Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 des ÄlcmtomiDerctnö würdigte der Präsident, Oberkantor Bauer, die Verdienste des Verblichenen und nahm hierauf der Obmann des Synagogensüngerverbandes, Armenrat S. Lemberger, in bewegter Rede von dein Verstorbenen Abschied. Oberkantor Fuchs mit allen Sangeskollegen sang die Trauergesänge und alle gaben dem Frühentschlummerten das Geleite bis zum Grabe. Hier hielt mit tiefem Eindruck Professor Nascher namens der Freunde des Entschlafenen eine Grabrede. Der Chor stimmte das Schiwisi an und mit dem rührenden „Elmole rachnmim" durch den ersten Kantor Iurberger schloß die überaus würdige Feier. — Am selben Tage fand das Leichenbegängnis der an Grippe verstorbenen langjährigen Sekretärin des Vereins Kaiser-Franz-Josef-Kinderhort zur Ausspeisung armer Schulkinder der Bezirke 12 bis 15, Fräulein Marianne S t r a s ch i z, statt. Ter Verein betrauert in ihr eine tüchtige Kraft, eine treue Mitarbeiterin mit warmfühlendem Herzen für die vielen Armen und Notleidenden. —- In Budapest ist in der Nacht zum 24. Oktober Frau Ernestine T a r l a u , Tochter des wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit sowie wegen seiner gemeinsam mit Rabbi Zwi Hirsch Ka li scher (Thorn) verrichteten Arbeit zur Kolonisation Palästinas berühmten und verehrten Rabbi Elija G u t t m a ch e r (Grätz), eines sanften Todes verschieden. Die Heimgegangene lebte im Geiste ihres hochseligen berühmten Vaters in strengster Frömmigkeit und starb im hohen Greisenalter wie eine Heilige, mit dem „Sch'ma" auf den Lippen. — Der bekannte Philanthrop Herr M. Lifschütz, Großindustrieller in Drohobycz, widmete den Betrag von einer Million Kronenrente zugunsten des Hilfswerkes -des Vereins zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien, 9. Bezirk, Universitätsstraße Nr. 4, in der Weise, daß aus den Zinsen dieser Stiftung alljährlich Stipendien an jüdische Kriegswaisenkiuder zur Absolvierung des Studiums verliehen werden. Von Kah und Fern. Der Rektor des Berliner Rabbinerseminars Tr. David H o f f ni a n n beging unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise seinen 75. Geburtstag. Tr. David Hoffmann wirkt seit mehr als 45 Jahren im Lehrkörper des Rabbmerseminars, das er seit dem 1899 erfolgten Tode Israel Hildesheimers als Rektor leitet. Von 1871 bis 1873 war er Talmud- Lehrer an der Realschule der Israelitischen Neligionsgefellschaft zu Frankfurt a. M. unter S a m s o n R a p h a e l H i r s ch. Am Rabbinerseminar wirkt Tr. Hoffmann als Dozent für Talmud- und Pentateuch- Exegese. - Der Jüdische Kinder-Unterstützungs-Verein (Ikuw), Berlin NW 21, Bundesratufer 12, beging Ende v. M. sein 5jähriges Bestehen. Von einer öffentlichen Feier wurde wegen des Ernstes der Zeit und meid die männlichen Vorstandsmitglieder, Vors- Bruno Wolfs usw., alle im Felde sind, abgesehen. Dafür will der Verein zu Ehanuka diesmal besonders Familien unterstützen. Freunde und Gönner dieses löblichen Vereins können Geldspenden aus Postscheckkonto Berlin 21 285 übermitteln. Am 4. d. Nt. beging Geh. Regiernngsrat Prof. Tr. Mar P e r l b a ch, früher Abteilungsdirektor an der Königlichen Bibliothek in Berlin, seinen 70. Geburtstag. Geboren zu Danzig, wirkte er 1883 bis 1903 an der Universitätsbibliothek Halle, 1903 bis 1913 in Berlin. Seit Beginn des Krieges ist er wieder als freiwilliger Helfer an der Bibliothek tätig. — Stadtrat Max C a s s i r e r , der Dezernent der. Städtischen Gaswerke tu Eharlottenburg, dem bei Kriegsausbruch vom Handelsminister die Liquidation der Englischen Gasanstalt übertragen wurde, ist zmn preußischen Kommerzienrat ernannt worden. - - Tr. Julius Freudenberg, Vorstandsmitglied der Neichsbekleidungsstelle und der Kriegswirtschaftsakticugesellschast, erhielt das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande. - Herrn Rabbiner Dr. Galliner ist die Rote-Kreuz-Ntedaille III. Klasse verliehen worden. — Den Operationsschwestern mn Krankenhause der Jüdischen Gemeinde,' Schwester Betty Cohn, Schwester Paula Plot tke sowie der Bademeisterin Marie Looke ist die Rote-Kreuz-Medaille III. Klasse verliehen worden. -- E i n e G e d e n k se i e r für D r. J a kob Sperber, den jüngst verstorbenen Orientalisten, vereinigte am Sonata?, den 3. d. M., in der Lynagvge des Rabbinlersemmars das Kuratorium, das Dozentenkollegium und die Hörer dieser Anstalt. Auch die ehemaligen Hörer des Seminars waren, soweit sie sich in Berlin aufhalten, erschienen. Der greise Rektor Dr. Hoffmann h:elt die Gedächtnisrede. Namens der Freunde des Hei luge gonge ne ti sprach Rechtsanivalt Dr. Arnold Barth. Für die Schüler Tr. Sperbers sprach ein Hörer der Oberabteilnng, Herr Melchior (Kopenhagen), der das Verhältnis Sperbers zu seinen Schülern würdigte. — Herrn S. Voremberg, Inhaber der Kunstanstält Voremberg in Berlin SW 68, Lindenstraße 2, , ist das Fürstlich Lippische Kriegsverdienstkreuz am weißen Bande verliehen worden. > -^ ie E h e w r aKad i s ch a G r o ß-B e r l i n wünscht jüdische Krankenpfleger und -Pflegerinnen zu beschäftigen und bittet solche, sich schriftlich mit näheren Anc.aben Spandauer Straße 31 imBureau zu melden.- Aus Königsberg i. Pr. erhalten wir folgende Mitteilung: Heeresentlassene, kriegsbeschädigte Lehrer ami> Kantoren und deren Söhne, soweit sie Kriegsteiknehmer sind, erhalten zu Bäderkuren auch im Winter wesentliche Vergünstigungen, in besonderen Fällen auch volle Freistellen, durch den Hilfsausschuß dos Lehrerverbandes: Vorsitzender- Direktor P e r i tz in Königsberg i. Pr. — Lehrer Max S a l c> - m o n in Kolmar i. P. hat das Vordienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. —- Herr Rabbiner Dr. Ros en th a l in Breslau beging am 10. d. Nt. feinen 80. Geburtstag. Wir entbieten dem gelehrten Jubilar nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. - Zum Vorsteher der Kultusgemeinde in Eisenach-wurde an Stelle des kürzlich verstorbenen Herrn Ferdinand Stiebet Herr Rechtsanwalt Dr. Blüth mit 65 von 70 abgegebenen Stimmen gewählt. — Am 27. v. M. beging Lehrer- Jak. Salonton in Altenkirchen sein 50jähriges Amtsjubiläum als Seelsorger der israelitischen Gemeinde. — Aus Tübingen i. Wrttb. lrnrd geschrieben: Am 28. v. M. feierte seinen 70. Geburtstag Herr; Gustav H i r s ch, der hier nun vierzig Jahre als israelitischer Kircheni Pfleger amtiert und seit über drei Jahrzehnten ununterbrochen als! Kirchenvorsteher zum Wohle der Gemeinde tätig ist. — Russische und! galizische Juden in Luxemburg erhielten von den deutschen Militür-! behörden den Beseht, Luxemburg zu verlassen. - Ein Teil der Bevölkerung würde die Besetzung Wiens etwa durch die Engländer nicht ungern sehen, aber nur aus Gründen der Sicherheit, denn die Organisation der Volkswehr ist noch nicht gelungen, so daß die Stadt eigentlich unbeschützt gewesen wäre, wenn nicht die jüdische Nationalgarde ein Bataillon zur Verfügung gestellt und auch mehrmals interveniert hätte. Der Stadtkommandant der Stadt Wien stattete dem Führer der jüdischen Nationalgarde als 'Helfer in der Not feinen Dank ab. Für das einst recht antisemitische Wien ist das eilt seltsamer Zustand. — Aus Krakau wird berichtet: Mittwoch,, den 23. Oktober, wurde dem verewigten Großrabbiner Abraham Markus K l i n b e r g , genannt Zaletschtiker Rabbi s. A., ein Denkstein aus seinem Grabe aufgestellt. Tausende Verehrer des Verstorbenen waren aus näh und fern herbeigeeilt, um das Andenken des berühmten Rabbi zu ehren. Der Sohn und Nachfolger des Verewigten, Oberrabbiner Sch. Klinberg, hielt am Jahrestag seinem Vater die Gedenkrede, die auf die Tausende von Zuhörern einen ergreifenden Eindruck machte. Die neue Aktienausgabe des „Jewish Colonization Trust" (Jüdische Kolonialbank), welche mit Erlaubnis der britischen Regierung vorgenommen wurde, zeitigte in einigen Wpchen einen glänzenden Erfolg. Noch bevor die Frist abgelaufen war, war die vorgesehene Summe stark überzeichnet worden. Die Bant gibt den Zeichnern bekannt, daß infolge der dadurch bedingten Ueberlastung des Bankpersonals die Ausgabe der einzelnen Anteilscheine an die Zeichner nur allmählich vor sich gehen kann und vm Laufe der' nächsten Wochen beendet sein wird. — Englischen Blättern zufolge . sind Staatsmänner aus allen- Tellen der Bereungten Staaten an den Präsidenten Wiilson mit der Forderung herangetreten, den Richter im Obersten Gerichtshof der Union, Herrn Louis D. Brandeis, zum amerikanischen Gesandten in Rußland zu ernennen. Brandeis gehört zu den Führern der modernen jüdischen Bewegung in Amerika und ist ein persönlicher Freund des Präsidenten. — Die „Eagle Publishing Company" (Montreal) hat die Fortsetzung der Ausgabe des babylonischen Talmuds in 18 Bänden unternommen, die in Wilna begonnen wurde, durch Kriegsnotfälle aber in dieser Stadt unterbrochen werden mußte. Die Arbeit wird unter Aufsicht des Vereins der orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas mit Unterstützung des Rabbi- Jitzchok-Elchanan-Seminars in New Dort besorgt.___ Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M ä x I u n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.