Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Von Sah und Lern. — Das Referat für jüdische Angelegenheiten, das bisher beim Ober-Ost bestand-, ist jetzt nach der Neuordnung der Verwaltung im Osten dem Berwaltungsches beim Militärgouverneur, von. Litauen 'überwiesen worden und von Kowno -nach Wilna übergesiedelt. Es bearbeitet auch weiterhin die Angelegenheiten des jüdischen Uniterstützungskomitees für den gesamten Befehlsbereich des Oberbejsehlshalers Ost. Leiter des Referates ist der bekannte Berliner Radierer Leutnant Hermann Struck. — Der Leiter der inneren Abteilung des Jüdischen Krankenhauses Herr Professor Dr. Strauß ist zum Geheimen Sanitätsrat ernannt worden. — Dem leitenden Arzt an der augenärztlichen Poliklinik des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde, Herrn Dr. Hugo, Fe i lchenseld, ist das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande verliehen worden — Dem Leutnant der Reserve Ernst Mandelbaum, zweiten Sohn des bulgarischen Generalkonsuls Kommerzienrat Jakob Mandelbaum, wurde im Felde das Eiserne Kreuz evster Klasse verliehen. — Gefreiter Walter H e i l b o r n, Sohn des Wäschefabrikanten Ludwig Heilborn (Berlin), erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. — Am 9. d. M. beging Herr Kapellmeister Albert Keller mann sein 25jähr.iges Amtsjubiläum als Mustklehrer der Präparandenansbalt und Gesanglehrer der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde. Eine Deputation des Lehrerkollegiums überbrachte die Wünsche der beiden Anstalten. — Wieder hat die Schachjwelt durch den Krieg einen Verlust erlitten: der Berliner Schachmeister Erich Cohn fand kürzlich bei den schweren Kämpfien im Westen den Heldentod. Erich Cohn ist zu Berlin am 1. März 1884 geboren. Schon in sehr jugendlichem. Alter hat er sich auf schachlichem Gebiete ausgezeichnet und später wiederholt auch in internationalen Turnieren Achtungserfolge errungen. Er gehörte zweifellos z>u den begabtesten deutschen Meistern. — Am 2. d. M. sturb plötzlich infolge eines Unfalles Herr Wilhelm Wagner, der als Mitglied des Vorstandes des Lipmann-Taus- SynagvgewVereins lange Jahre mit großem Eifer zum Wöhle desselben gewirkt hat. — Am 28. v. M. verschied Frau Rosalie L i p - mann geborene Salinger, die zehn Jahre als Ehjrendame in der Altersversorgungisanstalt Schönhauser Allee nrit liebevoller Hingabe und mütterlicher Fürsorge gewirkt und durch wohltuende Zuwendungen die Entwickelung der Anstalt 'gefördert hat. — In Gollub (Westpreußen) starb am 20. v. M. Plötzlich der Beigeordnete Stadtälteste Bernhard A r o n s o h n , Ritter ac., im ehrenvollen Alter von 79 Jahren. Als Repräsentantenvorsteher war er ein aufopferungsvoller Berater. Jahrzehntelang hat er als Rendant der Chewra Kadischa in treuer Pflichterfüllung gewirkt. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten Frau Paula Les se r (Dirschau), Frau r Kaufmann Selma Rosenb a u m (Danzig). — Aus Posen wird uns berichtet: Durch Kabinettsorder sind mi-t der. Roten-Kreuz- Medaille beliehen worden: zweiter Klasse: Frau Geheime Kommerzienrat Doris Ar-onsohn in Bromberg, Frau Generaldirektor Elise P ietru s chkow s,kr in Posen; dritter Klaffe: Frau Justizrat Margarete Grünberg geborene Levysohn in Hohensalza, Frau Justizrat Emma Peyser geborene Neustadt in Wreschen, Fräulein Rosa R o s e n t h a l in Ostrowo, Frau Sanitätsrat Anna Warschauer geborene Kurtzig in Hohensalza. — Fel'dhilfsarzt Bruno Rehfeld (Stettin) erhielt das Eiserne Kreuz erster Klaffe. — Herr Robert Marx und Frau in Aachen haben am 22. Geburtstag ihres aus dem Felde der Ehre gefallenen Sohnes der Stadt Aachen 10 000 Mark in Knsprozentiger Kriegsanleihe zur Verfügung gestellt. Die Zinsen dieser den Namen „FranA-Jos.epNkarx-Stiftung" tragenden Spende sollen verteilt werden an unterstützungsbedürftige blinde Kriegsteilnehmer oh,ne Unterschied der Konfession oder zum Besten bedürftiger Schüler des Realgymnasiulns, das der Verstorbene besuchte. — Aars Hannover wird uns geschrieben: Das Oldenburgische Verdienstkreuz erster Klasse erhielt Herr Julius Stein aus Mellrichstadt i. B., Lehrer und Erzieher an der Israelitischen Erziehungsanstalt zir Ahlem, wahrend zwei ehemalige Schüler der genannten Anstalt, Willi Spei er aus Hof bei Kassel und Albert Tresper aus Berlin, nrit dem Eisernen Kreuz erster Klaffe ausgezeichnet wurden. — Rabbiner Dr. Salzberger in Frankfurt a. M. verließ am 1. Oktober auf Reklamation der Jüdischen Gemeinde feinen Posten als Feldrabbiner. In letzterer Stellung vertritt ihn einstweilen Herr Feldhilsjsrabbiner L t r u m p.st — In Freiburg i. Br. verschied dieser Tage Frgp Jeanette Mayer-Leser, die sich namentlich um den. dortigen israelitischenFrauenverein als dessen Mitbegründerin und langjährige Rechnern bleibende Verdienste erworben hat. Vor kurzem haben durch die Ernennung, der Verstorbenen zum Ehrenmitglrede des Vereins diese Verdienste gebührende äußere Anerkennung gefunden. An ihrer Bahre wurden ihr außer von dem Bezirksrabbiner Dr. Zimer auch von dem Vorstandsmitglied des genannten Vereins Rechtsanwalt Kassewitz ehrende Nachrufe gervidmet. — Ofsizierstellverbreter Ralph, Jfakowitz in- Mannheim wurde mit dem Eisernen Kreuz erster Klaffe ausgezeichnet. — Cand. jur. Oberleutnant Hermann Müller, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, des bayerischen Militärverdienstkreuzes und 'des Mili'tärverdienstordens, Sohn des Hauptlehrers S. Müller in Heidelberg, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Der Kaisjer von Oesterreich hat dem Generaloberstabsarzt Universitäts- Professor Dr. Alois Pick in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung in der Kriegszeit den Stern zürn- Komturkreuz des Franz-Josef- Ordens verliehen. —- Dem durch seine mehrjährige Wirksamkeit irn Felde bestbekannten Feldrabbiner Sanruel Lemberger, bereits früher mit dem Ritterkreuze des Franz-Josef-Ordens mit den Schwertern und dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone und Schwertern ausgezeichnet, wurde nunmehr vom Kaiser das bronzene Signum laudis mit der Kriegsdekoration verliehen. — Die Pester israelitische Rekigiousgeineinde hat vor kurzem unter dem Titel „Avaudafz Jisroel" ein Gebetbuch für Blinde in Braillescher Blindenschrift herausgegeben. Es ist dies das erste hebräische Werk für Blinde nicht roitr in Ungarn, sondern auch -in Europa. An der Zusammenstellung dieses rnonurnentalen Werkes wirkten Generalsekretär Dr. Julius WeißburG die Direktoren Abraham .Stern und, Simon Adler und Professor Moritz Schönberger mit. Das interessante Gebetbuch enth>ält die üblichen Gebete für Wochentage, für Samstage, Rosch Chodesch und die Hauptgebete der hohen Feiertage. Es wird -an die Blinden Ungarns unentgeltgeltlich verteilt. Diese -eminent dem Kidusch Haschen: dienende, nur unter großen Schwierigkeiten überwundene Aktion der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die zahlreichen Blinden, Ungarns die volle Beteiligung an den Gottesdiensten ermöglicht, verdient auch im- Aus lande die vollste Aufmerksamkeit und Nachahmung. — Ueber die Zahl der Schüler in den jetzt wieder errichteten Jeschibot (Talmudschulen) in Litauen dürften nähere Angaben willkommen sein. Sie beträgt zurzeit in Kow.no- Wiljiampol 100, Telsche 120, Wilna 145, Grodno 100, Radum 20, Killmy 4 ufw., insgesamt somit über 500 Schüler. Werden,, die Bedürfnisse eines Jeschiba-Jüngers -aus etwa 80 Mark veranschlagt, so stellt sich das monatliche Budget auf etwa 40 000 Mark. Hinzu kommen noch die Ausgaben für die Lehrer und Beamten der Jeschibot. — Der kürzlich verstorbene S. D. Edelstein aus Minsk- Mazowicki hat der Warschauer Jüdischen Gemeinde 90 000 Rubel für jüdische Zwecke vermacht mit der Bestimmung, daß 15 600 Rubel für Juden, die in Erfüllung ihrer Miliitärp,flicht im russischen Heere invalide geworden seien, Verwendung finden. — Welchen Anteil die Juden der. Vereinigten Staaten am Kriegsdienst nehmen, beweisen einige Bemerkungen des Herrn Walter M. Chandler, Mitglieddes Unterhauses, der irn „Congressional Record" folgendes schreibt: „Von d,er gesamten Bevölkerung des Landes (Vereinigten Staaten) sind zehn vom Hundert wafsenisähig undzwei! vom Hundert sind' tatsächlich bei der Armee. Bon den Juden des Landes sind nur -fünf vom Hundert waffenfähig, aber zwei vorn Hundert bei' der Armee." Das heißt also, daß, während von dem gesamten Volke nur zwanzig vom Hundert der „Fähigen" zurzeit dienen, von den Juden schon vierzig vom Hundert ihre Pflicht aktiv erfüllen. Auch leisten einzelne Juden Kriegsdienst von der 'größten Wichtigkeit, wie z. B. Professor Felix Frankfurter, Director of all War Labour; 3uliu§ Rosenwald aus Chicago, Vorsitzender der Vorratskommisston; Bernhard Baruch, Borsitzender des Kriegsindustrieamts, und Jakob Schiff, Schatzmeister des amerikanischen Roten Kreuzes. Auch zu erwähnen sind die Generale Otto Rosenbaum und Chas L a u ch e i m e r und die Konteradmirale Marix und Strauß. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. »vrantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin^riedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.