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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-15 · Heft 46 (15.11.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 46 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Judentum, iiiöbrjc-iitcre teilt• rdiöiöfen, nicht verlieren. Zioeis-ellos hat der Krieg ihre ohnehin große Neigung zu politischen und veltslösen Extremen noch verstärkt. - Dell Abschluß der Tagung, bildete ein Vortrag von Tr. Jacob: „U-ebe r den De t a I o o\ Der belehrte führte in scharfsinniger Weise den Nachweis, daß gegenüber allen andersartigen Versuchen nur die jüdische Zählung der zehn Gebote berechtigt sei. Innere und textliche Gründe träfen zusammen, um jeden Zweifel zu bannen. Nur die jüdische Zählung läßt das erste Wort in seiner vollen, für die ganze jüdische Gvttesanffassung inaßgel'end.'u Bedeutung hervortreten und weist dun Gebot der Elternverehrung seine Passende Stellung als Abschluß der Pflichtell gegen Gott und als Anfang der Pflichten gegen Nebenmenscheu zu. Auch alte Versuche, einen gekürzten Wortlaut der Gebote als ursprünglich anzunehmen, werden auf Gaumd richtiger Verteilung der Gebote an? die zwei Tafeln als überflüssig und unbegründet znrückgcwiefen. Schluß der Tagung gegen 6 Uhr. -- München, 8. November. Tie Staatsregierung hat kürzlich zur Eutstehung felgender Stiftungen die Genehmi-ann-g erteilt: der von der Kuiisthändlerswitive Sophie Soniheimer in Nürnberg zum -dtu-ern-Zen Godächkiris an ihren.für das Vaterland gefallenen Gute! Paul Lehmann iichalllich Urkunde vom 10. Juli d. I. errichteten, mit einem Betrag. von 2000 Mark Mt toten, zur Gnoahrnng von Scudieubvihilsen an würdige und bedürftige Schüler des K. Neuen Gymuasinms in Nürnberg bestimmten „P a n-l - L e h m a n n -Ged ä eh t - n i s st i f t u ii a" mit dem Ditz in Nürnberg: der von den Knusmannsrhegatteu H u g o uu.d N o s a H e i u >e m a n n in Hürth zum dauernden Gedächtnis an ihre verstorbene Tochter Lilly die inhaltlich Urkunde vom 0. Juli d. I. errichteten, mit einem Vermögen im Nennwerte von je 20 000 Mark.ansgestatteten, nach Maßgabe der stifterischen Anordnung zur Gewährung von Studienbeihilfen bestimmten zwei Stiftungen, nämlich der „Lilli-Heinemaun-Stiftung für Besucher der Haiediverterfachschnbe" und der „Li lly-Hein-einaun-Stiftung für Schülerinnen der Höheren Mädchenschule und der Nlädchenhanselsschtt'le" mit dem Ditz in Fürth, und zwar unter dem Aus. ruck Allerhöchst nwhlgesälliger Anerkennung des von den beiden Stiftern durch diese Stiftungen erneut betundeten gemeinnützigen! und wohltätigen Dinnes. — Stuttgart, 8. Noveniber. Am 29. Oktober vollendete der zweite Städtrabbrner, Dr. David Stößel, zugleich Bezirksrabbiner von Gannstadt, Eßlingen, Ludvoigsburg und Freud enthal, fahn 70. Lebensjahr. Der Weg seiner ivissenschaftlichen und beruflichen AusbUdamg führte ihn nach Besuch der Nabbin er sch ule zu Preßburg und Ablegung der Reifeprüfung nach Prag, wo er Philo so phi-e, Geschichte, Orieutalha. studierte. In Leipzig promovierte er eutu laude, bestand seine Nabbiuerprüsung in Prag „mit Vorzug". In Württemberg legte er seine zweite Dienstprüfung 1886 ab. Die 3 7 Jahre seiner Tätigkeit in Stuttgart und Bezirk waren- Jahre friedlichen Zusammenwirkens mit allen Gemein de genossen wie mit deren Vertretern, Jahre Irenen Arbditens als Vertreter vieler Wohltätigkeitsvereine der Gemeinde. Tie stets herzliche Liebenswürdigkeit im Verkehr gewann dem Jubilar die Herzen der Alten wie der Jungen. Lllhmkn. Prag, 6. November. Tie hier erscheinende zionistische Wochenschrift „Selbstwehr" veröffentlicht in Nummer 41 (1. November d. I.) nachstehenden Bericht: Wir erhalten folgendes Kommunique: Aus der Mitte des nationalen (bürgerlichen und sozialistischen) Judentums hat sich ein I ü d i s ch e r National r a t konstituiert, dessen Präsidium (Dr. Ludwig Dinger, Karl Zischt und Dr. Max Brod) am 28. Oktober 1918 beim Nationalausschuß des tschecho-jlowakischen Staates vorgesprochen hat, wo die Deputation vom Vorstände des Nationalausschusses empfangen wurde und eine umfangreiche Denkschrift über die Situation und die Forderungen des jüdischen Volkes im neuen Stnatswesen überreichte. — Am 22. Oktober hat sich aus Vertretern derjüdisch-nationalen Organisationen der Jüdische Nationalrat im tschecho-slowakischen Staate konstituiert. Zur den zionistischen Distriktsverband wurden delegiert: Dr. Ludwig Singer, Norbert A d l e r , Professor Dr. Alfred Engel, Dr. Max B r o d , Inspektor Hugo S l o n i tz. Für den jüdischen Dozialistenrat: Karl Fischt, Oskar Alts ch u l, Hugo Waldstein, S ch ö n s e l d und Fräulein Jda Z a p p n e r. Ans Mähren traf ein Znstiinmungstelegramm ein, durch das die Herren Dr. N u f e i s e n, Dr. A l t b ach (Mährisch-Ostran), Bürgermeister Zweig (Proßnih) und der Obmann des Brunner Handluugsgehilfenvereins in Brünn Schüller in den Nationatrat delegiert werden. Verhandlungen über Organisativnsfragen werden fortgesetzt. Als dringendste Arbeit wurde zunächst die Ausarbeitung des Memorandums in Angriff genommen, lieber den Empfang des Präsidiums des Jüdischen Nationalrates beim Narodni vybor berichtet das obige Eomnumique, das im Einvernehmen mit den N a io d n i vybor ansgegeben wurde. Dr. Dinger beglückwünschte dän ^ürodni vybor in herzlicher Weise dazu, daß das tschechische Volt sein staatliches Ideal voll erreicht habe, und betonte, das; das national bewußte Judentum stets für die unterdrückten Völker in Oesterreich mitgekämpft Habe, unter anderem auch durch die vier Abgeordneten des ehemaligen Jüdischen nationalen Klubs im Parlament. Sodann stellte Dr. Singer die Lage und Postnlate der Inden im neuen Staate dar und überreichte das Memorandum. Das Memorandum vertritt folgendes Programm: 1. Anerkennung der jüdischen Nationalität und Freiheit des Bekenntnisses zu dieser. Es soll kein Zwang ans die Juden ausgeübt werden, die sich als Angehörige des tschechischen oder deutschen Volkes betrachten. 2. Volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. 3. Kulturelle Autonomie. Eine Sonderstellung der Juden in jeder anderen Beziehung, insbesondere auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet, muß vollkommen ausgeschlossen sein. Schließlich wird auch gegen die antisemitische Hetze protestiert. Die erschienenen Mitglieder des Jüdischen Natioualrates empfingen aus der mit sympathischer Wärme vorgekragenen ausführlichen Antwort des Vizepräsidenten des Narodni vybor S v e h l a den erfreulichen Eindruck, daß ihre Postnlate außerordentlich entgegenkommendes Verständnis seitens der Repräsentanten des tschechischen Volkes gefunden haben. Kaum hatte die jüdische Deputation den Sitzungssaal des Narodni vybor verlassen, als Ertraausgaben der Tagesblätter die neue Friedensnote Oesterreichs an Wilson verkündeten. Knapp darauf übernahm der Narodni vybor offiziell die Negiernngsgeivall des tschecho-slowakischen Staates. Damit ist der souveräne tschechoslowakische Staut zur Tatsache geworden. Lrstenrich. Z. Wien, im November. Tr. A l f r e d Stern, d e r P r ä f i d e n t d e r W i e n e r K n l t n s g e m e i n d e, ist im Alter von <83 Jahren von seinem Ambe zurückgetrewn. Tr. Stern, dessen Bekenntnis zur jüdischen Natioualidee vor iveuigeu .Nonatcn rüll 1 end-lCi ivurde, begründet seinen Rücktritt mit den Schwierigkeiten, loeiebe der Wiener Ge in eindeverwa ltnr.g aus dem jüdiühen Nationalismus erwuchsen. Dr. Stern, der am 29. August 1831 geboren i)i, bekleidet das höchste Ehrenamt, das unsere Gemeinde zu vergeben hat, bereits seit 13 Jahren. Er gehört seit nahezu eilten; Meosthenalter der Verwaltung der Wiener israelitischen Kutkasaemeiude an, in der er von 1897 bis 1904 das Amt des ersten Vizepräsidenten bekleidete. Seine erste bedenteudere Arbeit iin Dienste der Gemeinde war die Ausarbeitung des neuen Statuts, i das nach der Eingemeindung der Vororte den dadurch total veränderten Verhältnisse gerecht wurde. Als Obmann des Rechtsaassthusscs leitet Herr Dr. Stern aiid] das ans seinen Antrag vor zirka 10 Jahren begründete Stiftungsauit. Während seiner Amtszeit wurden ein Knubenwaisenhaüs, eine Mikwa. ein Erireiternngsbau i am Spital und zwei neue Vereinsiempel in Döbling und Margarethen! ins Leben gerufen. Auch die Gründung der Neligionslehre-Vildnngsi anstalt und die Ervfsmmg des Kuiierin-Elifabeth-Justituts für jüdische i Krankenpfleger innen fällt in seine Präsidentschaft. Dr. Stern ist ein vorzüglicher Organisator, den ein kluger, nüchterner Tinn die Dinge! kühl erfassen läßt. Tie jüdische Gemeinde verliert einen befähigten und eifrigen Leiter, dessen Leistungen auch dir zahlreichen Gegner Sterns stets anerkennen mußten. - Der Kantor der israelitischen Knlluseenuinde am Leopoldstädter Tempel, Herr E l i e s e r K i r s ch n e r, ist nach kurzem Leiden im 38. Lebensjahre infolge der spanischen Grippe verschieden und wurde am Dienstag, den 22. v. M., zur letzten Ruhe bestattet. Zur Leichenfeier fanden sich die Kollegen und Freunde des Verblichenen ein. Erschienen waren die Beamten der israelitischen Kultnsgemeinde und zahlreiche Gemeindemitglieder. In beredten Worten entwarf Rabbiner Tr. G r n n - iv a l d ein Packeudes Lebensbild des Verblichenen. Alsdann nahm Feldrabbiner Dr. M a n d l rührend Abschied von dem Kameraden, der zur Hilfsdienstleistnng seit Kriegsbeginn eingernckt war. Namens

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