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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-25 · Heft 43 (25.10.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 ivtycf, herzliche Worbe des Dankes nachg-erusen hatte, sank der Sarg unter den Klängen von Trauerweisen in die Tiefe. er. Dresden, 18. Oktober. Einen jüdischen K nn st ave n d veranstaltete die Leistung der Vvlks-Singakadenrie, um ihre Mitglieder auch mit diesem Gebiete der Volksmusik bekan-ntzmnachen. Der D yn agogenchor unter Leitung seines begabten und rührigen Dirigenten Dr. Lev Fantl bestritt das Programm. Der kleine Verein sang mit ungewöhnlicher musikalischer Beherrschung Chöre;um Teil rrn Wechselgesang 'mit Einzelstimmen von Sulzer und velvandowski', die als. Klassiker der jüdischen Musik bekanntgeworden sind. Außerdem trug Frau B u r g e r - S e m m l e r mit klangschöner Altstimme und großer Innigkeit einen Psalm des in München lebenden Emanuel Kir schwer vor. Das große Publikum, das in der Hauptsache aus Nichtjuden bestand, folgte willig und nächst :p findend -den klagenden sowie Zuversichtsfrohen Klängen. er. Bad Nauheim, 18. Oktober. Das Israe 1 i t i s ch, e grauen he-im hat die Sommerknrzeit, die der Anstalt einen starken Besuch brachte, am 23. September geschlossen. Die Heilerfolge, welche das Israelitische Fraueniheim lvährend. der Sommersaisvn an seinen Pflegebefohlenen tonsiatieven konnte, waren sehr befriedigend. Die Verwaltung der Anstalt plant die Einrichtung .einer Wi.nterturzeit, die Anfang November beginnen soll. Durch diese Neuerung soll eine intensivere Ausnutzung des Heimes ermöglicht und einer weiteren Anzahl von Patientinnen, die wegen Raummangels und anderer Schwierigkeitenim Sommer nicht ,ausgenommen werden konnten, die Möglichkeit gegebenwerden-, die heilkräftigen Kurrnittel unseres Bades zubenutzen^ Da der Winter bei uns sehr milde ist und die Kurmittel in gleichem Umfange wie im Sommer zur Verfügung stehen, darf erwartet werden, daß zahlreiche Patientinnen von dieser Neueinrichtung der rührigen Vermattung des Israelitischen Jranenheimes in Bad Nauheim Gebrauch machen werden, zumal erfahrungsgemäß die während der Winter monate erzielten Heilerfolge den in der folnmerlichen Haupttürzeit erzielten Reflrltaten nicht nachstehen. . . , i i , i — Karlsruhe, 18. Oktober. Der badische Ober rat der Israeliten hat an die jüdischen Gemeinden dieses Bundesstaates zugunsten der Zeichnung der neuen Kriegsanleihe ein Rundschreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Inzwischen ist die militärische Lage Deutschlands und seiner Verbündeten noch ernster geworden. Um jo mehr werden jetzt die Israeliten ihre Ehre darin setzen, ihre geschichtlich bewährte Standhaftigkeit und Treue von neuem an den Tag zu legen. Selbst durch die schlimmsten Anfeindungen von seiten ihrer alten Gegner haben sie sich bisher in ihrer Vaterlandsliebe nicht irremachen lassen. Nun eröffnet sich ihnen aber mit dem gesamten deutschen Volke die Aussicht aus eine erfreulichere innere Entwicklung. Die denkwürdige Kundgebung Seiner Majestät des Kaisers vom 30. September d. I/ bahnt eine neue Zeit wahrer Volkseinheit an, die nur auf der Grundlage vollkommener Gerechtigkeit gegenüberallen Volksteilen sich ausbauen und die erwarteten Erfolge nach innen und außen zeitigen kann. Jetzt gilt es, nicht schlaff zu werden, sondern mit gesammelten Kräften die Außenfront des Deutschen Reiches ,)U verteidigen. Denn nur dann werden wir zu einem erträglichen Frieden gelangen, der die notwendige Voraussetzung bildet für den fortschrittlichen Ausbau im Innern und für die Wohlfahrt jedes einzelnen Volksgenossen." Gestkrrrich-Ängsrn» Z. Wien, 18. Oktober. Samstag, den 12. Oktober, empfing Kaiser M a r l zur Besprechung der innerpolitischen Lage eine große Anzahl van Reichsratsabgeordneten, von welchen einige die Gelegenheit ergriffen, vor Seiner Majestät auch die Judensrage zu besprechen. Dr. v. Löwen st ein skizzierte dem- Monarchen die politische Lage und insbesondere das polnische Problem, die Wiedergutmachung des gescheh-enen Unrechtes der Teilung Polens. In bezug aus die Jndenlrage erklärte Herr Dr. v. Löwenstein, daß, soweit es sich um dir polnischen Juden handle, d-iese Leid und Freud, mi-t den Landesdilvo-hnern anderen Glaubens teilen müssen ura> ihr Verhältnis zu denselben nur von der gegenseitigen Verständigung abhängig gemacht werden kann. Hierfür sei kein Gesetz maßgebend, sondern nur das praktische Leben. ' Die Regelung der Lebensverhältnisse der Juden in Polen könne nur in Polen selbst im Einvernehmen zwischen Christen und Juden entschieden werden. SBbstverstänplich sei es hierbei, daß ilu Interesse Polens die Judenfrage nur in modernem Gerste vollkommen bürgerlicher Gleichberechtigung gelöst werden könne. lieber die zukünftige staatsrechtliche Gestaltung Polens werde das polnische Volt selbst tu seiner berufenen gesetzlichen Körperschaft entscheiden. T er Empfang der ukrainischen ^geordneten Dr. L e w y c k y j und Dr. Petruszewycz währte über, eine halbe Stunde. Die beiden Abgeordneten erklärten, daß -es der heiße Wfunsch aller Ukrainer Oesterreichs spi, daß der selbständige ukrainische Staat insbesondere aus Ostgalizien., der Nordbulowina und auch ans dem nordwestlichen Ungarn gebildet werde. Die beiden Abgeordneten sprachen sich entschieden dagegen aus, daß mit biestn Gebieten im Sinne der austropolnischen Lösung irgendwelche Pläne gesponnen werden. Die Be- "völteru-ng d-iefer Gebiete, und zwar nicht nur die ukrainische, sondern, auch die deutsche, sei entschieden dagegen, daß irgendein Stück dieses Landes an das Königreich Polen angegliedert werde. Die Inden, welche mit den Polen in diesem Staatsgebiete -gehen, seien Mir die dünne, gutsituierte Oberschicht und ein verschwindender Bruchteil, während die jüdischen Volksmassen auch weiterhin mit den? Ukrainern gehen wollen. Als letzter wurde Abgeordneter Reizes vom Kaiser empfangen, der die Verhältnisse in Ostgalizien unter besonderer Berücksichtigung der dort lebenden 800 000 Juden dem Monarchen schilderte. Die jüdische Nation wünsche die Sicherung ihres kulturellen und politischen Lebens und reklamiere ihr Selbstbestinmnungsrecht und offizielle Anerkennung als Nation unter den Völkern Oesterreichs. Lsnemsrk. - Z. Kopenhagen, im Oktober. Das Kopenhagener Zionistische Bureau hat vor kurzem -die Nachricht von «der für den 30. September angedro-hten Ausweisung 'der Juden aus Finnland gebracht. Laut einer Meldung der „Pravda" in Petrograd ist die Ausweifungssrist bis zum 3t. Oktober verlängert worden, .mit der Bekanntgabe, daß. an diejenr Tage der Befehl rücksichtslos zur Ausführung. gelangen werde. Wie die sinnifchen Behörden Mitteilen, bezieht stcy dieser Befehl nicht aus die cmfässige Mdifche Bevölkerung, sondern aus dm mährend des Krieges zugereisten rufst jchen Juden. Indessen hat der Befehl auch unter den finnischen. Juden eine Panik hervorgerusen. Dje Juden befürchten, daß, wenn die Polizei die einzige Instanz ist, die die Entscheidung darüber zu treffen hat, ob ein Jude zugereist oder ansässig sei-, der Willkür Tür und Tor geöfsner sei. Die finnischen Juden gaben um so mehr Veranlassung, beunruhigt zu sein., als ihre seit. mehr ms einenr Jahre ringe reichten Gesuche um Naturalisier-ung noch, bis aus den heu'tigen Dag unerledigt sind, in offenbarem Widerspruch zum Gefetz, das dem ^eii'öt vorjchreibt, di-e ^tar>uralisgtionsges>uche binnen eines '_'Nonats Zii erledigen. Die finnischen Juden bemühen sich bei der Regierung zugunsten ihrer vor der Ausweistung stehenden russischen Bruder. Der Hinweis daraus, daß die Ausweisung, für viele Juden unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Rußland lebensgefährlich ist, blieb- .erfolglos. Unter den auszuweisenden russischen Juden befinden sich übrigens auch politische Flüchtlinge, die seinerzeit unter dem zarijchen Regime in die Gejänguiste eingesperrt wurden, weil sie für die Freiheit! des finnischen Voltes eingetreten sind, letztens hat die finnische Regierung eine neue Maßnahme getroffen, die eine schwere öronomstche Schädigung für die ^uden in Finnland bedeutet. Bekanntlich hat die bisherige mittelallerliche finnische Gesetzgebung deri Juden verboten, Handel und Gewerbe zu treiben, mit Ausnahme des Handels mit alten Kleidern. Laufe der Zeit haben sich, die Juden infolgedessen fast ausschließlich auf 'dem Gebiete der Konsettion und des Manufakturhandels spezialisiert. Unter der falschen Beschuldigung, daß die ^uden sich -mit Preistreiberei beschäftigen, gründete die. Regierung fetzt einen Handelsverein mit der Bezeichnung „Akanufattura", dessen Nkitgliedern allein das Recht zusteht, Handel mrt ÄRan-ufatturwaren zu treiben, willen anderen ist es auf dasstrengste verboten, mrt VRanusakturwaren zu handeln. Trotz aller Bemühungen ist es bis jetzt keiner einzigen jüdischen- Firma gelun-gen, in den Handelsverein „Manufaktura" ausgenommen zu. werden. Diese unerhörte Maßnahme hat den offensichtlichen Zweck, der kleinen Zahl der sinnländischen Juden ihre einzige ökonomische Erwerbsmöglichkeit zu rauben, um sie zur Auswanderung aus dem Lande zu treiben. Die Juden in Helsingfors hielten aus diesem Anlaß eine Reihe von Konferenzen ab und legten bei der Regierung den schärfsten Protest ein.

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