Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- Seite 549 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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549 Avt bewähren. Das ist mehr als >der Traum eines Staates, der von vornherein zur Ohnmacht und zum bloßen Vegetieren bestimmt ist. Aber wer will Voraussagen, was im nächsten Augenblick geschieht? Hermann Vogklltem. em trefflichen Mann, der unseren Lesern hier im Bilde vorgeführt wird, verdanke ich folgende biographische Notizen: „Ich bin am 8. Januar 1870 in Pilsen als ältester Sohn des Rabbiners Dr. Heinemann Vogelstein geboren. Die Schulzeit habe ich in Pilsen und seit 1880 in Stettin, wohin mein Vater damals berufen wurde, verlebt. Michaelis 1888 verließ ich das Königliche Marienstiftsgymnasium in Stettin mit dem Zeugnis der Reise. 1888 bis 1895 habe Löhran-stalt 'für' die Wissen schiast des Judentums ln Berlin, sodann am Jüdisch - theologischen Seminar zu Breslau und schließlich wiederum an der Lehranstalt in Berlin Theologie studiert. Gleichzeitig habe ich an den Universitäten Berlin und semitische Sprachen studiert und bin in Breslau speziell Siegmund Fraenkels Schüler gewesen. 1894 habe ich in Breslau ürit einer Arbeit über schuft in Palästina zur Zeit der Mischna, I. Teil: Der Getreidebatt" promoviert. Im August 1895 wurde ich zur Vertretung des erkrankten greisen Rabbiners Oppeln berufen. Amtshandlung war die Beerdigung dieses Veteranen der Reformbewegung. Als Rabbinatsverweser und nach meinem Rabbinatsexamen (Januar 1897) als Rabbiner habe ich bis Juni 1897 in Oppeln gewirkt Seitdem bin ich als Nachfolger Isaak Bambergers Gemeinderabbiner in Königsberg. Gemeinsam mit Dr. Paul Rieger (jetzt Landesrabbiner in Braunschweig) habe ich, angeregt durch ein Preisausschreiben der Moritz-Rapoport-Stiftung in Wien, die „Geschichte der Juden in Rom" (2 Bände, Berlin 1896/97) geschrieben. Von sonstigen Arbeiten erwähne ich „Beiträge zur Geschichte des Unterrichtswesens in der Jüdischen Gemeinde zu Königsberg in Preußen" (36. Bericht über den Religionsunterricht der Shnagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. 1903) sowie die „Festschrift zum 200jährigen Bestehen des Israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung (Chewra Kadischa) zu Königsberg i. Pr." (1904), ferner Beiträge in den Festschriften zur Säkularfeier Abraham Geigers, zum 70. Geburtstag Hermann Cohens und Martin Philippsohns sowie kleinere Arbeiten in der „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums" und in anderen Zeitschriften und in den „Berichten über den Religionsunterricht in Königsberg". j Im kommenden Wintersemester werde ich in dem von der j hiesigen Universität eingerichteten Auslandsstudium über die I Ostjuden lesen."! Den vorstehenden Notizen ist wenig hinzuzufügen. Es sei! nur bemerkt, daß Vogelstein als ausgezeichneter Lehrer und j eindrucksvoller Redner in der Gemeinde, an der länger j als zwei Jahrzehnte wirkt, so fest verankert ist, daß rnehr-! fache bis in die neueste Zeit sich erstreckende Versuche, ihn für! Berlin zu gewinnen, scheiterten. Vogelstein ist ein entschieden liberaler Mann, aber so fern von jedem Extrem, daß er auch das volle Vertrauen der konservativen Partei genießt, ein so eindringlicher und begeisterter Lehrer, daß esihm gelungen ist, auch die Lauen und Widerstrebenden zu gewinnen, beim Judentum zu erhalten, ja für , die väterliche Religion zu begeistern. Er ist ein so eifriger Beamter, daß er verhältnismäßig nur geringe Zeit journalistischen Arbeiten sich widmen kann und auch zu dieser Zeitung, deren hochwillkommener Mitarbeiter er ist, lange nicht so viel beizutragen vermag, wie Herausgeber und herzlich wünschten. Die Amtstätigkeit beseider auch seine wissenschaftliche Arbeit. Es war mir eine besondere Freude, vor 20 Jahren, als Gutachter der Moritz - Rapoport - Stiftung in Wien, dazu beantragen, daß ihm Freunde Dr. Rieger für ihre wertvolle Leistungen gewährt wurde. Ich erinnere mich mit Freude des Dankbesuches, den die beiden jugeMichen Preisträger mir machten. Sie waren frisch, entzielbewußt; sie hielten nicht zurück mit Klagen über manche Mißstände, aber sie waren erfüllt von ihrem Berufe und fahlen hoffnungsfreudig in die Zukunft. Sie machten den Eindruck: das sind Männer; die Folgezeit hat erwiesen, daß der Eindruck richtig war. L. G. Marte der Erinnerung an Gustav Larprlrs. Don E. B it ch h e i m. m 11. November 1918 waren es 70 Jahre, seit der langjährige Redakteur dieser Blätter, G u st a v K a r p e l e s, das Licht der Welt erblickt hat. Es ist ihm nicht vergönnt gewesen, diesen Tag zu erleben und in der dankerfüllten Huldigung seiner vielen Freunde und Verehrer den Lohn zu ernten für sein arbeitsvolles Leben, das an Aufopferung für andere so reich war. Darum mag es gerechtfertigt erscheinen, durch einige Worte die Erinnerung an den vor neun Jahren Dahingeschiedenen wieder auszufrischen versuchen. ich an der Breslau Die Landwirt- Dr. Wiener nach Meine erste Leser ausgebreitete schränkt und seinem der Prell schieden, Rabbiner Dr. Vogelstein.