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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-15 · Heft 46 (15.11.1918) · p. Seite 547

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 46 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
Seite 547 (sequence 7)
Language
German
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547 f)abm, und es ist hundertmal bewiesen worden, daß ihr Anteil an den Kriegsgesellschaften kaum größer ist, als er ihrem Prozentsatz und ihrer Beschäftigung mit dem Handel entspricht. Wenn der Verfasser eine Ahnung hätte von -den Leitern der Schwerindustrie, die in Deutschland auf die Fortsetzung des Krieges gedrängt hatten, so würde er wissen, daß in ihr fast ausschließlich Christen das Wort führen. Darum muß man mit aller Entschiedenheit gegen die böswilligen Erfindungen und die u-ngeheuierlichen Verleumdungen dieses Flugblattes Front machen. Wir rühmen uns unseres feurigen und glühenden Patriotismus, aber nun ersehnen wir nur den Frieden, damit endlich dem wahnsinnigen Morden Einhalt getan und dem deutschen Volke trotz der fast unerschwinglichen Opfer, die ihm zugemutet werden, die Möglichkeit geboten werde, sich im Laufe von Jahren und Jahrzehnten ruhig zu entwickeln, innerlich zu gesunden und zur Kultur der Menschheit beizutragen. wenn es auch für lange Zeit wohl darauf verzichten muß, eine führende Stimme in der Reihe oder im Bunde der Völker znführen. * Daß auch in Deutsch-Oesterreich 'der Antisemitismus in Blüte steht, lehrt folgende Ausführung in Dr. Blochs „Wochenschrift". Nachdem in einem Artikel „Das jüdische Programm" von den Forderungen der Osljuden gesprochen ist, heißt es weiter: Wesentlich anders stehen die Dinge für die Juden in Westösterreich mit ihren schwachen Gemeinschaften. Für diese umß man vollständige Gleichberechtigllng mit allen anderen Minoritäten ihres Wohlstandes verlangen, unbeschadet dessen, daß sie sich znm jüdischen Rational-- Programm nnd zur Errichtung einer Heimstätte in Palästina bekennen. Es muß ihnen auch freigestellt werden, sieh einer anderen nationalen Gruppe unter Währung ihres jüdischen Standpunktes anznschließen. Beispiele für diese Möglichkeit gibt es genug. Der italienische Minister Lnzzatto hat sich für Palästina erklärt: er hat jedoch nickst anfgehörl Italiener zu sein, und die Regierung entrechtet ihn nicht. Rothsch'ld in London präsidierte einem Meeting der Zionisten, aber das batte tcinen Einfluß auf seine Stellung als englischer Staatsbürger. Reinach in Paris trat für die Gründung des jüdischen Palästina e'm, ohne seine französische Bürgerschaft zu gefährden oder die Unterstützung durch die Regierung zu verlieren. Sv sehen nur, daß es einen Standpunkt der Gerechtigkeit und des Ausgleichs gibt, daß nicht ein einheitliches Schlagwort die Möglicklcit des Lebens für die Inden erschlagen muß, lvenn man einander m-recht bleiben will nnd gegenseitig die Eigenart der Interessen schont. Sagegen dürften schwere Konflikte kaum zu vermeiden sein, wenn etwa astjüdische Auffassung entscheidende Instanz auch fürwestindisches Senken nnd Fühlen werden wollte, lvenn inan gegenseitig an Schonung nnd Rücksichtnahme vermissen läßt. Eines schickt sich nicht für alle die Tschechen in Triest, müssen eben ein anderes Progrannn daben als die Tschechen in Prag, die sich selbst helfen können. Dabei ist durchaus nicht nötig, daß die politische Ehrenhaftigkeit. Schaden leidet: dagegen wäre es ein schwerer Schaden, lvenn wir Juden ohne Rachdenken uns von nwderner Musik betäuben lassen und den lauernden Antisemiten ins Garn geben. Schreibt doch schon die „Ostdeutsche Rundschau" in ihrem Briefkasten: „Wir sind völlig einverstanden mit dem Jüdischen Rationalrat. öm Deut Sh- Oe st e r r ei ch der Zukunft dürfen natürlich nur Deutsche wählen und auch wählbar sein. Der Jüdische Rationalrat hat ausdrücklich beschlossen, daß die Inden in Zukunft überall nur jüdisch? Polstik treiben lvellen. Deutsch-Oesterreich aller wird deutsche Politik treiben, Also Hallen Adler, Austerlitz, Elleilbvg-en uno. in nucm wirklichen Dentsch-Oesterreich nicht nsttznreden. Ein Jndi- 'cher Rational rat soll sie zu Delegierten des Judentums machen. Dannh sind wir eiiwerstanden!" Das Blättchen hat natürlich -eine solche Schreibart nötig! Diele Drppeldeutstchen sind wohl' die allerletzten', die andere Leute anhreiüeu dürfen. Abt ihrem Heillind Siegfrieden haben sie das Massenunglück der Welt und schließlich die Niederlage der Mittelmächte verschuldet. Sie haben den Haß der Welt über Deubchland heran fbeichworen nnd deshalb ist für ihre Frechheit, and) für die antisemitische, wohl bald die Gvtzendänunerung gekommen. * Auch in Polen steht es trotz der Versicherung der polnischen Regierung nicht gut um die Sache der Juden. Ueber judenfeindliche Strömungen in Warschau weiß ein Berliner Blatt nachstehendes zu melden: Wie ans War'chan berichtet loird, erschienen dort an den Arisch lag sä ulen Plakate in Form von Todesanzeigen mit breiten stbwarzen Trauerrändern, worin Personell nnni ent lach bezeichn et werden, die Grundstücke an Inden verkauften. Auch die Namen der Käufer lverden angegeben. Die Zettel erregen ungeheures Aufsehen, da Namen aus der besten Gesellschaft genannt lverden. Der jüdische Warschauer Kalismannsverein richtete eine Denkschrift an die jüdische Gemeindevenvahtun-g, die ausführlich die antisemitische Hetze in Warschau schildert lind die Gemeindeverwaltung aussordert, bei der Regierung Schritte zll unternehmen. Ans Vorstellungen der Jüdischen Gemeinde hin sagte der Ministerpräsident ein energisches Einschreiten der Regierung zu. * Leider ist es auch in W e st g a l i z i e n zu ernsten Unruhen gekommen. Die Juden flüchtetenmassemvoise aus Oderberg nach Böhmen. * Sehr eigenartig berührt der erste Teil folgender Warschauer Korrespondenz des „Berliner Tageblatts": Warschau, 6. Rovember. (W. T.BJ Indische Warschauer Blätter bringen die Nachricht, daß vierzehnhn,ndert jüdische Soldaten der österreichischen Garnison von Lublin einen jüdischen Soldatenrat bildeten. Tie polnischen Offiziere forderten zunächst unter Androhung der Proviantverweigerung vom den Juden den Eid für die polnischen Legionen trotz des ansdrücklicben Befehls, daß nur Freiwillige zum polnischen Heer genommen lverden sollten. Anderseits verlangten auch die ukrainischen Ossiziere die Unterstellung der Inden unter sie. Eine Bcrmnnnluna, die von Hunderten voll jüdischen Soldaten und Unteroffizieren mit blanweißen Kokardenstatt der früheren Abzeichen besucht war, bildete einen Svkdatenrat. Für den Fall eines Kampfes mit rnchemischem Bcilitär lviirden sich die Juden neutral Verhalten. — Die jüdischen Blätter Warschaus berichten von einer Volksversammlung, die das zionistische Zentralkomitee in Warschau veranstaltet hat. Zmn Vorsitzenden der fünftnuiend Köpfe starten Versammlung, wurde der jüngst ans Rußland zu rück ge kehrte Sozial isten sichrer P.odliszewski geivählt. Eine Entschließung sprach sich vor allem für die zionistischen Ideale a.us. verlangte aber auch eine Anerkennung der jüdischen nationalen Rechte mib ein Anrecht ans die Schaffung eines jüdischen Volkslebens auf autonomer Gr lind läge überall, lvv Inden in größeren Gemeinschaften wohnen, bewnders in Polen. Rlit einer Begrüßung an die Brüder aller polnischen Gebiete fordert die Versammlung zum nationalen Kampf im vereinigten Polen aus. Sie protestiert gegen die alte lnstionaldenlotratistche Politik der Ignorierung 11nt> Verfolgung der jüdischen nationalen Minderheit und fordert die jüdischen Volksmafsen Polens auf, einig nnd geschlossen durch die Schaffung eines Rationalrates m den Kampf für die nationalen Rstchste nnd die Be f r e i n i: a e i n z n tretc n. * Um nicht bloß von Trübem nnd Trostlosem zu reden, um einen etwas frohmutigeren Ausblick in die Zukunft zu gewinnen, lassen wir ans der Zeitschrift „Die neue Generation" einen Artikel folgen, der auf ein Thema eingeht, das in der von uns angezeigten Schrift E. Wolbes behandelt worden ist. Er mag hier stehen znm Beweise, daß auch nichtjüdische Blätter jüdische Tinge mit Ernst nnd Wohlwollen behandeln. Er lautet: D i e F r ft h c h c f a s s e d e s I ü d i s ch e n F r a n e n b u it d e v. Die Kriegszeit mit ihrer beispiellosen Vernichtung blühenden Menschenlebens hat auch der jüdischen Gemeinschaft die Frage znm Bewußtsein gebracht, was ans ihr lverden soll, lvenn nach dem Kriege lveiter durch Geblirtanrnckgang, gewollte imb nngelvolltc Ehe lost gleit,

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