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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-27 · Heft 39 (27.9.1918) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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461 Sir Mache. Berlin - 24. September 1918. as Hauptereig-nis der Berichtswoche ist die schon in der vorigen Uebersickst kurz erwähnte österreichische Note, die durch den spanischen Gesandten den Ententemächten überreicht worden ist. Sie lädt die Feinde zu direkten Unterhandlungen ein. Wir wir von vornherein fürchteten, hat sie nicht den mindesten Erfolg gehabt. Der Standpunkt, auf dem wir und unsere Verbündeten stehen: keine Annexionen und keine Entschädigungen, aber Rückgabe unserer Kolonien und völlige Erhaltung unseres Besitzstandes vor dem Kriege — ein Standpunkt, der auch in den Reden unseres Kaisers, der Herren Sols und v. Payer festgehalten worden ist—, weicht so sehr von dem Verlangen unserer Feinde ab. die die Wiederherstellung Belgiens und Serbiens verlangen und außerdem eine Demütigung, wenn nicht Vernichtung Deutschlands begehren, daß eine Verständigung ganz unmöglich ist. Vergebens mahnen die Neutralen, ein solches Friedensangebot ernst zu nehmen; es ist leider nur zu gewiß, daß unsere Feinde, zumal sie sich augenblicklich als Sieger wähnen, diese ernstgemeinte Aufforderung, die sie zwar zu prüfen versprechen, unbedingt ablehnen werden. Als schlimmster Feind zeigt sich Amerika. Es besteht auf seinen vom Präsidenten Wilson schon vor Jahren formulierten Bedingungen, unter denen die verausgabe von Elsaß-Lothringen figuriert und eine Reihe so sckmählicher Forderungen formuliert wird, daß an eine Einwilligung Deutschlands in keiner Weise gedacht werden kann. In ähnlicher Art sprechen England und Frankreich. Das' letztere Land prahlt geradezu, es werde dem besiegten Deutschland den Frieden diktieren. Man kann den österreichischen Versuch nur bedauern, statt sich darüber zu freuen. Man muß ihn um so mehr bedauern, als er, zwar mit Vorwissen der deutschen Reichsregierung, wenn diese auch vielleicht die definitive Fassung nicht gekannt bat. geschehen ist, ohne daß die deutschen parlamentarischen Körperschaften davon Kunde hatten. Das deutsche Volk, in leinen offiziellen Vertretern, hat ein Anrecht darauf, in allen Fragen, die das Wohl des deutschen Volkes betreffen, gehört zu werden. Es ziemt sich nicht, daß es überrascht werde, selbst durch gutgemeinte Vorschläge unserer Bundesgenoffen. Der Fehlschlag dieser von den Gegnern höhnisch „Friedensoffensive" genannten Anstrengungen ist sehr traurig. Es bleibt nur übrig, den beständig mit großer Gewalt, mit einer ganz unerwarteten Hartnäckigkeit erfolgenden Angriffen der Feinde standzuhalten. Nach den neuesten Berichten unserer Obersten Heeresleitung wird von unseren Truppen Heroisches geleistet. Verluste werden nicht verschleiert, freilich auch die übertriebenen Siegesberichte der Feinde auf ihr rechtes Maß zurückgeführt. Es ist aufs innigste zu wünschen, daß wir die Stellungen innehalten, die nur einnehmen; sa es ist sehnlich zu -hoffen, daß es uns bald gegönnt sei. durch einen gewaltigen Schlag die grimmigen und unbelehrbaren Gegner zu überzeugen, daß deutsche Kraft und deutscher Siegeswille ungebrochen sind. Nicht wir predigen Gewalt; aber gegen die uns geübte Gewalt nutzen keine Worte, gegen sie helfen nur Taten. Die Daheimgebliebenen haben aber wieder Gelegenheit, stch auch ihrerseits in einer Tat zu üben. Zur Zeichnung der neunten Kriegsanleihe wird aufgerufen. Gerade in der schweren Epoche, die wir durchleben, muß unseren herrlichen Truppen bewiesen werden, daß wir bereit sind, auch unserseits uns an dem Befreiungskämpfe zu beteiligen. Den im Siegestaumel frohlockenden Feinden muß gezeigt werden, daß in Deutschland derungebrochene feste Wille besteht, die Mttel. zur weiteren Kriegführung aufzubringen. Nicht bloß die, die durch den Krieg reich geworden sind, sondern jeder einzelne muß den Ruf zur Zeichnung als an sich gerichtet betrachten. Jede der vorausgegangenen Kriegsanleihen war ein Heimatssieg; zeigen wir aufs neue, daß wir bereit sind, die Mittel zu beschaffen, die dazu dienen sollen, uns den Sieg zu verschaffen und dadurch den Frieden herbeizuführen. '*■ Wir erhalten von dem Verwaltungsches beim Gouvernement Warschau, Presfeabteilung, folgende Erklärung, die wir unseren Lesern mitzuteilen uns beeilen. In einem Artikel der „Jüdischen Rundschau" vom 23.August 1918 ist u. a. die Behauptung aufgestellt, daß jüdische Rückwanderer nicht nach Polen zurückgelassen werden. Diese Behauptung ist unrichtig. Alle Personen, die vor dem Kriege ihren Wohnsitz im Generalgouvernement Warschau hatten, dürfen, von ganz -besonderen Einzelfällen abgesehen, in ihre -alten Wohnsitze zurückkehren. Unterschiede, die auf der Konfession oder Nationalität -der Rückwanderer beruhen, dürfen nickt aemacht werden. Es sind auch schon in sehr großer Anzahl Juden, die während des Krieges ausgewandert oder von den Russen vertrieben worden waren, in ihre alten Wohnsitze zurückgekehrt. Auch das polnische Ministerium des Innern hat auf eine Anfrage -erklärt, daß die von ihm ernannten Rückwandererkommissare keinerlei Untersckied nach Konfession oder Nationalität machen dürfen. Die Rückwanderer müff-en vor -dem Ueberschreiten der Grenze wegen Seuckengefabr einige Zeit in einem Quarantänelager zubringen. Falls die Aufnahmefähigkeit eines einzelnen Quarantänelagers zur Aufnahme der angekommenen Rückwanderer nicht ausreicht, ist bestimmt, daß zunächst Landwirte, dann die Intelligenz, mit besonderer Bevorzugung der Aerzte. sodann Witwen und Waisen vor allem in das Ouarantänelaaer ausgenommen werden sollen. Es müssen selbstverständlich bei der Organisation der Rückwanderung die wirtschaftlicken -Bedürfnisse des Landes berückiicktiat werden. Es mag sein, daß, wenn in Einzelfällen, bei besonderem Andrang, die Aufnahme in ein Ouarantänelager in der oben geschilderten Reihenfolge erfolgen mußte, bei den nickt Landwirtschaft treibenden iüdischen Rückwandevern Mißstimmungen und falscke Vorstellungen entstanden sind. Es beweist aber die große Zahl der iüdiscken Rückwanderer, daß bei der Rückwanderung in das Generalgouvernement Warschau konfessionelle Unterschiede nicht gemacht werden. Wenn Zweifel entstehen, ob Rückwanderer vor dem Kriege in Polen ihren Wohnsitz hatten, dann werden die Gesuche durch die zuständigen Stellen in Warschau geprüft. Auf Grund -dieser Prüfuna ist -ebenfalls einer großer Zahl von jüdischen Personen die Rückwanderung gestattet worden Andererseits kann aus begreiflichen Gründen Personen, die vor dem Kriege ihren Wohnsitz im Generalgouvernement Warschau nicht hatten, die Rückvanderung nickt gestattet werden, gleichgültig, welcher Konfession sie angehören. Vorstehende Erklärung, die mir infolge einer Reise erst am 20., September zug-ekommen ist, hat leider sehr lange auf sich warten lassen. Sie ist derart gefaßt, daß man -hoffen darf, die Rückwanderung der Juden nach Polen werde sich ungehindert vollziehen. Wir haben daher einstweilen keine Veranlassung, ans die Angelegenheit weiter einzugehen, werden aber die Sache im Auge behalten und die Aeußerungen jüdischer Blätter beackten, die zuerst -die Aufsehen erregenden Meldungen gebracht hab/n. Der Presseabteilung des Generalgouvernements Warschau wollen wir den Dank für die Aufklärung nicht vor-i enthalten, '

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