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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-25 · Heft 43 (25.10.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 LtttkMkli. riKeodno, im ßtiobet. Hier nric in verschiedenen anderen Städten. Litauens sind Schmuggel und Wucher so üppiig.erblüh>t wie Unkraut'in einem verwilderten Gavtenr. Damit ist nichts' Neues gesagt. Neu aber sind die Mittel, mit denen man hierzulande das Hebel, unter dem die breiten Doilksmassen schwer zu Leiden haben, ausrotten ivill . . . In Läden und an Straßenecken sahman am ersten Montag d. 9)1 schlvarzrlnwändete Plakate in hebräischer und deutscher Sprache, die wie eine Todesanzeige wirkten. Ihr Inhalt: Gegen die Lebensmittelwucherer soll der „Cherem", der religiöse Bann, ausgesprochen werden! „Um 4 Uhr nachmittags müssen die Läden in Stadt und Borstadt geschlossen werden und alle sollen nach der Synagoge konrmeni, dort wird der Barmspruch ausgerufenwerden!" So lautete die Anifsordernnig der Rabbiner, die sich zu diesem Anlaß aus dem ganzen Kreise in Grodno versammelt hatten . . . Gegen 4 Uhr knarrten die Läden in der ganzen Stadt, alles strömte zur großen Synagoge in der Schulstraße. Kops an Kopf drängte sich die Menge aiLf dem Platz und in den Borhöfen. Es war alles gekommen — auch die Kinder. Alan kletterte ans das Dach, drückte sich in den Nebeuräunren zusammen, um wenigstens einen bildhaften. Eindruck von freut Ereignis zu erhaschen. An ein Hören war nicht 511 denken, dafür war die brodelnde Ata sie zu unruhig, der Lär-m schreiender Kinder zu groß. . . Der große Synagogensaal lag tut HalbdrirM, die goldschimmernden Kronleuchter schwarz rnnhangen. ' Bor dem Thoraschreinstanden zivei Särge ' Symbol der heiligen Handlung. Drei Rabbiner sprachen eindringlich von Not und Tod, von Hunger und Elend dieser Zeit, von Wucher und Bewucherung,: „Es geht nicht -an, daß die Reichen allein den Braten essen und den Arinen nur das Gewürz übrig Lassen! Seid mildtätig! Liebet den Nächsten!" So klang es durch die Reden. Dann ward der Bannspruch, verlesen. Wer den Bann bricht, den wird der Himmel mit dem Tode bestrafen! ... Von Mah und Fern. — Frau Franka Mind e u, die Gattin des ersten Borsitzenden der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, die schon wiederholt sehr erhebliche Betrüge für die „Minden-Spende für augenverletzte Krieger" und sür die „Minden-Schenkung, Akademische Blindenbücherei" dem Berliner Magistrat zur Verfügung stellte, hat letzterer Einrichtung erneut den Betrag von 15 000 Mark überwiesen. — Am 20. d. Al. feierte Geh. Kommerzienrat Philipp F r -e n d e rt b c r g,, Seniorchef des Hauses .Herrmann Gerson, seinen 85. Geburtstag. — Im Alter von 57 Jahren ist in der Nacht zum 22. Oktober der bulgarische Generalkonsul Kommerzienrat I. Mand e l b a u m, der Begründer und alleinige Inhaber der bekannten Zigarettenfabrik M a n o l i, plötzlich gestorben. Die Berliner Jüdische Gemeinde und mit ihr viele Wohlfahrtseinrichtungen verlieren in dem Dahingeschiedenen, dessen humanitäre Gesinnung allgemein bekannt war, eines ihrer wohltätigsten Mitglieder. Er hinterläßt eine Witwe und zwei Söhne, die beide als Offiziere dem deutfchen Heere angehören. —- Fräulein Nanny Seliger in Spandau erhielt das Berdienstkreuz für Kriegshilfe. — Die Synagogengemeinde Köpenick hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am 13. d. M. verschied nach kurzer Krankheit, a ch t T a g e n a ch s e i n e r Hochzeit, der Fabrikbesitzer Herr E r n st I. Iacobh, der erst kürzlich durch das Vertrauen der Gemeinde in den Vorstand gewählt worden war. Sein lebhaftes Interesse für die Gemeinde, sein außerordentliches Pflichtgefühl sichern ihn: unter den Mitgliedern der Gemeinde ein treues Gedenken über das Grab hinaus.' — Rabbiner Dr. Winter von der Königsberger Synagogengemeinde wurde, wie uns aus Königsberg i. Pr. mitgeteilt wird, vom Kriegsministerium zum Armeerabbiner ernannt. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten in Hohensalza: Kaufmann Max Bibro, Mitglied des Vorstiandes der Synagogengerneinde, der Repräsentantem vorsteher Stadtverordneter Justizrat Grünberg, Direktor Brand und die Kaufleute S. Kays er und Martzus Fei dusch. — Dem Lehrer S. Behle in Lisfa i. P. ist anläßlich feines Uebertritts in den Ruhestand der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen worden. — Herr Rentier Julius Sternberg in Breslau, Mitglied der Durchwandererkommission der Synagogengemeinde, beging am 15. d. M. feinen 70. Geburtstag. - - Amtsgerichtsrat Geh. Justizrat G l o g a u e r (Breslau) erhielt den ^.K'ronenorden III» Klasse. —^ Die Shnagogengemeinde Görlitz betrauert den Tod ihres Rabbiners Dr. Emil Berger, der an den Folgen einer schweren Grippe in der Nacht zum 15. d. M..im'3'l' Lebensjahre verschieden ist. — Dem Vorsitzenden der Synagvgengemeinde in Köln, Herrn Stadtverordneten Louis EI i e I, ist beim Ausscheiden aus dem Amt als Handelsrichter der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Auf eine 30jährige Amtstätigkeit in seiner ersten Stelle konnte in Köln der Religionslehrer der Synagogeng-emeinde Adaß Jeschurun, Herr Rektor Elias Gut, am 15. d. M. zurückblicken. Herr Rektor Gut ist auch als Seminarlehrer ani Jüdischen Lehrerseminar zu Köln, in dem die jüdischen Lehrer des Rhemlandes rhre berufliche Ausbildung erhalten, seit Längen Jahren tsitig. — Paul W e r t h e r m, Leutnant der Reserve, Sohn der Witwe Frau Mathilde Wertheim m Aachen, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klaffe. — Der Offizier und Inhaber des Eisernen Kreuzen Rechtsanwalt Alfred G e r g e r, Soyn des Geheimen Jüstizrats Berrholo Geiger in Frantfme a. M., ist ln den schweren Kämpfen des Westens im Alter von 41 Jahren gefauen. Ehre feinem Andenken. - Leumant Alfred Kah n in Frewurg i. Br. erhielt das Eiserne Kreuz erster Klage. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die im September avgelieferren JNF-^penden ergaoen 211275 Fränren. Diese «miinie setzt sich aus Beitragen verfchieoener Länder zusammen. - K'ü.-fer Karl hat dem auf Acovilisterungsdauer aktivierten Generalrnttfor Dr. Phil. Leopold u st e r l i tz in Anerkennung erfolgreicher Dienstleistung vor dem Feinde das Ritterkreuz des Leopold-Ordens uttt der Krregsdekoration taxfrei verliehen. — Aus Olmütz wird berichtet: Am 15. d. Al. beging Herr Rabbiner Dr. O P P e n h e i in mit ferner Frau das Fest oer silbernen Hochzeit. Diese Gelegenheit gav oen Mitgliedern unserer Gemeinde willkommenen Anlaß, dem Jubelpaare durch Aufmerksamkeiten aller Art die Verehrung und Dankbarkeit sür das segensreiche Wirren in ihrer Mitte zum Aus druer zubringen. — Die bolschewistische Rote Garde hak den Rnvbime von Dambbw ermordet, iveil er in einer Predigt das Vorgehen Drotzkis getadelt hatte. — Ter Rabbiner Dr. M. A. E i s e n st a d 1 in Petersburg wurde als Geisel verhaftet, ebenso wie Rabbiner Dr. M a s e h in Moskau. Rabbiner Dr. M. A. Eisenstadt ist ein ehemaliger Zögling der Lehranstalt für die Wissenschaft des Juden rums in Berlin. — Wie „American Hebrew" untteilt, sind bei dein llntergnng des russischen Schiffes „Orel" auf dem Kasprschen Meer auch 1500 Juden ertrunken, welche von Baku nach Astrachan geflüchtet slno. — Herr Samuel A d e l v e r g ist irn Kultusministerium in Warschau als Referent für jüdische religiöse Angelegenheiten bestellt. Er sagt, die polnische Regierung habe den besten Wrllen, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; die Juden müßten Geduld und Vertrauen haben. Religiöse Angelegenheiten würden durch die jüdisch-religiösen Organe erledigt.— Die jüdische Gemeindeverwaltung zu Warschau har über Holland rund 8oü 000 Mark für Kleidung und Schuhe und 600 000 Mart' für Beköstigungszwecke für die arme jüdische Bevölkerung Polens zum kommenden Winter erhalten. - um dte Ordnung in den jüdischen Vierteln von Casablanca ausrechlzuerhalten, hat dre marotranische Regierung beschlossen, jüdische Polizeigewalt einzuführen. Diese wird besonders die Ausgabe haben, dre geringfügigen Streitigkeiten, die es täglich in der Bevölkerung gibt, zu schlichten. — Der bekannte jüdische Philanthrop Jacob H. Schiss in New Port hat zugunsten der hebräischen Universität in Jerusalem 25 000 Dollar gespendet. — Die Großgemernde New 2-ort hat eine Resolution gefasst, sobald die Kriegsnrnstände es gestatten, auf die Einführung einer fünftägigen Arbeitswoche in den Industriezweigen hinzuwirken, in denen das jüdische Element überwiegt. Wie bekannt, wird in Amerika in den Jndustriebezirkea Samstag nur vormittags gearbeitet. Nun hat vor einigen Jahren unter der jüdischen Bevölkerung in New Dort eine Bewegung für die Einführung einer zweitägigen Arbeitsruhe, d. h. für die Abschaffung der Samstagsarbeit bei entsprechender Verlängerung der Arbeitszeit an den Wochentagen eingesetzt. Diese Bewegung ging ursprünglich von orthodoxen Kreisen aus, die um die Heilighaltung des Sabbats besorgt sind. Sie fand aber auch zahlreiche Anhänger in den anderen Klassen der jüdischen Bevölkerung, die sich ilst anschlossen. _„ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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