserer Ahnen, lebendiger noch leben unserer Religion. Bald werden wir ihre Bindungen nicht als Fesseln fühlen, sondern als die Hand der Liebe, die uns leiten zum Heldentum Israels, des Gottesstreiters." . ' L. G. — O I re g e nd. R o in a n von M a r i e E it g e n i e de l l c G r a z i e. U l lsteins Verlag. 1918. Diese jüngste Dichtung der gefeierten österreichischen Schriftstellerin darf in jüdischen Kreisen um so mehr Interesse beanspruchen, als sie die kunstvoll. ineinander gewobenen Schicksale von vier Studenten auf dem Wiener Großstadtboden schildert, die alle die alte Judenstadt Nikolsburg zur Heimat haben. In einem von ihnen, der ungescheut mit Namen, genannt wird, ist Tr. Zuckermann verherrlicht, der gefallene Dichter des zum Volksliede gewotdenen Reiterliedes, wenn zu feinem Charakter und. feinen Lebensschickfalen auch ein anderer jüdischer Gelehrter, Professor Moriz Benedikt in Wien, Pate gestanden hat. Der Held des Ronmns, der Nikolsbnrger Lorenz Koernier, ist eine Llpotheose von Laurenz Müllner, dem edlen katholischen Geistlichen und gewesenen Rektor der Wiener Universität, dessen Iudensreundlichkeit, d. ly. strenge Unparteilichkeit im Amte und im persönlichen Verkehre und im Landtage, ihm so viel Angriffe von seiten der Wiener Antisemiten eintrugen, daß sie das Ende des Herzkranken Mannes beschleunigt haben dürften. Ter hohe literarische Wert des Buches, das den Zauber der reizvollen Wiener Landschaft auf die studierende Jugend und die welthistorischen Vorgänge der Karpathenfchlacht meisterhaft schildert, wird ihm auch dort Bewunderer erwecken, wo der Reiz des Schlußromans — sind doch ausschließlich wirkliche Wiener Begehnisse und Persönlichkeiten geschildert -- wegsällk. C. B. Mchrrnnlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Jerusalem. Von Sven Heidin. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1918. Schriftenzur Beleuchtung der Lehrweise und Entwickelung des Talmuds. Ueber den Zusammenhang, die Quellen und die Entstehung der Mifchna. Don Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal in Berlin. Zugleicherster Teilt (zweite Aiusilage) unseres Werkes: lieber den Zusammenhang der Mifchna. Zugleich zweite Auflage des zweiter! Bandes der Schrift: Ueber den Zusammenhang der Mifchna. Zugleich dritter Teil (Schlußteil) unseres Werkes: lieber den Zusammenhang der Mifchna. Verlag von Gerson Wechselmann, Berlin s 9, Linkstrahe 25. Eugen Hoeslich: Der Weg in das Land. Palästinensische Aufzeichnungen. 1918, R. Löwit Verlage Wien und Berlin. Jüdische Flüchtlinge. Szen-en und Gestalten von Otto Abeles. 1918, R. Löwit Verlag, Wien/Berlin. Jüdischer Natiorvalkalender. Mnranach aus das Jahr 5679 (1919). Vierter Jahrgang. Heraiusgegeben von Otto Abeles und Ludwig Dato. Wien 1918, Verlag „Jüdische Zeitung". Palästina, seine Geschichte und Kultur im Lichte der neuesten Ausgrabungen und Forschungen-. Don A. Schechter. Mit einer Kartenskizze. Berlin, V-erlag von Louis Lamm. 1918. Preis 4 Mark. Deo Rosenberg: Die Juden in Li-ta-uen.. Geschichte. BevWerung und Wirtschaft. Politische Fordevungen. Verlag, der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin/München 1918.

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