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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-11 · Heft 41 (11.10.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 41 Berlin, 11. Oktober >918 Der Oemetndeüote. Vrtlase zur „Allsemelnrn Leitung deß Judentums. Sarrespondrn?kn und Nachrichten. SkUtfchland. BeEn, 8. Oktober. An dem Ausfall der neunten Kriegsanleihe,. schreibt Pros. Hermia nn Oncken, werden unsere Feinde wie an einem Barometer ablesen, ob wir seststehen oder müde werden, ob wir Vertrauen zu unserer. Führung, haben oder <m uns selber irre werden, ob wir auch nach einem vorübergehenden Rückschlag im Felde die Einmütigkeit und Zähigkeit einer groißen Nation zeigen oder ob wir mit einem Erlahrnen im Schlußkampf alle Erfolge dieser Kriegsjahre in Frage stellen. Jedes Nachlassen -in unserer finanziellen Opfersreudigkeit würde den Feinden eine Bresche in unserer, moralischen Rüstung verraten, und das würde Lei ihrem von neuem angeschwollenen Vernichtungswillen das gefährlichste Friedenshindernis sein, das sich denken ließe. Dar um muß die neunte Kriegsanleihe zu einer erbarmungslosen Enttäuschung werden für di,e wohlbekannte feindliche Propaganda, die auf die deutsche Uneinigkeit oder auf ein Matterwerden einst überheblicher Stimmungen spekuliert. Einfache Pflichterfüllung ist also im Augenblick die beste Politik. Das- .ganze Volk muh es nässen, daß es keine wichtigere Unterstützung aller Friedensbestvebungen geben kann als ein Er.gebnis der Kriegsanleihe, das dien Feinden die absolute Unzevlösbarkeit unserer inneren Front zu Gemüte führt. Keine der bisherigen Krieg,sanleihen' hat ein solches moralisches- Gewicht gehabt als« wie diese! Nur der höchste finanzielle Erfolg wird entscheidend dazu beitragen, das Tor zum Weltfrieden auszustoßen. Berlin, 8. Oktober. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß in unserem Bereicht über die Sitzung der Nepräfentantenversammlung-vorn 25. vorigen Monats hinsichtlich der Erhöhung des Beitrages« an den Dentsch-Is>raeli tischen Gern e i n d e b u n d ein Irrtum enthalten ist. Tatsächlich hat die Repräsentantenversammlung die Erhöhung bewilligt, aber weder die dort angegebene noch irgend eine andere Klausel daran geknüpft. •£J& Berlin, 8. Oktober. Am Sonntag, dien 6. d. M., fand im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde die erste V er t retertön seren z der örtlichen' Beratungsstellen der Hauptstelle für Berufsberatung statt. Als geschäftsführender Vorsitzender eröffnete Gewerberat Plotke die Berhandlungen mit einer Begrüßungsansprache, in der er die Bestrebungen der Hauptstelle als ersten Versuch bezeichnet^, jüdische Menschenökonomie zu treiben. Prediger C'old mann (Herford) referierte über die Tätigkett und die Ausgaben der örtlichein Berufsberatungsstellen. Er forderte die Heranziehung von Vertretern aller Berufe, und die Förderung der Zufi'lhrnng zu manueller Betätigung. Die Erschließung! der mittleren und unteren Beamtenlausbahnsoll in, bescheidenem Umfange angestrebt lvorden. Den Beratungsstellen' soll ein Stellennachwieäs angegliediert werden. Die Zukunftsauff gaben der O r ganis a tio n sk'zzierte Rechtsanwalt Dr. B aum (Berlin), der bei der Behandlung der einzelnen! Bjerufsarten besonders auf die,günstigen Aussichten der kchni,scheu Berufe hiinwies. Di>e Aussichten der Juden in der Beamtienilaufbahn lassen, sich noch nicht klar abschätzten; jedenfalls ist die Heranziehung von Kapitulanten und die Ueberführung von Juden zur gehobenen Haiusiudustrie zu erstreben. Eine wichtige Aufgabe ist die Versorgung der jetzt berufs.tä!tigen Frauen nach Rückkehr der männlichen Arbei'tskräfte. Rabbiner Dr. K a e l t e r (Danzig) beantragte, durch geeignete Schritte eine Vertretung! der jüdischen Religiionsjgemeinschaft in den offiziellen städtischien Berufsberatungsstellen auch an den höheren- Lehranstalten zu belvirken, und begründete 'diese Forderung mit repräsentativen Gründen, und dem Hinweis auf den praktischen Nutzen, der durch die Arbei.t eines ständigen jüdischen Vertreters bei den allgemeinen Stellen den besonderenjüdischen Aufgaben erwächst. Direktor Alexander (Peine) und Geheimer Baurat Fraenkel (Berlin) sprachen Mer Gärtnerei und Landwirtschaft bei der Frage der Berufswahl!. Während der landwirtschaftliche Großbetrieb als Berujfszweig weniger itox Betracht kommt, töm-eirt Gärtnerei' und Obstkultur^n zahlreichen jungen Juden eine aiiskännnliche Existenz bieten. Die Voribereitrmg für den Beruf hat schon in der Schjnle zu begi-nnen, di!e Gartenbau- und Handfertigkieits- Untevricht auf ihr Programm setzen muh. Die jungen Leute sollen bei «einem tüchtigen Gärtner oder Landwirt praktisch ausgebildet werden, eventuell muß eine Ausbildungßstätte neu geschaffen werden. Direktor A ile x a n de r bezeichnete es als Ausgabe der großen jüdischen Organisationen in Deiutschland', die erfor>dierjlichen Kapivtali-en und das nötige Gelände zur Seßhaftmachung jüdischer Landwirte zn beschaffen. In der Diskussion bezweifelte Rabbiner Dr. Jacobns die Ntoghichkeit einer Berussu,mschichtuing durch Beratung und fordert als wirtschaftliches' Instrument bnie Grün du n g einer g r o ß en j ü d ische n Mi ttelstandsba n k. Justizrat Ni d g n u s vertrat dEsem Plan gegenüber die- Anischaungg, daß die Berufsberatung in der Lage sei-, wichtige Dienste bei der Umschichtung zu leisten. Sie soll die wenigen neuen Berufe suchen, welche Juden ausnehmen können, die aus. ihren alten Erwerbszweigisn abgedrängt sind-. Die lieberführung zur Landwirtschaft wird aas die nichrjüdische Bevölkerung einen gewaltigen Eindruck rnachen und 'den Antisemitismus wirksgnr bekämp-sen. Die zi-ölbewußte Arbeit soll bereits in der Schule einsetzon und bei 'der eigentlichen Berufswahl ihrerr Abschluß finden. 9tachdem noch verschiedene Vertreter auswärtiger Beratungsstellen die besonderen Berh,ältnisse ihrer Orte besprochen Habens schloß Gewerberat P lo tke die Sitzung mit einem Dank an die Teilnehmer in der Erwartung, daß die wertvollen- Anregungen, diie die Diskussion gelwacht hat, die zukünftige Arbeiit befruchten werden er. Berlin, 8. Oktober. Im Schwesternheim der Jüdischen Gemeinde fand vergangenen Sonntag die E in s ü h r u n g d e. r n e u. gewäh l t>ic,n Obe rin d>es Be r l «i n e r V e r ei n s f ü r jüdische Krankenpflegerinnen statt. Die neue Oberin, Frau Margarete Surans ty, ist aus dem Breslauer „Allerheiligen - Hospital" hervorgegangen. Zn dem feierlichen- Akte hatten sich die Mitglieder des. Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Vorstanbsmitgl ieder und Ehrend-amen des' Krankenhauses,, die Aerzt-e und Aerztinnen sowie das Psl-egepersonal des Hauses' eingefun-den-. Die Gesangsvereinii-g-ung der Schwester n-schast «unter Leitung ihres Dirigenten Wid-etzky erös-fnete die Feier mit dem Vorträge des Liedes „Ter Herr ist mein- Hirte". Im 9kamen der Schwesternvereinigung und des. Vorstanides des Krankenhauses richtete der Vorsitzende des, Kuratoriums, -Herr Selig, s o-h n, herzliche Biegrüßungsworte -an die neue Oberin. Er betonte die schwere Verantwortlichkeit des! Amtes, und gab der Hofsnung. Ausdruck, daß- Frau Suransky in der übernommenen' Ausgabe ih-re volle Befried-rgung. s-ind-en. werde. ^l»m Schlüsse der Ansprache überreichte er ihr das- Amtsabzeichen, d-as. der neugelr>äh>l^tcn O^be.rin> von Frau Rabbiner Dr. Fra nkl .angelegt wurde. Frau' Suran sky dankte dem Vorsitzenden für sein.e 'sreundlichen B.cigr-ührl-ngsworte -und betonte, diaß sie fick) der Schjw-ereihres A.m-tes un-d der Bedeutung der übernommenen P«slich>t,en voll bewußt sei. Sie fühle insich selbst den Willen un!d die Gewißheit«, die Aufgaben-, d-i-e sie übernommen h-äbe, zu ^ersü'llen-. Ans ihrer praktischen Schwesterntätigkeit kenne sie die Eigenheiten, des. Berufes-, seine Freuden und Leiden und die Wünsche der Beruf-sgenossinnen. Si«e übernehme das A«m-t i,n einer schweren Zeit,, d'ie -di-e Verwirklichung, ihrer- Plän.e «und -Absichten i-nvieler B,ezieh,ung erschweren würden, d-o.ch bitte sie die Schwestern, stets Vertrauen zui«h-r undihren Absichtenhaben. Mit dem nochmlali,gen Gelöbnis treuer- Pflichterfüllung schloß Frau'Surans-kh ihre Alussührungen. Das Ehorlied „Hebe deine Augen a-us zu -dien Bergen" beschloß die stimmungsvolle Feier. E. M. Berlin, 8. Oktober. Das Interesse für jüdische Fragen, das durch den Krieg in den intelligenten Schichten des deutschen Volkes -eine ungeahnte Zunahme erfahren hat, kommt in etn-em Vortragszyklus zum Ausdruck, den die Lessing-Hochschule ankündigt. Dr. Susanne T r a u tw ei n. hält eine sechsstündige Vorlesung über „Die moderne Jüdin", in welcher dieses interessante Thema von den verschiedensten Seiten beleuchtet wird. An eine Untersuchung über ihre Stellung in Bibel und Geschichte im Morgen- und im Abendlande schließt sich ein Vortrag über ihre Physiologie der Kindheit, der Enttvicklungsjahre, Ehe und Mutterschast.

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