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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-27 · Heft 39 (27.9.1918) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
Seite 459 (sequence 3)
Language
German
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-- 45g mächtnisse, Geschenke, Stiftungen große Summen zugcflossen sind, noch gewaltiger, sehr erheblicher Mittel. Denn sobald einigermaßen ruhige Zustände eingetreten sind, müssen zwei LehrMhle-. von denen der eine seit längerer Zeit vakant ist, der andere erst jetzt frei geworden ist, neu Gesetzt, mindestens einer, womöglich zwei, neu geschaffen werden; es bedarf ferner großer Mittel, um die Reliktenfürsorge für die Hinterbliebenen der Dozenten sicherzustellen. So wichtig alle diese Ausgaben auch find, so nahe ich ihr persönlich stehe, der ich seit Jahren dem Kuratorium angehöre^ und so hochgeehrt ich durch die mir zuteil gewordene Ernennung zum immerwährenden Ehrenmitgliede auch bin — nicht dieser Anstalt, so dringend ich sie auch der tatkräftigen Förderung meiner Leser empfehle, gilt dieser Aufruf. Und auch von der jüdischen Akademie will ich hier nicht sprechen. Ich halte sie, wie ich schon mehrfach an dieser Stelle auseinandergesetzt habe, für verfrüht: man errichtet kein Dach, bevor das Gebäude aufgeführt ist. Die jüdische Akademie, für die Gelder gesammelt werden und für die, wie ich höre, reichliche Summen bereits gezeichnet oder sogar eingezahlt sind, kann nicht dazu bestimmt sein, Akademiker zu erhalten — denn es dürfte schwer sein, solche zu nennen, die es wirklich verdienten, von ihrem Amte entbunden und zu geruhigem Dienst der Wissenschaft freigemacht zu werden —, sondern ihr Zweck würde sein, Akademiker, heranzubilden. Ein solcher Zweck ist gewiß löblich, ihm entgegenzutreten wäre bedenklich, aber ihn zu unterstützen vermag ich nicht. Der Mahnruf, den ich hier ertönen lasse, zur würdigen Feier oder Nachfeier des Festes „Freude an der Lehre", ist der zur Unterstützung der Gesellschaft zur Beförderung de.r Wissenschaft des Judentums. Sie ist nicht an eine Stadt gebunden, wie die Lehranstalten von Berlin und Breslau — obgleich diese nicht, wie Kurzsichtige meinen, bloß von diesen Städten zu unterhalten sind, sondern von allen, weil sie ja für alle zu sorgen haben —, sie liefert im Gegensatz zu den rein lehrenden Körperschaften allen Beitragenden etwas durch ihre Zeitschrift und ihre Schriften; sie wäre imstande ihnen noch viel mehr zu leisten. Dies soll im folgenden, nach einer kurzen Uebersicht ihrer bisherigen Wirksamkeit, zu zeigen versucht werden. Die Gesellschaft ist im Jahre 1902 begründet worden, wirkt also nun seit 16 Jahren. Sie hat in dieser kurzen Zeit 49 Schriften herausgegeben oder unterstützt. Unter diesen Veröffentlichungen, deren vollständige Aufzählung ich vermeide, befinden sich viele kleine Schriften: Gedächtnisreden, Broschüren, darunter die ausgezeichnete, vergriffene Arbeit von L. Baeck: „Das Wesen des Judentums." Wie diese Arbeit sich an die weitesten Kreise richtet und gerade bei Ungelehrten Beachtung gesunden hat, so sind andere durchaus populär gehalten, wie I, Eschelbacher: „Das Judentum im Urteil der Protestantischen Theologie", I. Gnttmann: ,Iant und das Judentum", Perles: „Jüdische Skizzen", Steckelmacher: „Randbemerkungen zu Sombart, ,Die Juden und das Wirtschaftsleben'", T. Herford: „Das pharisäische Judentum", H. Cohen: „Ueber die religiöse Bewegung der Gegenwart". Äuch die gehaltvollen, mannigfach anregenden gesammelten Schriften von D. Kaufmann und H. Steinthal, den Neudruck von A. Geiger: „Das Judentum und seine Geschichte", darf man trotz vieler einzelner gelehrten Bemerkungen zu diesen im edelsten Sinne populär zu nennenden Schriften rechnen. In der Reihe der gemeinverständlichen Schriften verdienen auch die Sammlungen einen Platz, die zu Ehren der Geburtstage von Guttmann und Philippson erschienen sind. Steckt auch in ihnen viel gelehrte Einzelarbeit, die nur den Fachleuten genießbar erscheint, so ist in 'beiden Werken manch unterhaltender und anregender Aufsatz zu finden und manche Studie, die auch ohne gelehrte Vorbildung verständlich rst. Auf diese Festschriften ist aber noch aus einem anderen Grunde hinzuweisen. Gelehrte Gesellschaften können keine Ehrengaben und keine Auszeichnungen verteilen. Die einzige, freilich auch schönste Ehrung, die sie gewähren können, besteht in einer solchen Sammlung von Einzelaufsätzen, zu der sich Freunde und Verehrer der Jubilare vereinigen. Zu den größeren Werken gehört in erster Linie ein großartiger „Grundriß der Wissenschaft des Judentums". Von den Werken, die Bestandteile dieses Grundrisses bilden sollen, sind folgende erschienen — ich zähle sie auf, nach alphabetischer Ordnung, ohne etwa durch die Reihenfolge ihren Wert bestimmen zu wollen: G. Cäro: „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden" Band I (ein zweiter Band, nach den hinterlassenen Vorarbeiten des im jugendlichen Alter verstorbenen Verfassers, ist im Druck); I. Elbogen: „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung"; M. Güdemann: „Jüdische Apologetik"; das hochbedeutende, von vielen Schriftstellern herrührende, von I. Guttmann geleitete Sammelwerk: «Moses ben Maimon, sein Leben, seine Werke und seine Zeit", von dem bisher ein Band erschienen ist; K. Köhler: ,,Grundriß einer systematischen Theologie des Judentums aus geschichtlicher Grundlage"; S. Krauß: „Talmudische Archäologie", drei gewaltige Bände, die nie von einem noch so opsermutigen Verleger hätten gewagt werden können, für die vielmehr das Eintreten einer Gesellschaft nötig war. Ed. Mahlers wichtiges Werk „Chronologie"; N. Müller: „Die jüdische Katakombe am Monteverde in Rom"; M. Philippson: „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes" (drei Bände, vollständig). Dazu kommen mehrere geschichtliche Einzelschriften. Die Arbeit der Gesellschaft ist damit aber keineswegs abgeschlossen. Jeder Kenner kann sich selbst sagen, daß das gewaltige Gebiet der jüdischen Philosophie in den bislang erschienenen Werken kaum gestreift ist — eine bedeutsame Arbeit von H. Cohen liegt im Manuskript vor — und daß umfassende Darstellungen und Forschungen über jüdische Geschichte des Altertums, Mittelalters und der Neuzeit, daß zusammenhängende Auseinandersetzungen über jüdische Literatur vermißt werden. Man glaube nicht, daß die Gesellschaft achtlos an diesen wichtigen und nötigen Ausgaben vorübergegangen ist. Vielmehr sind die Vorarbeiten zu einem gewaltigen Corpus tannaitieum, einer auf breitester Grundlage ruhenden, nur mit Heranziehung und Vergleichung der Handschriften und alten Drucke möglichen kritischen Ausgabe der Mischna und Baraitha seit vielen Jahren unter Bereitstellung großer Mittel von verschiedenen Fachmännern unter sachkundiger Leitung eifrig gefördert, aber infolge der Schwierigkeit des Unternehmens, der Ungunst der Zeiten, welche die Benutzung der im Auslande, namentlich in England und Italien, ruhenden Handschriften verbieten, noch nicht zum Abschluß gelangt. Wenn daher auch diese umfangreiche Sammlung noch lange nicht herauskommen kann, so ist doch manches an den Tag getreten, das in den Kreis dieser Forschungen gehört: die Ausgabe des Sifre, herausgegeben von Horowitz, und das Fragment des Sifra, herausgegeben von Friedmann und Porges. Vor allem ist zu diesen Arbeiten die Germania Judaica zu rechnen, ein alphabetisches Verzeichnis aller deutschen Orte, an denen Juden wohnten, in gründlicher quellenmäßiger Behandlung, mit kurzen Hinweffen auf die politische, ökonomische und geistige Entwicklung der Juden zunächst für die Zeit des Mittelalters. Der Laie, der das bisher einzig erschienene schmale Bändchen zur Hand nimmt, macht sich keinen Begriff davon, welch unendliche Arbeit vieler, welche Umsicht und

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