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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-20 · Heft 38 (20.9.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 leidender ohne Unterschied! des Geschlechtes und der Konfeslsion, welche in Mrnberg und den einverleibten Vororten ihren Wohnsitz haben und sich in keiner Wohltätigkeitsanstalt befinden. — „Stud. jur. Gunzenhäusersche Stiftung für Kriegsbeschädigte und« Waisen" mit dem Sitze in Nürnberg, errichtet von der Stadtgemeinde Nürnberg durch Stiftungsurkunde vom 20. Mürz 1918 mit einem aus dem Nachlaß des am 81. Januar 1918 verstorbenen Stud. jur. F r a n z G u n Z e n h ü u s e r in Nürnberg stamnienden Kapital von 25 000 Mark. Zweck der Stiftung ist nach den näheren Bestimmungen der SLiftungsurkunde Unterstützung würdiger und bedürftiger nach Nürnberg zuständiger Teilnehmer deS gegenwärtigen Krieges oihne Unterschied der Konfession, die Arme oder Beine verloren haben, wobei Invalide, die in der 5. Batterie des Bayerischen R-eserve-Fußartillerie-RegiimentS Nr. 3 den gegenwärtigen Krieg mitgemacht haben, vorzugsberechtigt sein sollen; späterhin Unterstützung würdiger und bedürftiger Waisenkinder aus Nürnberg. M.-Gladbach, 13. September. Der a ch t z i g st e Geburtstag des allverehrten Vorsitzenden unseres Gemeindevorstandes, Herrn I. B. Jona s, gestaltete sich zu einer wirklichen Gemeindeseier. Der greise Jubilar, der in allen Kreisen unserer Gemeinde und in der ganzen Stadt größte Verehrung genießt, erfreut sich vollkommener geistiger und körperlicher Frische. Seit 43 Jahren sitzt Herr Jonas in unserer Stadtverordnetenversammlung, seit mehr als vier Jahrzehnten wirkt er im Vorstande unserer jüdischen Gemeinde, in dem er seit vielen Jahren das Amt des Vorsitzenden bekleidet. Der im Jahre 1882 erfolgte Neubau unserer Synagoge ist auf die Initiative unseres verdienten Vorsitzenden zurückzuführen. Der Jubilar wurde an seinem Ehrentage von zahlreichen Gratulanten, darunter Vertretern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, beglückwünscht. Von den Vertretern unserer jüdischen Gemeinde wurde deni verdienstvollen Manne als Grundstock zu einer Stiftung ein Betrag von 37 000 Mark überreicht, der von den jüdischen Gemeindemitgliedern aus Anlaß des achtzigsten Geburtstages des Vorsitzenden gesammelt worden ist. Die Stiftung soll „I. - B. - Jonas -Stiftung" heißen. Die Zinsen sind zur Förderung begabter Kinder bestimmt. In bewundernswerter geistiger und körperlicher Frische nahm der alte Herr alle Ehrungen entgegen, um auf jede einzelne Ansprache, freudig erregt, in der ihm eigenen gewandten Weise zu antworten. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, sich noch viele Jahre seiner bisherigen Rüstigkeit zu erfreuen. er. a* M., 13. September. In der Unterlindausynagoge fand am Samstag vor Roschhaschana eine Jubiläumsfeier aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens statt. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. H o r o w i tz , 'der in treffenden Worten zum Ausdruck brachte, wie innig das religiöse Leben der Juden allezeit mit dem Gotteshaus verknüpft war. Gleichzeitig mit dem Gotteshaus beging auch der an demselben wirkende Kantor sein 25jähriges Dienstjiibilämn. Seit 25 Jahren waltet Herr P. Klibanskh feines Amtes al-S Kantor und Vorbeter, und er hat sich in dieser Zeit durch vorzügliche Leistungen und künstlerische Vortragsweiis'e sowohl als auch durch sein persönliches liebenswürdiges Wesen die herzliche Zuneigung und Freundschaft aller Besucher erworben. Ein äußeres Kennzeichen dafür waren die Adressen und Ehrengaben, die ihm an seinem Jubiläumstage überreicht wurden. 22 Frankfurt a. M., 13. September. Das Krankenhaus der israelitischen Gemeinde veranstaltete wie alljährlich seit Kriegsausbruch für eine Anzahl verwundeter und kranker Soldaten in Begleitung des Inspektors, der Rechnungsführer, einiger Sylvestern und Angestellten kürzlich einen Ausflug nach der Saalburg. Die Straßenbahnsahrt ging nach Homburg und von da aus durch den frischen Wald nach der Saal bürg. Nach kurzem Rasten wurde das Römerkastell besichtigt und trafen sich die Beteiligten dann zu einem gemütlichen Beisammensein im Restaurant. Sergeant Funk dankte den Veranstaltern des Ausflugs und gab seiner Freude Ausdruck, daß den Verwundeten einige frohe Stunden bereitet wurden. Inspektor Ah re ns erwiderte in treffenden Worten, daß die Verwaltung bei Ermöglichung des Ausflugs nur einer Dankesschuld genügen wollte all denen, die ihr ganzes Sein dem Dienste des Vaterlandes gewidmet haben. Dann ging es noch.auf den „Fröhlichen Mannskopf". Nach dem Kaffee wurde der Rückweg nach Hornburg angetreten, worauf in bester Stimmung, 'lustige Lieder singend, die Rückfahrt nach Frankfurt erfolgte. Gksterrrich-Anggru» r. Lemberg, 13. Sept. Die hiesige Kultusgemeind>e hat vor kurzem durch den plötzlich erfolgten Hingang des allgemein geschätzten Räbbinatsassessors, zuletzt Rabbinerstellvertreters, Meschul e m S a l a t einen schweren, für absehbare Zeiten unersetzlichen Verlust erlitten. Er war der edelste Typus des jüdischen Rabbiners, ein Manu von gar seltener sittlicher Größe und ungewöhnlichem Seelenadel, der tiefe talmudi'sche Gelehrsamkeit und glühende Liebe zum Judentum mit toleranter Gesinnung und feinem Verständnis für die Forderungen und Probleme der Gegenwart in sich vereinigte, mit einem Worte ein würdiger Sohn des unvergeßlichen Rabbi Ire Wolf Salat. Ter Verewigte oblag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend seinem Berufe in idealster Weise. Seine Tür stand für jedermann offen, der in schwerer Lebenslage eines guten, weisen Rates bedurfte; wann imrner der Ruf an ihn erging, in einer wichtigen jüdischen Sache mitzutuu, da konnte man von vornherein auf seine treue Mitarbeit rechnen. Unvergeßlich bleibt insbesondere seine aufopferungsvolle Wirksamkeit während der feindlichen Jnvasionszeit. Dagegen vermißte man ihn dort, wo es galt, Ehre und Verdienst einzuheimsen, und es war vielleicht der einzige Fehler dieses edlen Menschen, dessen Wandel so rein und lauter dasteht, daß er infolge allzu, großer Bescheidenheit rächt jene Stellung erlangte, die seinen hervorragenden Fähigkeiten und geistigen Vorzügen entsprochen hätte. Aufrichtig und herzlich war daher die Teil^ nähme der jüdischen Bevölkerung der Stadt und Umgebung an diesem Trauerfalle. Viele Tausende umstanden tiefbewegt das Trauerhans und geleiteten die teure Hülle bis auf den Gottesacker. Vor allen größeren Synagogen wurde haltgemacht: vor der vorstädtischen Synagoge hielt Rabbiner Brau d e seinem treuen Mitarbeiter, selbst tief ergriffen, einen Hesped, vor der Synagoge „Kowea Jttim" sprach der Rabbiner v. Jaryczow, vor der Friedhofssynagoge entwarf Rabbiner Dr. G'Uttmann ein treues Lebensbild des Verewigten, dann sprach namens der Kultusgemeinde der stellvertretende Regierungskommissar Dr. W <* ff er und als letzter der Rabbiner von Wielkie, Oczy. Unter den Trauergästen befanden sich nebst unzähligen -Orthodoxen -auch viele Vertreter der jüdischen Intelligenz, so die Universitätsprosessoren Dr. Alle rh and und Dr. Schor r , Gemeindernt Dr. D i a m a n d, die Mitglieder der jüdischen Gememderepräsentanz, die Feldrabbiner H e r s k o v i t s und Dr. H a u s n e r , Sekretär Dr. Korkis, Schulrat Professor Mandel, u. a. Die Sonne neigte sich ihrem Untergange, als die ersten Schollen aus den Sarg dieses edlen Gottesgeleh.rten fielen,' der dank seiner Tugenden ebenso wie sein Vater in der Legende der Gemeinde sortleben wird. Polen. Z. Warschau, 13. September. In einer der letzten Sitzungen des polnischen Staatsrates haben zwei jüdische Mitglieder desselben, der Asstmilant Eiger und der Orthodoxe Moses Pfeffer, Erklärungen abgegeben, die unter der jüdischen Bevölkerung zu erregten Auseinandersetzungen führten. Aus der Tagesordnung stand die Frage der allgemeinen Bildung. Der jüdische Abgeordnete Pril u tz k y erwiderte auf eine Rede des Bildungsministers, daß das von ihm verteidigte Gesetz des Schulzwanges für die jüdische Bevölkerung Unheil stiften müsse, falls nicht gleichzeitig den Juden eine nationale Schule gewährt werde. Er wies auf das Beispiel der Deutschen hin, die nur 4 Prozent der Bevölkerung ausmachen und bereits eine Schelle mit deutscher Unterrichtssprache Anerkannt erhielten. Prilutzky fragte, warum die jüdische Bevölkerung, die 15 Prozent der Gesamtbevölkerung dar stellt, dieses Rechtes beraubt werden solle. An Stelle einer Antwort des Ministers auf diese Frage des jüdischen Vertreters vernahm das Haus .eine Erklärung des Asstmilanten Eiger. Prilutzky, führte er aus, der eine Schule mit jüdischer Unterrichtssprache verlange, habe kein Recht, im Namen des polnischen Gesamtjudentums zu sprechen. „Polen kann nur ein Nationalstaat werden und darf kein Attentat auf die polnische Kultur tolerieren . . . Das orthodoxe Judentum, das 70 Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmacht, verneint die Forderung Prilutzkhs und erstrebt eine Volksschule mit polnischer Unterrichtssprache." Prilutzky versuchte das Haus darauf aufmerksam zu machen, daß Eiger, der von niemand gewühlt, sondern nominiert wurde, nur im Namen eines Häufleins assimilierter Juden sprechen kann. Der Vorsitzende erklärte aber die Debatte für geschlossen und ging zur Tagesordnung über. Als im Verlaus der Sitzung das Wohnungsmieterschuhgesetz zur Sprache kam und

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