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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-18 · Heft 42 (18.10.1918) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 42 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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504 I dt«1 Willst Du toirtlich dem Daterlande, dem Du airee, tdqs Du bist. Derdantft, das Darlehen oen»eig^m,um bas es Dich in schwerer Zeit bittet — für das es Dir hohe 3infen gemährt? Würbest Du fo handeln. Du »ft kein De “ ' ~ wärest leutscher! —Darum 2 eichne! „Sie machten auf mich den Eindruck/' fuhr er spöttisch fort, „als wollten Sie mit den Hasen laufen und mit den Hunden jagen." „Ich danke Ihnen, Herr Vikar," sprach sie freundlich. „Aber wollen Sie nicht auch.Guten Abendp zu mir sagen? Das ist zwischen Bekannten sogar in dieser Gegend üblich und gebräuchlich." Er berührte ihre ausgestreckte Hand, ohne aber den Blick zu ihr zu erheben. „Ich bin nur froh, daß ich Sie nicht erschreckt habe," sprach er, und auch seine Stimme wurde etwas freundlicher. „Der Schreck war also nur auf meiner Seite." „Was führt Sie eigentlich nach dieser Gegend?" fragte sie, ohne seine Bemerkung zu beachten, da sie genau wußte, wohin er zielte. „Ich mußte einen Kollegen vertreten. Ich habe heute in der St.-Michaelis-Kirche gepredigt. Auf meinem Wege nach Hause sah ich Sie hier stehen und ich wollte mich überzeugen, ob meine Augen mich nicht getäuscht." „Warum haben Sie mich noch nicht in meiner Wohnung besucht, Herr Stromer? Wir waren doch immer gute Freunde?" „Ist dies nicht die beste Antwort aus Ihre Frage"? rief er barsch. „Kann denn jetzt noch Freundschaft zwischen uns herrschen?" „Es würde mir sehr leid tun, wenn dies wirklich der Fall sein sollte." „Gerade unserer ehemaligen Freundschaft wegen, müßte ich nicht Berge zwischen uns auftüvmen? Darf ich überhaupt noch zu Ihnen sprechen?" „Herr Vikar!" rief die Frau ganz außer sich. „Freilich, die Tatsache kann nicht weggeleugnet werden, daß wir Freunde waren. Sogar sehr gute Freunde." Man sah deutlich, wie es in seinem Innern gärte und kochte, welche / Mühe er sich gab, um gefaßt zu scheinen. „Jahrelang haben! wir gemeinsam, Seite an Seite, gearbeitet. In Ihnen sah ich; immer den besten Mithelfer. Wir waren deshalb viel und oft zusammen: freiwillig und gern schienen Sie sich meinem Willen untergeordnet zu haben. Ich glaubte auch Ihr Innenleben in meiner Hand zu halten, das der leisesten Berührung ungesäumt folgen werde. Plötzlich aber tauchte von irgendwo ein Fremder auf, eine oberflächliche Bekanntschaft, und sofort, ohne jegliche Mühe und Arbeit, lassen Sie sich von ihm in eine Ihnen gänzlich unbekannte und fremde Welt verpflanzen, in eine Welt, Sie mögen sagen, was Sie wollen, die für Sie, nach all dem Licht, das Sie hinter sich gelassen, eine höllische Finsternis sein muß. Ich bin ein Diener Gottes, dennoch aber beanspruche ich auch das Recht --ein menschliches Wesen zu sein. Mein Stolz, alles andere soll unberührt bleiben," seine Stimme bebte hörbar, „verwundet, gedemütigt, zerschmettert, aus unzähligen Wunden blutend, und Sie fragen mich, warum ich nicht zu Ihnen komme! Soll ich mit Ihnen etwa eine fade, nichtssagende Unterhaltung führen, wo mir jedes Wort meinen Mißerfolg vor Augen führen müßte?" Sie war inzwischen ohne bestimmte Richtung weitergegangen, unbewußt aber hatten sie ihre Schritte nach den einsamen Wegen im Park hingelenkt. Ellen fühlte sich verblüfft und befangen. Sicherlich war alles nur ein wüster Traum, irgendein unheimlicher Zauberwahn. Vor einer ganz kurzen Weile sprach sie doch noch mit der -alten Chaje Rachel, mit der strenggläubigen Jüdin, und jetzt-! Sie sah ihren Begleiter mit einen, Gefühl an, als müßte er im nächsten Augenblick sich in nichts verflüchtigen. . „Es tut mir leid, daß ich Ihnen unbewußt solche Pein bereitet," sagte sie gedankenlos. (Fortsetzung folgt.)

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