Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 sein im Kriege, ifonbertt auch sich als sehr tapfer bewährt zu haben. In -ber vom Leutnant v. Dankeschweil verfaßten Regiment sgefchichte des 4. badischen Jnfanterileregiimentis Kaisev Friedrich III. Nr. 114 ist S. 83 — das Gefecht bei Horburg betreffend — «der Landwirt und Handelsmann Heinrich Haarburger, Gefreiter der 2. Kompagnie, „für besonders rühmliches Verhalten" erwähnt. Auf S. 167, wo die Kärnpsfe um Belfort geschildert werden, heißt es: „Folgende Unteroffiziere und Mannschaften, die schon bisher stets die ersten waren, die sich nach den größten Strapazen, in >den gefährlichsten Lagen stets freiwillig zu Patrouillen und sonstigen Unternehmungen meldeten, verdienen auch hier wieder einen Ehrenplatz einzunehmen: Unteroffiziere Eggenhofer, Stösch, Gefreiter Haarburger usw. Grstrrrrich-AnMM» 2. Budapest, 20. September. Vor einigen Tagen richtete Dr. Vazsonyi einen ziemlich scharfen Angriff gegen die klerikalantisemitische Tendenz, die sich in der letzten Zeit in Ungarn breitmache, sich den moralischen und wirt-schaWchen Boykott des Judentums zur Aufgabe mache und 'der auch die Regierung nicht fernstehe. Gegen diesen Artikel Vazsonyis schreibt der Bischof von S'tuhlweißenburg Dr. Prochaska in dem Organ der Volkspartei eine überaus heftige Antwort. Dr. Prochaska, der zu den streitbarsten Kirchenfürsten Ungarns gehört, führt in dem Artikel aus, daß die ungarische Gesellschaft zusammenstehen müsse, um der wirtschaftlichen A u s - b e u t u n g durch das Judentum vorzubeugen. Wenn die Gesellschaft sich nicht ausraffen und zusammenschließen werde, werde das Ungarland bald ein Judenland werden. Der Schreiber gibt-zu, daß das Judentum wirtschaftlich sehr stark ist, meint aber, daß es in der Nation immer eine eigene Kaste bilden werde. Der Staatssekretär im Ernährungsministerium Dr. Franz Nagy nahm diesen scharfen Artikel des Stuhlweißenburger Bischofs zum Anlaß, um gegen die konfessionelle Intoleranz Stellung zu nehmen. In dem kürzlichen Konvent des reformierten Kirchendistriktes warnte der Staatssekretär die Protestanten ausdrücklich. davor, sich den Streitigkeiten der konfessionellen Unduldsamkeit anzuschließen, die in der letzten Zeit in der antisemitischen Bewegung zutage trete. Solche Streitigkeiten seien gerade in der jetzigen «schweren Zeit sehr gefährlich. Der Staatssekretär erklärte, daß das Judentum genau so seinen Tei^l der Leiden des Krieges auf sich genommen habe wie alle anderen Schichten der Nation. Nicht die Religion fei die Scheidewand zwischen Mensch und Merffch, sondern die Vermögensverhältnifse und der Vermögensunterschied. Diese bilden eine Kluft und diese Kluft müsse durch Reformen geschlossen werden. Der Artikel Dr. Vazsonyis und des Bischofs Dr. Prychafka sowie die Rede des Staatssekretärs deuten daraus hin, daß die antisemitische Bewegung, die sich, seit Jahrzehnten nicht an die Oefsentlichkeit wagte, nunmehr in politischen Kreisen zu einer lebhaften Erörterung gelangt ist. t. fötafan, 20. September. Die Verhandlungen beim Krakauer Divisionsgericht über die Schuldigen bzw. Mitschuldigen an den letzten Ausschreitungen gegen die Juden in Krakau stellten der städtischen Polizei kein gutes Zeugnis aus. Hauptangeklagter ist Polizeikorporäl Stephan Konsiul. Oberstleutnant Ludwig M o r a w s k i, der vom Fenster der Militärkommandantur aus den Vorgängen zugeschaut hatte, sagt aus, daß sich die Polizei in höchst strafbarer Weise passiv gegen die Ruhestörer verhalten hat. Er sah, wie etwa h lindert Menschen, zumeist halbwüchsige Burschen, darunter ein Soldat und ein Legiönist, unter wüsten Beleidigungen sich plündernd aus die jüdischen Läden stürzten. Seiner Anordnung, wenigstens den Soldaten zu verhaften, wurde von der Polizei keine Folge geleistet. Hauptmann Arnold Klein vom Militärkommando sah, wie der Pöbelt einen Trambahnwagen überfiel und die jüdischen Läden plünderte, und fragte den Angeklagten Konsiul, warum er all dieses schweigend mitansche. Der Polizist zuckte mit den Achseln und deutete an, daß der Kommissär ein Einschreiten 'nicht befohlen habe. Der darauf verhörte Oberkommissär Dr. Menarowitsch erklärte aber, die Polizeibeamten feien instruiert, in solchen Fällen nicht erst einen Befehl abzuwarten, sondern sofort einzugreifen. Ms er von der Sache gewahr wurde, gab er sofort den nötigen Befehl, und zwei Polizisten genügten schon, den ganzen Haufen auseinanderzujagen. Der Vertreter der Anklage schilderte das Verhalten des Konsiul als eine grobe Dienstverletzung. Der Verteidiger führte zu seiner Entlastung an, daß die mitmachenden Soldaten auf die Anordnungen der Polizei nicht hörten. Das Gericht erkannte Stephan Konsiul für schuldig und verurteilte ihn zu fünf Monaten schweren Gefängnisses, außerdem zur Entlassung aus dem Polizeidienst und militärischen Degradierung. Weitere Gerichtsverhandlungen über Ausschreitungen in anderen Städten Galiziens stehen bevor. Koten. Z. Lodz, im September. In der letzten Sitzung beschloß die Gemeindeverwaltung, die Prüfung für Lehramtskan'didaten der juidaistischen Wissenschaften an ben jüdischen Eleme ntar schulen auf den 11., 12. und 13. September anzusetzen. Die Nachtrags liste für die Gemeindesteuer in Höhe von 45 526 Mark ist von den Behörden bestätigt. — Nach einer Verfügung des polnischen Schulinspektors ist bis zur allgemeinen Regelung über Qualifizierung uni den Zensus der Lehrer für hebräische Sprache und Religion als zuständiges Organ zur Ausstellung von Zeugnissen für die jüdischen Religionslehrer nicht der Rabbiner, .sondern die Prüfungskommission bei der Gemeinde unter Teilnahme des polnischen Schulinspektors oder seines Vertreters. — Die Abrechnung für August (Einnahme 103 820,35 Mark, Ausgabe 75 937 Mark) lvurde bestätigt. Die wichtigsten Einnahmeposten sind: Gemeindesteuer 56 752 Mark, Plätze auf dem Friedhof 14 785 Mark, in der Synagoge 5019 Mart, und anderes. Ausgaben: Gehälter des Rabbinats, der Kanzleibeamten und anderes 11810 Mark, Jnstand'- haltung des Friedhofes 13127 Mark, Unterhalt des Jrrenasyls 8547 Mark, Kostkinderpslege 2205 Mark, Unterhalt des Kinderheims der Gemeinde 5777 Mark, Unterstützungen 2745 Mark und anderes. — Das Departement für Konfessionen beim polnischen Kultusministerium richtete an die jüdische Gemeindeverwaltung die 'Aufforderung, ihr über die bei der Verwaltung bestehende Prüfungskommission für jüdische Religionstehrer Taten zuzusenden. — Der Prüfungsausschuß bei der jüdischen Gemeinde bestätigte am 11. September das von Tr. Shmchowicz ausgearbeitete Programm der Prüfung jüdischer Religionslehrer. Es werden prüfen: Oberrabbiner TreistimaN'N in Liturgie und Talmud; Tr. Brande allgemeine Grundsätze der Ethik und der Bibel; Dr. Shmchowicz hebräische Sprache und Geschichte der Inden; A. 3)t, Kaplan und T. Bialer rituelle Vorschriften; A. Goldstadt polnische Sprache. Dem Ministerium für Kultus und Unterricht wird ein Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses für 1916 zugesandt lverden. - - Der jüdische Bildungsverein hielt am 9. September seine Jahreshauptversammlung ab. Während des vorigen Jahres wurden die Abendkurse ausgebaut, eine Nachmittagsschule, Bibliothek und Lesehalle, Teeausgabestelle errichtet. — In der Volksschule der „Talmud-Thora" wurden 160 Schüler neu ausgenommen, so daß die Gesamtzahl der Schüler, die in 15 Abteilungen untergebracht sind, 810 beträgt. In diesem Schuljahr lvurde die 6. Klasse eröffnet. Die Handwerkerabteilung (Weberei und Elektromechanik) wurde von etwa 80 Schülern besucht. Don der geplanten Eröffnung einer Bauabteilung wird abgesehen werden müffert, weil nur sehr wenig Anmeldungen vorliegen. —- Ter Schul Inspektor der Stadt Lodz teilte der jüdischen Gemeinde mit, daß bei der Konzessionserteilung an Chederschulen und Bestätigung der Chederlehrer ausschließlich die Atteste der Prüfungskomimis'sion -der jüdischen Gemeinde berücksichtigt Werdern Der Schulinspektor bittet die Gemeinde, den Termin der Prüsungen feststellen zu wollen, damit die Personell, die sich um Konzessionen bemühen, entsprechende Zeugnisse erhalten. — Die jüdische Gemeindeverwaltung lvurde durch die Aufsichtsbehörden ausgesordert, genaues Material über die Pflichten der Rabbiner und über die Arbeiten der Zivilstandesämter der Gemeindeverwaltungen einzureichen. Die Materialsammlung soll im Zusammenhang nrit den Reformen stehen, die.in Kürze in dem Standesamtswesen durchgesührt lverden sollen. — Das hier erscheinende „Voltsblatt" vom 9. September dementiert nach Informationen von konrpetenter Seite die Gerüchte, daß die Gemeindelvahlen in Warschau und Lodz nicht zur bestimmten Zeit stattftnden würden und daß die Behörde für die 1. Kurie mehr als 1100 Personen mit Rabbinatszeug,nisten das Wahlrecht gegeben habe. Das Polizelpräsidi-u.nr habe als Berufu'ngsinsta'nz .alle Proteste gegen die Wähler geprüft and uiehr als 180 RabbiUlatszeugnisse. nicht anerkannt.