Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 theoretisch und PriakkHH aMMSbüdeiLe jüdische Landwirte ausgebildet werden, u-m dm Erfolg der bedeutsamen Rmyrm^unig nach Möglich-- keit zu. sichern. — Wiesbaden, 11. Oktober. Am 1. d. M. schied Herr Rabbiner- Dr. Kober nach zehnjähriger Amtstätigkeit von hier, um dem ehrenvollen Rufe der Jüdischen Gemeinde in Köln zu folgen. Am Schm in i azereth hielt Herr Dr. Kober seine Abschiedspredigt. Der Kultusvorstand und die Beamten unserer. Gemeinde verabschiedeten sich bei gemeinsamem Mahle von Herrn Dr. Kober, wobei der Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. S e l t g sohn, noch einmal die Verdienste des Scheidenden hervorhob, ihm die besten Wünsche der Gemeinde für die Zukunft übermittelte und, ihm ein Andenken mit Widmung überreichte. Zahlreiche Vereine, denen Herr Dr. Kober entweder als Vorstands- oder als Ehrenmitglied angehörte, ließen durch Abordnungen Lebewohl sagen und Erinnerungszeichenüberreichen, unter anderem der „Verein israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau" und der „Synagogengefangverein", der ihm gleichzeitig ein Ständchen brachte. A. L. Krefeld, 11. Oktober. Seit Kriegsbeginn arbeitet unsere Genrein de mit Erfolg für die Linderung der Kriegsnot. Alle vierzehn Tage gedenkt sie durch Liebesgabensendungen der bedürftigen Frontkämpfer unter ihren Mitgliedern, während sie im Verein mit der „Nie'derrhein-Loge U.O. B.B." den ortsfremden Soldaten der Garnison an den Festen feiertägliche Mahlzeiten spendet. Auch im besonderen entfaltet die Loge eine ersprießliche Fürsorge. Die Frauen ihrer Brüder schufen im August 1914 eine Kinderküche, in der noch heute neunzig Volksschülern beiderlei Geschlechts und jeden Bekenntnisses alltäglich in einem freundlich ausgestatteten Raume ein kräftiges und auskömmliches Mittagessen verabreicht wird. Diese segensreiche Einrichtung fand Anerkennung .seitens der städtischen Behörden durch Ordensverleihungen an drei Vorstandsdamen: Frau Julius Meyer, Frau Justizrat Dr. Kaufmann, Frau Oberrabbiner Dr. L e v i. Nicht weniger verdienstvoll wirkt der Jugend-Verein „Moses Mendelssohn" unter der Leitung seiner rührigen Vorsitzenden Fräulein Paula N u ß b a u m. Häufig bedenkt er seine im Felde stehlenden Mitglieder mit Gaben, bietet den Soldalten der Garnison schöne Stunden durch Einladung zu. seinen Veranstaltungen und erfreut die jüdischen Lazarettinfassen durch regelmäßige Besuche und sinnige Spenden. Zum Schluß sei noch die bis auf ib'ie jüdischen feindlichen Kriegsgefangenen sich. ausdehnende unermübliche Fürsorge des Herrn Oberrabbiner Dr. L e v i dankbar genannt, für die er mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet wurde. Mit stolzer Genugtuung darf daher unsere Gemeinde, deren Mitglieder auch inder der. Allgenreinheit dienenden Wohlfahrtspflege sich eifrig und rühmlichst betätigen, aus ihre von wahrhaft vaterländischem und menschenfreundlichem Geiste getragene Wirksamkeit im Kriege zurückblicken. Holland. 2XD Den Haag, im Oktober. Es ist bereits berichtet worden, daß die jüdischen Kolonien in Judäa, darunter auch die Besitzungen des Nationalsonds, während der Kriegsereignisse des letzten Winters vielfach schweren Schaden gelitten haben. Heber die jetzige Lage in Benschemen, Huldah und Ber-Towiah loird -dem Hauptbureau des I. N. F. im Haag folgendes aus Jaffa gemeldet: Bon den Mandelpflanzungen in Benschemen find zweihundert Dunam, derart beschädigt worden, daß -ihre Pflegte nicht inehr m Betracht kommt. Hingegen haö das Getreide trotz allem sich schön erholt. Die ganze Fläche konnte wieder hergerichtet werden, bis auf 300 Dunam, die für dieses Jahr verloren sind. Das Wintergetreide ist vollständig hereingebracht und befindet sich jetzt im Drusch. 300 Dunam, aus denen Mais an-gebaut war, hatten eine ausgezeichnete Ernte. Tie Geflügelzucht mußte unterbrochen werden; es verblieb' nur ein kleiner Bestand zur Aufrechterhaltung des Stammes. Auch die Molkerei hat stark gelitten, und es wird ein Jahr erforderlich sein, bis sie auf den früheren Stand gebracht ist. Sehr gut geraten sind die Gentüsepslanzu-ngen. — Die Pflanzungen in Huldah sind glücklicherweise von den Verheerungen des Krieges verschont geblieben!. Nur 200 vor dem Kriege bepflanzte Dunam blieben unbearbeitet. Die Pflanzungen im allgemeinen entwickeln sich sehr gut und werden nunmehr fleißig gepflegt. Die Bienenzucht wird in diesem Jahre ein besonders gutes Erträgnis liefern. Der Futter- und Gemüsebau ist vorzüglich gediehen, und es ist nunmehr auch die Grundlage für eine Molkerei in Huldah geschaffen worden, wohin aus Benschemen eine Anzahl Kühe übergeführt wurde. —- Für die Arbeitsgenossenfcherftt kt Ber-Towiah ist das Jahr ein segensreiches geworden. Dank der guten Ernte und den jetzigen Getreide preisen dürste für die Genossenschaft ein Remgewinn resultieren. Die Eukalyptuspflanzung entwickelte sich sehr schön und ist trotz den früher gehegten Befürchtungen sehr gelungen. Die Genossenschaft geht nunmehr daran, mit Hilfe moderner Geräte den ganzen Boden zu bearbeiten, und hofft, ihren dauernden Bestand irr diesem Jahre zu sichern. Gkstkrreich-ÄNMN J. E. Prag, 11. Oktober. Die Prager Judenheit erlebte am 25. September d. I. einen Ehren- und Freudentag. An^ genannten Tage übergab Herr Großindustrieller Heinrich Waldes, der der Menschheit den vervollkommneten Kleiderverschluß, den Druckknopf, geschenkt hat, sein „M u s e u m der K l e i d e r v e r s ch l ü s s e aller Zeiten und Völker", ein Wahrzeichen menschlichen Könnens und menschlichen Schaffens, der Öffentlichkeit. Die zahlreichen Ehrengäste, Vertreter der Zentral- und Landesbehörden, der Wissenschaft, Kunst und Presse mögen gewiß ein Gefühl des Neides empfunden haben, daß es einem jüdischen Mäzen beschjeden war, eine solche Schöpfung ins Leben zu rufen. Wenn man die Schätze, welche die weiten und eleganten Hallen des Museums beherbergen, betrachtet, muß man sich wundern über den Sammelfleiß und die Bienenairbeit, welche hier aufgespeichert vorliegen. Die ältesten Urformen des Knopfes, soweit sie sich aus Geschichte und Technik ermitteln lassen, sowie die im Laufe der Jahrtausende fortschreitenden Verbesserungen erscheinen hier im Original oder in Wort und Bild zusammengefaßt und veranschaulicht. Es sind stumme Zeugen vergangener Zeiten und Kulturen, die unseren Altvorderen das Zeugnis geben, daß auch sie auf ihre Aeuße'res etwas hielten und ihrer Kleidung fortgesetzt verbesserte Formen zu geben trachteten. Aber auch Kriegsbeschädigte und Einarmige muhten die Fürsorge des Herrn Waldes erfahren, wie die Prothesenabteilung lehrt, die zahlreiche Entwürfe und Formen ausweist, welche den Verwundeten die Möglichkeit geben, ihre Kleider mühelos zum Verschluß zu bringen. Die Stadt Prag wird diese Schöpfung mit Stolz ausnehmen und ihrem Urheber Dank und Anerkennung zollen. Airrsine. Z. Kiew, im Oktober. Ein sel ts, am-es Grabdenkm at befindet sich aus dem jüdischen Friedhof in I e k a teri -n o s law. Es erhebit sich über dem Grabe, in welchem die Thorarollen bestattet liegen, welche die Hooligans m den blutigen Pogromtagen des Oktobers 1905 verunreinigt und zerrissen haben. Das Grabdenkmal ist ein Kunstwerk von großem Werte. Es hat die Form eines Zeltes, in d-essen Innern das „-ewige Licht" brennt. Aus drei Seiten des Monumentsist mit g'ro'hen hebräischen Goldbuchftaben alles verewigt, was sich in jenen traurigen Tagen zuigetragen h>ait. Auf dein Dache des Zeltes steht weithin sichtbar ein -großes Davidsfchild. Das Grab der Sifre-Thora ist in unmittelbarer Nähe des „Brudergrabes" -errichtet, in welchem die Opfer jener blutigen Tage begraben liegen. Auf d>er diesem Brudergrabe zugewendeteu Seite befinden sich die folgenden Inschriften in hebräischer Sprache: „Deinetwegen werden wir ständig getötet, wie Schafe, die auf die Schlachtbank geführt werden." Und w-eiter unten: „Kannst du dich hierb>ei noch zurückhalten, o Gott, schweigen, ida man uns s,o peinigt?" Eine Platte, welche die ganze Geschichte jener T rauer - tage -enthält, schließt mi,t folgenden interessanten Sätzen: Wir, die wir Augenzeugen waren dieser schrecklichen Ereignisse, habendie Thorarollen aufbewahrt und dieses Grabmal gestellt gegenüber brcm Grabe,, in welchem die Märtyrer liegen, die hm-gemordet wurden nur des.h-a.lb, weit sie dem Volke entstammen, d-as die Thora am Sinaiin Empfang genommen. Und wenn später Kinder fragen werden: „Weshalb ist das Blut dieser unschuldigen Geschöpfe vergossen, worden?", so wird dieses Grabmal antworten: „Weil si-e treublieben ihrem Volke und der Thora, weil fte die jüdische Fahne nicht aus ihren Händen liehen, deshalb haben die Hooligans sie hingeschlachtet." Und unsere Kinder werden sagen: „Wir find Kinder von heiligen Märtyrern, die sich für ihren Gott und sein Leben geopfert haben."