Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 15)
- Language
- German
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s Organisationstalent und ein vorzüglicher Sinn für großzügige Reklame führten, hat er in allen Ehren und allem Reichtum ^ie Kreise nicht vergessen, aus denen er sich emporgearbeitet hat. Mandelbaum stammte aus einer kleinen Judenstadt Galiziens. Sein musikalisches Talent führte ihn zum Kantorenberuf. Am sich musikalisch auszubilden, kam er nach Berlin, wo er jedoch bald seine kaufmännischen Fähigkeiten entdeckte und sich in der Zigarettenfabrikation betätigte. Aus kleinen Anfängen machte er seine Fabrik zur führenden der deutschen Zigarettenindustrie. Kommerzienrat Mandelbaum war durch ein großes Interesse und Verständnis für alle jüdischen Angelegenheiten ausgezeichnet. Sein sicherer Rat und seine offene Hand werden in vielen jüdischen Organisationen der Reichshauptstadt vermißt werden. Die Jüdische Gemeinde verliert in ihm einen fleißigen Mitarbeiter in der Armenverwaltung und der Kommission für festgottesdienstliche und musikalische Angelegenheiten, viele Vereine zählten ihn zu -ihrem Vorstand. Der Dahingeschiiedene war schon lange vor dem Kriege ein eifriger Vorkämpfer für die Anbahnung guter wirtschaftlicher und politischer Beziehungen zwischen Bulgarien und Deutschland. Als bulgarischer Generalkonsul hat er dem Deutschen Reich dann in der Kriegszeit besonders wertvolle Dienste geleistet.--Die Trauerfeier für den Verstorben.en fand am Sonntag, -den 27. Oktober, in der Gebethalle des Friedhofes in der Schönhauser Allee statt. Ein ungewöhnlich großes Trauergefolge hatte sich eingefunden, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Reben den Spitzen der Berliner Handelswelt sah man Vertreter der bulgarischen Gesandtschaft, des bulgarischen Generalkonsulats, Offiziere der bulgarischen Armee und andere Abordnungen. Von jüdischen Körperschaften waren vertreten der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, die Armenkommission und die Musikkommission, der Jüdische Volksverein, der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder, der Verein Lehrlingsheim Pankow, in dessen Kuratorium er wirkte, der Hilfsverein für jüdische Taubstumme, viele andere Wohlfnhrtsoereine und auch Fachorganisationen, denen der Verstorbene im Leben nahegestanden hatte. Der Schönberger sche Synagogenchor (Synagoge Fasanenstraße) leitete die Feier mit einem Liede ein. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede, in der er ein Lebensbild des Heimgegangenen zeichnete und ihn als Juden und als Menschen feierte. Der Tote war nicht nur durch die Bande der Tradition, sondern durch ein lebendiges gläubiges Empfinden dem Judentum verbunden. Der Rabbiner schilderte das einfache, schlichte Wesen des Toten, dessen Herz allem Edlen und Guten geöffnet war. Für seine Arbeiter und Angestellten war er ein stets hilfsbereiter Freund, der ihnen in großzügigster Weise Hilfe gewährte. Sein Tod reißt eine gewaltige Lücke in viele Lebenskreise, die in ihm ihren Helfer sahen. Auch das.Vaterland verlor in ihm einen treuen Sohn, der ihm in schwerer Zeit nach besten Kräften diente. Rach der Gedächtnisrede trug Oberkani'or Baer das Ll-mole-raellumim-Gebet vor, dann beschloß erneuter Chorgesang die Trauerfeier. E. M. Berlin, 29. Oktober. K a mmersänger Alexander H e i n e m a n n, dessen Ableben wir bereits mitgeteilt haben, wurde aus dein Friedhose der Jüdischen Gemeinde zu Grabe getragen. Eine große Schar von Verehrern und Freunden des toten Künstlers erfüllte die Bethalle. Besonders die Musikwelt war stark vertreten. Man bemerkte unter anderen den Direktor des Sternfchen Konservatoriums, an dem Heinemann viele Jahre gewirkt hatte, Alexander v. F i e l i tz , ferner den Komponisten Professor Hans Hermann, dessen Liedern der Entschlafene so häufig zum Erfolg verholfen hatte, den Dirigenten Alexander W e i n b a u m und den Pianisten Coenrad v a n B o o s. Ein Harmoniumspiel eröfsnete die Feier. Nach einem Gesang des Kellermannschen Chores hielt Rabbiner Dr. Weiße die Gedächtnisrede, die den Toten als Künstler, Menschen und Juden schilderte. Ein ergreifender liturgischer Gesang, den Oberkantor Davidsohn vortrug, und ein Schlußlied des Chores beendeten die Feier. 2XD Myslowitz, 25. Oktober. Die hiesige Rektoren- und Lehrervereinigung hat im Bunde mit dem Mannergesangverein dem Lehrer a. D. B a ch zu dessen 80. Geburtstage einen- Ehrenabend bereitet, zu dem der Kreisschulinspektor, Vertreter der städtischen Schuldeputation sowie fast alle Lehrer und Lehrerinnen des Ortes erschienen waren. Ansprachen und Gesänge wechselten in bunter Folge. Die Grüße der Schuldeputation überbrachte Rabbiner Dr. Halpersohn und feierte, anknüpfend an Psalm 9V, 10, den Jubilar als einen Helden, der nicht nur in fast 50 jährigem Dienste für Volks- und Religionsschule wacker seine Pflicht erfüllt. sondern darüber hinaus, im Gemeinde- und Vereinsleben einch ersprießliche Tätigkeit entsaltet und auch dem Gotteshause und Gottesdienste seine Kraft, gewidmet habe. Mit Segenswünschen für den Jubelgreis, seine Kinder und Kindeskinder schiloß der Redner. Der schön verlaufene Festabend legte beredtes Zeugnis ab für die Wertschätzung, deren sich der Lehrerveteran im Kreise seiner Berufsgenosseu wie überhaupt in Stadt und Gemeinde erfreuen darf. L. G. Breslau, 25. Oktober. Am 1. November begeht Seminarrabbiner Dr. S. Horowitz, Dozent für talmudische Wissenschaft, Religionsphilosophie und Homiletik am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, seinen 60. Geburtstag. Der Ernst der Zeit verbietet jede aufdringliche Feier, die ohnedies auch dem bescheidenen Sinn des ausgezeichneten Gelehrten widerstreiten würde. Denn Bescheidenheit ist eine der bemerkenswertesten Tugenden des seltenen Mannes, der in sich ein in unseren Tagen ganz ungewöhnliches Wissen — und zwar ein Wissen, das sich auf die verschiedensten Gebiet, nicht nur auf die seiner Spezialwissenschasten, erstreckt — mit einem staunenswerten Scharfsinn vereinigt. Dr. Horowitz entstammt einer berühmten Gelehrtenfamilie der ungarländischen Judenheit, hat die Grundlage seines Wissens in seinem Heimatlande erworben, sodann ' ZU Füßen russischer Gaonen gesessen und schließlich seine philosophische und theologische Ausbildung an der Breslauer Universität und dem dortigen Seminar erhalten. Nach Beendigung seiner Studien wurde er zunr Rabbiner der Gemeinde Bielitz berufen; als Frucht seiner dortigen Wirksamkeit hat er einen Band Predigten veröffentlicht, die sich insbesondere durch die Fülle geistreicher Gedanken und die souveräne Behandlung des Mi-dra-sch anszeichnen. Nach dem Tode Dr. Rosins wurde Dr. Horowitz an das Breslauer Jüdisch-theologische Seminar berufen, wo er Muße zu größeren wissenschaftlichen Arbeiten fand, in denen er insbesondere die Erkenntnis der mittelalterlichen Religio-nsphilosophie förderte und eine den Ansprüchen der modernen Methode entsprechende Ausgabe derhälachi-schen Midraschim aubahnte. Von der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" wurde er mit der Herausgabe des groß angelegten „Corpus tanaiticum" betraut. Nach dein Ableben des unvergeßlichen Professor Dr. Israel Levy, seines Lehrers, wurde Dr. Horowitz zum Rabbiner des Seminars gewählt und der eigentliche talmudische Unterricht damit in seine Hand gelegt. Mög-e dem hervorragenden Manne, der sich der unbeschränkten Verehrung seiner Schüler und hohen Ansehens in der wissenschaftlichen Welt erfreut, eine langjährige Wirksamkeit in seinem für die Erhaltung jüdischen Geistes so bedeutungsvollen Amte gegönnt sein. M. Hamburg, 25. Oktober. Die Jahrhundertfeier des Jsraelitschen Tempelverbandes fand am vorigen Freitag vormittag in dem reich geschmückten Gotteshaus in der Prolstraße unter überaus zahlreicher Teilnahme der Gemeinde und vieler Ehrengäste statt. Als Vertreter des Senats war Herr Syndikus Ludwig erschienen, während die Bürgerschaft ihren Vizepräsidenten W. Menzel und Dr. Heyden entsandt hatte. Der Kommandierende General v. Falk und der Stadtkommandant von Hamburg-Altona v. Trautmann, die ihr Erscheinen zugesagt hatten, waren in letzter Stunde durch dienstliche Angelegenheiten verhindert, der Feier beizuwohnen. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde war durch ihren ersten Vorsitzenden L e v i n Lion, durch weitere Vorstandsmitglieder, Repräsentanten und durch ihren Syndikus Dr. N. M. N a t h a n vertreten. Auch die Portugiiesisch-Jüdiische Gemeinde in Hamburg, sowie die Gemeinden Berlin, Altona, Wandsbek usw. hatten Vertreter entsandt. Von auswärtigen Rabbinern waren zugegen. Landrabbiner Dr. Paul R i e g e r (Braunschweig), (früher in Hamburg am Tempelverband) und Dr. Robert K ae lte r (Danzig). Herr Dr. Caesar Seligmann (Frankfurt a. M.) war durch Krankheit verhindert. Alle größeren Verbände, wie Zeutralverein Deutscher Staatsbürger, die Logen, Jugendbund, die Neue Dammtor-Synagoge usw., hatten Abordnungen zur Feier entsandt; auch eine größere Anzahl von Bürgerischaftsmitgliedern war anwesend. Nachdem die Ehrengäste von den Vorstandsmitgliedern am Eingang des Gotteshauses empfangen und zu ihren Ehrenplätzen geleitet worden waren, wurde die Feier durch den Chorgesang „Wie schön sind deine Zelte" eröffnet, dem der Gemeindegesang „Halleluja" folgte. Im Namen des Vorstandes dankte Herr Max Friedländer den Ehrengästen und Vertretern der auswärtigen Gemeinden für