Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sähen veröffentlichte er: „Ueber den Ursprung der Sadokäer und Boöthosäer", die zweite Ordnung der Mischna (Moöd) mit deutscher Uebersetzung. und Erklärung, „Maimunis Neumondsberechnung" (4 Teile), Maimunis arabischen Kommentar zu Abot, „Maimonides als Chronologe und Astronom", „Bemerkungen zu Sefer >Schaaschuim", Vevbefferungen und Berichtungen zu Tibbons Uebersetzung des KitLb es- SirLdsch zu Abot, „Der Sederabend", „Das Hohelied". Srr spolosetilche Lurlus. Von Bernhard TraubenLerg. as Judentum war vogelfrei, herrenloses Gut, an dem jeder - nach Herzenslust fein Mütchen kühlen durfte-, es niar nur zu oft Gegenstand schmähsüchtiger Wutausbrüche und es gab keine Instanz, die einen geordneten und planmäßig entworfenen Feldzug gegen diese Bösartigkeit und Gehässigkeit hätte führen können. „Da trat ,der „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben" auf den Plan. Seine offen ausgesprochene Absicht war, den verleumderischen Angriffen und ebenso grundals gewissenlosen Anklagen und Beschuldigungen einen Damm entgegenzusetzen und den heftigen Angriffen mit energischer Abwehr zu begegnen. Zugleich sollte durch den kräftig betonten Willen zur Selbstbehauptung der Beweis für die eigene Achtungs- Würdigkeit erbracht werden. Man mußte den erwerbswie den gefühlsmäßigen Ehrabschneidern, sei es der Juden, sei es des Judentums, mit Nachdruck zu Gemüte führen, daß es so etwas wie eine Verantwortlichkeit in der Welt gebe. Wer aber kraft seiner dehnungsfähigen inneren Verfassung eine moralische Verantwortlichkeit nicht kennt oder anerkennt, sollte erfahren, daß es gesetzliche Schwanken gibt, die man respektieren muß, wenn die Schranken des eigenen Gewissens hierzu nicht mehr ausreichen. Diese Erkenntnis zu verbreiten und zu vertiefen, den einzelnen Uebergrifsen und strafbaren oder doch moralisch verdammenswerten Handlungen entgegenzutreten, war und ist der Lebens- und Daseinszweck des Zentralvereins. Er erfüllt diese Aufgabe mit immer größerer Zustimmung und Unterstützung der deutschen Juden, sowohl der Einzelpersonen wie der Gemeinden, Verbände und Organisationen. Er schützt die jüdische Religion, ihre Einrichtungen und die Gesamtheit, wo eine gesetzliche öder ethische Handhabe immer vorhanden ist, und bildet eine starke Mauer um uns. Viele Verfolgte, Verlästerte, Zurückgefetzte und ihres Judentums 463 - wegen in den Hintergrund Gedrängte haben sein Eingreifen zu ihrem Vorteil zu spüren bekommen. Aber täuschen wir uns nicht! Wir zwingen in manchen Fällen unsere Feinde zu vermehrter Vorsicht und zu größerer Zurückhaltung, und nicht selten findet begangenes Unrecht seine Sühne; an dem Geiste aber, der diesen feindseligen Handlungen und Bestrebungen zugrunde liegt, wird darnit nicht das geringste geändert. Und wie sollte dies bei den echten Antisemiten, die nur ihren fanatischen Instinkten folgen und immer tiefer sich in diese verbeißen, auch gelingen? Die Unnatur des Hasses ist bei den Rasse- und Blutschnüffelantisemiten zur zweiten Natur und zu einer elementaren Kraft geworden, zu deren Entwurzelung mehr als Menschenstärke gehört. Wie will man ihren Haß sittigen und sänftigen, ihren unbeugsamen Vernichtungswillen gegen das Judentum brechen und ihnen Sympathie oder doch das Gefühl für Gerechtigkeit gegen das Judentum einflößen, wenn sie den Eigensinn, die Unbelehrbarkeit in diesen Dingen zum obersten Prinzip erheben und starr an ihren Dogmen festhalten? Nein, die unentwegten Antisemiten können nicht gebessert werden. Und doch gehen wir über die nächsten Ziele des Zentralvereins und seine notwendigen und oft unerquicklichen Erfordernisse hinaus und wollen moralische Eroberungen machen. Wir wollen Belehrung und Aufklärung über das Judentum verbreiten, mit den Fabeln und Märchen, mit denen noch weite Kreise ihren Wissens- Hunger auf diesem Gebiete befriedigen, aufräumen, - Vorurteile beseitigen, die falschen Anschauungen berichtigen und unsere Religion auch in den Augen der Nichtjuden zu dem Range erheben, der ihr noch heute als Kulturmacht zukommt. Hierbei können wir natürlich von den reinen Antisemiten, die lieber in den Tod gehen als umlernen würden, absehen und unsere Aufmerksamkeit vielmehr jenen gebildeten und ungebildeten Massen zuwenden, die zwar nicht verbohrt und fanatisch verblendet und auch ohne eigentliche Haßgefühle, dennoch nach und nach antisemitischen Einflüssen und Einflüsterungen erliegen und ihrer bewußten und unbewußten Abneigung gegen die Juden nicht Herr werden können. Hier gilt es, neuen Ansteckungsstoss sernzuhalten, mit dem die Luft erfüllt ist, und den Einfluß einer oft verderblichen Erziehung, Literatur und verlogenen Presse zu durchkreuzen und 31t besiegen. Wer strebend sich bemüht und nach Wahrheit lechzt, den können wir erlösen, auch wenn er sich zunächst mit grundfalschen und verbesserungsbedürftigen Anschauungen vollgesogen hat. Den Schlägen gesunder Logik und der reinen Dozent Dr. E. Baneth.