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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-25 · Heft 43 (25.10.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der Vermögenssteuern muß jeden Untertan vor Not schützen und ihm die Möglichkeit einer höheren Bildung gewähren". Und da Haben wir den Bock an beiden Hörnern: Sozialismus — das wirkt auf die Pfaffen der Blutheiligkeit wie das bekannte rote Tuch auf 'den Stier, obwohl sie sich sonst als Hüter von Thron: und' Altar ausgeben. Denn sie verehren neben dem eigenen Blut auch den eigenen Geldbeutel . . . Natürlich können sie nicht aufstehen und zetern: der Geist Rathenaus muß mit Schwefel und Pech ausgetrieben werden, weil er die Erfüllung des Christentums will! Da rissen sie j>a ihre Fahnen selber in Fetzen. Aber sie 'dringen in uns: helft Rathenau aus den Reichsämtern jagen, 'denn — er ist Jude . . .!" — Memel, 18. Oktober. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am letzten Dienstag Professor Dr.-Jng. Alfred Grotte aus Posen über die alte und älteste shnagogale Kunst. Diese zeigt im Gegensatz zur christlichen Sakralkunst nicht die stetige Entwicklungslinie, die zum Ausreisen und Erreichen künstlerischer Höhe führt. Sprungweise, jeweils von der Toleranz der Machthaber abhängig, entwickelten sich während der romanischen, gotischen und italienischen Periode Einzelbauten, ohne Zusammenhang miteinander. Dem Vortragenden ist es gelungen, die Lücke zwischen Mittelalter und neuester Zeit zu überbrücken durch Auffindung und Erforschung von 37 Zwischengliedern, Bauten in Nordwestböhmen und Polen. An der Hand von Lichtbildern wurden die markantesten Vertreter der alten und Zwischenbaukunst erläutert, wobei der Vortragende auch überaus interessante Einrichtungsstücke und Malereien dieser verschollenen Bauten zeigte. Wenig bekannt erwies sich dabei die Tatsache, daß beim Rückwandern der Juden aus Polen nach Franken, von wo diese im 16. Jahrhundert vertrieben wurden, die mittlerweile in Polen erstandene Malerei jüdischer Künstler von diesen ins bayerische Gebiet verpflanzt wurde. In Bechhoven, Horb und Kirchheim (zurzeit im Luitpold-Museum zu Würzburg) finden wir noch heute diese denkwürdigen Zeugen einer verschwundenen Kunst, die mutmaßlich auf die Beeinflussung des Orients bzw. der armenischen Handelsleute zurückzuführen sein dürfte. Der Vortrag, von Wärme zum alten Judentum getragen, bildete im ganzen einen herrlichen, künstlerischen Ausschnitt aus einem Teile der jüdischen Kulturgeschichte. Aus technischen Gründen mußte der Projektionsapparat seine Funktion zuletzt versagen; unverdrossen setzte der Redner die Anschauung in glänzender Rhethorik fort und gewann den allgemeinen Beifall der Zuhörer für die in so schöner Form gebotene geschichtlich-künstlerische Darstellung. B. Beuthen O/S., 18. Oktober. Dem als Opfer des Weltkrieges verstorbenen, Leutnant Karl Dresdner, Sohn des hiesigen Kaufmanns Herrn Ferdinand Dresdner, widmet das Ofsizierkorps in hiesiger Zeitung, einen tiefempfundenen Nachrufin welchem seine unerinuMid) treueste Pflichterfüllung und er als braver Offizier, -liebenswürdiger Kamerad und gerader Charakter geschildert wird. Ein weiteres Kriegsopfer ist der Kaufmann Bruno G o l d st e i n, eine sehr allgesehene und geschätzte Persönlichkeit aus hochachtbiarer hiesiger Familie. — Auch die Grippe hat leider schon schwere Opfer gefordert. Am 17. d. M. trug man drei weibliche Mitglieder unserer G erne in de zu Grabe, welche den besten Familien angehörten und nach ganz trrrzer Krankheilt in der Blüte ihres Lebens der tückischen .Krankheit erlagen. Den Angehörigen der hier aufgesührten Verstorbenen bringt man allseitig die herzlichste Teilnahme entgegen. W. Au6 Provinz Posen, iair Oktober. Po s e n. Durch den Tod des Kaufmanns Herrn Moses Fabian, Mitinhaber, der Firma Adolph Moral, G. m. b. H., hat die Bürgerschaft Posens einen herben Verlust erlitten. Groß war darum die Beteiligung bei der Beerdigung. Auch von auswärts waren viele, die dem Verstorbenen nahe gestanden, erschienen, dem Dahingeschiedlenen die letzte Ehre zu erweisen. Das Personal der Firma Adolph Moral betrauert in dem Entschlafenen einen allzeit gerechten und für das Wohl seiner Angestellten stets bedachten Chef. — Am Dienstag, den 29. Oktober, feiert der Kultusbeamte Herr Kantor i. R. Joseph, Mo ses mit seiner jGattin Johanna, geb^ Ehrenwert, das Fest 'der goldenen Hochzeit. — Dem SanitätsunteroWziier Berthold W a r s z o w s k i aus Posen wurde das goldene Verdienst-Ehrenzeichen des souveränen Malteser Ritterordens am Bande der Kriegsdekoration verliehen. — Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Musketier Herbert K i e w e, jüngster Sohn der Frau Emma Kiewe in Janowitz, Infanterist Sigismund Rosenthal In Rogasen, Kanonier Bvünö Boas aus Grätz, Kanonier Ephraim Mendel in Schroda, Satt itätsgefrerter Ernst F reim an n , Sohn des Gemeind,erabbiners Herrn Dr. Fr,eimann in Posen. — Schnei demühl. Nach kurzem schweren Leiden .entschlief sanft im Alter von 54 Jahren die Ehefrau Amalie Cohn, geb. Sieburth. Die Verewigte stammte aus einem echt jüdischen Hause, wo Thora, Aboda und Gemilut-Chäffodim, die drei Kronen im jüdischen Leben, vorhanden waren. Sie selbst bewährte sich als eine echt jüdische Esches Chajil, daher auch die starke Beteiligung .bis aus werter Ferne bei der Beerdigung. — Nt o s ch i n. Sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rendant der hiesigen Synagogengemeinde beging in -diesen Ta>gen Herr Gustav. Manas.se. Anläßlich des Jubeltages wurden ihm große Ehrungen von allen Seiten zuteil. Auch von auswärts liefen zahlreiche Glückwünsche ehemaliger Moschiner ein. — Ja rot sch in. Zivilingenieur P i e trko w ski arrs Köln a. Rh., Sohn des hiesigen Ratsherrn PietrLowsli, hielt h ier einen wissenschaftlichen Vortrag über „Die Grundlagen von Deutschlands Wirtschastsnmcht" an der Hand kinematographischer Bilder (Erzeugung von Eisen, Stahl, Herstellung von Geschützen, Granaten usw..), dessen Reinertrag zugunsten des hiesiger:- Säuglingsheims -bestimmt wurde. Die Ausführungen, für jedermann verständlich, fanden allgemeinen Beifall. M. Hamburg, 18. Oktober. Herr Adolf Kimme-lstiel, das langjährige.Vorstandsmitglied des Repräsen tantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, ist nach kurzer Krankheit an den Folgen der Grippe gestorben. Der Verblichene war auch in der Verwaltung des Mädchenwaisenhauses der Gemeinde, des Gabriel- Rießer-Vereins und anderer Gemeindeinstitutionen tätig und hat überall segensvoll gewirkt. Im kommunalen Leben unserer Vaterstadt hat sich Herr Adolf Kin: nielstiel besonders bewährt; er bekleidete u. a. das Ehrenamt eines Vorsitzenden der Detaillistenkammer, war Mitglied der Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe und gehörte der Behörde für öffentliche Jugendfürsorge und anderen Behörden an. Sein so jähes Hinscheiden, der Verblichene stand erst iin 63. Lebensjahre, erregt in weiten'Kreisen Hamburgs aufrichtige Teilnahme. Die Trauerseier fand am 13. d. M. im Krematorium in Ohlsdorf statt. Unter den zahlreichen Leidtragenden befanden sich u. a. Senator Dr. S t a h in e r , der Vizepräsident der Bürgerschaft W. Menzel, der Präsident der Handelskammer Heye, der gesamte Vorstand und die Beamten der Detaillisten kam mer, Abordnungen der übrigen Institutionen, in der der Verstorbene in der Verwaltung tätig war, zahlreiche Bürgerschastsmi-tglieder und viele Freunde. Von der Deutsch-Israelitischen Gemeinde waren Mitglieder des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums, Vertreter des Mädchenwaiserchauses, der Gabriel-Rießer-Vereinigung und andere Delegierte erschienen. Der Sarg war mit prachtvollen Blumenspenden, u. a. von der Handelskammer, bedeckt. Eingeleitet wurde die Feier mit dem vorgetragenen Largo von Händel, dann sang der Tempelchor: „Seele, was betrübst du dich." Dre Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer, der anknüpsiend an das Bibelwort aus Genesis, Kap>. 12: „Gehe aus deinem Geburtsort in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich werde dich segnen und i>u sollst ein Segen fein", ein getreues Lebensbild des Verewigten entwickelte. „Vor etwa 50 Jahren verließ der Verstorbene seine Heimat, um hier in der Großstadt seinem Berus nachzugehen. Durch unermüdlichen Fleiß und Energie hat er es verstanden, sein Geschäft aus den kleinen Anfängen zu ungeahnter Höhe emporzuheben. Er war. ein hanseatischer Kaufmann. Im kommunalen Leben unserer Vaterstadt hat er Hervorragendes geleistet, er war -auch ein eifriger Förderer von Kunst und Wissenschaft. Groß ist >der Verlust, den die Deutsch-Israelitische Gemeinde erlitten hat; im Repräfentantenkollegium, im Waisenhaus und in anderen Vereinigungen, überall hat der Verstorbene segensvoll gewirkt. Sein Tod hinterläßt in der Gemeinde eine schwer aussüllbare Lücke." Mit tiefempfundenen Trostesworten an die Gattin, die Kinder und die übrigen Hinterbliebenen schloß der Geistliche seine wirkungsvolle Rede. Für die Detaillistenkamrner sprach der Vorsitzende, Herr Schmersahl, dem langjährigen Mitarbeiter herzliche Dankesworte; sein segensvolles Wirken in der Kammer wird stets -vorbildlich sein. Der Vorsitzende der Repräsentanten, Herr Jos. Lippmann, widmete dem Verblichenen tief -empfundene Worte des Abschiedes. Nachdem noch der älteste Angestellte der Firma Herrn Ad. Kimmelstiel, dem gütigen

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