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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-27 · Heft 39 (27.9.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 27. September 1918 82. Jahrgang Nr. 39 Der Oemeircketzote. Beils»« zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrrspondm?m und Nachrichten. Skutschlsnd. Berlin, 24. September. Der Verband der Deutschen Juden hat, wie erinnerlich, in einer Eingabe vom 27. Januar d. I. dem Abgeordnetenhaus den Antrag unterbreitet, daß in dem Gesetz über die Zusammensetzung -des Herrenhauses eine Vertretung des Judentums -durch Vorschlags-recht festgelegt werde; die Regierung hatte -lediglich eine Berufung, auf Grund königlichen Ver^auens versprochen, während die evangelische und katholische Kirche ihre Vertreter auf Grund -von Präsentation in die Erste preußische Kammer entsenden sollen. Da das Abgeordnetenhaus dem Antrag nicht stattgegeben hat, haben der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund Eingaben an das Herrenhaus, das Abgeordnetenhaus und das Preußische Staatsministerium gerichtet, die die Petition des Verbandes der Deutschen Juden unterstützen sollen. In der Eingabe des Zentralvereins heißt es, daß der Verein einer Gewissenspflicht folge, wenn er in letzter Stunde seine Stimme erhebe, um den Antrag des Verbandes der Deutschen Juden zu unterstützen. „Unter unseren Glaubensgenossen herrscht eine berechtigte Erregung über die Behandlung der jüdischen Glaubensgemeinschaft in den Beratungen und Entschließungen des Abgeordnetenhauses,. Mit Recht gewählt die Gesetzesvorlage den Mächten des religiösen Lebens, ein Vorschlagsirecht für das Herrenhaus. Hierbei darf die jüdische Glaubensgemeinschaft, die Mutter aller Kulturreligionen, nicht unbeachtet bleiben. Es ist nicht ausreichend und entspricht nicht der Bedeutung der jüdischen Glaubensgemeinschaft, wenn die Königliche Staatsregierung die Berufung von Juden kraft königlichen Vertrauens in das Herrenhaus in Aussicht gestellt hat. Die jüdische Glaubensgemeinschaft muß in dem Gesetz als vollberechtigte Macht des religiösen Lebens anerkannt werden." Unabhängig davon, daß zurzeit kein einheitlicher Vorschlagskörper für die jüdische Glaubensgemeinschaft bestehe, müsse schon jetzt im Gesetz das Vorschlag,srecht festgelegt werden. — In der Eingabe des D e u t s> ch - I s r a e l i t i s ch e n G e m e i n d e b u n d e s, de r 1122 Gemeinden, darunter 733 preußische, also rund neun Zehntel der preußischen Juden umfaßt, wird ausgeführt: „Hier handelt es sich um ein Grundgesetz des preußischen Staates, um die verfassungsmäßige Festlegung der Rechte der verschiedenen Bekenntnisse für ewige Zeiten. Hier darf schon aus grundsätzlichen Erwägungen, aus dem einfachen Gebote der Gerechtigkeit heraus, wenn die Mächte des religiösen Lebens, die auf eine gesetzliche Vertretung Anspruch haben sollen, genannt werden, die jüdische Religionsgemeinschaft nicht ausgejchal-tet werden. Bloße Erklärungen der Königlichen Staatsregierung, jo dankenswert diese an sich auch sein mögen, bieten keine Gewähr für die Zukunft, und die Vertröstung der jüdischen Religionsgemeinschaft hierauf bietet keinen Ersatz für eine gesetzliche Vertretung." jfr. # Berlin, 2 4. September. Die I ü d i ft ch e R e s o r m g em e i n d e plant einen Ausbau ihres neu eingerichteten V o r l e s u n g sw e s e n s. Bereits im verflossenen Winter haben die drei Prediger der Reformgemeinde Vorlesungen im Charlottenburger Logenhaus in der Joachimsthaler Straße abgehalten. Für den kommenden Winter ist eine Erweiterung dieser Einrichtung in der Art geplant, daß die drei Prediger neben den bisherigen Vorträgen über religiöse Streitfragen vom Standpunkte des liberalen Judentums auch Unterrichtskurse über Stoffe aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte und Literatur veranstalten werden. — D ie Festst nd achten a n den hohen Feiertagen! waren sehr zahlreich besucht, sowohl das Gotteshaus in -der Johannisstraße wie der Gottesdienst, der wiederum im Bechsteiw-Saal abgehabten w ur de. Am zweiten Neujahr s - tage gelangte -eine neue Liturgie zur Einführung. Durch diese Neulerung soll vermieden werden, daß am zweiten Feiertage tdieselben Gebiete gesprochen -werden wie -am Vortage. Die Liturgie wurde allen Besuchern des Gottesdienstes unentgeltlich zur Verfügung gestellt. E. M. Berlin, 2 4. Septembe r. Der I ü d is -ch e F r >au e n b u n g h-at d-ie Schu,lfürsorgearbei-t, welche -i.m vorigen Jahre in den verdien Mittelschulen der- Gemeinde begründet wurde, auch auf b-i-e Religi-onsschulen der Gemeinde -ausgedehnt. Trotzdem noch, gewisse Ansangsschwierigkeiten bestehen, ist zu erwarten, daß im Zusammengehen mit der Lehrerschaft durch geschlossene, stetige Bemühung das Ziel, der Verwilderung und- Verwahrlosung, der Schuljugend vorzubeugen, erreicht werden wird. An die Schulpflege schließt sich die Berufsberatung für die zu -entlassenden Schüler und Schülerinnen an, die von einem Vorstandsmitgliede des Frauenbundes ausgeübt wird. Eines der wichtigsten Arbeirsgebiete des Fvaiuenbundes bildet die V e r s i ch e r u n-g s k a s s e z.u r Förder ung der Frühehe. Hier ist eine erfreuliche Enrwicklung zu verzeichnen; während das Jahr 1917 mir einem Endergebnis von 48 Mark Wochenprämien abschloß, betragen die wöchenrlichen Versicherungsbeiträge gegenwärtig bereits über 503 Mark. In Berlinallein ila-uien letzt etwa 260 Versicherungen mit säst 300 Mark Woch-enprämie. Liese Beil ragszahlen beweisen, daß die soziale Idee, die der Frühehelasse zugrunde liegt, gerade in den mi'nderbemitttelten Kreisen, für die sie ja in der Haup t jache bestimmt ist, Anklang und Berstänonis sindet. Ulrich in anderen deutschen Sitädti.n wird für die Frühehekasse eifrig mit Erfolg geworben, so bestehen z. B. in Frankfurt a. M. 57, in Hannover 107, in Kattowitz 43, in Bochum 22, in Elberfeld 10, in Barmen 8, in Essen 14 Versicherungen. Die Beitragsbe11imin.urigen schwanken in den einzelnen Orlen, die gröhre Zahl voli Abschlüssen in den nnnderbemittelten Bevö-lterungsschicyien hat jedenfalls die Berliner Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes zu verzeichnen. E. M. Berlin, 24. September. Las Ja s fasche Fürsorgeu n d W a i s e n h e i m der G r o tz l o g e für Deut s ch l a li d 11. O. B. B. versendet -soeben deri sechsten Rechenjchaslsbericht, welcher die Jahre 1914 bis- April 1918 umfaßt. Ans deri beachtenswerten Ziffern des Berichtes entnehmen wrr folgende Angaben: Das Heim wendet seine Sorgfalt -allen armen jüdischen Waisen und erziehungsbedürftigen Kindern zu, gleichgültig., ob dieselben innerhalb des Deutschen Reiches orer außerhalb unserer engeren Heimat geboren sind, gleichgültig auch, ob die Kinder -ehul-ich oder unehelich smd. Mit Stolz darf die Ans!alt aus die Erziehungse-rfolge an ihren Zöglingen zurück-blicken, deren geistigem iinokörperlichem Gedeihen sre -die größ-re Sorgfalt zugewenoek hat. Seit Eröffnung, des Heims befanden sich in demselben 44 Zöglinge, und zwar 24 Mädchen -und 20 Knaben. 23 Kinder sind nach zurüctgelegter Schulzeit entlassen worden. Dieselben haben sich g-rvß'.enieils tausmännisch-en B-erustu zugewandt. Der Gesundheitszuslano der Kinder war dank der gesunden Wohnverhältnisse, einer ran-onellln Ernährung und häufigen Aufenthalts im Freien durchschnittlich ein vortrefflicher. Jedeui Kind wird mit dein 18. Lebensjahr ein Spartassenbuch mit aus den Lebensweg gegeben, welches den Grundstock für seine wirtschaftliche Ertüchtigung -legen soll. %a&) der Entlassung aus der Anstalt sorgt der Verein ehemaliger Zöglinge des Jafsaschen Fürsorge- und Waijenheims für ständigen Kontakt mit dem Heim, welches so die Stelle des Elternhauses vertritt. Zurzeit befinden sich vier ehemalige Zöglinge unter den Fahnen, einer hak den Heldentod erlitten. Tie Anstalt wird geleitet von Herrn Dr. Grünthal. Dem Kuratorium sicht eine Reihe von Ehrendamen zur Seite. Die allgemeine Teuerung hat natürlich -auch nach der finanziellen Seite hin der Verwaltung große Anforderungen -auferlegt, und sind die Einnahmen hinter den Ausgaben erheblich zurückgeblieben. Der Rechnungsäbfchluß ergab infolgedessen in den letzten Jahren einen Fehlbetrag. W. Posen, 20. September. Nach langem Leiden verschied hier Herr Hans Schesstel. Der Posener Turnerbund verliert in dem Entschlafenen einen treuen, stets opferbereiten Freund der Bereinsbestrebungen, der während vieler Jahre -als Vorstandsmitglied durch seinen klaren Verstand und seine liebenswürdige Art dem Verein sehr wertvolle Dienste geleistet hat. In Freud und Leid war er namentlich seinen jüngeren Freunden stets ein

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