Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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460 redaktionelle Mitwirkung der Herausgeber nötig war, um diese wenigen Bogen, die nötige Grundlage für eine wissenschaftliche Durchforschung der mittelalterlicyen Geschichte, herzustellen. (Gerade da ich diese Zeilen schreibe, kommt mir eine Würdigung des genannten Werkes in der „Frankfurter Zeitung", Literaturbtatt vom 8. September, zu, die der Wichtigkeit der Arbeit gerecht zu werden versucht.) Ich habe es für meine Pflicht gehalten, in einem früheren Artikel auf diese wichtige und bedeutsame Erscheinung hinzuwer>en, habe auch manchen der obengenannten Einzetwerke eine gebührende, ihrem inneren Werte zukommende Beurteilung geoen lassen — nicht immer freilich war es möglich, den geeigneten Rezensenten zu finden —. Hier sei nochmals auf die bisherigen Veröffentlichungen hingewiesen als auf ein Zeugnis einer systematisch begonnenen, verständnisvoll und gründlich gestalteten Zusammenarbeit tüchtiger Gelehrter, die von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe durchdrungen sind und denen die Fähigkeit eignet. Gediegenes und Bleibendes zu schaffen. 11. Während die meisten dieser Werke den Mitgliedern der Gesellchaft zu einem erheblich billigeren Preise als den übrigen .Käufern geliefert werden, sind ihnen kostenlos & Philippsons „Gesammelte Schriften" überlassen worden und werden ihnen folgende periodische Erscheinungen ohne Nachzahlung zur Verfügung gestellt: die „Veröffenllichungen des Gefämtarchivs der deutschen Juden", das „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur" und die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Das sind drei Erscheinungen, die nicht bloß für die Fachleute Interesse haben, sondern auch für den großen Kreis Ungelehrter Bedeutung haben fottten. Das erste Werk, das allerdings im Kriege e,ne Unterbrechung erlitten hat, bringt Urkunden und Darstellungen, die einen weiten Leserkreis mühelos in die Vergangenheit einführen. Das zweite ist durch seinen vielseitigen Inhalt: politische und literarische Uebersichten, populär-wissenschaftliche Abhandlungen theologischen, geschichtlichen Inhalts und Novellen der allgemeinen Beachtung wert und ohne gelehrte Vorkenntnijse verständlich. Die dritte wendet sich zwar in erster Linie an gelehrte Leser, enthält aber mitunter, leider nicht so häufig, wie man wünschen möchte, auch Beiträge, die den ungelehrten Leser m die Probleme der Wissenschaft des Judentums einführen urd ihm die Möglichkeit gewähren, den Bemühungen der Forscher zu folgen und eine Einführung in die Entwicklung des Wissengevietes zu erlangen. Schon aus diesem Grunde verdient die Gesellschaft Teilnahme und Unterstützung der weitesten Kreise. Aber noch aus einem anderen. Große wissenschastliche Ziele können nur erreicht werden durch bedeutende Geldmittel. Hochdenkende Verleger, welche die Wissenschaft des Judentums zu fördern geneigt sind oder die den Willen und die Kraft haben, den eifrigen Arbeitern auch einen entsprechenden Lohn zu gewähren, gibt es in Deutschland wenig oder gar nicht. Deswegen ist es gerade Pflicht der vermögenden Glaubensgenossen, die ja, wie man aus der Spendenliste der Kaiser- Wilhelms-Gesellschaft ersieht, nicht selten sind, einzutreten. Gerade sie sollten es als ein schönes Vorrecht, ja als eine heilige Ehrenpflicht betrachten, ihrer Vergangenheit gedenkend und aus die Zukunft Rücksicht nehmend, als Vormünder und Pfleger eines Stiefkindes, der Wissenschaft des Judentums, einzutreten. Der Bestand unserer Glaubensgemeinschaft hängt davon ab, daß das Wissen vom Judentum und seinem Wesen verbreitet wird. Nur wer die Schönheit der hebräischen Sprache kennt und die herrlichen in ihr geschriebenen Werke sich zu eigen machen kann, nur wer mit der Geschichte der Juden vei> traut ist, mit ihren Leiden und ihren Großtaten, nur wer seine Glaubenslehren, voll in sich ausgenommen hat, kann ein wahrer Bekenner sein und andere in ihrem Bekenntnis kräftigen und weiterführen. Zu solcher Tätigkeit geben die Schriften. der Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaft des Judentums ein reiches und vielseitiges Material. Darum ist es unbedingt notwendig, daß diese Gesellchaft aufs tatkräftigste unterstützt werde. Nur dann kann sie ihre Tätigkeit ausdehnen, nur dann die von ihr herausgegebenen Schriften in Massen verbreiten, den Unbemittelten womöglich unentgeltlich zuführen. Darum ist es froh zu begrüßen, daß ein . angesehener, eifriger Privatmann in Berlin, Herr M. Wolfsohn, der seine propagandistische Tätigkeit schon mehrfach mit Erfolg ausgeübt hat, dabei selbst ein ungelehrter, aber ein bildungseisriger Mann, für diese gelehrte Gesellschaft wirbt und wirkt. In diesem Bemühen hat er in Berlin und anderwärts schöne Erfolge davongetragen. Diese seine Wirksamkeit vielen bekanntzugeben, ist Zweck dieser Zeilen. Unsere dringende Bitte ergeht daher an alle Leserdieser weitverbreiteten Zeitung, sich mit dem genannten: Herrn M. Wolfsohn, Berlin W 50, Augsburger Straße 63, in Verbindung zu setzen, ihm ihre Bereitwillige feit zu erklären, entweder Mitglieder mit dem gewöhnlichen Beitrage (8 Mark) oder lieber mit einem höheren, oder Mllglieder auf Lebenszeit oder Stifter zu werden; denn die bisherige Zahl der Beitragenden ist verhältnismäßig noch sehr gering. Stifter und immerwährende Mitglieder gibt eS nahezu 100, zahlende Mitglieder in Deutschland und Oesterreich — denn die in den neutralen Ländern sind gering und die im feindlichen Ausland kommen jetzt und für lange Zeit nicht in Betracht — im ganzen nur 761, und zwar verteilen sich diese Mitglieder auf Berlin 300, Frankfurt a. M. 100, Breslau 50, Wien 48, München und Budapest je 40, Hamburg 36, Köln 24, Prag 22, Posen 18, Leipzig 16, Wiesbaden 14, Königsberg und Straßburg 11, Nürnberg 10. In dieser Zusammenstellung, die ich dem Sekretariat der Gesellschaft verdanke, fehlen diejenigen Orte, in denen nur vereinzelte Mitglieder vorhanden sind, wie Dresden, Augsburg, Danzig, Bromberg, Es fehlen die unzähligen kleineren Städte, aber auch alte, ehrwürdige Gemeinden, in denen gar manche leben, die einen Sinn für jüdisches Wissen und damit für den Bestand des Judentums besitzen: Lehrer, Vorsteher, wackere Käufleute. Möge jeder aus dieser Schar unseren Aufruf als an sich gerichtet betrachten. Es beeile sich «in jeder, wenn er es noch nicht ist, Mitglied der Gesellschaft zu werden; es bemühe sich jedes Mitglied, mindestens noch einen Genossen zu werben. In den Städten aber, in denen noch wenige unserer Schar angehören, ergreife ein Mutiger die Initiative, um die Anzahl der Förderer zu vergrößern. Es sollte ein jeder bedenken, daß Wissen Macht ist, daß in der Zukunft, in der uns gewaltige Kämpfe bevorstehen, ein jeder ausgerüstet sein muß mit gründlicher Kenntnis unserer Lehren, unserer Geschichte, um dem Ansturm der Gegner widerstehen zu können. Es handelt sich nicht um Vermehrung der Mittel für einen fernstehenden, gelehrten Zweck, sondern es geht ums eigene geistige Leben, um den Bestand der Glaubensgemeinschaft. Sage keiner unter unseren vermögenden Kausleuten und ungelehrten Laien, daß wissenschastliche Zwecke ihm fern lägen, sondern bedenke jeder, daß seine und seiner Kinder Zukunft in Frage steht! Darum mögen sich alle beeifern, die Reihe der jüdischen Feste zu schließen und zu krönen durch ihre Unterstützung der „Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaft des Judentums" und damit erwirken eine Stärkung der Freude an der Lehre!