Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-27 · Heft 39 (27.9.1918) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229378--74344-3286833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 Von MH und Mn. Geheimer Medizi nalrat Professor Dr. I u l i u s H i r s chbe r g in Berlin, der Altmeisterder deutschen Augenärzte, beging am 18. September seinen 75. Geburtstag, .pirschberg, der aus Potsdam stamrnt, hat seine ärztliche Ausbildung tu Berlin genossen und auch die augenärztllche ^angteit in Berlin ausgeubt, zunächst als Assistent Albrecyt v. Präses, dann an seiner Augentunit, tue im nächsten Jahre ihr öchähriges Bestehen feiern kann. — Dr. Rudolf Moss e zeichnete sur die neunte Kriegsanleihe 1 500 000 Ncark, davon 500 000 Mark für die Beamtenpensronstässe der Firma Rudolf Ndosse. (Gejamtzelchnung aller Kriegsanleihen 8 6O0 000 Ntarr.) — perrn Aron V irsch, Leniorchef oer Firma Aron pirsch u. Sohn, Vorstandsuntglied der Pirsch, Kupierurrd Ntessingwerre Aktiengesellschaft, wurde der Kronenoroen zweiter Klasse verliehen. — Das Veroienstrreuz für Kriegsyilfe ist dem Geheimen Iusttzrat Alfred Kroner (Berlin), dem Apotyecer Ncartin Schrerver uno dem Bureaudlrektor denn tzansabunde und Bezirtsvorsteher XS. Pirschberg tu Berlin verliehen worden. — Dem Offizierstellvertreter pugo ücbi (Nütinhaver der Berliner Firma Grünzweig u. Schlesinger, Fabrik von Gummimänteln) wurde für Tapferkeit und Pflichttreue oas eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. — Dem m weiten Kreisen vevarcirun pofphotographen P. 'Jt o a et vn Berlin, llmcr •Uru fcui'öen, ist mm Kaiser Karl der raiseruche -und -ronigiliche pvstitel verliehen worden. — ■tie Verfügung, die die Rücrlehr der bliirlauoten f ü di sll>polnl scheu Arbeiter aus Polen rat ihre Arbeitsstellen in Deutschland verbot, ist soeben wieder auf- (»ehobeii worden. Bestehen vlerbt nach wie vor die allgemeine Verfügung, die die Reuzuiassuug von indischen Arbeitern aus Polen lmch Beiitsichland untersagt. — Aus Luaenwatde wird uns geschrieben: Bas Interesse an der Ausgestaltung und Verschöneruir^ des Gottesdienstes hat in diesem Fahre den Vorstand unserer Gemeinde veranlaßt, an den hohen Festtagen einen gemischten Ghor mitwirten zu lassen, den der verarmte C hvrieiter der bleuen Shnagoge in Berlin, Kapellmeister K e l l e r m a n n, emstudiert hatte. Die Leistungen des Chores, der aus Berliner Sängern und Sängerinnen bestand, fanden allgemeinen Beifall bei unseren Gemeindemitgliedern. — Prosessvr Dr. L a ss a r - C o h n, der bekannte Königsberger bhemiter, beging türzlich seinen 60. Geburtstag. Wie kaum ein anderer Gelehrter auf seinem Gebiete verstand es Lassar-Cohn, die Kenntnisse in der Chemie weitesten Laienkreifen zugänglich zu machen. Seine Werte „Einführung in die wissenschaftliche Chemie in leichtfaßlicher Form" und „Die Chemie im täglichen Leben" haben zahlreiche Auslagen und Uebersetzungen in fast alle modernen Sprachen erlevt. — Aus Posen wird uns geschrieben: Kriegsfreiwilliger Bizewachtmeister Leo Rotholz, Feldartillerieregiment 248, Sohn des hier verstorbenen Kaufmanns perrn Emil 'Rotholz, wurde zum Leutnant der Reserve befördert. Das Berdiensttreuz für Kriegshilse erhielt Pelztaufmann Kart R o s e n b e r g, Inhaber der hiesigen Firma A. Rosenberg. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten der Feldarzt Dr. Gorzelanczyt, Sohn des Mühlenbesitzers <yerrn Heinrich Gorzelanczyt in Samter, und der Stabsarzt Auerbach, Schwiegersohn des Kaufmanns perrn Rosenthal in Wronte. Dem Inhaber des Posener Sanitütshauses, Herrn Bernhard Fuchs, wurde das Berdieufltreu.z für Kriegshilfe verliehen-.. — Elfe Leichtent r i t t, -die betanuie Breslauer Piamflin, halle -am 10. d. Nt. Die Ehre, im Kon:gl. schloß zu, Posen vor Ihrer Kv-mgl. Hoheit der Pri-nzessin A -u g u st W t L h e l m zu spielen. Ihre Schwester %aw, rvelche der Prinzessin Klavierunterricht erteilt, hatte, wie kürzlich berichtet, in einem Wohltätigkeitskonzert nutgewirrt, das unter dem Ehrenvorsitz der Prinzessin veranstaltet wurde: — Nach plötzlicher schwerer Erkrankung jtarv am 15. d. Ni., 69 Jahre alt, Kaufmann Eduard Ebstein, der letzte der alten Zülzer Gemeinde. In jugendlichem Alter hergekomnun, hat' er, wie ihm die städtischen Gemeindebehörden Nachrufen^ durch nie ermüdenden rastlosen Fleiß sich eine allgemein geachtete Lebensstellung erworben. Von 18 92 d:s zur Auslos nng der Gemeinde Zülz und Zuteilung derselben an die Gemeinde Neustadt O.-S., war er ihr Vorstand und stand seitdem auch dieser bereitwillig bei der Verwaltung ratend und ausführend zur Seite. — Unser geschätzter, langjähriger Mitarbeiter Rabbiner Dr. Seligkvw itz in Goethen ist am 22. d. M. im Alter von 52 Jahren plötzlich verschieden. — Feldhilfsarzt Fritz Falken stein in Köln, bei einer Nkaschineiigeivehr-Scharfschützen-Abteilung, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Aus Essen (Ruhr) wird uns mitgeteilt, daß der Vize- Wachtmeister Alfred Cohn, Sohn des Herrn H. Cohn, der erst vor einigen Wochen wegen Tapferteit vor dem Feinde zum Vizewachtmeister befördert wurde, numneyr auch das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten hat. Dem Rektor G r a f in Esten wurde das Berdiensttreuz für Kriegshilse verlieyezl. — Dre in Hannover stattfindende Tagung des Gesa m t v o r sta n d e s d e s A l l d e u t s ch e n Verbandes hat reme ösfentliche Erörterung der Iudenfrage gebracht. Der Verbandsovrsitzende, Justizrat Claß, teilte lediglich mit, daß der geschäftsführende Ausschuß des Auoeutschen Verbandes die Stellungnahme des Verbandes zur Judenfrage eingehend prüfen und dann in der nächsten Borstandssitzung Vorschläge unterbreiten weroe. — Der „Jüdischen Presse" wird aus Frantfurt a. Nt. geschrieben: Nachdem der seit einiger Zeit beftehenoe konservative Reugwnsunterricht in der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) so rege Deilnahme gezeitigt hat, soll nunmehr auch m dem dieser Anstalt angeglieoerten Lyzeum die gleiche Einrichtung getroffen werden. Im wmmenoen Wrmerhalbfahre mzo oerens tn der Unterstufe oer Ncädchenabteilung, vom neuen ^chuhayre an sodann in allen Klassen oes Lyzeums ern dem Anstaltsunterricht parauel laufender, gesonderter ergiebiger Religionsunterricht für die Kinder konservativ gesinnter Eitern erteilt werden. Die innere Leitung und Beaufsichugung des Unterrichts liegt in den Händen des Rabbiners Dr. N o b e l. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die Spendenerngänge des Jüdischen Nationalfonds im August 1VU8 betragen 2 29 195 Francs. Die Beitrüge der einzelnen Länder stellen sich wie folgt: Oesterreich 12/368 Kronen, Polen und Litauen: deutsches vej-eßtes Gebiet 50 354 Mart, österreichisches besetztes Geviet 19 090 Kronen, Vwrdamerika 8400 Dollar, Argentinien r/48o Pesos, Deutschland 15 393 Ntart, England 473..^.0 Psund Sterling, Bulgarien 8248 Levas, Italien 7449 Lire, Südslawische Länder 9538 Kronen, Schweiz 3r76 Francs, Holland 720 Gulden, Griechenland 58 Pfund Sterling, Portugal 451,15 Gulden, ^-chiveden 594 Kronen, Aorwegen 158 Kronen, Rumänien 110 Ncart, Franrreich 95 Francs, Belgien 83 Francs. — Die österreichische Hilfswmmisston sur Palästina erläßt, wie das Jüdische Korrespondenzdureau :m Haag berichtet, foigenoen Aufruf: „Dias Eilend -in P>alllstilN-a hillt s-eiinen Gipfel erreicht. S>afed^ allein zählt über 500 Kriegswaisen. Die hilflosen Kleinen sind ohne Brot, ohne Kleidung, ohne Obdach. Tausende von Evakuierten aus den Gebieten Palästinas, die von der Entente besetzt sind, haben die ms Grenzenlose gesteigert. Verheerende Krankheiten wüten. Kein einziger Arzt ist zur Stelle." — Der rumänische Ministerrat hat ein Reglement für die Anwendung des Einbürgerungsgesetz-es der Judeii genehmigt. Das Gesetz trat am 14. September rn Kraft. — Bei einem Frühstück zu Ehren einiger Angehörigen des jüdischen Regiments, bei dem Lord Ro t h s-chi ld den Vorsitz führte, ertiärte Sir Adolf Tuck, daß zurzeit etwa 50000 Juden an der Mestsront kämpfen. Im ganzen dienen 60 000 bis 70 000 Juden, einschließlich der Kolonialtruppen angehörenden, im -englischen Heere. — Der ermordete Volkskommissar für innere Angelegenheiten Nioses Salomono-witsch U r i z t i (1873 geboren) entstammte Nekrologen der neuen russischen Zeitungen zufolge einer ärmlichen jüdischen Gelehrtenfamilie im Kiewer Gouvernement; seine Kindheit war dem eifrigen Studium des Talmud gewidmet, ^latürlich fehlte ihm nicht der „revolutionäre Zensus" sämtlicher jetziger Niachthaber Rußlands, d. h. er wurde, als er nach Absolvierung der juridischen Fakultät der Kiewer Universität zum Ntilitärdienst einberusen worden war, bereits drei Tage nach dem Eintritt ins Regiment wegen Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei nach Sibirien verschickt, oni Revoluuonsjahr 1905 wurde er befreit, 1906 aber auss neue verschickt, und nur krankheitshalber wurde ihm die Auswanderung nach Deutschland gestattet, wo er die Zeit bis zur letzten Revolution verbrachte. — Im Namen von 8000 amerikanischen Juden wurde dein Oberrichter der Vereinigten Staaten, dem bekannten Zionistenführer Louis D. Brandeis, gelegentlich seines 60. Geburtstages ein Fonds von 8000 Dollar für jüdische Zwecke zur Verfügung gestellt. Vrandeis bestimmte den Betrag zum Ankauf von Aktien der Jüdischen Kolonialbank, die er der Jüdischen Universität in Jerusalem schenkte. Er fügte 2500 Aktien hinzu, die er selbst gekauft hatte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.