Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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fertig fei, da doch ein Ersatz einstweilen nicht vorhanden ist. Und schließlich war es doch so weit, und sie hatte nur noch den Titel niederzuschreiben: „Das Recht der Rasse. Von Artur Klaßner." Als sie das Manuskript in den Briefkasten geworfen, legte sie sich die Frage vor, warum sie bei der Aussicht einer Vermehrung ihres Einkommens nur eine sehr geringe Befriedigung empfand, höchstens einen schwachen Abglanz von dem Stolz ihres Mannes, daß das Werk ihm so gut gelungen? Dabei aber konnte sie eine trübe Ahnung nicht unterdrücken, daß mit der Minute, da das Buch aus dem Hause kam, das Band der Gemeinsamkeit mit ihrem Gatten sich doch ein klein wenig gelockert hatte.- ' (Fortsetzung folgt.) Miszelle. Biblisch-talurudische Miszellen. -Don Dr. med. Ratner (Wiesbaden, zurzeit Kopenhagen). 1. In Koheleth Kap. 1, 7 heißt es: kPe utk bth bm.Pk aoPin a’Prun Pa •naPP DT«? an atr a-oPin aTron-tr aipa Pk Widerspricht nicht letzteres den Grundbegriffen der Geographie? Kehren denn die Flüsse vorn Meere wieder ihrem Ursprünge zu? Allein Salomo, von dem es 21X ^20 2211 heißt, wolle hier bloß den Kreislauf des Wassers tiefsinnig andeuten. Die Flüsse fließen ins Meer. Das Meerwasser verdampft allmählich (daher ly}# 2M1!); es entstehen Wolken, Regen; Schnee und Eis auf den hohen Gletschern. Das Eis schmilzt unter den Sonnenstrahlen auf den Bergen; das Wasser fließt ins Thal herab und bildet den Ursprung der Flüsse, diese Flüsse fließen wieder ins Meer usf. Also kehrt das Flußwasser wieder seinem Ursprung zu in Physikalischem Sinne. Das paßt auch zu: n\11P K1.1 iTHtP .12 (Vers 9). — Ewiger Kreislauf; immer dasselbe. 2. Daselbst Kap. 12, 12: •“i2*a nrr rann :nPi jrp -pKnann anaa mw Wo hat es denn zu seiner Zeit außer der Thora noch Bücher gegeben?^ Auch war er es ja selbst, der Bücher schrieb? Dann widerspricht es ja scheinbar dem vorhergehenden Vers: . .121 711321*72 mMH '121 Zur Erklärung ist hier statt 2^122.' 2^1122 Au> setzen-, das heißt Märchen, vage Erzählungen, wie diese im Orient zur Unterhaltung der Fürsten üblich waren (Tausend und eine Nacht!). Diese, welche bloß auf den Sinnenkitzel, zur Kurzweil ersonnen worden, sind nur fiX7\r .121.1 3.l1l, d. h. zum Amüsement, zur Befriedigung fleischlicher Gelüste da (vgl. allerdings Tract. Erubin 21b: 'iai a’BBn .nan Pr.JTaan pa und rönnen vvfrr'cmsgedehnt werden; daher ,121,1 J1JiSt- Sondern trieb was ganz anderes (Vers 9): .nain b-pipb jpn ipm jtki arn riK run “raP Also befaßte sich mit sittlichem Ernst, welcher führt zu .KT B’DPKH DK I7BEU PaH "mqiB Uebrigens bedeutet das Wort np,")p „Sammlung", d. h. Repertorium verschiedener philisophischer Weltanschauungen, daher manche scheinbaren Widersprüche. Litrrarilche Mitteilungen. — Ein D i e r te l ja h rhu n dert im K a m p s um das Recht u n d d i e Zuk u n 'st der de it tsche n In d e n. Ein Rückbliek auf die Geschichte des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger j-üdilschen Glaribens in, den Jahren 1893 bis 1918 von Landesrabbiner Dr. Rieger (Braunschweig). 1918. Verlag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin SW 68. 88 Seiten. Der Zentralverein, der nun seit 25 Jahren so segensreich wirkt, begann mit einen: Aufruf von Löwenfeld, Fuchs und H. Sternim J) Tie Frage ist leicht zu beantworten: Auch wer den scheinbaren Standpunkt des Verfassers, daß Salomo der Autor des Buches Köhelet war, teilt, muß zu geben, daß mit dem achten Vers im 12. Kapitel das Buch Kohelet abschließt. Was da folgt, auch die Warnung, viele Bücher zu schreiben, entstarnmt, wie schon der Konservative I a w e tz in seiner „Geschichte Israels" (hebräisch) Bd. III nachweist, einer viel späteren- Zeit. . Tie Redaktio n. Mai 1893; der erste Aufruf des Vereins selbst erschien am 19. November 1893, die erste Generalversammlung .fand am 30. Dezember desselben Jahres statt. Letter des Vereins war ursprüng.- lich Dr. Mendelssohn, an seine Stolle -trat am 27. November 1894 der unvergeßliche Miaximili-an Horwitz; nach seinem, Tode über> nahm (16. Dezenrber 1901) Engen Fuchs -die Leitung, de.r schon von Anfang an seine Begeisterung, Taitikrast und Organ'isa.'tionisgeschiMchkei,t in tat Dienst des Bundes gestellt hatte. (Sein, und Horwitz' Bild sind dem Schristchen beigegeben.) Was der Zentralverein gewollt und 'gale-istet hat, was, er ferner will understrebt, ist in diesen Blätternoft und n:it größter Anerkennung gewürdigt worden. In dieser kurzen Buchbesprechung ist da«her> nur zweierlei nötig: einmal der Hinweis ans die verständlich geschriebeno, geschickt gearbeitete und mit großer Wärme abgesaßte Darstellung, die in sieben. Kapitel zerfällt:- Wie der. Antisemitismus entstand; Schutzjuden oder Staatsbürger?; Die Begründung des Zentralvereins deutscher Staa'tsbürger jüdischen Glaubens; Ter Kamps um das Recht (1.. Rechtsschutz, 2. Gleichberechtigung, 3. Kamps gegen den. -politischen Antisemiitismus, 4. Kau: Pf gegen die -wiutscha'stliche Entrechtung, 5. K,amps' gegen den N"i.ssen'sch,astl>ich:en' Anti-semitisinrus); Der Kamps -um die Zukunft der -deutschen J-u-den (1. die innere Wandlung durch den Zentralverein, 2. die Stellung 'des Vereins zu den Parteien im Judentum, 3. die Mitarbeit am Verband der Deutschen Juden, 4. .der Zentralvereiin im Kriege); Ausbau und Ausbaudes Dereilns; Zukunstsgedanken. (Den Schluß rn-acht eine Zusammenstellung des Vorstandes und der Landesverbände.) Sodann die Darlegung dessen, was der Zentralverein. wollte. Sie geschieht 'am besten durch den. Albdruck des am 27. September 1893 angenommenen Programms., das so -lautet: „1. Wir deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens stehen .fest aus dem Boden der deutschen Nationalität. Unsere Gemeinschaft mir den Juden 'anderer Länderist keine andere -als die Gemeinschaft der Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und den Protestanten anderer Länder. Wir erfüllen, als Staatsbürger -freudig unsere Pflicht .und Halten fest -an -unseren verfassu'ngsmäßi-gen Rechten.. 2. Wir .gehören -als Juden zu keiner politischen Partei-. Die po-liti-s-che M>einungi>st wie die religiö>se Sache des einzelnen-. 3. Wir haben keine andere Moral als unsere andersgläubiger: Mitbürger. Wir verdammen die unsittliche Handlung des einzelnen, weis Glau-bens .e,r sei. i 4. Wir verwahren uns gegen die leichtfertige oder böswillige Verallgemeinerung, mit der Vergehen einzelner Jüden der jüdischen Gesamtheit zur Last gelegt werden." Von diesen Grundsätzen ist der Verein niemals abgewicheu, nach ihnen hat er gehandelt und eine ungemein, fruchtbare, erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Trotzdem Äeibt -noch viel zutun. Und das ist das Dritte, woraus in dieser Besprechung einzugehen ist. Der Verfasser präzisiert diese Zukunftstätigkeiit dahin, daß 1. ta Verein weiter auszubauen sei,, 2. daß die Juden an ihre versäumte staatsbürgerliche Pflicht zu erinnern' seien, 3. daß die.Verbitterten abzuweisen seien,, die in der Verwirklichung jüdischmationaler Träume die Lösung der Judenfrage erkennen, 4. daß er zum Aushören -der Verhetzung beitrage -und das Selbstbewußtsein der Judenstärke. Der Verfasser schließt mit den Worten, die wir gern unterschreiben, den:- Verein warmen Glückwunsch zu. seinem Jubiläum entbietend >u,n.d eine glänzende LÜeiterentwicklung wünlschend: „Der Sieg des Zentr,ailvereins -ist -der Sieg des deutschen Judentums in dem Kamps uw sein- Recht und um seine Zuku-Nll. Quittung. Für die galizischen Flüchtlinge sind ferner eingegangen von Frau C. Samuel . 20 Mark, M. Weinberg Nachf.20 „ Siegfried Loeser.-10 „ Zusammen 50 Mark. Diese Restsumme -ist a-n das schon genann>te Komitee .irr Bobrta übersandt worden. Damit ist die Sammlung abgeschloffen. Wir danken allen Gebern für ihre Spenden. Die Redaktion.