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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-18 · Heft 42 (18.10.1918) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 42 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
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m hat ausfindig machen können, um Material für die Beschuldigungen zu schaffen. Wir müsseil dabei von der Tatsache ausgehen, daß für die Bosheit und Gehässigkeit alle Mittel, auch die schlimmsten Entstellungen und Lügen, anwendbar sind. Die betreffende Agitation, die mit großer Rücksichtslosigkeit vom Jüdischen Pveßbureau in Stockholm und von der Zionistischen Zentrale in Kopenhagen betrieben wurde, wurde von der Wiener Jüdischen Zeitung ausgenommen, die die deutsche Regierung beschwor, „die Judenverfolgung in Finnland zu verhindern", und dürste auch Widerhall in der amerikanischen Presse gefunden haben. Es ist klar, daß man gegen offenbare Lügenschmiederei ziemlich wehrlos ist. Wir können wenigstens jetzt ruhig behaupten, daß wir in der Judenfrage keine Sünden auf dem Gewissen haben. Am 22. Dezember 1917 nahm der Landtag ein Gesetz über die Bekenner des jüdischen Glaubens an, nach welchem Jllden unter denselben 'Bedingungen wie Ausländer naturalisiert werden können, wobei sie sogar in betreff des Staatsdienstes dasselbe Recht erhalten wie diejenigen christlichen finnischen Bürger, die sich nicht zur evangelisch^lutherischen Lehre bekennen. Ein Bekenner des jüdischen Glaubens, der nicht naturalisiert ist, nimmt hier nach diesem, Gesetz dieselbe Stellung ein wie ein Ausländer. Hieraus geht hervor, daß all die gegen die Juden gerichteten Ausnahmegesetze, deren sich unser Land lange zu schämen hatte, nunmehr abgeschafft sind. Die in Finnland geltende Gesetzgebung in der Judenstage ist ebenso freisinnig und gerecht wie in jedem anderen Lande. Wenn wir auch in dieser Angelegenheit lange im Rückstände gewesen sind, — was in der letzten Zeit nicht unsere eigene Schuld war, sondern die der allen liberalen Reformen feindlichen russischen Regierung — so können wir uns in dieser Beziehung jetzt jeder Kritik furchtlos unterziehen. Alle im Lande wohnhaften jüdischen Familien haben unter Bezugnahme auf das erwähnte Gesetz ihre Naturalisation nachgesucht und diese wird ihnen nach Erledigung der vorgeschriebenen Förmlichkeiten sofort erteilt werden. Und sicherlich wird dies so bald wie möglich geschehen. Ein jüdischer Geschäftsmann wurde freilich vor einiger Zeit ausgewiesen. Dies geschah aber, weil sich herausgestellt hatte, daß er mit einer Anzahl seiner Stammesbrüder in Rußland zusammenarbeitete, die sich mit verbotenen Handelsgeschäften befaßten und dem Lande offenbaren Schaden verursachten. Zu einer „Judenverfolgung" dieser Art dürfte jeder Staat irgendwann einmal gezwungen sein. Das sicherste Zeugnis über die Judenfräge in unserem Lande kann doch wohl von den hiesigen Juden selbst abgegeben werden. Und diese haben auch verschiedentlich in der ausländischen Presse die böswilligen und unwahren Beschuldigungen, die man in dieser Hinsicht gegen unseren Staat gerichtet hat, bestinimt zurückgewiesen. Es steht zu hoffen, daß unsere Gesandtschaften im Auslande unter Bezugnahme auf die oben angeführten Tatsachen darauf Hinweisen werden, wie bar aller Wahrheit die Behauptungen sind, die geltend machen, daß man in Finnland die Juden verfolge. Unser Volk fordert für sich selbst Gerechtigkeit und hat keine Lust, anderen Kränkung zuzufügen. Wir hoffen iin Gegenteil, daß die in unserem Lande wohnhafte jüdische Bevölkerung mit dem erworbenen finnischen Bürgerrechte unserem Genreinwesen einen Zuschuß an Intelligenz, Arbeitsamkeit und Freisinn schenken und das Vertrauen vergelten werde durch Bekundung völliger Zusammengehörigkeit mit unserem Volke in allen Geschicken. Man sollte meinen, daß wenigstens in dieser Frage die ausländische Hetze gegen unser Land als vollkommen unberechtigt allmählich von selbst aufhören müßte." — Dem hiesigen konservativen, deutschfreundlichen Blatte „Nya Dagligt Allehanda" entnehme ich noch folgendes: „Einen gelinde gesagt unpassenden Beirr a g zur Diskussion über die innerpolitische Neuorientierung in Deutschland liefert ein Verfasier in Göteborgs „Aftonblad" (konservativ), der in krassestem alldeutschen Geist geltend zu machen sucht, daß die deutsche Reichstagsmehrheit von „einer alljüdischen Internationale" kommandiert werde, die sich gegen „den deutsch-lutherischen Geist", gegen „den Bestand von Bismarcks Werk" richte, u-sw. Eigentümlicherweise soll der Inhalt des Artikels gleichzeitig mit seiner Veröffentlichung in „Göteborgs Aftonblad" von den alldeutschen Blättern wiedergegeben worden sein, die dies natürlich zu einem Zeugnis für die nationalschwedische Auffassung machen. Hier liegt ein Anlaß vor auszusprechen, daß die nationalschwedische Auffasiung keinen Teil hat an einem derartigen Zusammenspiel mit der alldeutschen Partei, sondern im Gegenteil solches mißbilligt. Wie wir Schweden, ohne Rücksicht auf den Parteistandpunkt, uns für jede fremde Einmischung in unsere inneren Geschäfte bedanken, so wollen wir uns auch an keiner Agitation in innerdeutschen Angelegenheiten beteiligen — am allerwenigsten gegen eine Richtung, der sich offenbar sowohl die Mehrheit des 'deutschen Volkes als auch die führenden deutschen Staatsmänner angeschlossen haben." * Sonstige Nachrichten liegen nicht vor. Die Audienz des Herrn Dr. Chajes bei Kaiser Karl in Wien, von der wir in der letzten Nummer berichteten, ist in allen Blättern erzählt worden. Die antisemitischen geben ihren Segen zur Auswanderung aller Juden nach Palästina und wollen eine solche mit allen Kräften unterstützen. Das glauben wir ihnen gern. Wir werden uns allmählich daran gewöhnen müssen, auch in dieser Beziehung umzulernen, so schwer es uns wird. Es ist höchstwahrscheinlich, daß in Palästina, das wohl von der Türkei getrennt werden wird, ein jüdisches Reich, unter welcher Form auch immer, entsteht. Ich bin zu alt, um mich an diese Zukunft zu gewöhnen, und zu eingewurzelt in meinen Lebensanschauungen, um ein solches Reich willkommen zu heißen. Ich kenne kein jüdisches Volk, sondern nur eine jüdische Glaubensgemeinschaft. In dieser will ich verharren und für sie zu wirken nicht aufhören. Meine Volksangehörigkeit ist aber die deutsche. Ich habe seit meinen Knabentagen für ein großes mächtiges Deutschland geschwärmt und gearbeitet. Ich habe die Wiedergewinnung von Schleswig-Holstein mit Begeisterung empfunden, ich habe den Krieg von 1866 als eine Befreiung Deutschlands, als den Anfang zur Bildung der deutschen Einheit froh begrüßt, ich habe mich begeistert für die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen an das Deutsche Reich. Ich habe mit meinen schwachen Kräften mitgearbeitet, den Juden ihre Stellung im neuen Deutschen Reiche zu erwerben und zu erhalten. Ich bin ein wahrhafter Deutscher, ein aufrechter Jude geblieben, trotz aller Anfechtungen und Zurücksetzungen; ich werde nicht aushören, solange die Kräfte reichen, ein deutscher Jude zu bleiben. Dem großen, mächtigen, herrlichen Deutschland gehörte meine Sehnsucht und meine Liebe, dem geschwächten, blutenden, gedemütigten soll meine 'Treue gewahrt bleiben durch alle Gefahren und Beschwerden bis zum letzten Atemzug. Mrrrsbbmer Dr.MorjtzGüdrmann geli. 19. Februav 1835, geft. 5. August 1918. Don Dr. Armin Abeles (Wien). bermals hat der blutige Orkan, der seit fünfzig Monaten in unverminderter Heftigkeit dahinrast, einen Großen in Israel, einen Riesen zu Boden gestreckt: den rühmlichst bekannten, altehrwürdigen Oberrabbiner der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Moritz Güdemann, f. A. Welch

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