Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- Seite 539 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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539 Der längste Krieg, den die Menschheit gekannt ha-be, der 18 Jahrhunderte dauernde Kaimpis des jüdischen Volkes gegen die ganze Welt, U'erde^ mit diesem Krieg feinen Abschluß erhalten. ' Die Menschheit! sagte Herr Fronumnu, habe ein,gesehen, daß sie sich, an dem jüdischen Volke versündigt habe, und gebe in diesem Bewußtsein dem jüdischen Volke sein Land zurück. Herr Lein führte aus, daß, während im Golus das Land dem jüdischen Volke mir ein Gegenstand der Hoffnung, die Sprache etwas Heiliges gewesen war und das jüdische Volk sich ans fremdem Boden Jahrtausende durch seine Religion erhalten habe, in Palästina die Sprache die Rolle der Religion übernehmen müsse. Herr Simon Tal schilderte den Einfluß, den das Ostjudentii'-m während «des Krieges aus die Juden des Westens ansgeübt Hütte, und forderte die.unbedingte Bekämpfung des Jiddischen in Palästina. Werner sprachen noch Herr I. Stern und Fräulein Rosenberg („Hebräisch als nationale Erziehungssprache"). Am 'folgenden. Tage fand eine große SportdeMonstratvon der jüdischen Turnvereine von Scheveningen-, Haag unb Amsterdam statt. Ein zahlreiches Publikum folgte mit großem Interesse den gut ausg?s-Wrten Uebunaen der Turnerschast. Hierauf folgte ein Jugendtag, Ui dem Vertreter aller zionistischen Jugend vereine Hollands ersrb,jenen waren. Herr Professor Orn,stein sprach über „Können- und Peht". Er nahm in stiner Rede Stellun-a zu den Aussührunaen Bobers aus d^ein Jn-denta>a in Wien, d^e er widerlecüte. Iran I. Si'mon-Friedberg hi elt ein Referat über die V-orbereitunaen, welche die Zionisten' heute iür P>alästina m treffen hätten. Herr Jean Fischer erinnerte in seinem.Schlußwort an die Erklärung Balf-ours und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Friede auf den Prinupstn Wilsons aufgebaut werden würde und dein jüdischen Volke die Erfüllung seiner Hoffnungen bringen werde. Eingeselliger Abend beschloß die Woche. Der Erfolg der Woche überiraf alle Erwartunaen. Dem Jüdischen Nationalfonds flössen während der Woche mehr als 12 000 Franken zu. Die Sammlungen für den Nationalfonds, den Restaur.uionssouds und die Werbeaktion für den Schekel (die üomstis.>'be Parteisteuer) werden fortgesetzt. Während der Woche wurden die Jüdische Legion mtb General Allenby ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen. Acht Tage lang wehte die bla uw ei he Fahne von dem Gebäude des Schevemrrgier Kurhauses, das vrührend der Woche z.um Mittelvun-kt lebbastel^ zionistischen Lebens wurde. Die jüdische und nichtiüdische Oessentlichkeit Hollands widmete der Woche mib der Ausstellung ibr regstes Interesse. Die gesamte inländische Presse berichtete ausführlich über die Woche und ihre Ergebnisse. Zahlreiche Begrützunas schreiben, u. a. auch vom London-or Bureau der Zionistischen -Oraanisation, dem- Kopenhagener Bureau und den- Herren Kann und Simon, liefen ein. * Die Zionisten und der englische Sieg in P a l ä st i n a. Das Jüdische Kovrespondenzbureau im Haag meldet: Rahum Sokolow richtete folgendes Telegramm an General Allenby: „Die Jlonistrsche Organi'sation. die mit tiefster Anteilnahme den bewunderungswürdigen Erfolgen Jbrer ruhmvollen Armee in Palästina folgte, sendet Ihnen, Ihren Offizieren und den Mannschaften, die unter Ihrem Kommando stehen, ihre herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem letzten glänzenden Sieg." In seinem Glückwunschlelearamm an Llovd Geo-rge sagte Sokolow unter anderem: ,,Tas jüdische Volk begrüßt mit unbändiger Freude diesen Sieg, der eine Erweiterung der Sphäre der Freiheit und guter Negierung in seinem alten Heimatland bedeutet." G e >n e r a;I A l l -e n b y a n d i e Z v o n i st e n. Das Jüdische Korresvondenzbureau im Haag berichtet: General Allenby richtete an Dr. Eder, der ihn namens der Zionistischen Kommission. zufeinem Siege beglückwünscht hatte, folgendes Telegramm: „Ich und die Armee, die unter meinem Kommando steht, sind stolz, das Instrument gewesen zu sein, das Ihr Land von der Unterdrückung befreite." * Araber u n d Juden in Palästina. Ein Havas-Bericht meldet, -daß die Truppen des Königs von Hedschas beim Beginn des neuen Feldzuges in Palästina 400 Mann zählten. Im Laufe der Operationen stieg die arabische Streitmacht auf 10 000 Mann. Was die jüdischen Truppen in Palästina betrifft, liegen noch keine genaue Ziffern vor. Doch ist bekannt, wie das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag meldet, daß sich in Palästina allein mehr als 10 00 Juden dem Indischen Regiment anschlosien. Die Zahl der jüdischen Truppen, die aus England, Kanada, den Bereinigten Staaten und Aegypten kamen, dürfte mindestens 10 000 betragen. Wiewohl die jüdische Legionsbewegung noch nicht zu voller Entwicklung kam und insbesondere den jüdischen Legionären in Rußland die Möglichkeit entbrach, nach Palästina zu, ,gelangen«, ist dennoch der jüdische Anteil an den Gefechtsoperationen in Palästina ein bedeutsamer. Ein Bericht aus Jaffa meldet, daß die jüdischen Truppen sich mit besonderer Bravour schlugen und die türkischen Stellungen in unwiderstehlichem Ansturm nahmen. Alle englischen Offiziere rühmen den Mut, die Unerschrockenheit und Tapferkeit der jüdischen Legion. * Die Forderungen der P o a l e - Z i o n P a l ü st i n a s. Dem Jüdischen' Preßlmrean in Stockholm wird aus London telegraphiert: Am 7. und 8. September fand in Jaffa eine Konferenz der jüdischen sozialdemokra-ti.schen Arbeiterpartei (Poale-Zion) statt, an der Vertreter aus Jaffa, Jerusalem, den Kolonien und der Legionäre teilnahmen. Die Konferenz sprach sich über die Souveränitätsfrage Palästinas dahin aus, daß es nicht unter die Verwaltung einer vom Friedenskongreß zu bestimmenden Kommission gestellt werden/sondern daß es von Amerika oder England nach einem von dem Friedenskongreß festzusetzenden Statut verwaltet werden soll. Diese Forderung wurde damit begründet, daß eine internationale Kommission bedeuten würde, daß Palästina viele Herrscher haben würde, was zu Konflikten mit den Arabern führen und die Zukunft des Landes in Frage stellen würde. In dieser Hinsicht stimmen die Ansichten der Poale-Zion Palästinas.mit denen des Jüdischen Arbeiter- Palästinakongresses in Amerika nicht überein, der sich in seinen Entschlüssen für eine internationale Kommission aussprach. HESS Jedem das Sriaige. (19. Förch.) Roman von M. Pulvermann. it desto größerem Eifer stürzte sich Ellen jetzt in den Wirbelwind des Putzens und Scheuerns, der im ganzen Hause herrschte. Ohne -auf Chaje Rachel zu achten, und über diese Kühnheit lächelnd, unternahm sie selbständig diese oder jene Vorrichtung, die nicht zu den Obliegenheiten «der Scheuerfrau gehörte. Sie schien es gar nicht zjs merken, daß ihre Schwiegermutter verblüfft, aber schweigend sie mit ihren Blicken verfolgte, die sowohl Anerkennung als auch Rüge bedeuten konnten. Ellen paßte es besser, es als das erftere aufzufassen. Dadurch noch kühner geworden, machte sie sich jetzt auch an mehr verantwortungsvolle und schwierige Aufgaben heran, bis sie auf einer Leiter bei der Gardinenstange angelangt war, um 'die blendendweißen Vorhänge zu befestigen. Gerade als sie fertig war, stand auch schon die Alte im Zimmer, die, nachdem sie einen prüfenden Blick auf das Werk geworfen, den Kopf hin und her bewegte, um schließlich durch ein lautes Zungenschnalzen ihre Befriedigung und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Kaum aber sah sie, daß sie Ellens Aufmerksamkeit erregt, als sie auch schon wieder schnell nach der Küche eilte, mit einem Gesicht, als wäre sie bei einer Untat ertappt worden. Das kennzeichnete ihre widersprechende Stellung, die sie die ganze Zeit über gegen ihre Schwiegertochter eingenommen. Ellens Hilfe ließ sie sich ruhig gefallen, aber sie suchte den Anschein zu erwecken, als geschähe es gegen ihren Willen, mit dem Geist einer ironischen Duldsamkeit. Ellen kam es vor, als gewähre -sie eine Unterstützung, die jene sehr benötigt, um aber bald dafür als ein Tor beschimpft zu werden. Sie regte sich darüber nicht sonderlich auf; sie wußte