Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 iiicicrt her Stellung m Farni-lie und» Gesellschaft toirb* auch hie besondere Eigenart her jüdischen Frau im Erwerbsleben behandelt. Ein besonderer Abend ist der Jüdin in der Literatur gewidmet. Von der Bibel bis zu Shakespeare, bei Heine, Grillparzer und in der modernen Dichtung, wie bei Max Br.od,. Jacob Wassermann, Schnitzler und Arnold Zweig, soll der Wandel der Darstellung des jüdischen Weibes in 'der deutschen Literatur -gezeigt werden. Zum Schlüsse werden das Assimi-lationsproblem und die Stellung der' modernen Jüdin zum Judentum und zum Deutschtum erörtert. E. M. Berlin, 8. Oktober. Die Berliner. Jüdische Gemeinde hat in dem jüngst verstorbenen Louis Für st er wiederum einen treuen Mitarbeiter verloren. Der Dahingeschiedene, der allen sozialen Aufgaben im Judentum ein warmes Interesse entgegenbrachte, wirkte lange Jahre als Mitglied der Stiftungskommission, in der er infolge seines unermüdlichen Eifers und sozialen Verständnisses sehr geschätzt wurde. Sein besonderes Interesse galt dem von den Berliner Logen U. O. B. B. begründeten Verein für Arbeitsnachweis. Alle Hilfsbedürftigen, deren Pflegschaft er übernahm, erinnern sich dankbaren Herzens dieses durch besondere Gaben des Gemütes und Geistes ausgezeichneten Mannes. Zu der Beerdigung des Verstorbenen, die am 3. d. M. auf dem Gemeindesriedhofe in Weißensee stattsand, hat sich eine große Trauerversammlung eingefunden, in der die Gemeindebehörden, in denen er mitgearbeitet hatte, die Mitglieder des Ordens Bne Brith sowie Vertreter des Arbeitsnachweises und zahlreiche andere Wohlfahrtsorganisationen vertreten waren. Rabbiner Dr. Warschauer hielt die Gedächtnisrede, in der er ausführte, daß die Wirksamkeit des Verstorbenen auf zwei Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens besonders stark hervortrat: dem Orden der Bne Brith angehörend, widmete er sich den Arbeiten dieser Loge warmherzig und mit nie ermüdendem Eifer. Mehr als ein Dezennium dieses reich gesegneten Lebens war der sozialen Hilfsarbeit gewidmet. Sein Eifer und sein Ernst waren ein Vorbild für alle, die mit ihm gemeinsam arbeiteten. Nach den üblichen Gebeten wurde der Sarg zur Gruft getragen. W. Aus dev Provinz Posen, 4. Oktober. Posen. Unsere Synagogengemeinde verlor durch den Tod ein bewährtes Mitglied, Herrn Rentier Jakob Schlesinger. Er folgte nach sechs Monaten seinem auf dem Felde der Ehre gefallenen jüngsten Sohne Sieg-fried ins Jenseits. Schlesinger verschied ganz unerwartet und erreichte das Alter von 61 Jahren. An der Beerdigungsseier nahmen auch viele Trauernde von auswärts teil. — Stensche w o. Im blühenden Alter von 3 5 Jahren starb hier die Ehefrau. Hedwig B rod t m-a n n geb. Breßler. Der Todesfall hat hier allgemeine Anteilnahme erregt. Bei. der Beerdigungsseier erwiesen, Trauernde von nah und fern ihrer Angehörigen die letzte Ehre. Die Dahingeschiedene zeichnete sich durch Wohltun ganz besonders aus. Arme und Notdürftige fanden bei ihr Rat und Hilfe, dabei kannte sie keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Herr Gemeinderabbiner Dr. I r e i m a n n aus Posen hielt die Leichenrede. Er schilderte mit beredten Worten die hohen Tugenden der Verblichenen. — Schr. oda. Durch das nach langer, schwerer Krankheit erfolgte Ableben des Herrn Adolf Heim an n hat das Repräsentantenkoüegium einen fühlbaren Verlust zu beklagen. Der Verblichene gehörte eine lange Reihe von Jahren dieser Körperschaft an. In dieser Zeit hat er den ihm obliegenden Pflichten sein ungeschwächtes Interesse entgegengebracht und sein Können der Allgemeinheit gewidmet. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden. — Bromberg. In einer geheimen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde einstimmig beschlossen, den Stadtrat Geheimen Kommerzienrat Aronsohn zum Ehrenbürger der Stadt Bromberg zu ernennen. Ein entsprechender Beschluß vom Magistrat ist bereits am 18. Juli d. I. gefaßt worden. — Gnesen. In vergangener Woche feierte Frau Amalie Harry im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel ihren 90. Geburtstag. Die Jubilarin ist eine geborene Gnesenerin und erfreut sich einer großen Beliebtheit unter allen Bewohnern hiesiger Stadt. Daher auch die vielfachen und großen Ehrungen, die ihr an ihrem Jubel tage zuteil wurden. Anläßlich der ernsten Zeit infolge des Krieges wurde von einer! äußeren Feier abgesehen, nur die nächsten Angehörigen scharten sich um die geliebte Greisin. — R o g a s e n. Bei der stattghabten Stadtverordnetenstichwahl in der ersten Abteilung wurden die Kauflente I. Lißner und Louis Wachs gewählt. — Obornrk. Zum Schulbezirke Obornik gehören 7331 Kinder., von denen 2113 evangelisch, 5090 katholisch und 28 jüdisch sind. . — Kiffer r. P., 4. Oktober. Nach 25jährigem Wirken an der hiesigen israelitischen Schule ist. am 1. id. M. Lehrer Behle aus -dem Schuldienst geschieden. Anläßlich.desDienstaustriltts des im Amte, vorzüglich bewährten und .von jung und alt wegen ferner trefflichen Ch>ara.kt-ereigenschaften geschätzten Lehrers fand in der Aula der Schule eine -eindrucksvolle Abschiedsifeiev statt. Nach dem Gesänge der Kinder: „Bis hierher hat uns Gott gebracht", widmeten Ortsschulmspektor Rabbiner Dr. Gelles und Schulrat May -dem Scheidenden warme Worte der Anerkennung. Auch .der erste Lehrer Cohn würdigte die verdienstreiche TätitzLeit feines Kollegen mit herzlichen Worten. Lehrer Behle gab hierauf seinem Dank für die ehrenden Würdigungen Ausdruck. Ein Gedichtvortrag und die Ueberreichung zweier wertvoller Bücher durch ein Ki.nd im Zluftrag dev Schule beschlossen die Feier. — Mögen dem verdienten Manne, der nun nach insgesamt 28^jähriger Tätigkeit in den Ruhestand Übertritt, noch recht viele Jahre ungetrübten Glückes beschieden sein. J. V. Breslau, 4. Oktober. Nachdem Herr Rabbiner Dr. H o r o - vicz als Nachfolger des verstorbenen Professor Levy zum Seminarrabbiner vom Kuratorium der Kommerzienrat Fraenkelschen Stiftung ernannt worden wiar, lag. die Notwendigkeit vor, Herrn Dr. Horovicz, der den, Talmudunterricht zu übernehmen, hatte/von anderen Fächern zu entlasten und -eine neuf Lehrkraft zu gewinnen!. DieS ist auch dem Kuratorium gelungen. Herr Dr. Jfaac H e >i n e m a n n, der in Frankfurt a. M. dem von feinem Vater Dir. Heinrich Heinemann begründeten Lyzeum bevorsteht, ist vom Kuratorium zum Sem-i.narleh.rer gewählt worden und soll sein Amt am 1. April n. I. antreten. — Herr Dr. Lewkowitz, der seit einiger Zeit am Seminar Vorlesungen über Religionsphilosophie hält, hat nunmehr vom Kuratorium seine endgültige Anstellung gefunden. München, 4. Oktober. Das Leichenbegängnis des Kommerzienrats Herrn. Niedermeyer, -eines um unsere Stadt unddie israelitische Gem,einde hochverdienten! Mannes, gestaltete sich zu einer ehrenden Trauerkundlgebung^ Mit den Angehörigen versammelten sich in der Halle Trauergäste aus allen Kreisen, besonders Vertreter der städtischen Kollegien des Armenrats und der vielen Körperschaften, die in Niedermeyer einenunermüdlichen Mitarbeiter betrauern,. Rabbiner Dr. Baerwald widmete dem Verstorbenen einen tiesenipsundenen Nachruf. Am Grabe, über dem -eine Fülle von Kranzspenden sich, zu einem mächtigen Aufbau erhobt ließen unter eh-renden WoriteniKränzs niederlegen: der Verband der liberalen Vereine, der Liberale Bezirksverein- Müncheni-Nordost, die liberale Fraktion der Armenräte Münchens, der Kreisausschuß >1, der Wohlfahrtsausschuß für. den 13. Bezirk, der Bezirkspslegeausschjuh 13a und der Turnverein Jahn. Bon den schon vor der Trauerseitzr am Sarge m-odergelegten Kranzspendenseien erwähnt die des Armenrats, des Vereins für freiwillige Armenpflege, der parteilosen Bereinigung München-Nordost und des Veteranen- und Krieger.verei.ns St. Anna. Die Beerdigung fand auf dem neuen Fri.edhos statt. Oesterreich-Angara» 2. Wrerr, 4. Oktober. Deutsche, geht nur zum deutschen Anwalt! So schrieb das Komotauer „Deutsche Bolksblat't" am 31. August: „Fast täglich erhalten wir Anfragen nach deutschen Rechtsanwälten, da unsere Leser keine jüdischen Anwälte wollen. Das ist wacker, denn gerade beim Rechtsanwalt sind deutsche Eigenschaften unerläßlich. Wohl zeigt für diesen Berus der Jude, besonders solange es sich um dialektische Gewandtheit, Sophisterei, Silbenstecherei usw. handelt, von seiner talmudischen Erziehung her, Begabung. Sein Begriffsvermögenfür das Ungesetzliche, welches er als Rechtsanwalt doch mindestens ebenso oft zu vertreten hat wie das Gegenteil, ist ungewöhnlich entwickelt, also wird er in Eigentumsfragen, aber auch bei Strafprozessen als Gegner nie zu unterschätzen sein. Aber der Rechtsanwalt ist doch nicht nur Vertreter in gerichtlichen Streitfragen, er ist doch auch vorzüglich Anwalt und Berater in tausend Fragen des bürgerlichen Lebens, wo es sich um geistige und sittliche Werte handelt, und da ist es doch geradezu verbrecherisch, sein Anliegen einer so feindlich gesinnten Person zu offenbaren. Die Scham sollte uns zurückhalten,