Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 468 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Unwahrheit zu beginnen? Sie fuhr zusammen, als sie ein leises» Pochen an der Tür vernahm. Das Stubenmädchen brachte ihr einen Brief. „Von Ellen!" rief sie freudig überrascht, als sie die Handschrift erkannt. Der Inhalt war kurz, aber in einem freundlichen Ton gehalten. Ellen teilte ihr mit, daß sie von ihrer Reise heimgekehrt, und da das Haus auch schon so weit hergerichtet wäre, lkin Gäste aufnehmen zu können, bitte sie Mice um ihren baldigen Besuch, damit sie Gelegenheit habe, all die Herrlichkeiten des jungen Ehepaares zu bewundern. Vielleicht daß Julius sich der Mühe unterziehe, sie nach der Wildnis dieses Stadtteiles zu begleiten. Alice studierte aufmerksam diese Zeilen, besonders-die letzte Bemerkung über einen Begleiter. Sie antwortete, daß sie am nächsten Montag kommen werde, hinzufügend, daß außer Julius jetzt noch ein anderer, Adolph Burger, vorhanden sei, dem das Recht der Begleitung zustehe, daß sie daher beide Herren mitbringen werde. 12. „Dieses Wer, Alwe. nt mein ureigenstes -Heiligtum. Das ist amuf»in, nfter ick> babe es dockt fertigaebracht, dielen t’v,HTi(fv’n Winkel kur meinen eioenen Gebrauch zu erraf’"vn. Rack, Aussaae deiner Mutter batte ich ia sckion für tacken und Winkel von über eine besondere Vorliebe." sprach Elte,, l-cberrend und fubr dann wieder mit webr Ernst fort: ..Wirwollen bier einige Minuten verweilen. Die Männer werden es ia b°areitlich finden, dasi wir nach so lancier Trennungszeit uns viel mitzuteilen haben. Sind es nicht schon volle acht Wochen?" ..Jawohl," erwiderte Mice, ihre Hände in Ellens schiebend. ..Bis jetzt war es für uns wohl die längste Trennung. Wir ivaren auch auf dem Lande ..." ,.Jch weiß es." fiel Ellen ein. ..Als ich gleich nach unserer Rückkehr Onkel und Tante besuchte, wollte ich natürlich auch zu dir gehen, aber ich fand euer -Haus verschlossen." „Wir wären auch jetzt noch dort, nur weil ..." „Weil es sich doch leicht denken labt. daß du zuwückkehren mußtest, um einen -gewissen Jemand bei seiner Rückkehr ans Afrika zu erwarten. Ist es nicht so. Alice?" Liebevoll legte sie ihren Arm um den Hals der Freundin. „Meine Mutter glaubte, daß er nach der langen Abwesenheit wohl manches Wichtige in der Stadt zu erledigen haben werde, und darum wollten wir ihn nicht aufs Land binans bemühen." Alice sprach es leicht hin, mit einem Schimmer von Lächeln aus den Lippen. Ellen freilich sah nur das Lächeln, nicht aber die Mühe, die es der Sprecherin hervorzubringen verursachte. „Siehst du, Mice, sagte ich dir nicht gleich, daß es so enden würde? Ich finde es auch begreiflich, daß seine.Gefühle für dich schneller vereist sind als deine für ihn. Du weißt doch, daß ein Geschäftsmann nicht so viel Zeit hat. über leine Empfindungen nachzugrübeln, wie wir Mädchen. Alice, du kannst es dir nicht denken, wie froh ich darüber bin." „Ich danke dir für deine Freundlichkeit," erwiderte die andere mechanisch, während ihr Gesicht noch immer das geisterhafte Lächeln beibehielt. „Ich bin aus mehr als einem Grunde froh darüber." wiederholte die junge Frau mit einer gewissen Befangenheit. „Ich war eigentlich recht töricht und kindisch, und du hättest alle Ursache, mir darüber zu zürnen. Ich hatte nämlich einen ganz, ganz kleinen Schatten von Verdacht — da du doch — Artur schon längere Zeit vorher kanntest und — und — aber -Herr Burger -ist ja der beste Beweis, daß ich mich ans einer falschen Fährte befand." Jetzt endlich schwand das Lächeln von Alices Gesicht, und sie sprach voller Spannung: „Ellen, du tust so, als wolltest du dein Gewissen über etwas beschwichtigen." „Du irrst. Es geschieht nur, um meinen Stolz zu «demütigen. Ich glaube, daß dieses 'bei allen jungen Frauen, besonders in der ersten Zeit nach ihrer Hochzeit, der Fall ist, weil sie sich einbilden, das jedes Mädchen, das -ihren Mann früher gekannt, sterblich verliebt in ihn sein müßte. Oder würdest du eine Ausnahme davon machen?" „Ganz gewiß nicht," sprach Mice und -bemühte sich, den leichten Ton der Freundin nachzuahmen. „Ich -bin -doch viel zu unbedeutend und langweilig, um in irgendeiner Art eine Ausnahme zu bilden. Uebrigens glaubte ich doch, deinen Verdacht schon längst beseitigt zu haben." „Wann denn?" „An dem Abend, bevor Herr Klaßn-er dich um deine Hand gebeten." „Das mag sein. Aber es war doch ein so aufregender Abend für mich, daß -ich alles andere vergaß." „Da hatte ich nachher Gelegenheit, mit deinem Gatten längere Zeit mich zu unterhalten." „Bei welcher Gelegenheit du ihn-natürlich hast g-anz gehörig abfallen lassen. Eigentlich müßte ich darüber böse sein," -lachte Ellen. „Wie konntest -du dich auch unterstehen und meinem Gatten einen Korb geben!" (Fortsetzung folgt.) Sudkoth. Von. S. A s ch n e r. ls wenn Engel niederglitten. So füll isks in der Welt. Wir sind in den Lauberhütten, Von der winkenden Myrt' umstellt. Durch liebend umschlungne Ranken Sickert und rieselt das Licht. Sonnig strahlen die Gedanken, Und die innere Seele spricht. Wir blättern in der Bibel, Erklären uns Bild nach Bild. Wie klingend aus Jakobs Brunnen Das himmlische Labsal quillt! Den alten, lieben Geschichten Lauschest du sinnend zu. Der Sinn von ihren Berichten Ist himmlische, heilige Ruh. Unsichtbar sie umzittert Der Legende Glorienschein. Ins Wunder geistumwittert Wandeln wir mitten hinein. Wandeln liebumschlungen Durch die Unendlichkeit, Sind nur von Gott umklungen * Und von der alten Zeit. Wie küßt die flimmernden Seiten Die Sonne andachtsfromm! — Aus deinen himmlischen Weiten Segnender Frieden, komm! Breit' du um uns deine Hütte, Spann' du um uns dein Gezelt, Daß sie liebreich uns ewig umhüte Vor allen Fährden der Welt; Stärk uns und siegend verteidige Vor Sünde, Schuld und Fehl, Der unsre Becher füllt übervoll Und unser Haupt salbt mit Oel!