Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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frtlirteiudei; der Gemeinde eine b-e'.eudere £mtterdl-icb>enon-sürwr>g o begründet. ^[yx $UvwrifliMT$ i^n der icnftirni KriegSHAse erw'.'0s sich als nittia], iwif die Hinterbliebenen d-er KricMoiln-ohmer sich durch d.n Tod ihres Ernährers vor völli-g neive V-erhältnisse gestellt fcI)cnr odann weil die Hinlerbliebenenfürs'orge a-uch -noch Iatzre nach dem Kriege lvi-rd andaucrn müssen, hingegen die eigentliche Kricgshilfe alsbald nach dem Kriege ihr natürliches Ende findet. Durch Heranziehung von Mitarbeitern aus allen Kreisi.-n der Gemeurde ist dafür Sorge aelra-gen, daß die Hinlerbliebenensürsorge ihrer Ausgabe auch gerecht werden ivird. Sie steht in danernde-n Lummnrenhange in:t dem Hamburginchen Lawde sa nsfchu-ß für Hin'terbli.rbenr. Das neue Wohl^ahrtsgebiet stellt eines der wich-- tigstcn Kapitel moderner sozialer Hilfsarbeit dar. UI'. Bremen, 8. November. Nabbiner Dr. R v s e n a cE kehrl nach langjähriger Wirksamkeit als Feldprediger zu unserer heimischen Gemeinde zurück. Einen Beweis für die große Beliebtheit und Verehrung, deren sich Dr. Rvsenack im fyelbe erfreute, bildet die Abschiedsfeier, die ihm an seinem Standorte Kowno bereitet wurde. Die Rabbiner and Vorsteher d^r Kownoer Jüdischen Gemeinde so.lvie die dort stationierten jüdischen Soldaten vereinigten sich zu einer Abschiedsfeier für den scheidenden Armeerabbiner in der Ludendvrsf- Küche. Zuerst brachte dte Ntililürgenrinde dem scheidenden Oder- Haupte ihren Dank und ihre Verehrung zum Ausdruck. Dann dankten die Rabbiner Herrn Dr. Rvsenack im Namen der Gemeinde für seine Verdienste um die jüdische Zivilbevölkerung. Besonders hervorgehvben seien die Gründung der Ludendorsf-Küche, die Wiedereröffnung der Taln'.udschule Slobotkä, das Waisenhaus u. a. m. Zuletzt sprach Herr Dr. Rvsenack den Rabbinern, Vorstehern und Damen der Bvlksküche seinen Dank für ihre tatkräftige Unterstützung ans und schloß mit dem Wunsche, daß in aller Zukunft die Institute weiter blühen mögen als Zeichen der Fürsorge der deutschen Verwaltung während der Okkupationszeit. Die schlichte Feier hak bei allen Teilnehmern tiefe Befriedigung ausgelöst. K. Köln, 8. November. (Tagung des Rheinisch-Westfälischen Rabbiuerverbandes.) In vorläufiger Abwesenheit des vorjährigen Borsitzendcu erösfnede Dr. Scheftelowitz die Sitzung und hieß die Erschienenen, auch den als Gast anwesenden Direktor des „Israelitischen Kinderheims zu Köln", Herrn Plato, willkommen. Herr Plato gab eine Darstellung von der Bedeutung des Kinderheims für die beiden Provinzen und der damit nicht in Eil klang stehenden Finanzlage des Instituts. Er legte dar, daß das Kölner Heim für halbvenoniste, auch uneheliche Kinder schon vom zartesten Alter an, ferner für gefährdete und schwer erziehbare Kinder beiderlei Geschlechts, die von den sonstigen Waisenhäusern oft zlcrückgelviesen würden, unentbehrlich geworden und von den öffentlichen Behörden als den besten Landesanstalten ebenbürtig anerkannt sei. Die Gemeinden täten dem Hause gegenüber jedoch noch nicht ihre volle Pflicht: er habe daher gern von der Erlaubnis Gebrauch geinacht, die Notlage des Heims den religiösen Führern in den beiden westlichen Provinzen dringend ans Herz zu legen. Tie Versammlung nahm diese Ausführungen mit lebhafter Teilnahme entgegen. Unter Hinweis auf die zäun Teil schon recht ergebnisreichen Sammlungen in einzelnen Gemeinden, z. B. Dortmund, sagten verschiedene Rabbiner zu, in gleichem Sinne lvirken zu wollen. Den Jahresbericht des Verbandes erstattete alsda.nn der m zw neben eingetrosfene bisherige Vorsitzende Dr. Jacob. Er gedachte mit ivarmen Worten nuferes dahingeschiedenen, verehrten Ehrenmitgliedes, Dr. Frank, dem iuin-wi'chen die Rabbiner G r o n e m a 1111, Dokto r und W e r n e r in den Tod gefolgt sind. Ferner machte er Mitteilung von dem Ergebnis einer Sammlung zugunsten notleidender jüdischer Gememden in demjenigen Armeebezirk, in welchem Feldra-bbiner Dr. Hauover wirkt, und entbietet diesem sowie dem Feldrubbiuer der 11. Armee, Dr. P. Lazarus (Essen), die Grüße der Versammlung. Die gemischte Kommission (bestehend aus Auss.chtlßmitgliedern des Verbandes der Deutschen Inden und des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes) hat einmal getagt: es wurden Maßnahmen gegen die Nli'sicnstätiakcit unter den jüdischen Kameraden getroffen und der Plan der „Apologetischen Kurse" in Berlin unterstützt. . Zu den schwebenden Organisationssragen nimmt sodann Dr. S a nt u e l (Essen) das Wort, und entwickelt in Kürze, da er die Versaunnlnug vorzeitig verlassen muß, seine Gedanken über die Neuaufnahme der Arbeiten zur Revision des.preußischen Juden ge setzes vom 23. Juki 1847, ausgehend von seinen in der „Astgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Leitauffützen. In der daran anknüpfenden Aussprache (an der Dr. Samuel nicht mehr teilnahm) gab zunächst Tr. Roßenthal'Ken'N.knis von schwebenden Verhau dl tenaen im- Zentralausschuß des N-abbiuer-Verbandes, die aus eine angemessene Beteiligung der Rabbiner an den Vorarbeiten hinzielten. Die Anregungen, die Dr. Samuel in seinen Aufsätzen gegeben hat, wurden begrüßt und der ganze Komplex von Fragen einer gründlichen Beratung unterzogen. Als Ergebnis wird folgende Resolution Dr. Jacobs angenommen: „Der Rheinisch- Westfälische Rabbinerverband nimmt von der Wiederaufnahme der Versuche einer 9keuorgani)ation der preußischen Judenheit mit Befriedigung Kenntnis. Indem er mit Genugtuung seststellt, das; die von ihm zuerst und mit Entschiedenheit erhobenen Förderungen sich allmählig weitere Anerkenntlng verschafft haben, hält er es für geboten, sie so lauge mit Nachdruck zu wiederholen, bis sie gesetzliche Geltung erlangt haben 1. Das neue Gesetz muß die volle Konsequenz der modernen politischen Entwickelung in dem Sinne ziehen, daß die Juden in Preußen eine Religionsgemeinschaft und durchaus nichts anderes sind und keine anderen Interessen und Aufgaben als religiöse haben; 2. die amtliche Vertretung der religiösen Interessen der Judenheit ist das Rabbinat. dem daher auch die äußere Repräsentation der jüdischen .Religionsgemeinschaft obliegt; 3. jedem Inden in Preußen muß die Zugehörigkeit Zn einem Rabbinat Zur Wahrnehmung seiner religiösen Anliegen gewährleistet werden; 4. dem Gemeinderabbiner, als dem berufenen Vertreter der religiösen Interessen der jüdischen Gemeinde, muß in der Gemeinde dasjenige Maß von Rechten eingeränmt werden, das dem Wesen seines Amtes entspricht und allein die erfolgreiche Vertretung der religiösen Interessen verbürgt. Dazu gehört: a) daß er nach der Art seiner Anstellung und Besoldtmg durchaus unabhängig gestellt ist; b) daß er Amtschnrakter erhält; c) daß er Mitglied des Gemeindeoorstandes wird; d) daß Aenderungen in Ritus., Kultus und Unterricht nicht ohne seine Zustimmung erfolgen können.".Mit der Beratung über eine Aenderung der Ltattlken des Verbandes schließen die VorntittagsverhandLnngen, denen ein gemeinsames Mittagsmahl folgt. Bei Wiederaufnahme der Berhand langen übernimmt der inzwischen eingetroffene Dr. K ronhei m (Bielefeld) den Borsitz. Er begrüßt die als Gäste erschienenen Mitglieder der Bereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen in Köln und erteilt das Wort znm nächsten Referat Dr. David (Bochmm über das Thema „K r i e g s g e t r a u t". Es ist inzwischen ans Wunsch der Versammlung im „Israelitischen Familienblatt' veröffentlicht worden und zeitigte folgende Entschließung: Die Wahrnehmung, daß vielfach der Irrtum verbreitet ist, die Kriegstrauung erübrige die religiöse Trauung, gibt dein Rheinisch - Westfalischen Rabbinerverbnnde Anlaß zu folgender Erklärung: „Die Kriegstrauung bezweckt eine Kürzung der Dauer des standesamtlichen Aufgebots, sonst ist sie in nichts unterschieden von der staatsgesetzlichen, standesamtlichen Ehr schließung. Diese aber soll nttr die rechtlichen Verhältnisse, die dir Eheschließung voranssetzt und bewirkt, erfassen und verweilt darum selbst ans die religiöse Trauung. Die dem tiefsten Wesen der Ehe als eines über rein rechtliche Beziehungen hinansragendni Lebensbundes entsprechende Form der Eheschließung ist aber nur die religiöse Trauung, aus die kein Jude verzichten darf, der d:e Absicht hat, eine Familie zu gründen, in der der Geist der Väter llchcn Religion lebendig bleiben soll." - lieber „O st j u d e n i n Deut s ch l a n d" gibt Dr. Eschelbach er (Düsseldorf) ein aus führliches, auf reichen Erfahrungen aufgebautes Referat, die von ihm in der Kriegsseelsorge mit rtlssisch-polnischen Kriegsgefangenen. Internierten und für deutsche Werke angeworbenen Arbeitern gemacht worden sind. Die Bekanntschaft mit den letzteren habe ihm einen tiefen Einblick in die Lebensverhältnisse und geistige Verfassung der breiten Massen der jüdischen Jtlgend Polens verschafft. Wenn ihre Arbeitsfähigkeit und -Willigkeit von deutschen Arbeitgebern nicht intmer anerkannt worden ist, so lag das vielfach an der wahllosen Zuteilung von Arbeitsleistmigen, die ihnen völlig ungewohnt, ivwie au der völligen Rechtlosigkeit, der sie preisgegebeu waren. Obwohl Intelligenz, altjüdische Moral und Strebsamkeit bei ihnen nicht zu verkennen sind, so bedarf es doch für alle, die ihnen helfen wollen, großer Liebe tmd Hingebung, datnit sie den Zirsammenhang mit Dem