Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Errungenschaft für die jüdische Sache ist, wenn die türkische Regierung sich nunmehr zu dem Prinzip eines jüdischen Zentrums in Palästina auf dem Wege planmäßiger Kolonisation bekannt hat. Wir dürfen hoffen, daß -es im Verlause der weiteren Verhandlungen und in dem Maße, als die türkischen Kreise sich an die neue Pailästinapolitik gewöhnen werden-, der türkischen Regierung möglich sein wird, den Wünschen der verschiedenen jüdischen Gruppen auch nach der formellen Seite hin immer mehr Rechnung zu tragen. Berlin, 1. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte undLiteratur versendet soeben folgendes Rundschreiben: „Wir treten in den fünften Kriegswinter ein, dessen Beschwerden und Einschränkungen auch unseren Verein empfindlich treffen. Nur unter erheblichen Schwierigkeiten und bedeutenden Opfern ist es uns möglich, das Programm des Vereins durchzuführen und die Herausgabe des „Jahrbuchs" fortzusetzen. Wir erachten es für unsere Pflicht, die bewährten Ueberlieferungen des Vereins beizübehalten und angesichts der unserer Gemeinschaft bevorstehenden schweren Stürme gegen unsere Glaubensgemeinde unseren Mitgliedern denjenigen Schutz und Halt zu gewähren, den unsere Geschichte und Literatur bieten. Wir vertrauen auf die treue Anhänglichkeit der Mitglieder, die uns bisher gestützt hat und uns auch in Zukunft nicht fehlen wird. Angesichts der erheblich gesteigerten Kosten unserer Veranstaltungen richten wir an unsere Mitglieder die dringende Bitte, uns zahlreiche neue Mitglieder zuzuführen und ihren eigenen Beitrag freiwillig zu erhöhen. Es ist uns unmöglich, bei Zahlung des bisherigen Beitrages von 6 Mark jährlich das „Jahrbuch" weiter zu liefern und alle anderen bedeutenden Mehrkosten zu bestreiten. Wir bitten, den Beitrag auf mindestens 10 Mark zu erhöhen. Jedes Mitglied erhält für zwei Personen Eintrittskarten zu allen Vorträgen und außerdem unentgeltich die wertvolle literarische Gabe des gebundenen „Jahrbuchs" mit Beiträgen bedeutender Gelehrter und Schriftsteller. Im Winter 1918/19 werden im Oberlichtsaal der Philharmonie, Bernburger Straße 22/23, folgende Vorträge stattfinden: Donnerstag, den 17. Oktober 1918: Professor Dr. Ludwig Stein (Berlin): Die Juden in der neueren Philosophie unter besonderer Berücksichtigung von Hermann Cohen. Donnerstag, den 14. November 1918: Rabbiner Dr. P e r l e s (Königsberg i. Pr.): 100 Jahre Wissenschaft vom Judentum. Donnerstag, den 28. November 1918: I. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Chordirigent Arno Nadel (Berlin) unter Mitwirkung der Herren Konzertsänger Leo W e i ß m a n n und Jan C a r g h e r : Das religiöse Volkslied der Ostjuden. Donnerstag, den 12. Dezember 1918: Rabbiner Dr. L. Baeck (Berlin): Litauische Juden. Donnerstag, den 9. Januar 1919: II. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Schriftsteller Herbert Eulenberg: Die Juden und das Theater. Donnerstag, den 16. Januar 1919: Professor Dr. Julius Gol'dstein (Darmstadt): „Die Ehrfurcht". Donnerstag, den 6. Februar 1919: III. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Frau Johanna Meyer (Berlin): Rezitationen aus Arnold Zweigs Werken. 'Donnerstag, den 27. Februar 1919: Professor Dr. M. Gunkel (Gießen): Die Entstehung der Psalmen. Donnerstag, den 13. Mürz 1919: Professor Dr. Karl B a l l o d (Berlin): Palästina. L. K. Berlin, 1. Oktober. In einer Unterredung, die der Direktor des Residenztheaters, Herr Dr. Eugen Robert, jüngst mit dem Mitarbeiter eines Wiener Blattes hatte, kam Herr Dr. Robert aus die Gestaltung des' Spielplanes für die kommende Spielzeit zu sprechen und kündigte für den Fall der Genehmigung durch bie Zensurbehörde die Aufführung von Schalom Asch' „Gott der Rache" im ResidenKtheater an. Wer sich an die Uraufführung dieses Stückes, die vor 10 Jahren unter der Leitung Miax Reinhardts im Deutschen Theater stattfand, erinnert, wird die Möglichkeit, dieses Drama noch einmal aus einer Berliner Bühne zu sehen, nur mit dem tiefsten Bedauern begleiten können. Tie Handlung zeigt in ihrem Mittelpunkt einen Freudenhau sbesitzer, der «eine Thorarolle schreiben läßt, und' zeigt auch sonst so viele unangenehme, schlecht gesehene und, wie gesagt v werden muß, auch unwahrhastige Typen des östlichen Judentums, daß die Aufführung eines solchen Stückes in der gegenwärtigen Zeit -das größte Mißbehagen auslösen nruß. Es ist beinahe selbstverständlich, daß gewisse Blätter und Richtungen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen werden, um an eine -solche Aufführung Betrachtungen' anzuknüpfen, deren Sinn man ohne weiteres Vorhersagen kann. Es muß aber auch dagegen Einspruch erhoben werden, daß Gegenstände des religiösen Zeremoniells einem sensationslüsternen Publikum in Hunderten von Vorstellungen vorgeführt werden, unddiese Profanierung unserer heiligsten Gebräuche wird dadurch gewiß, nicht erträglicher, daß sie von Juden inszeniert wird. Keine Konfession wird es sich bieten lassen, daß ihre heiligen Handlungen im Rampenlichte verzerrt werden, und auch von uns Juden wird man nicht verlangen können, daß wir stillhalten, wenn ein Theaterdivektor in dieser Zeit in einer Serie von einigen hundert Vorstellungen ein Stück herausbringt, nur weil, einige ins Religiöse spielende Akte eine reichliche Sensation versprechen. Man wird 'daher wohl erwartendürfen, daß die Zensurbehörde die Genehmigung zur Aufführung versagt. er. EberÄvalde, 1. Oktober. Eine jüdische Landwirtschaftsschule vor den Toren Berlins befindet sich auf dem Messingwerk Eberswal de. dem Besitz der Familie Hirsch. Die Firma Aron Hirsch war einer der ersten Großbetriebe, welche die Lebensmittelversorgung Ihrer Arbeiter selbst in die Hand nahmen. Unter Leitung des bekannten palästinensischen Agronomen Dyk wurde ein Gutsbetrieb eingerichtet, der achtzehn jüdischen jungen Leuten die Möglichkeit zur Erlangung einer gediegenen praktischen und theoretischen landwirtschaftlichen Ausbildung bietet. Unter den Eleven befindet sich auch eine Anzahl junger Mädchen. Ter Wirtschaftsbetrieb umfaßt alle Zweige der Landwirtschaft, wie Acker- und Gartenbau, Vieh- und Kleintierzucht. Der Gutsbetrieb, der einen Umsang von 1400 Morgen hat, versorgt etwa 3000 Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten. Der jüdische Gutshof ist aber nicht die einzige, jüdische Einrichtung, die das jüdische und soziale Empfindender Herren Hirsch im Messingwerk geschaffen hat. Dem Berliner „I >ü d i s ch e n Volkshei nt" wurde ein Ferienheim für seine Zöglinge eingerichtet, das im Mai dieses Jahres eröffnet wurde. Das Heim umfaßt außer den Wirtschaftsräumen einen großen luftigen Schlafsaal und einen freundlichen Speiseraum. Hier tummeln sich die sechs- bis zwölfjährigen Insassen der Kolonie in ungebundener Freiheit in der kräftigen Landschaft, die gemeinsam mit der guten Verpflegung an den armen Kindern des dumpfen Berliner Scheunenviertels wahre Wunder tut. Das Heim zählt zwanzig Insassen, die etwa alle vier Wochen, wechseln. Freiwillige Helfer Und Helferinnen des Jüdischen Volksheims beaufsichtigen und pflegen die Kinder, deren Zeit mit Spiel und Arbeit ausgefüllt ist. Posen, 27. September. Der beim hiesigen Königlichen Hygienischen Institut bestehenden, der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten dienenden Dr.-Hirschberg-Jubiläumsstistung, begründet 1908 durch den im April d. I. verstorbenen Geheimen Sanitätsrat Herrn Dr. Hermann Hirschberg, ist am 28. August d. I., an welchem Tage der Genannte sein sechzigjähriges Doktorsubiläum hätte feiern können, von seinem Schwiegersohn, Leutnant der Landwehr Kaufmann Otto Stern, Inhaber der Firma Leopold Goldenring, Weingroßhandlung Hierselbst, ein Betrag von 1000 Mark überwiesen worden. — Ter Inhaber der Firma D. Scheret Witwe, Herr H. Loevy, feierte in diesen Tagen das Fest seiner silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlaß überreichte er dem Personal das doppelte Monatsgehalt. Außerdem bekamen sechs Witwen der früheren Angestellten, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind, fünftausend M a r k zu gleichen Teilen. — Jmmermehr bewährt sich der Wohltätigikeitssinn unter unseren jüdischen Mitbürgern. Zugunsten unserer tapferen Koloni.alkri.eger und schwergeschädigten Landsleute über See gingen fernere Spenden ein: Ostbank für Handel und Gewerbe (2. Rate) 2000 Mark, Zusammen 3000 Mark; Kommerzienrat Hamburger (2. Rate) 200 Mark, zusammen 500 Mark; Siegfried Lesfer 300 Mark, Heinrich Lewin 200 Mark. er. Breslnu, 1.Oktober. Der gute Erfolg der Breslauer Messe ist zahlreichen Kreisen unangenehm geworden. Zu den Unzufriedenen gehört auch der bekannte Antisemitenhäuptling F ritsch, der es sich von einem Leser seines „Hammer" schriftlich geben läßt, daß die Juden auch an dieser verderblichen Neuerung die Schuld haben. „Im Deutschen Reich hat sich nur wenig Freude gezeigt, daß in Breslau besondere Messen stattsinden sollen. Nach -meinem Dafürhalten wurde die Breslauer Messe vom Judentum sürs Judentum ins Leben gerufen; es lohnt sich einmal nachzuforschen, ob nicht durch die Breslauer Messe absichtlich dem Erfolg